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Chemieunfälle
mit Halogenen
Bericht von Thomas
Seilnacht über authentische Fälle, > Text
als pdf
Bromunfall im Chemieunterricht
(4. Oktober 2005) Nach
einem Chemieunfall in einer Gesamtschule in Bad Schwalbach/Taunus sind
zwei 14jährige Schülerinnen und ihr 54jähriger Chemielehrer
mit Atembeschwerden in das Krankenhaus eingeliefert worden.
Nach Angaben der Polizei
Wiesbaden war bei der Vorbereitung eines Experiments im Chemieraum im Beisein
von 25 Schülerinnen und Schülern eine Flasche mit 100ml Brom
umgefallen und zerbrochen. Die giftigen Bromdämpfe verbreiteten sich
im Raum. Die Freiwillige Feuerwehr aus Bad Schwalbach rückte an und
räumte zunächst die Schule. Der betroffene Fachraum wurde entlüftet
und danach versiegelt. Die beiden 14jährigen Schülerinnen hatten
ihren Sitzplatz in der ersten Reihe und litten an Atembeschwerden. Sie
wurden zusammen mit ihrem Lehrer in das Krankenhaus eingeliefert. Der Notarzt
stellte bei 15 weiteren Personen leichte Atembeschwerden fest. Er empfahl
Ihnen, den Hausarzt aufzusuchen. Bromunfälle gehören zu den häufigsten
Unfällen im Chemieunterricht.
Fluorunfall an der ETH
Zürich
(8. September 2005) Bei
der Eidgenössischen Technischen Hochschule im Züricher Stadtteil
Höngg trat in einem Labor eine unbekannte Menge an Fluor aus einem
Druckbehälter aus. Die Ursache dafür konnte nicht geklärt
werden. Der Zwischenfall fand im ersten Untergeschoss des Hochschulgebäudes
statt.
Ein 49jähriger Chemielaborant
und ein 32jähriger chinesischer Doktorant befanden sich in dem betroffenen
Labor. Der Laborant reagierte richtig, er eilte sofort aus dem Labor und
sorgte dafür, dass keine weiteren Personen das Labor betreten konnten.
Die beiden Betroffenen wurden zur Vorsorge in ein Spital gebracht. Die
alarmierten Rettungskräfte ordneten keine Evakuierungen an, da offenbar
nur geringe Mengen ausgetreten waren und das Fluor aufgrund der hohen Reaktionsfähigkeit
sofort mit dem Luftsauerstoff reagierte. Trotzdem hatte der Einsatz höchste
Priorität, da Fluorgas beim Einatmen schwerste Verletzungen der Atemwege
verursacht. Eine Fluorvergiftung beginnt mit Schwellungen der Mundschleimhaut
und Reizungen der Augen. Es folgen Erbrechen, Atemstörungen, Lungenödem
und Atemstillstand.
Giftiges Brom aus Hallenbad
ausgetreten: Alarm in Basel
(20. Januar 2005) Am
Donnerstagabend trat aus einem Hallenbad in Basel giftiges Brom aus. Zwei
Anwohner wurden mit leichten Reizungen der Atemwege in das Spital gebracht.
Die Polizei und die Behörden
lösten kurz nach 19 Uhr Alarm aus, nachdem Anwohner den stechenden
Geruch bemerkten. Die Einsatzzentrale der Kantonspolizei Basel reagierte
auf den Chemieunfall: Neben Feuerwehr und Sanität forderte sie den
Kantonschemiker und einen speziellen Messtrupp an. Mehrere Wohnungen wurden
evakuiert. Das Brom war aufgrund eines technischen Defektes in der Wasseraufbereitungsanlage
ausgetreten. Die Feuerwehr versiegelte den defekten Behälter. Bereits
um 22 Uhr konnten die betroffenen Anwohner wieder in ihre Wohnungen zurückkehren.
In der Schweiz wird in vielen Bädern dem Wasser Brom zugesetzt, um
Bakterien und Krankheitserreger abzutöten.
Zug in den USA verunglückt:
Sieben Tote durch Giftgaswolke
(6. Januar 2005) Ein
mit Chlorgas beladener Güterzug prallte an der Grenze zwischen den
Bundesstaaten South Carolina und Georgia auf mehrere, freistehende Waggons.
Dabei schlugen die Waggons des Güterzugs leck, so dass Chlor austrat.
Die giftige Gaswolke tötete
sieben Menschen, der Lokführer starb durch den Aufprall. 5400 Anwohner
des Ortes Granitville wurden evakuiert. Mehr als 240 Menschen erlitten
Atemwegsverletzungen, acht von ihnen befanden sich einige Zeit im kritischen
Zustand. Der Unfall ereignete sich am frühen Morgen um 2.30 Uhr Ortszeit.
Bis zum Abend konnten die Waggons nicht versiegelt werden, so dass immer
noch Chlorgas austrat. Es wurde befürchtet, das Gas könnte sich
in Bodennähe festsetzen und weitere Menschen gefährden. Die 16jährige
Nastasia musste mit 70 weiteren Anwohnern die Nacht in der Universität
verbringen. „Es riecht wie im Schwimmbad, aber viel stärker“, berichtete
sie einem Reporter.
Chlorgasunfall im Essener
Freibad mit 69 Verletzten
(5. August 2004) In einem
Essener Freibad ereignete sich am Donnerstagabend ein schwerer Zwischenfall.
Nach einer erhöhten Chlorkonzentration in einem Schwimmbecken litten
69 Badegäste an Atemnot oder mussten sich übergeben, 47 Personen
wurden ins Krankenhaus gebracht.
Ein Augenzeuge berichtete
im Westdeutschen Rundfunk (WDR), dass plötzlich „so grünes Zeug
in das Wasser strömte“. Danach bekam er keine Luft mehr und viele
Badegäste litten unter schwerer Atemnot. Die Bademeister reagierten
zunächst nur zögerlich. Erst nachdem viele Kinder aus dem Becken
stiegen und sich übergaben, alarmierten sie die Rettungsdienste. Die
Symptome der Chlorvergiftung zeigten sich in Atembeschwerden, Husten, Hautreizungen
und heftigem Augenjucken.
Die Polizei und die Feuerwehr
evakuierten das gesamte Schwimmbad. Auch das Gelände um das Freibad
herum wurde abgesperrt. Zum Zeitpunkt des Unfalles hielten sich mehrere
tausend Personen im Schwimmbad auf. Bei der Evakuierung traten Panik und
chaotische Szenen auf. Nach Angaben der Polizei waren die Verletzten zwischen
zwei und 75 Jahren alt. Ein technisches Versagen der Anlagen wird ausgeschlossen.
Vermutlich kam es zu einer fehlerhaften Handhabung der Chloranlage. Der
Schwimmmeister verweigerte zunächst jede Aussage. Eine erhöhte
Chlorgaskonzentration in der Luft konnte nicht festgestellt werden. Auch
ein Leck bei der Anlage wird ausgeschlossen. Das Chlor wird in Schwimmbädern
zur Desinfektion des Wassers beigesetzt.