zur Chemie-Homepage
zu den Chemiereferaten
Technisch wichtige
Elektrolysen
Referat von Jens Weber (jemawemo@aol.com)
Grafiken: Thomas Seilnacht
Inhalt:
1. Die Herstellung von Chlor
und Natronlauge:
a)
Amalgam-Verfahren
b)
Diaphragma-Verfahren
2. Die Herstellung von Natrium
und Chlor: Schmelzflusselektrolyse (Downs-Verfahren)
3. Die Herstellung von Aluminium:
Schmelzflusselektrolyse
4. Die Herstellung von Kupfer:
Kupferraffination
1.
Die Herstellung von Chlor und Natronlauge (Chloralkalielektrolyse)
Die Chloralkalielektrolyse ist eine bedeutende
Methode zur Herstellung von dem sehr reaktionsfähigen Element Chlor,
das in der Natur nicht im elementaren Zustand vorkommt. Es wird bei der
Chloralkalielektrolyse aus einer Alkalichlorid-Lösung hergestellt.
Außerdem entsteht dabei Natronlauge.
Es gibt eine ganze Reihe von technischen
Verfahren, wobei Steinsalz (Natriumchlorid)
verwendet wird und die Elektrolyse einer konzentrierten Natriumchloridlösung
(ca. 27%-ige Sole) das Grundprinzip ist. Die beiden bekanntesten Verfahren
sind das Quecksilber-Verfahren (Amalgam-Verfahren) und das Diaphragma-Verfahren.
Die Erklärungen der Namen ergeben sich aus den Versuchsanordnungen.
a) Das Quecksilber-Verfahren
(Amalgam-Verfahren)
Bei dem Amalgam-Verfahren arbeitet man
mit einer Quecksilberkathode: Das Quecksilber
fließt ständig als breites Band über den Boden der Elektrolysezelle.
Am Quecksilber scheidet sich Natrium
ab, das sich mit dem Quecksilber zu der Legierung Natriumamalgam (NaHg)
umsetzt. An der Anode werden Chlorid-Ionen
entladen, wobei sich elementares Chlor
bildet. Das Natriumamalgam wird in eine zweite Wanne geleitet, wo es mit
Wasser zersetzt wird. Dabei bilden sich Wasserstoff
und konzentrierte Natronlauge:
2NaHg + 2H2O -----> 2NaOH +
H2 + 2Hg
Es entsteht reine, chloridfreie Natronlauge,
woraus auch festes Natriumhydroxid
gewonnen werden kann. Das Quecksilber wird wieder in die Elektrolysezelle
zurückgeleitet. Daneben fallen die Gase Chlor
und Wasserstoff an. Heute arbeiten
weltweit etwa zwei Drittel aller Chloralkali-Elektrolyseanlagen mit dem
Amalgam-Verfahren.
Reaktionsgleichungen:
Kathode (-):
2Na+ + 2e- -----> 2Na
(mit Hg bildet sich NaHg)
Folgereaktion:
2Na + 2H2O -----> 2Na+ + 2OH-
+ H2
Anode (+):
2Cl- -----> Cl2 + 2e-
Gesamtreaktion:
2Na+ + 2Cl- + 2H2O
-----> 2Na+ + 2OH- +
H2 + Cl2
Aufgrund der Stellung in der Spannungsreihe
wäre zu erwarten, dass an der Kathode Wasserstoff und nicht Natrium
abgeschieden wird. Dies wird dadurch verhindert, dass die Natriumchloridlösung
durch Zusatz bestimmter Stoffe (NaOH, Na2CO3) alkalisch
gemacht wird: Im Alkalischen ist das Redoxpotential von Wasserstoff stark
negativ. Zusammen mit der Überspannung von Wasserstoff an Quecksilber
hat dies zur Folge, dass sich Natrium leichter abscheidet als Wasserstoff.
Vorteile des Amalgam-Verfahrens:
Ein wesentlicher Vorteil des Quecksilber-Verfahrens
gegenüber dem Diaphragma- und dem Downs-Verfahren besteht darin, dass
die Natronlauge getrennt von der Natriumchloridlösung erzeugt wird.
So entsteht eine sehr reine und hoch konzentrierte Lauge.
Nachteile:
Ein gewisser Nachteil ist darin zu sehen,
dass mit dem Abfluss aus der Amalgamerzeugungszelle zwangsläufig Quecksilber
oder Quecksilberverbindungen mitgeführt werden. Da diese sehr giftig
sind und ein Umweltrisiko darstellen, müssen sie unter hohem Kostenaufwand
aus den Elektrolytabwässern entfernt werden.
b) Das Diaphragma-Verfahren
Zur technischen Darstellung von Chlor
elektrolysiert man seit 1892 wässrige Lösungen von Natriumchlorid.
Außer Chlor entstehen dabei noch Wasserstoff
und Natronlauge, was gewisse Probleme für die Verwendung der zwangsläufig
miteinander gekoppelten drei Elektrolyseprodukte aufwirft. Es muss bei
der Chloralkali-Elektrolyse verhindert werden, dass die kathodisch durch
Entladung der Wasserstoff-Ionen des Wassers neben Wasserstoff gebildete
Lauge (OH-) mit dem anodisch durch Entladung
der Chloridionen des Natriumchlorids gebildeten Chlor in Berührung
kommt. Ansonsten würde nach der Gleichung 2OH-
+Cl2 ---> OCl- + Cl-
+ H2O unter gleichzeitiger Rückbildung von Chlorid Hypochlorit
entstehen, bzw. der Wasserstoff mit dem Chlor ein Chlorknallgas-Gemisch
ergeben. Man erreicht dies in hohem Maße mit der Trennung von Kathoden-
und Anodenraum durch eine poröse Scheidewand.
Der Kathodenvorgang des Diaphragma-Verfahrens
besteht in einer Entladung der durch Dissoziation des Wassers gebildeten
Wasserstoffionen, der Anodenvorgang in einer Entladung der aus der Dissoziation
des Natriumchlorids stammenden Chloridionen. Die nicht entladenen Natrium-
und Hydroxidionen bleiben in der Lösung als Natriumhydroxid zurück.
Als Kathoden dienen Stahlelektroden, als Anoden Elektroden aus Graphit
oder aktiviertem Titan. Das Diaphragma besteht aus feinporigem Asbest.
Der Wasserstoff setzt sich an der Kathode ab, das Chlor an der Anode. Die
Natriumionen gelangen durch das Diaphragma in den Kathodenraum und bilden
dort mit den OH--Ionen etwa 15%-ige Natronlauge,
die in einem weiteren Prozess auf 50% eingedampft wird.
Reaktionsgleichungen:
Anode (+):
2NaCl -----> 2Na+ + 2Cl-
2Cl-
-----> Cl2 + 2e- |
Kathode (-):
2H2O
-----> 2H+ + 2OH-
2H+ + 2e-
-----> H2 |
| 2NaCl -----> 2Na+ + Cl2
+ 2e- |
2H2O + 2e-
-----> 2OH- + H2 |
Gesamtvorgang: 2NaCl + 2H2O
-----> 2NaOH + Cl2 + H2
Vorteile des Diaphragma-Verfahrens:
Das entstehende Chlor
ist sehr rein. Der Energieaufwand je kg Chlor beträgt etwa 3 kWh und
ist damit etwas geringer als beim Amalgam-Verfahren (3,5 kWh/kg Chlor).
Außerdem können Hypochlorite und Chlorate hergestellt werden.
Nachteile:
Die entstehende Natronlauge ist relativ
verdünnt und mit Natriumchlorid verunreinigt. Daher ist eine nachfolgende
Salzabtrennung und ein Eindampfen der Natronlauge notwendig.
2.
Die Herstellung von Natrium und Chlor: Schmelzflusselektrolyse (Downs-Verfahren)
Das Alkalimetall Natrium
wird heute hauptsächlich durch eine Schmelzflusselektrolyse eines
Gemisches von etwa 30% Natriumchlorid (NaCl) mit 25% Calciumchlorid (CaCl2)
und 45% Bariumchlorid (BaCl2)
als Flussmittel hergestellt. Die Badtemperatur beträgt etwa 600°C
, die Elektrolyse erfolgt bei 6-7 Volt und bei Stromstärken von mehr
als 40000 Ampere. Zur Verhinderung der Rückreaktion von Natrium und
Chlor ist die Eisenkathode durch feine Drahtnetze aus Stahl von der übrigen
Zelle getrennt.
Das sich an der Kathode abscheidende flüssige
Natrium steigt nach oben und sammelt sich in einer Rinne, von wo es über
ein eisernes Steigrohr kontinuierlich abfließt. Das an der Graphitanode
gebildete Chlor sammelt sich unter
einer darüberliegenden Glocke und wird daraus abgesaugt. Zur Herstellung
von einer Tonne Natrium werden etwa 2,6 Tonnen Salz und ca. 10000 kWh an
Energieaufwand benötigt.
Reaktionsgleichungen:
Kathode (-): 2Na+ +
2e- -----> 2Na
Anode (+):
2Cl- ----->
Cl2 + 2e-
Gesamtreaktion: 2NaCl -----> 2Na
+ Cl2
3.
Die Herstellung von Aluminium (Schmelzflusselektrolyse)
Aluminium
ist das Metall, das in der Erdrinde chemisch gebunden am häufigsten
vorkommt und aufgrund seiner Eigenschaften ein sehr wichtiger Werkstoff
ist. In der Natur findet man es aber hauptsächlich in Form oxidischer
Verbindungen, z.B. Bauxit (Aluminiumoxid).
Bauxit als wichtigstes Aluminiumerz wird
zuerst von Verunreinigungen (z.B. Eisenoxide
und Siliciumdioxid) gereinigt, so dass man reine Tonerde, bzw. Aluminiumoxid
(Al2O3) erhält. Aufgrund des hohen Schmelzpunktes
von Aluminiumoxid (>2000°C) werden die Fluorverbindungen
Kryolith (Na3AlF6) und AlF3 zugesetzt,
so dass der Schmelzpunkt des Gemisches auf ca. 950°C herabgesetzt wird.
An der Kathode, der Kohleauskleidung der
eisernen Elektrolysierwanne entsteht geschmolzenes Aluminium von hoher
Reinheit (99,5-99,8%). Das Aluminium sinkt aufgrund seiner größeren
Dichte nach unten und wird von Zeit zu Zeit abgestochen und zu Barren gegossen.
An den Graphitelektroden entsteht Sauerstoff, der mit dem Graphit zu Kohlenstoffdioxid
und Kohlenstoffmonoxid weiter reagiert:
C + O2 -----> CO2
CO2 + C -----> 2CO
Dadurch werden die Graphitelektroden mit
der Zeit zerfressen. Man verwendet lange Graphitstäbe, die ständig
tiefer in die Schmelze hineingeschoben werden. Das Verfahren eignet sich
zur kontinuierlichen Aluminiumproduktion. Mit ähnlichen Verfahren
lassen sich auch Metalle wie Kalium,
Calcium oder Magnesium
herstellen.
Reaktionsgleichungen:
Kathodische Reduktion:
4Al3+ + 12e- ----->
4Al
Anodische Oxidation:
6O2-
-----> 3O2 + 12 e-
Gesamtreaktion:
2Al2O3 ----->
4Al + 3O2
Vorteile des Verfahrens:
Durch den großen Energieaufwand
entsteht so viel überschüssige Energie, dass man die Außenwände
des Aluminiumbades nicht erhitzen muss, um das Bad flüssig zu halten.
Nachteile:
Das zur Herabsetzung des Schmelzpunktes
beigesetzte Kryolith ist ein sehr seltenes Mineral, das durch Auflösen
von Tonerde und Soda in Flusssäure hergestellt wird: Zur Herstellung
von einer Tonne Aluminium werden 4-5 Tonnen Bauxit, 0,6 Tonnen Kohlenstoff
(Anodenmaterial), 0,06 Tonnen Kryolith und 0,03 Tonnen AlF3
benötigt. Der Energieaufwand beträgt 151,2 MWh für die Erzreinigung,
bzw. zur Herstellung der reinen Tonerde und 15,5 MWh für die endotherme
Reaktion der Elektrolyse.
Ein weiterer Nachteil besteht darin, dass
die Abgase neben dem Treibhausgas CO2
und dem giftigen CO sehr aggressive und umweltgefährliche Fluorverbindungen
und Fluorwasserstoff enthalten. Daher müssen zusätzliche Abluft-Filteranlagen
gebaut werden. Aus diesen Gründen ist eine Wiederverwertung von Aluminiumabfällen
rentabel.
4.
Die Herstellung von Kupfer (Kupferraffination)
Kupfer
kommt in der Natur als gediegenes Metall vor, das in Nordamerika, in Chile
und in Australien zu finden ist. Im gebundenen Zustand kennen wir es als
Erz in Form von Sulfiden (z.B. Covellin und Buntkupferkies),
Oxiden (z.B. Cuprit), Carbonaten (z.B. Malachit
und Azurit), Chloriden und Arseniden. Besonders reiche Lager an Kupfererzen
finden sich in den USA, in Kanada, in Russland, in Chile, im Kongogebiet
und in Simbabwe.
Die Kupfererze besitzen einen relativ
geringen Kupfergehalt, daher müssen sie durch Flotation (Schwimmaufbereitung)
angereichert werden: Dabei werden die zermahlenen Erze mit Wasser verrührt.
Metallsulfide und Metalloxide stoßen Wasser ab, während die
Gesteine der Gangart (Quarz, Silicate) leicht benetzt werden. Durch Zugabe
eines Schaums werden die schweren Erzteilchen an die Wasseroberfläche
transportiert und können abgeschöpft werden (Näheres siehe
unter Titandioxid).
Das gereinigte Erz wird in mehreren Schritten
in Röstöfen zuerst zu Kupferoxid oxidiert, das dann mit Kupfersulfid
(aus dem Erz) zu unreinem Garkupfer reduziert wird, welches einen Reinheitsgrad
von etwa 98,5% besitzt. Für eine ganze Reihe von Produktionsbereichen,
z.B. für die Elektroindustrie reicht jedoch die Reinheit von Garkupfer
nicht aus.
Bei der elektrolytischen Kupferraffination
hängt man Elektrodenplatten aus Garkupfer als Anoden in eine angesäuerte
Kupfersulfatlösung. Als Kathoden dienen dünne Bleche aus Reinkupfer:
Die Elektrolyse wird in großen Elektrolysierwannen,
in denen einige hundert Elektroden hintereinandergeschaltet sind, bei Spannungen
von 0,4 - 1 Volt durchgeführt. Dabei laufen folgende Prozesse ab:
An der Anode erfolgt eine Oxidation
des Kupfers und aller unedleren Metalle, so dass die Kupferionen (Cu2+)
und unedleren Metallionen (Zn2+) in Lösung gehen. Verunreinigungen
aus edleren Metallen, die ein deutlich größeres Normalpotential
(U0) als Kupfer besitzen, werden zwar nicht oxidiert,
fallen aber, da sich die Garkupferelektrode auflöst, als sogenannter
Anodenschlamm zu Boden.
An der Kathode werden diejenigen Kationen
der Lösung reduziert (Cu2+),
die das größte Bestreben dazu haben, d.h. die das größte
Normalpotential (U0) besitzen. Das reine Kupfer scheidet
sich an der Kathode ab, während alle unedleren Metallionen wie Eisen-,
Zink- und Bleiionen in Lösung bleiben.
Reaktionsgleichungen:
Anodische Oxidation:
Cu (unrein) -----> Cu2+ + 2e-
Kathodische Reduktion: Cu2+
+ 2e- -----> Cu (rein)
Vorteile des Verfahrens:
Der Anodenschlamm bildet ein wertvolles
Nebenprodukt. Aus ihm werden in den Kupferhütten durch weitere Aufarbeitung
größere Mengen reines Silber,
Gold und Platin
gewonnen. Das sehr reine, metallische Kupfer ist sehr weich, aber sehr
zäh, schmiedbar und dehnbar.
Nachteile:
Das Verfahren ist sehr kostspielig und
energieaufwendig: Der Energiebedarf für die Herstellung von einer
Tonne Reinkupfer beträgt etwa 250 kWh.
Literaturquellen:
Lehrbuch der Chemie - anorganische und
allgemeine Chemie, Verlag Moritz Diesterweg
H.
H. Binder: Lexikon der chem. Elemente