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  Benzol   C6H6 
 
    
  
Klare, farblose und leicht 
bewegliche  Flüssigkeit 
  
Vorkommen  Steinkohle, Erdöl
Molmasse  78,112 g/mol   
  
AGW  3,25 mg/m3 (TRGS 900) 
Dichte  0,8765 g/cm3   
Schmelzpunkt  +5,49 °C   
Siedepunkt  +80,09 °C   
Wasserlöslichkeit 
Konz. bei 20 °C 1,8 g/l  
Explosionsgrz.  1,2 - 8,6 Vol.-% (Luft) 
Flammpunkt  -11 °C 
Zündpunkt  +555 °C
Piktogramme  
  
GHS 02  
GHS 08  
Gefahr 
  
  
 
Gefahrenklassen + Kategorie  
Entzündbare Flüssigkeiten 2   
Ätz-/Reizwirkung auf die Haut 2 
Schwere Augenschäd./-reizung 2 
Keimzellenmutagenität 1A 
Karzinogenität 1A 
Spez. Zielorgan-Toxizität w. 1 
Aspirationsgefahr 1
HP-Sätze (siehe auch Hinweis)      
  
H 225, 304, 315, 319, 340, 350, 372 
P 210, 260, 280.1-3,6,7, 301+310, 305+351+338, 308+313, 403+233    
  
Entsorgung   G 1  
 
  Dt. Bezeichnung 
Synonyme (deutsch)
Engl. Bezeichnung 
Synonyme (engl.)
CAS  71-43-2 Benzol 
Benzen
Benzene 
Benzol
     
Bemerkung für Schulen: Aufgrund des giftigen Potentials sollte Benzol nicht im Schullabor aufbewahrt werden. Daher wird auch kein Etikett angeboten.
   
  
Wirkung auf den menschlichen Körper 
   
Benzoldämpfe wirken beim Einatmen sehr toxisch. Die Symptome äußern sich in Schwindel, Erbrechen und Bewusstlosigkeit. Die Flüssigkeit kann auch über die Haut aufgenommen werden und verursacht auf diesem Weg schwere Vergiftungen. Bei einem Benzolgehalt von 2 Vol.-% in der Atemluft tritt der Tod nach 5-10 Minuten ein. Chronische Vergiftungen bei Aufnahme von kleineren Mengen über einen längeren Zeitraum führen zu einer Schädigung des Knochenmarks, der Leber und der Nieren. Benzol kann Leukämie hervorrufen und gilt als stark krebserzeugender Stoff.   
  
  
Eigenschaften 
  
Benzol ist eine klare, leicht bewegliche Flüssigkeit, die eine hohe Lichtbrechung besitzt. Es mischt sich mit Wasser kaum, beim Mischen schwimmt es aufgrund seiner geringeren Dichte oben. Ethylalkohol, Diethylether, Benzin, Fette, Harze, Phospor und Iod lassen sich mit Benzol gut lösen. 
  
  
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Das Benzol in dieser Flasche schwimmt auf einer Wasserschicht,
es ist stärker lichtbrechend als Wasser.
   
  
An der Luft verbrennt der Kohlenwasserstoff mit rußender Flamme unter Bildung von CO2 und H2O. Aufgrund der dabei hohen, entstehenden Verbrennungswärme und seiner Eigenschaft, Frühzündungen im Ottomotor ("Klopfen") zu verhindern, wird er als Zusatzstoff im bleifreien Benzin verwendet.   
     
  
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Beim Verbrennen von Benzol entstehen Rußfetzen.
 
 Diese Demonstration darf an Schulen nicht vorgeführt werden. Film erhältlich auf >DVD
  
  
Benzol ist aufgrund seines Molekülaufbaus (Benzolring) der einfachste Vertreter der Aromaten. Die Addition von Halogenen gelingt mit UV-Licht: 6 Chloratome können am Benzolring addiert werden und man erhält Hexachlorcyclohexan ("HCH" oder "Lindan"), ein bekanntes und in der Natur  schwer abbaubares Insektenvernichtungsmittel:   
   
  
 
    
  
Die Wasserstoffatome am Benzolring lassen sich bei Gegenwart von Eisen(III)-chlorid auch mit Halogenen substituieren, so erhält man mit Chlor Chlorbenzol, ein Rohstoff zur Synthese von Phenol  
   
  
 
Chlorbenzol
  
  
Mit Nitriersäure, einem Gemisch aus rauchender Salpetersäure und konzentrierter Schwefelsäure, erhält man Nitrobenzol (C6H5NO2), ein wichtiges Zwischenprodukt zur Herstellung von Anilin:   
   
  
  
  
Nitrobenzol kann auch zur Herstellung von Azobenzol verwendet werden. Dieses Zwischenprodukt zur Synthese von Azofarbstoffen erhält man beispielsweise durch eine Reduktion von Nitrobenzol mit Lithiumaluminiumhydrid. Die folgende Gleichung gibt das Prinzip einer solchen Azokopplung wieder:   
   
  
  
  
Dabei entsteht die typische Azogruppe (-N=N-, vgl. auch mit Methylorange). Azobenzol bildet orangerote Blättchen, die sich in Wasser kaum, in Alkohol jedoch gut lösen.   
   
  
 
Azobenzol aus einer alten Chemikaliensammlung
  
 
Mesomerie im Benzolmolekül 
  
Bei der Darstellung des Benzolmoleküls gäbe es theoretisch zwei Möglichkeiten. Der Mesomeriepfeil und die Klammer verdeutlichen, dass die beiden dargestellten Grenzstrukturen nicht wirklich existieren:  
   
  
 
   
  
Da der Bindungsabstand zwischen einer Einfachbindung und einer Doppelbindung verschieden ist, müsste ein unregelmäßiges Sechseck entstehen. Mit Hilfe der Röntgenstrukturanalyse lässt sich aber errechnen, dass die Bindungslängen zwischen allen C-Atomen im Benzol gleich sind. Die Elektronen sind daher ringförmig in den Elektronenwolken verteilt, sie sind delokalisiert und richten eine symmetrische Struktur aus. Der Ring bei der Darstellung des Benzolmoleküls verdeutlicht dies (es sind p-Bindungen, vgl. auch >Hybridorbitalmodell nach Linus Pauling):  
   
  
  
  
Diese Erscheinung der delokalisierten Elektronen nennt man Mesomerie oder Resonanz. Sie kommt bei zahlreichen anderen anorganischen und organischen Verbindungen vor, beispielsweise beim Lachgas. Der Resonanzbegriff bei chemischen Bindungen geht auf Linus Pauling (1901-1994) zurück.
   
  
Herstellung 
  
Bei der fraktionierten Destillation von Steinkohle erhielt der Alchemist Johann Rudolph Glauber (1604-1670) einen "scharpen Spiritus" und ein "hitziges und bluthrothes Oleum", das "alle feuchten Ulcera (heute: Geschwüre oder Entzündungen) gewaltig trocknet und heilet". Vermutlich erhielt Glauber dabei u.a. die Aromaten Benzol (ein "liebliches" Öl) und Phenol. Heute ist es schwer vorstellbar, dass diese stark giftigen Substanzen einst als Heilmittel empfohlen wurden. Allerdings wirken diese Stoffe stark keimtötend und so lässt sich die Wirkung vielleicht einigermaßen nachvollziehen.   
   
Im Jahre 1825 entdeckte Michael Faraday (1791-1867) den Stoff in geleerten Gasflaschen einer Fabrik und konnte ihn dann auch isolieren. E. A. Mitscherlich (1794-1863) gewann den gleichen Stoff aus Benzoesäure und bezeichnete ihn zunächst als "Benzin". 1834 vergab Justus von Liebig (1808-1873) dem als "Benzin" bezeichneten Stoff seinen Namen Benzol. Die erste Herstellung aus Teer erfolgte 1842 durch Leigh. August Kekulé von Stradonitz (1829-1896) stellte 1865 erstmals eine ringförmige Strukturformel für das Benzolmolekül auf. Den Effekt der Mesomerie (Resonanz) im Benzolmolekül erkannte aber erst Linus Pauling (1901-1994) in den 1930iger Jahren.  
    
Benzol entsteht heute in der chemischen Industrie bei der Destillation von Steinkohle und von Erdöl. Bei der Weiterverarbeitung des Erdöls fällt Benzol beim Cracken (Pyrolyse) von Benzin und beim Platin-Reforming an. Beim Reformieren wird n-Hexan zuerst zu dem ringförmigen Cyclohexan und dann zu Benzol dehydriert:   
   
  
  
 
Im Labor kann Benzol aus Benzoesäure und Natriumhydroxid hergestellt werden. Beim Erhitzen des Gemisches entsteht zunächst Natriumbenzoat, aus dem sich in einer Eliminierungsreaktion Benzol bildet. Die Gesamtreaktion kann so formuliert werden: 
  
Benzoesäure  +  Natriumhydroxid  ----->  Benzol  +  Natriumcarbonat  +  Wasser 
  
  
 
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Ein Gemisch aus Natriumhydroxid und Benzoesäure wird erhitzt. In der Vorlage sammelt sich eine Flüssigkeit.
 
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Die gelbliche Flüssigkeit riecht aromatisch
und verbrennt unter starker Rußbildung (siehe DVD).
    
Diese Demonstration sollte an Schulen nicht vorgeführt werden. Film erhältlich auf >DVD
    
   
Verwendung 
  
In Motorkraftstoffen als Beimischung zur Erhöhung der Klopffestigkeit; als Ausgangsstoff für viele organische und aromatische Verbindungen: z.B. Nitrobenzol und Anilin, Phenol, Styrol, Insektizide (z.B. Lindan, DDT), Azo-Farbstoffe (z.B. Anilinschwarz), Kunststoffe und Kunstharze; zur Waschmittelherstellung; als Lösungsmittel für Lacke, Harze, Wachse und Öle.
   
  
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