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  Schwefelkohlenstoff   CS2
Flasche
 
Teflonverschluss

   
 
  




Farblose Flüssigkeit

Natürliche Vorkommen
Steinkohleteer, Erdöl
Molmasse  76,141 g/mol
  


AGW  10 ml/m3 (TRGS900)
Schmelzpunkt  -112,1 °C
Siedepunkt  +46 °C
Dichte  1,2632 g/cm3
Wasserlöslichkeit
Konz. bei 20 °C 1,9 g/l    
Explosionsgrz.  0,6 - 60 Vol.-% (Luft)
Flammpunkt  -20 °C
Zündpunkt  +95 °C
Piktogramme  
  
GHS 02
GHS 07

GHS 08
Gefahr


Gefahrenklassen + Kategorie
Entzündbare Flüssigkeiten 2
Ätz-/Reizwirkung auf die Haut 2
Schwere Augenschäd./-reizung 2
Reproduktionstoxizität 2
Spez. Zielorgan-Toxizität w. 1 (Augen, ZNS, peripheres Nervensystem, Herz-Kreislauf-System)
HP-Sätze (siehe auch Hinweis)
  
H 225, 315, 319, 361fd, 372
(Augen, ZNS, peripheres Nervensystem, Herz-Kreislauf-System)

P 210, 241, 242, 280.1-4,7, 305+351+338, 302+352, 403+233
  
Entsorgung   Besondere Hinweise
Etikett drucken Deutsche Namen
Synonyme (deutsch)
Englischer Name
CAS 75-15-0 Schwefelkohlenstoff
Kohlendisulfid
Carbon disulfide

Bemerkung für Schulen: Schwefelkohlenstoff kann an Schulen nur eingesetzt werden, wenn eine sichere Lagerung in einem separaten, lichtgeschützten, kühlen Schrank mit dauerhafter Be- und Ablüftung gewährleistet ist. Die Lagerung darf nicht zusammen mit anderen entzündbaren Stoffen erfolgen, da im Brandfall der Schrank nicht mehr ausreichend geschützt ist. Am besten, man benützt einen eigenen Schrank für Schwefelkohlenstoff, da die Zusammenlagerung mit den meisten Gefahrstoffen verboten ist. Es sollten nur kleine Mengen bis 100ml  aufbewahrt werden, am besten im Originalgebinde, das auf einer Auffangwanne aus Glas steht. Die Flasche ist halbjährlich auf Dichtheit zu prüfen. Die Gefahr geht vor allem von dem niedrigen Siedepunkt und dem niedrigen Flamm- und Zündpunkt aus. Die Dämpfe entzünden sich leicht an heißen Platten oder an heißem Glas. Auch durch eine elektrische Aufladung der Flüssigkeit, beispielsweise beim Schütteln, ist eine Zündung möglich. Das Arbeiten erfolgt stets in einem Abzug. Schutzbrille, Gesichtsschild, Schutzhandschuhe aus Fluorkautschuk und Schutzkleidung sind notwendig. Der Stoff darf nicht in Schülerversuchen eingesetzt werden. (Sicherheitsempfehlungen)


Wirkung auf den menschlichen Körper

Die Flüssigkeit reizt Augen und Haut. Bei Augenkontakt können Entzündungen auf der Hornhaut oder innere Augenschäden auftreten. Das Einatmen der Dämpfe verursacht neurotoxische Schäden bis hin zur Atemlähmung. Die Konzentration und Aufmerksamkeit lässt nach, Kopfschmerzen und Schwindel kommen hinzu. Bei der oralen Aufnahme und auch beim längeren Einatmen von stark verdünnten Konzentrationen in der Luft treten narkoseähnliche Zustände und der Tod durch Kreislaufkollaps auf. Gleichzeitig rötet sich das Gesicht, es treten Erregungszustände mit krampfartigem Lachen auf. Bei einer chronischen Vergiftung wird das Nervensystem geschädigt. Schwefelkohlenstoff steht im Verdacht, die Fortpflanzungsfähigkeit zu beeinträchtigen; auch eine fruchtschädigende Wirkung ist wahrscheinlich.


Eigenschaften 
 
 

Schwefelkohlenstoff ist eine klare, leicht bewegliche Flüssigkeit mit etherartigem, leicht aromatischem Geruch. Verunreinigungen verursachen einen fauligen Geruch nach Schwefelwasserstoff. Unter Lichteinwirkung färbt sich die Flüssigkeit gelb. Sie ist stärker lichtbrechend als Wasser, aber nur schlecht in Wasser löslich und geht im Wasser aufgrund der höheren Dichte unter. Da der Brechungsindex in etwa dem von Glas entspricht, ist eingetauchtes Glas in Schwefelkohlenstoff praktisch unsichtbar. Diamanten sieht man dagegen. Auf diese Art und Weise lassen sich Fälschungen erkennen. Aufgrund des niedrigen Siede- und Zündpunktes kann Schwefelkohlenstoff sehr leicht entflammt werden. Beim Verbrennen entsteht unter blauer Flamme Kohlenstoffdioxid und Schwefeldioxid:

CS2  +  3 O2
reagiert zu  CO2  +  2 SO2

Im Versuch "Bellender Hund" wird eine explosionsfähige Mischung mit Lachgas in einer stabilen und langen Plexiglasröhre zur Zündung gebracht. Dabei verbrennt der Schwefelkohlenstoff explosionsartig mit einem blauen Lichtblitz und einem lauten Geräusch, das an einen bellenden Hund erinnert. Die Röhre beschlägt sich innen mit Schwefel, der bei der Reaktion zusammen mit anderen Produkten entsteht.

3 N2O  +  CS2reagiert zu    2 N2  +  CO  +  SO2  +  S




"Bellender Hund": Diese Demonstration sollte aufgrund der hohen Toxizität der
Stoffe an
Schulen nicht vorgeführt werden. Film erhältlich auf >DVD


Schwefelkohlenstoff löst zwar kein Wasser, dafür aber umso besser organische Lösungsmittel und Fette, vor allem aber auch Schwefel, Phosphor, Selen und die Halogene. Zehn Gramm Schwefelkohlenstoff lösen etwa drei Gramm Schwefel. Bei Kontakt mit Oxidationsmitteln wie Kaliumpermanganat, mit reaktionsfähigen Metallpulvern, mit Alkalimetallen, mit Stickoxiden oder mit Halogenen besteht Explosionsgefahr. Beim Verdampfen einer Schwefellösung in Schwefelkohlenstoff kristallisiert der Schwefel in rhombischen Kristallen aus. Tränkt man ein Filterpapier mit einer Lösung von weißem Phosphor in Schwefelkohlenstoff, beginnt der nach dem Verdampfen des Schwefelkohlenstoffs fein verteilte Phosphor auf dem Filterpapier von alleine zu brennen. Dieser Versuch darf aber an Schulen aufgrund der extrem hohen Gefährdung nicht durchgeführt werden:





Nach dem Verdampfen des Schwefelkohlenstoffs beginnt der weiße Phosphor zu brennen.
Diese Demonstration darf an
Schulen nicht vorgeführt werden. Film erhältlich auf >DVD


Herstellung

Früher stellte man Schwefelkohlenstoff durch die direkte Reaktion aus Holzkohle und Schwefel bei hohen Temperaturen bis 1000°C unter Luftabschluss her. Bei der heutigen, industriellen Gewinnung bringt man Methan oder Erdgas mit Schwefel in Reaktion. Mit Hilfe von Katalysatoren und bei 600°C entsteht als zweites Produkt Schwefelwasserstoff, aus dem im Claus-Verfahren mit Sauerstoff wieder Schwefel zurückgewonnen werden kann.
 
CH4  +  2 S2
reagiert zu  CS2  +  2 H2S


Verwendung

Schwefelkohlenstoff wird in großen Mengen bei der Herstellung von Viskosefasern aus Zellstoff gebraucht. Im Labor wird er als Lösungsmittel für Fette und für die Infrarotspektroskopie eingesetzt. Die chemische Industrie benötigt Schwefelkohlenstoff zur Herstellung organischer Verbindungen wie Tetrachlorkohlenstoff oder Thioharnstoff.


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