Schwefel Fluor  Brom Argon
 
 Chlor                                                17Cl
 engl. chlorine; griech. chlorós ("gelbgrün")
 
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Relat. Atommasse   
Ordnungszahl    
Schmelzpunkt    
Siedepunkt    
Oxidationszahlen     
Dichte       
Elektronegativität    
Elektronenkonfig.   
Natürl. Häufigkeit  
  
  
 
35,453    
17    
-100,98° C    
-34,06 °C    
7, 5, 3, 1, -1    
3,214 g/l    
3,16 (Pauling)      
[Ne]3s23p5   
Cl-35: 75,76%   
Cl-37: 24,24% 
  
 
 
 
      
 
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27 sek
Aus Kaliumpermanganat und konzentrierter Salzsäure lässt sich das gelbgrüne Chlorgas herstellen.
    
GHS-Piktogramme  
 Gefahr
Gefahren (H-Sätze)  
H 280, 315, 319, 331, 335, 400 
Chlor sollte an Schulen nicht hergestellt und auch nicht aufbewahrt werden.
CAS-Nummer  
  
7482-50-5 
  
 
 
 
Physikalisch-chemische Eigenschaften
Chlor ist ein stark stechend riechendes, gelbgrünes Gas, seine Dichte ist 2,5mal höher als Luft. Bei Zimmertemperatur liegt das Gas wie alle anderen Halogene in Form zweiatomiger Moleküle vor (Cl2). Chlor bleicht Farbstoffe und tötet Mikroorganismen wie Algen oder Bakterien ab 
  
  
 Chlorgas bleicht eine Nelke
 
 
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 Legt man eine rote Nelke in Chlorgas, wird der Farbstoff zerstört.
 
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Ein Liter Wasser löst bei 20°C etwa 2,3 Liter Chlorgas. Die 0,5%-ige Lösung von Chlor in Wasser nennt man Chlorwasser, sie wird als Oxidationsmittel verwendet. Sie muss in braunen Flaschen aufbewahrt werden, da die in der Lösung vorhandene unterchlorige Säure in Salzsäure und Sauerstoff zerfällt. Bei -34,06°C lässt sich Chlor zu einer gelben Flüssigkeit verflüssigen, bei -100,98°C erstarrt es zu gelblichen Kristallen.  
 
 
 Flüssiges Chlor
 
 
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 Flüssiges Chlor in einer Ampulle
 
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Chlor ist nach Fluor das reaktionsfähigste nichtmetallische Element und reagiert bei Zimmertemperatur mit den meisten Elementen unter Wärmeentwicklung. Mit allen Alkalimetallen und Erdalkalimetallen erfolgt eine heftige Reaktion. Mit Natrium bildet sich unter heller, gelblicher Lichterscheinung Natriumchlorid, mit Eisen entsteht Eisenchlorid.  
    
2 Na  +  Cl2   2 NaCl      DHR = -822 kJ/mol 
2 Fe  +  3 Cl2   2 FeCl3      DHR = -800 kJ/mol 
  
 
 Chlor reagiert mit Eisenwolle und mit Natrium
 
 
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 Bei der Reaktion von Chlor mit Eisenwolle entsteht ein brauner Rauch. (links)
Bei der Reaktion mit Natrium tritt ein helles Leuchten auf. (rechts)
 
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Phosphor, Bor und Silicium entzünden sich in Chlorgas von selbst. Dies gilt auch für einige andere Metalle oder Halbmetalle wie Arsen und Selen in fein verteiltem Zustand. Selbst die Edelmetalle Platin, Gold und Silber bilden nach Erwärmen mit Chlor die entsprechenden Chloride. In Verbindung mit Feuchtigkeit hat Chlor ein stark korrodierende Wirkung auf alle Metalle. Ein Wasserstoff-Chlorgemisch im Verhältnis 1:1 wird als Chlorknallgas bezeichnet, da es unter Lichteinwirkung heftig detoniert. Als Reaktionsprodukt entsteht dabei in einer stark exothermen Reaktion Chlorwasserstoff (Salzsäuregas):   
  
H2  +  Cl2   2 HCl      DHR = -184 kJ/mol 
  
  
 Chlor reagiert mit Wasserstoff
 
 
 
 
Wasserstoff verbrennt in Chlor mit einer weißlichen Flamme. Ein stöchiometrisches Gemisch
aus Wasserstoff und Chlor reagiert explosiv nach der Aktivierung durch ein Elektronenblitzgerät.
 
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Physiologie - Toxikologie 
Chloridionen  Cl- sind im menschlichen Körper im Kochsalz enthalten. Zusammen mit den Natriumionen regulieren sie den Wasserhaushalt im Körper. Die verdünnte Salzsäure im Magen besitzt eine Konzentration von 0,1 bis 0,5 %, auch dort finden sich die Chlorid-Ionen. Das Bioelement wird über das Speisesalz aufgenommen. 
  
  
Bioelemente im menschlichen Körper
  
 
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Auf tierisches und pflanzliches Gewebe wirkt Chlor stark zerstörend. Luft, die 0,5-1% Chlorgas enthält, wirkt auf Säugetiere und Menschen rasch tödlich. Selbst ein Chlorgehalt der Luft von 0,001% greift die Lungen schwer an. Eine Vergiftung beginnt mit schwerem, lang anhaltendem Husten. Die Membranen und das Muskelgewebe der Lunge werden geschädigt. Ein lebensbedrohliches Lungenödem kann entstehen. Bei höheren Konzentrationen bilden sich auch Blutungen im Magen-Darm-Bereich, sowie Gewebeschädigungen im Bereich der Luftröhre und in den Bronchien. Die chronische Wirkung begünstigt Bronchialerkrankungen. Bei einer dauerhaften Belastung treten Magenschleimhautentzündungen, Nervenschäden oder Kreislaufbeschwerden auf. Bei Personen, die häufig in einer Chloratmosphäre arbeiten - beispielsweise in Bädern - besteht die Gefahr von allergischen Reaktionen. 

Chlorgas kann aber auch über die Haut aufgenommen werden. Beim Baden in chlorhaltigem Wasser können Entzündungen an der Bindehaut oder der Hornhaut auftreten. Bei der Chlorakne reagieren bestimmte Menschen besonders empflindlich auf Chlor. Es entstehen Knötchen und Blasen, verbunden mit einem Brennen und Stechen. Beim Arbeiten in einer chlorhaltigen Atmosphäre kann die "Perna-Krankheit" entstehen: Unter starkem Juckreiz entzünden sich die Talgdrüsen unter der Haut.  
  
Mit Chlor gebleichte Faserstoffe (Papiertaschentücher oder Toilettenpapier) enthalten Rückstände, die Krebs erzeugen können. Schon beim Bleichen selbst werden umweltbelastende Gifte erzeugt. Außerdem setzen sie nach der Entsorgung auf Mülldeponien wieder schädliche Stoffe frei. Daher sollten chlorgebleichte Produkte gemieden werden.

  
Vorkommen 
In der Elementhäufigkeit steht Chlor mit 0,19% Anteil an der Erdhülle an 11. Stelle. Wegen seiner großen Reaktionsfähigkeit kommt es im elementaren Zustand jedoch in der Natur außer in einigen Vulkangasen praktisch nicht vor. Chloratome sind aber in Salzen (Chloride) in Salzlagerstätten oder im Meerwasser in großen Mengen vorhanden. Wichtige Salzminerale sind Halit (Natriumchlorid) oder Sylvin (Kaliumchlorid).   
   
  
 Steinsalz aus Neuhof-Ellers/Deutschland
 
 
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 Steinsalz (Halit) ist aus Natriumchlorid aufgebaut.
 
 
Geschichte 
Chlor wurde im Jahre 1774 erstmals von dem schwedischen Chemiker Carl Wilhelm Scheele (1742-1786) beim Einwirken von Salzsäure auf Braunstein (Mangandioxid) hergestellt. Er vertrat jedoch die Ansicht, eine chemische Verbindung vor sich zu haben und nannte sie "dephlogistierte Salzsäure". Scheele beschrieb auch die Bleichwirkung des Chlors. Erst Sir Humphry Davy (1778-1829) erkannte im Jahre 1810 das Chlorgas als Element und nannte es Chlorine, bzw. Cloricgas von griechisch chlorós ("gelbgrün").   
   
  
 Die Pioniere bei der Entdeckung des Chlors
 
 
 
 
 
 Scheele (links) entdeckte das Chlor, Davy (rechts) erkannte es als Element.
 
 
Am Ende des 18. Jahrhunderts kamen die ersten chlorhaltigen Bleichlaugen in den Handel. Dies war lange Zeit die wichtigste Verwendung für dieses Gas. Michael Faraday (1791-1867) verflüssigte im Jahre 1823 als erster Chlorgas. Von 1886 bis 1890 entwickelte die Firma Matthes & Weber in Duisburg ein industrielles Verfahren zur elektrolytischen Herstellung von Chlor nach dem Diaphragmaverfahren. 1892 folgte in den USA und in Österreich das Amalgamverfahren. Somit war es möglich, Chlor in großen Mengen zu produzieren. 
  
Eine traurige Geschichte schrieb das Gas bei seiner Verwendung als Kampfmittel im Ersten Weltkrieg. Am 22. April 1915 öffneten die deutschen Truppen unter der Aufsicht von Fritz Haber (1868-1934) tausende Chlorgasflaschen, als der Wind in eine günstige Richtung wehte. Die Stahlflaschen waren zuvor an vorderster Front im Boden vergraben worden. Eine Wolke mit etwa 150 Tonnen Chlor wälzte sich auf einer Breite von 6km über die Schützengräben der Franzosen. Nach einem anfänglichen Kratzen in Nase und Kehle, folgten Husten und starke Atembeschwerden. Die Soldaten spuckten Blut, bevor sie flüchten konnten oder in ihren Schützengräben grauenvoll erstickten. Über die Zahl der Verletzten und Vergifteten gab es widersprüchliche Angaben, die Zahlen schwanken von nur wenigen bis zu mehreren tausend Opfern. Da das Chlorgas nicht die gewünschte Wirkung zeigte, mischte man bei späteren Angriffen Phosgen bei.
  
Herstellung     
Im Labor lässt sich Chlor durch das Zusammenwirken von konzentrierter Salzsäure und einem Oxidationsmittel wie Braunstein oder Kaliumpermanganat herstellen. Die Sauerstoffatome des Oxidationsmittels wirken dabei prinzipiell nach folgender Reaktion:   
  
4 HCl  +  2 O2   2 H2O  +  2 Cl2    
  
In der Technik gewinnt man das Chlor in der Chloralkalielektrolyse nach dem Amalgam- oder dem Diaphragma-Verfahren.   
   
  
 Chlorgewinnung nach dem Amalgamverfahren
 
 
 
 
 
 
 
 Bei der Elektrolyse von Natriumchlorid entsteht am Pluspol Chlor, am Minuspol Natrium.
 
  
Verwendung 
Chlor ist ein wichtiges Zwischenprodukt zur Herstellung zahlreicher anorganischer und organischer Verbindungen. Dazu gehören Salzsäure, sämtliche Chloride wie Eisenchlorid, Natriumchlorid oder Silberchlorid, außerdem Chlorkalk, Chlormethan, Chlorbenzole, Phosgen, Polyvinylchlorid (PVC), Chloroform, Tetrachlormethan, viele Insektizide und Zwischenprodukte für Farbstoffe, sowie die ozonzerstörenden CFKW (Chlorfluorkohlenwasserstoffe) als Treibgase für Sprays, in Feuerlöschern und in Kältemitteln. Ferner dient Chlorgas in Schwimmbädern und im Trinkwasser zur Desinfektion und wird zum Bleichen von Papier, Zellstoffen und Textilien verwendet.   
   
Javellewasser (auch Eau de Javelle) ist eine Lösung von Natriumhypochlorit oder Kaliumhypochlorit in Wasser. Man erhält es durch das Vermischen von Chlorkalk mit Wasser und einer nachfolgenden Zugabe von Natriumcarbonat (Soda). Eine andere Möglichkeit wäre das Einleiten von Chlorgas in eine 10%ige Sodalösung. Javellewasser ist ein altes Haushaltsmittel zum Bleichen, zum Entfernen von Obst-, Wein- oder Tintenflecken und es dient zur Desinfektion, da es stark keimtötend wirkt. Da das Produkt immer in geringen Mengen giftiges Chlorgas freisetzt, muss die fest verschlossene Flasche im Dunkeln und in einem abgeschlossenen Schrank aufbewahrt werden. Beim Arbeiten ist für eine ausreichende Lüftung zu sorgen. Das Tragen von Schutzbrille und Schutzhandschuhe ist empfehlenswert. Eine besondere Gefahr geht vom Javellewasser aus, wenn es mit Säuren – beispielsweise aus anderen Reinigungsmitteln – vermischt wird. Dann entwickelt sich Chlorgas. 
  
 
 Die Chemie des Chlors
 
 
 
 Aus Chlor lassen sich tausende von chemischen Verbindungen herstellen.
 
 
Experimente - Medien  
Entwicklung der Kampfstoffe unter Fritz Haber 
Demonstrationen mit Halogenen 
Digitale Folien zu den Halogenen
 
 
Chlorverbindungen im Portrait
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Chlor-
wasserstoff
 
Phosgen
 
 
 
 
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