Zusammensetzung des Erdöls:
Das aus der Erde unmittelbar kommende,
ungereinigte Erdöl wird auch als Rohöl bezeichnet. Es stellt
ein Stoffgemisch von mindestens 500 Komponenten dar. Die Zusammensetzung
kann je nach Herkunft sehr unterschiedlich sein. Es enthält eine große
Palette an Kohlenwasserstoffen (Alkane,
Cycloalkane und Aromaten),
sowie Napthensäuren, Phenole,
Harze, Aldehyde und organische Schwefelverbindungen, z.B. Thioalkohole.
Die Färbung schwankt von hellgelb bis schwarz, unter Licht erfolgt
allmählich eine Nachdunkelung. Frisches Rohöl zeigt oft eine
gelbe bis grünblaue Fluoreszenz. Schwefelarmes Rohöl bezeichnet
man als "süß", schwefelreiches Rohöl als "sauer". Letzteres
besitzt einen unangenehmen, knoblauchartigen Geruch. Die Dichte des Rohöls
liegt meistens zwischen 0,82 und 0,94g/cm³. Bei längerem Aufenthalt
an der Luft nimmt die Zähflüssigkeit zu, da die leicht flüchtigen
Bestandteile allmählich verdunsten. Rohöl ist nicht wasserlöslich
und nur schlecht löslich in Ethanol. Dagegen löst es sich gut
in Ether, Benzol
oder Tetrachlorkohlenstoff.
Entstehung:
Erdöl, Erdgas und Kohle gehören
zu den fossilen Brennstoffen, da sie im Laufe der Jahrmillionen durch den
Umbau ehemaliger Lebewesen entstanden sind. In der Kreide- und der Jurazeit,
vor 65-200 Millionen Jahren, sanken tote Meereslebewesen in den Faulschlamm
von flachen Meeren und küstennahen Gewässern und wurden dort
einem langwierigen Abbauprozess unterworfen. Das in hohen Konzentrationen
vorhandene Salz wirkte zunächst konservierend, so dass die gewöhnlichen
Fäulnisprozessen nicht stattfinden konnten. Im Laufe der Jahrhunderte
und Jahrtausende lagerten sich viele Schlammschichten darüber. Unter
hohem Druck und hoher Temperatur wandelten dann anaerobe Bakterien den
sauerstoffarmen Faulschlamm um, so dass allmählich die Erdöl-
und Erdgas-Lagerstätten entstanden.
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Erdöl- und Erdgaslagerstätten finden sich heute in Gesteinsschichten, die Porenräume enthalten. Dies können Sandsteine, Kalksteine oder Dolomite sein. Die Porenräume sind - sofern sie nicht mit Ton oder anderen Substanzen ausgefüllt wurden - mit Wasser gefüllt. Kommt das gebildete Erdöl mit dem Wasser der Poren in Berührung, steigt es aufgrund der niedrigeren Dichte auf und sucht sich seinen Weg nach oben. Trifft es auf undurchlässige Schichten, staut es sich und bildet dort eine Lagerstätte. Die enthaltenen Gase finden sich stets über der Erdölschicht.
Die Suche nach den Lagerstätten erfolgt
mit geophysikalischen Untersuchungsmethoden. Dabei bedient man sich physikalischer
Eigenschaften wie Magnetismus, Dichte, Schallgeschwindigkeit, elektrischer
Widerstand oder der Radioaktivität. Die zur Suche nach Erdöl
am häufigsten eingesetzte Methode ist die Reflexions-Seismik. Dabei
werden am Erdboden z.B. durch künstliche Sprengungen Erschütterungen
erzeugt, die sich in der Erdrinde wellenartig ausbreiten. Die Wellen benötigen
beim Durchlaufen durch unterschiedliche Gesteinsschichten verschieden lange
Zeiten. An den Schichtgrenzen reflektieren die Wellen. Die reflektierten
Wellen werden von empfindlichen Messgeräten in einem Seismogramm aufgezeichnet
und mit Hilfe von Computern ausgewertet. So lässt sich ein Profilschnitt
des Untergrunds erstellen, der über eventuell vorhandene Lagerstätten
Auskunft gibt.

Bei Bohrungen am Meeresboden werden Bohrplattformen errichtet. Bei Wassertiefen von bis zu 100 Metern stehen die Plattformen auf Stelzen. Bei größeren Tiefen setzt man "Halbtaucher" ein. Dieser Plattform-Typ besitzt lange Beine, die nicht am Meeresgrund aufsetzen, sondern am Ende mit riesigen Ballasttanks versehen sind, so dass der Schwerpunkt der Bohrplattform tief unter der Wasseroberfläche liegt. Bohrschiffe können sogar in Meerestiefen von mehr als 1000 Metern bohren. Ist eine Bohrung erfolgreich, wird eine fest installierte Förderplattform errichtet. Die Kosten für den Bau eines solchen Gigants kann mehrere Milliarden Euro betragen.
Fast zwei Drittel der Erdölreserven
befinden sich in den Ländern des Nahen Ostens, während Europa
und Nordamerika ca. drei Viertel des Erdöls verbrauchen. Die Erdöl-
und Erdgasreserven sind nicht unbegrenzt, sie werden Mitte des 21. Jahrhunderts
zur Neige gehen. Der Mensch verbraucht in 200 Jahren die natürlichen
Ressourcen, die sich in 200 Millionen Jahren gebildet haben!
Erdölaufbereitung:
Bei der Erdölaufbereitung wird das
zunächst anfallende Gemisch aus Erdöl, Erdgas und Salzwasser
getrennt. Die Abtrennung des Erdgases erfolgt im Gasabscheider durch Verwirbelung
des Gemisches bei leicht erhöhtem Druck. Hierbei entweicht das Gas.
Das Öl-Salzwassergemisch trennt sich im Nassöltank aufgrund der
verschiedenen Dichten teilweise auf. Das unter dem Öl schwimmende
Wasser wird abgepumpt und in einem weiteren Arbeitsverfahren von restlichem
Öl getrennt. Ein Teil des Erdöls bildet mit dem Wasser eine Emulsion.
Diese Emulsion wird erhitzt und einem Wechselspannungsfeld ausgesetzt.
Dabei geraten die kleinen Wassertröpfchen in heftige Bewegungen, so
dass sie sich zu größeren Tröpfchen vereinigen. Sie setzen
sich am Boden ab und können erneut mit einer Dichtetrennung abgetrennt
werden.
Erdöltransport:
Das entwässerte Rohöl wird zunächst
in einem Tank gelagert und später zur Raffinerie transportiert. Der
Transport erfolgt in langen Rohrleitungen (Pipelines) oder durch Kesselwagen
mit der Bahn. Der Transport über die Meere in Öltankern ist sehr
kostenaufwendig und mit hohen Risiken verbunden. Derartige Supertanker
können bis zu 300000 Tonnen Öl aufnehmen. Tritt Rohöl bei
einer Havarie in das Meer, entsteht eine Ölpest, die schwere Schäden
im Ökosystem Meer auslösen kann. So verlor zum Beispiel der Tanker
Exxon Valdez im Jahre 1989 vor der Küste Alaskas bis zu 40000 Tonnen
Rohöl. Ein riesiger Ölteppich trieb im Meer und verschmutzte
mehr als 2000 Kilometer Küste. 30000 Seevögel, 750 Seeotter und
unzählige andere Tiere kamen trotz dem unermüdlichen Einsatz
der Rettungskräfte ums Leben. Es dauerte viele Jahre, bis sich die
Küsten Alaskas von dieser Katastrophe erholten.
Erdölverarbeitung
a) Fraktionierte Destillation
Trifft das Rohöl in der Raffinerie
ein, werden die einzelnen Bestandteile zunächst in einer fraktionierten
Destillation abgetrennt. Da das Rohöl ein Gemisch von verschiedenen
Kohlenwasserstoffen mit unterschiedlichen Siedetemperaturen
darstellt, kann man die Stoffe in die verschiedenen Siedebereiche, die
Fraktionen, abtrennen.
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Der Rückstand wird in einer Vakuumdestillation erneut bei niedrigem Druck fraktioniert. Bei 350°C würden viele Kohlenwasserstoffe zerfallen. Der niedrige Druck bewirkt eine Siedepunkterniedrigung, so dass dies verhindert wird.
Die bei der ersten Destillation unter Normaldruck
abgetrennten Gase (z.B. Methan, Ethan,
Propan und Butan)
sind wichtige Heizgase. Die Leicht- und Schwerbenzine (30-180°C) dienen
als Ottokraftstoff für Kraftfahrzeuge. Das Mitteldestillat (180-250°C)
wird zu Lampen-Petroleum oder zu dem Düsenkraftstoff Kerosin verarbeitet.
Das Heizöl wird zum Heizen in Ölbrennern oder als Dieselkraftstoff
eingesetzt. Bei der nachfolgenden Vakuumdestillation des Rückstands
erhält man weitere wichtige Erdölprodukte. Das schwere Heizöl
dient als Brennstoff für Kraftwerke oder Schiffsmotoren. Die Schmieröle
eignen sich als Schmierstoffe für Motoren und Getriebe. Der unlösliche
Rückstand Bitumen dient als Anstrichsstoff und vor allem als Straßenteer
zum Bau von Straßen.
b) Katalytisches Cracken
Die aus dem Rohöl durch fraktionierte
Destillation gewonnenen Mengen an Rohbenzin reichen nicht aus, um den Markt
zu decken. Daher werden beim Cracken die anfallenden langkettigen Alkane
in kurzkettige Alkane gespalten.
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Durch die Verdichtung und die Wärme in den Zylindern des Ottomotors kann es zu vorzeitigen Selbstzündungen des Benzin-Luftgemischs kommen (=Klopfen). Unverzweigte Kohlenwasserstoffe neigen zu dieser Frühzündung, während verzweigte und ungesättigte Kohlenwasserstoffe, sowie Aromaten eine relativ hohe Klopffestigkeit besitzen.

Die Maßzahl für die Klopffestigkeit heißt Octanzahl (OZ, auch ROZ = Research-Octanzahl). Je höher die Octanzahl ist, umso klopffester ist der Kraftstoff. Demnach hätte reines iso-Octan (2,2,4-Trimethylpentan) die Octanzahl OZ=100 (vgl. >Isomerie). Normalbenzin besitzt eine Octanzahl von OZ=91, Superbenzin dagegen OZ=95 und "Super-Plus" OZ = 98. Automotoren, die mit Superbenzin betrieben werden, halten aufgrund der hohen Klopffestigkeit deutlich länger.
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| Isomerisierung: | n-Heptan ---Pt---> 2,3-Dimethylpentan |
| Dehydrocyclisierung: | n-Heptan ---Pt---> Toluol + 4 H2 |
| Dehydrierung: | n-Hexan ---Pt---> Benzol + 4 H2 |
| Hydrocracking: | n-Decan ---Pt---> n-Pentan + 2-Methylbutan |
| Copyright: T. Seilnacht |