![]() klare, farblose und leicht bewegliche Flüssigkeit |
F leichtentzündlich
T giftig krebserzeugend Kat. 1 erbgutverändernd Kat. 2 Hautresorption möglich
Vorkommen: Steinkohle, Erdöl |
RS-Sätze:
R 11, 45, 46, 65, 36/38, 48/23/24/25 S 45, 53 Entsorgung: G 1 MAK: 1 ml/m3 MG: 78,112 g/mol Dichte: 0,8765 g/cm3 Schmelztemperatur: 5,49 °C Siedetemperatur: 80,09 °C Wasserlöslichkeit: nur schwach: 100ml Wasser lösen 0,08 ml andere Löslichkeiten: Alkohol, Ether, Fette, Harze, Phospor, Iod Explosionsgrenzen: 1,4 - 8 Vol.-% (Luft) |
| Eigenschaften:
Benzol ist eine klare, leicht bewegliche Flüssigkeit, die eine hohe Lichtbrechung besitzt. Es mischt sich mit Wasser kaum, in Benzin jedoch in jedem Verhältnis. Benzoldämpfe wirken beim Einatmen sehr toxisch. Die Symptome äußern sich in Schwindel, Erbrechen und Bewusstlosigkeit. Die Flüssigkeit kann auch über die Haut aufgenommen werden und verursacht auf diesem Weg schwere Vergiftungen. Bei einem Benzolgehalt von 2 Vol.-% in der Atemluft tritt der Tod nach 5-10 Minuten ein. Chronische Vergiftungen bei Aufnahme von kleineren Mengen über einen längeren Zeitraum führen zu einer Schädigung des Knochenmarks, der Leber und der Nieren. Benzol kann Leukämie hervorrufen und gilt als stark krebserzeugender Stoff. An der Luft verbrennt der Kohlenwasserstoff
mit rußender Flamme unter Bildung von CO2 und H2O.
Aufgrund der dabei hohen, entstehenden Verbrennungswärme und seiner
Eigenschaft, Frühzündungen im Ottomotor ("Klopfen")
zu verhindern, wird er als Zusatzstoff im bleifreien Benzin verwendet.
![]() Die Wasserstoffatome am Benzolring lassen sich bei Gegenwart von Eisen(III)-chlorid auch mit Halogenen substituieren, so erhält man mit Chlor Chlorbenzol, ein Rohstoff zur Synthese von Phenol: ![]() Mit Nitriersäure, einem Gemisch aus rauchender Salpetersäure und konzentrierter Schwefelsäure, erhält man Nitrobenzol (C6H5NO2), ein wichtiges Zwischenprodukt zur Herstellung von Anilin: ![]() Nitrobenzol kann auch zur Herstellung von Azobenzol verwendet werden. Dieses Zwischenprodukt zur Synthese von Azofarbstoffen erhält man beispielsweise durch eine Reduktion von Nitrobenzol mit Lithiumaluminiumhydrid. Die folgende Gleichung gibt das Prinzip einer solchen Azokopplung wieder: ![]() Dabei entsteht die typische Azogruppe (-N=N-, vgl. auch mit Methylorange). Azobenzol bildet orangerote Blättchen, die sich in Wasser kaum, in Alkohol jedoch gut lösen. Mesomerie im Benzolmolekül: Bei der Darstellung des Benzolmoleküls gäbe es theoretisch zwei Möglichkeiten. Der Mesomeriepfeil und die Klammer verdeutlichen, dass die beiden dargestellten Grenzstrukturen nicht wirklich existieren: ![]() Da der Bindungsabstand zwischen einer Einfachbindung und einer Doppelbindung verschieden ist, müsste ein unregelmäßiges Sechseck entstehen. Mit Hilfe der Röntgenstrukturanalyse lässt sich aber errechnen, dass die Bindungslängen zwischen allen C-Atomen im Benzol gleich sind. Die Elektronen sind daher ringförmig in den Elektronenwolken verteilt, sie sind delokalisiert und richten eine symmetrische Struktur aus. Der Ring bei der Darstellung des Benzolmoleküls verdeutlicht dies (es sind p-Bindungen, vgl. auch >Hybridorbitalmodell nach Linus Pauling): ![]() Diese Erscheinung der delokalisierten Elektronen nennt man Mesomerie oder Resonanz. Sie kommt bei zahlreichen anderen anorganischen und organischen Verbindungen vor, beispielsweise beim Lachgas. Der Resonanzbegriff bei chemischen Bindungen geht auf Linus Pauling (1901-1994) zurück. |
| Herstellung:
Bei der fraktionierten Destillation von Steinkohle erhielt der Alchemist Johann Rudolph Glauber (1604-1670) einen "scharpen Spiritus" und ein "hitziges und bluthrothes Oleum", das "alle feuchten Ulcera (heute: Geschwüre oder Entzündungen) gewaltig trocknet und heilet". Vermutlich erhielt Glauber dabei u.a. die Aromaten Benzol (ein "liebliches" Öl) und Phenol. Heute ist es schwer vorstellbar, dass diese stark giftigen Substanzen einst als Heilmittel empfohlen wurden. Allerdings wirken diese Stoffe stark keimtötend und so lässt sich die Wirkung vielleicht einigermaßen nachvollziehen. Im Jahre 1825 entdeckte Michael Faraday (1791-1867) den Stoff in geleerten Gasflaschen einer Fabrik und konnte ihn dann auch isolieren. E. A. Mitscherlich (1794-1863) gewann den gleichen Stoff aus Benzoesäure und bezeichnete ihn zunächst als "Benzin". 1834 vergab Justus von Liebig (1808-1873) dem als "Benzin" bezeichneten Stoff seinen Namen Benzol. Die erste Herstellung aus Teer erfolgte 1842 durch Leigh. August Kekulé von Stradonitz (1829-1896) stellte 1865 erstmals eine ringförmige Strukturformel für das Benzolmolekül auf. Den Effekt der Mesomerie (Resonanz) im Benzolmolekül erkannte aber erst Linus Pauling (1901-1994) in den 1930iger Jahren. Benzol entsteht heute in der chemischen Industrie bei der Destillation von Steinkohle und von Erdöl. Bei der Weiterverarbeitung des Erdöls fällt Benzol beim Cracken (Pyrolyse) von Benzin und beim Platin-Reforming an. Beim Reformieren wird n-Hexan zuerst zu dem ringförmigen Cyclohexan und dann zu Benzol dehydriert: ![]() |
| Verwendung:
In Motorkraftstoffen als Beimischung zur Erhöhung der Klopffestigkeit; als Ausgangsstoff für viele organische und aromatische Verbindungen: z.B. Nitrobenzol und Anilin, Phenol, Styrol, Insektizide (z.B. Lindan, DDT), Azo-Farbstoffe (z.B. Anilinschwarz), Kunststoffe und Kunstharze; zur Waschmittelherstellung; als Lösungsmittel für Lacke, Harze, Wachse und Öle. |
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| Hinweis: Aufgrund des giftigen Potentials sollte Benzol nicht im Schullabor aufbewahrt werden. Daher wird auch kein Etikett angeboten. |
| Copyright: T. Seilnacht |