Beryllium  Periodensystem Aluminium Kohlenstoff
 
Bor engl. boron                                        5B
nach dem Vorkommen im Borax und seiner Ähnlichkeit zu Kohlenstoff: bor(ax + carb)on
  
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Das schwarzgraue, beta-rhomboedrische Bor 
ist eine von fünf Modifikationen des Bors
relat. Atommasse:   
Ordnungszahl:  
Schmelzpunkt:   
Siedepunkt:      
Oxidationszahlen:   
Dichte:   
Härte (Mohs):   
Elektronegativität:  
Atomradius:   
Elektronenkonfig.:  
natürl. Häufigkeit:  
   
*)  
   
 
10,811   
  
2075 °C   
4000 °C   
  
2,35 g/cm³  
ca. 10   
2,04 (Pauling)   
79,5 pm   
[He]2s22p1  
B-10  19,9%  
B-11  80,1%  

   
 

 
*) Die physikalischen Daten beziehen sich auf die b-rhomboedrische Modifikation, die atomaren Daten auf Boratome
 
Eigenschaften:   
Bor ist sehr hitzebeständig, besitzt eine geringe Dichte und sehr hohe Schmelz- und Siedetemperaturen. Bor ist nach dem Kohlenstoff (Diamant) das zweithärteste aller Elemente. Bei 20°C ist seine elektrische Leitfähigkeit gering, sie steigt aber beim Erwärmen stark an. Bei 600°C ist sie hundert mal höher als bei Raumtemperatur. Neben der schwarzen, undurchsichtigen, amorphen Form kommen vier weitere, kristalline Modifikationen vor:  
  • a-rhomboedrisches Bor (rot, durchscheinend)
  • b-rhomboedrisches Bor (schwarz-grau glänzend)
  • a-tetragonales Bor (schwarz)
  • b-tetragonales Bor (rot)
In allen kristallinen Modifikationen sind die Boratome in B12-Ikosaedern angeordnet. Ein solches Kristall kann man sich als Zwanzigflächner vorstellen:  
   
 
  
B12-Ikosaeder des a-rhomboedrischen Bors 
 
 
Die stabilste Form ist das b-rhomboedrische Bor, das man durch das Erhitzen von amorphem Bor und bei höheren Temperaturen (1200°C) auch aus a-rhomboedrischem Bor erhalten kann.   
   
Bor ist relativ unedel, aber bei Zimmertemperatur nicht sehr reaktionsfähig. Seine Reaktionsfähigkeit nimmt mit Zunahme der Temperatur stark zu. Das amorphe Bor entzündet sich an der Luft bei ca. 700°C und verbrennt mir rötlicher Flamme zu Bor(III)-oxid:  
  
4 B  +  3 O2  ----->  2 B2O3   DHR = -2548 kJ/mol  
  
Bei höheren Temperaturen reagiert Bor mit Stickstoff, Chlor, Brom und Schwefel. Heiße, konzentrierte Salpetersäure oxidiert Bor leicht zu Borsäure. In Gegenwart von Luft entstehen mit alkalischen Schmelzen die entsprechenden Alkaliborate. Bor und seine Salze färben die Brennerflamme in der Flammprobe grün. Vermischt man Borsäure mit Methanol, bildet sich Borsäuretrimethylester, der die Flamme beim Verbrennen des Methanols grün färbt. 
 
 
Vorkommen:   
Mit einem Massenanteil von 0,0016% in der Erdhülle steht Bor an 37. Stelle der Elementhäufigkeit in der Erdhülle. In der Natur kommt Bor nicht elementar vor. Die wichtigsten Borminerale sind Borsäure und ihre Salze wie Borax (Natriumtetraborat) oder Ulexit. Die Borminerale kommen teilweise in mächtigen Lagerstätten vor. Sie finden sich in der Türkei, in den USA (Kalifornien und Nevada), in den GUS-Staaten, in Argentinien, Chile, Italien (Toscana), China und Tibet. Andere Borquellen stellen die boraxhaltigen Solen des Searles See in Kalifornien oder das borathaltige Wasser des Indersees in Kasachstan dar.  

Der Edelstein Turmalin enthält Borsilicate mit unterschiedlicher Zusammensetzung. Er kommt in einer großen Farben- und Formenvielfalt vor:  
   

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Zweifarbiger Turmalin (Elbait) aus Stak Nala/Pakistan 
   
 
 
Geschichtliches:   
Bor in unreiner Form wurde fast gleichzeitig von mehreren Chemikern im Jahre 1808 hergestellt. Die französischen Chemiker Joseph-Louis Gay-Lussac (1778-1850) und Louis Jacques Thénard (1777-1857) erhielten es durch eine Reduktion von Bortrioxid (B2O3) mit Kalium. Sir Humphry Davy in London stellte es durch eine Elektrolyse von Borsäure dar. Davy nannte das neue Element zunächst "Boracium", was später auf "boron" verkürzt wurde (s.o.). Das chemische Symbol "B" für Bor schlug J.J. Berzelius im Jahre 1814 vor. Die Herstellung von hochreinem Bor gelang dem amerikanischen Chemiker W. Weintraub im Jahre 1909 durch die Reduktion von Bortrioxid mit Wasserstoff im Lichtbogen.   
   
  
 
Die Entdecker des Bors:
Joseph Gay-Lussac, Louis Jacques Thénard und Sir Humphry Davy (von links)
 
 
 
Herstellung:   
Zur Herstellung von Bor sind je nach der gewünschten Reinheit des Produktes verschiedene Verfahren von Bedeutung. Stark verunreinigtes, amorphes Bor kann man durch Reduktion von Bor(III)-oxid mit Magnesium erhalten:  
  
B2O3  +  3 Mg  ----->  2 B  +  3 MgO   DHR = -533 kJ  
  
Als Reduktionsmittel würden sich auch Lithium, Natrium, Calcium, Aluminium oder Eisen eignen, als Ausgangsstoff im Schullabor auch Borsäure und Magnesiumpulver. Eine nachfolgende Reinigung erfolgt mit Wasserstoff unter Luftabschluss bei 2200°C. Durch die Reaktion von Bor(III)-chlorid mit Zink bei 900°C erhält man kristallines Bor mit einem Reinheitsgrad von ca. 96%.  
  
 
Im Schullabor durch Reduktion von Borsäure mit Magnesium erhaltenes amorphes Bor 
  
  
Bei der Schmelzflusselektrolyse eines Gemisches von Kaliumfluoroborat (KBF4), Bor(III)-oxid (B2O3), Kaliumchlorid (KCl) und Kaliumfluorid (KF) bei ca. 900°C sammelt sich an der Eisen-Kathode 99%iges Bor. Als Anode dient der Schmelztiegel aus Graphit.  

Will man die verschiedenen Bormodifikationen herstellen, greift man auf die Umsetzung von Bor(III)-Halogeniden (BBr3, BCl3) mit Wasserstoff an Wolfram- oder Tantaldrähten zurück. Unterhalb von 1000°C entsteht amorphes Bor, zwischen 1000 und 1200°C bilden sich die alpha- und beta-rhomboedrischen Modifikationen und oberhalb von 1200°C erhält man tetragonales Bor. Dieses Verfahren liefert sehr reines Bor mit einem Reinheitsgrad von 99,9%:  
  
2 BBr3  +  3 H2  ----->  2 B  +  6 HBr   DHR = + 262 kJ  
  
Das reinste Bor liefert die Thermolyse von Diboran (B2H6) bei 650-800°C an Wolfram- oder Tantalflächen:  
  
B2H6  ----->  2 B  +  3 H2   DHR = -36kJ 
 

 
Verwendung:   
Kristallines Bor in hoher Reinheit (über 99,99%) wird in elektronischen Halbleitern und Bauteilen verwendet. Faserförmige Haarkristalle von kristallinem Bor eignen sich zur Faserverstärkung von Kunststoffen und Leichtmetallen im Flugzeugbau und in der Raumfahrt. Amorphes Bor dient als Zusatz in Feuerwerksgemischen oder in festen Raketentreibstoffen. Die Legierung mit Eisen (Ferrobor) ermöglicht die Herstellung von Stählen großer Härte. Diese Legierungen kommen zusammen mit dem B-10 Isotop auch als Neutronenfänger in Kernreaktoren zum Einsatz. Mit Kohlenstoff erhält man Borcarbid (Härte 9,3), mit Aluminium Quadratisches Bor (Bordiamant), die beide wegen ihrer großen Härte als Schleifmittel und für Verschleißteile z.B. in Sandstrahldüsen eingesetzt werden. Von technischer Bedeutung sind auch die Borverbindungen Borsäure und Natriumtetraborat (Borax). 
 
 
 
 Copyright: Thomas Seilnacht