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Ratschläge zur Entsorgung von Chemikalien an Schulen
 
Die Schule und der Chemieunterricht ist Vorbild für das verantwortungsbewusste Verhalten der Schüler und Schülerinnen und die sachgerechte Entsorgung von gefährlichen Stoffen. Tips zur Chemikalienentsorgung im Haushalt entnehmen Sie bitte der Seite "Chemie im Haushalt" aus dem Umweltlexikon. Vor dem Beginn jedes Experimentes muss von den Beteiligten geklärt werden, welche Abfälle und Reste entstehen und wie diese gefahrlos entsorgt werden können. Das Aufstellen von Sammelbehältern ist gesetzlich vorgeschrieben. Im Schullabor und im Unterricht gelten folgende Grundregeln:
 
Mit besonders gefährlichen Stoffen, die die Gesundheit der Beteiligten oder die Stoffkreisläufe in der Natur gefährden, sollte an den Schulen nicht mehr gearbeitet werden. Dies gilt insbesondere für sehr giftige, krebserzeugende, fruchtschädigende oder erbgutverändernde Stoffe (vgl. Kap. Gifte in Natur und Umwelt). Werden kleine Mengen dieser Stoffe trotzdem verarbeitet, sind die Versuche in jedem Fall im Abzug durchzuführen. Schülerexperimente mit derartigen Stoffen sind zu vermeiden. Für viele Gefahrstoffe stehen oft harmlosere Ersatzstoffe zur Verfügung, z.B. das Lösungsmittel Hexan, statt Tetrachlorkohlenstoff oder Toluol.
 
Die Menge an Stoffabfällen ist möglichst gering zu halten. Es gilt: Gerade soviel einsetzen, dass der Effekt aus dem Experiment gerade noch deutlich sichtbar ist.
 
Stoffe, die in der Natur nicht abbaubar sind, müssen in Behältern gesammelt werden. Säuren und Laugen können durch gegenseitige Neutralisation vernichtet werden. Für die Schule empfiehlt sich ein Entsorgungskonzept mit vier getrennten Sammelbehältern. Die Grafiken können als Druckvorlagen für die Etikette verwendet werden:
  
Gefäß 1: Flüssige organische Abfälle ohne Halogene
Gefäß 2: Flüssige organische Abfälle mit Halogenen
Gefäß 3: feste organische Abfälle
Gefäß 4: Anorganische Abfälle mit Schwermetallen
 
 
Dabei ist zu überlegen, ob halogenhaltige organische Stoffe oder Versuche, bei denen solche Stoffe entstehen, in der Schule überhaupt eingesetzt werden (vgl. Halogenkohlenwasserstoffe). Die Behälter müssen bei einem Entsorgungsunternehmen abgegeben werden. Die Sammelbehälter werden in einem Schrank verschlossen und an einem kühlen und dunklen Ort aufbewahrt. Eine Ablüftung des Schrankes sollte gewährleistet sein.
 
Leider finden sich an vielen Schulen noch aus alten Beständen problematische Stoffe, die mit besonderer Vorsicht entsorgt werden müssen. Beispiele:
 
Brom
Kalium
Quecksilber
weißer Phosphor
 
Ammoniumdichromat (explosionsgefährlich mit weniger als 15% Wasseranteil, krebserzeugend)
Mit Wasser anfeuchten und im Originalbehälter einem Entsorgungsunternehmen abgeben.
 
Brom (bildet sehr giftige Dämpfe)
Mit Wasser verdünnen und mit Natriumthiosulfat zu Bromid reduzieren.
 
Calciumcarbid (bildet mit Wasser hochentzündliches Ethin)
Reste im Abzug vorsichtig mit Wasser versetzen und das entstehende Ethin laufend mit dem Brenner abfackeln. Die anfallende Kalkmilch mit verdünnter Schwefelsäure neutralisieren, den entstehenden Gips filtrieren. Das Filtrat kann in das Abwasser, der Rückstand in den Hausmüll gegeben werden.

Flusssäure (wirkt sehr stark ätzend und ist äußerst giftig, unbedingt vollständige Schutzkleidung tragen: Gesichtsvollschutz, Laborkittel, Gummimantel, intakte Handschuhe aus Fluorkunststoff)
Nach der folgenden Vorschrift könnte man Flusssäure vernichten: Sie wird mit Wasser verdünnt, dann gibt man Natriumhydrogencarbonat zur Neutralisation zu und anschließend wird mit Calciumhydroxid zu Calciumfluorid ausgefällt. Das Produkt kann im Gefäß 4 entsorgt werden. Allerdings ist es eher empfehlenswert, das Vernichten von Flusssäure einem Experten zu überlassen. Gelangen Spritzer auf die Haut, besteht Lebensgefahr, auch wenn nach dem schnellen Abwaschen vorläufig keine Symptome auftreten.

Kaliumchlorat (altes Kaliumchlorat ist oft verunreinigt und daher stark explosionsgefährlich!)
Reste werden in Wasser gelöst, danach mit verdünnter Salzsäure angesäuert und mit Eisen- oder Zinkpulver zu Kaliumchlorid reduziert. Nach Umsetzung mit Natronlauge wird die Schwermetalllösung im Gefäß 4 entsorgt.
 
Kaliumdichromat und Kaliumchromat (beide krebserzeugend)
Mit Wasser anfeuchten und im Originalbehälter einem Entsorgungsunternehmen abgeben. Chromate könnten auch mit Natriumhydrogensulfitlösung (bei pH=2) zu den weniger gefährlichen Chrom(III)-salzen umgewandelt werden (2 Stunden warten). 

Kaliumcyanid (sehr giftig, Gefahr der Freisetzung hochgiftiger Blausäuredämpfe!)
Lösungen der Cyanide dürfen auf gar keinen Fall mit Säuren in Berührung kommen. Die Lösung wird auf pH=11 eingestellt und mit Kupfersulfat als Katalysator versetzt. Danach tropft man im Abzug tropfenweise 30%ige Wasserstoffperoxidlösung hinzu und belässt die Lösung für mindestens zwei Stunden. Dann erfolgt die Entsorgung im Gefäß 4. So könnte man das Cyanid vernichten, allerdings überlässt man die Entsorgung am besten einem Experten.
 
Kaliumpermanganat (sehr giftig für Wasserorganismen!)
Anfeuchten und dicht in geschlossenem Behälter aufbewahren. Dem Sondermüll mit der Kennzeichnung "brandfördernd" zuführen.
 
altes Natrium und Kalium (Bildung exlosionsfähiger Gasgemische bei Kontakt mit Wasser)
Kleine Mengen in größere Portionen Brennspiritus geben, bei Kalium Butanol verwenden, 3 Tage stehen lassen, dann am besten einem Entsorgungsunternehmen abgeben.
 
Perchlorsäure (kann im trockenen Zustand beim Erhitzen explodieren)
Anfeuchten und in einem geschlossenem Behälter mit der Kennzeichnung "brandfördernd" dem Sondermüll zuführen.
 
weißer Phosphor (sehr giftig, dies gilt auch für das Absperrwasser, selbstentzündlich an der Luft)
Im Absperrwasser und einem sicher schließenden Gefäß einem Entsorgungsunternehmen abgeben; kleine Mengen können auch mit Ethanol zusammen verbrannt werden. Geräte, die mit weißem Phosphor in Berührung kamen, ausglühen und sorgfältig verbrennen, Glasgeräte mit Kaliumpermanganat spülen.

Pikrinsäure (stark explosionsgefährlich mit weniger als 23% Wasseranteil)
Mit Wasser anfeuchten und im Originalbehälter mit Beschriftung ("Pikrinsäure angefeuchtet") einem Entsorgungsunternehmen abgeben.
 
Quecksilber (sehr giftig, vor allem die Dämpfe)
Verschüttetes Quecksilber sorgfältig sammeln (z.B. mit Pipette oder Silberdraht mit Öse), dies gilt auch bei zerbrochenen Quecksilberthermometern; mit Quecksilber darf nur über einer Schale oder einem dichten Tablett gearbeitet werden; Reste von Quecksilber oder seinen Salzen dürfen keinesfalls in den Müll oder in den Abfluss gegeben werden, dies gilt auch für Batterien; sie müssen gesondert gesammelt und einem Entsorgungsunternehmen abgegeben werden. Die Zugabe eines quecksilberbindenden Mittels ist empfehlenswert!
 
Schwefelkohlenstoff und Ether (sehr leicht flüchtig, bilden mit Luft explosionsfähige Gemische)
Kleinere Reste im Abzug oder im Freien abbrennen; kühl und in dichten Gefäßen lagern; größere Reste einem Entsorgungsunternehmen abgeben.
 
Tetrachlorkohlenstoff (sehr giftig, umweltgefährlich)
Reste im Sammelgefäß "halogenhaltige organische Stoffe" entsorgen, braune oder lichtdichte Flasche verwenden.
 
 

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