Alkanole (Alkohole)
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Im Volksmund versteht
man unter Alkohol eine trinkbare Flüssigkeit, die Rauschzustände
hervorruft und in zahlreichen alkoholischen Getränken enthalten ist.
Schon die alten Griechen und Römer kannten die Wirkung von Wein. Allerdings
war es im alten Rom den Frauen verboten, Wein zu trinken. Bierrezepte kannten
bereits die Sumerer im 4. Jahrtausend vor Christus. Das Getränk war
in Germanien schon vor der Römerzeit bekannt. Die Germanen tranken
es nach einer Überlieferung des römischen Schriftstellers Tacitus
aus riesigen Trinkhörnern, die mit Bier und Honigmet gefüllt
waren. Sie betrieben mit den Römern Handel, lieferten Bier und erhielten
dafür Gebrauchsgegenstände. Im Mittelalter übernahmen die
Mönche die Herstellungstechnik und entwickelten die Kunst des Bierbrauens.
Der Begriff Alkohol leitet
sich vom arabischen Begriff "Al-Kuhl" ab, was ursprünglich das schwarze
Pigment Grauspiesglanz (Antimonsulfid) bezeichnete, das zum Schwarzfärben
der Augenlider verwendet wurde. Später übertrug man den Begriff
auf alle feinpulvrigen Substanzen. Der Alchemist Paracelsus benutzte im
16. Jahrhundert den Begriff "alcool vini" zur Bezeichnung des Stoffes,
der bei der Alkoholdestillation
gewonnen wurde. Der Chemiker kennt heute die Flüssigkeit unter der
Bezeichnung Ethanol.
Unter Alkohole versteht
heute der Chemiker eine Gruppe von organischen Verbindungen, die im Molekülbau
die Hydroxy-Gruppe (auch OH-Gruppe, veraltet
"Hydroxyl-Gruppe") besitzen. Eine solche Atomgruppe,
die die chemischen Eigenschaften einer Stoffgruppe prägt, nennt man
auch funktionelle Gruppe. Die einwertigen
Alkohole, zu denen der allgemein bekannte, trinkbare Alkohol Ethylalkohol
gehört, besitzen nur eine Hydroxy-Gruppe. Der Name wird aus dem Grundgerüst
der vergleichbaren Alkane gebildet und erhält in der deutschen Sprache
den Zusatz -yl. So leitet sich die
homologe Reihe der einwertigen Alkohole ab:
Nach der internationalen
IUPAC-Nomenklatur heißen die Alkohole auch Methanol, Ethanol, usw..
In der wissenschaftlichen Fachsprache wird die Endung -ol
an den ensprechenden Alkylrest angehängt. Bei der hier verwendeten
Darstellung des Cetylalkoholmoleküls handelt es sich um die Skelettformel.
Dabei steht jeder Strich für eine C-C-Bindung. Die Zahl der Wasserstoffatome
lassen sich leicht ermitteln, da jedes Kohlenstoffatom vier Elektronenpaarbindungen
eingeht. Die Lewisformel (hier beim Methylalkohl
und Etyhlalkohol) wird bei einfachen Verbindungen aus Anschauungszwecken
oft in der Schule verwendet, bei komplizierten Molekülen und in der
Wissenschaft verwendet man jedoch überwiegend die Skelettformel.
Untergruppen
und Eigenschaften
Cetylalkohol ist ein
langkettiger, einwertiger Alkohol mit 16 Kohlenstoff-Atomen. Wie bei den
Alkanen steigen mit zunehmender Kettenlänge
aufgrund der steigenden Van-der-Vaals-Kräfte die Siedetemperaturen.
Cetylalkohol ist bei Zimmertemperatur fest und bildet weiße, wachsartige
Plättchen.
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Film
zur Wasserlöslichkeit erhältlich auf >DVD
Im Gegensatz zu den Alkanen,
sind die kurzkettigen Alkohole gut wasserlöslich. Dies lässt
sich mit Hilfe der Polarität
im Molekül erklären. Methylalkohol besitzt eine relativ hohe
Polarität und ist daher nur wenig benzinlöslich. Doch bereits
beim Ethylalkohol bewirkt der kurze wasserabweisende Kettenrest (der hydrophobe
Alkylrest) eine Senkung der Polarität, so dass Ethylalkohol sowohl
in Wasser als auch in Benzin gut löslich ist. Mit zunehmender Kettenlänge
wird die polare Wirkung immer mehr aufgehoben, Butylalkohol ist in Wasser
bereits nur noch wenig löslich.
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Name
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Summenformel
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Schmelzpunkt
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Siedepunkt
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Wasserlöslichkeit
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Methylalkohol
(Methanol)
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CH3OH
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-98 °C
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+64 °C
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in jedem Verhältnis
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Ethylalkohol
(Ethanol)
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C2H5OH
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-114 °C
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+78 °C
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in jedem Verhältnis
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Propylalkohol
(Propan-1-ol)
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C3H7OH
|
-124 °C
|
+97 °C
|
in jedem Verhältnis
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Butylalkohol
(Butan-1-ol)
|
C4H9OH
|
-89 °C
|
+117 °C
|
80g/l bei 25
°C
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Cetylalkohol
(Hexadecan-1-ol)
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C16H33OH
|
+49 °C
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+312 °C
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unlöslich
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Sind in einem Molekül
mehr als eine OH-Gruppe chemisch gebunden, handelt es sich um einen mehrwertigen
Alkohol. Ethandiol (Ethylenglycol)
besitzt im Molekül zwei OH-Gruppen und ist ein zweiwertiger Alkohol,
Propantriol (Glycerin) als dreiwertiger Alkohol
hat drei OH-Gruppen. Es existieren auch Alkohole mit mehr als drei Hydroxy-Gruppen:
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Vierwertiger Alkohol,
Rohstoff
zur Herstellung von
Nitropenta (Sprengstoff)
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Ethandiol
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Propantriol
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Pentaerythrit
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Die mehrwertigen Alkohole
besitzen aufgrund der größeren Molekülmasse und der höheren
Van-der-Vaals-Kräfte einen höheren Siedepunkt. Außerdem
sind sie noch besser wasserlöslich als ein vergleichbarer einwertiger
Alkohol mit gleicher Anzahl an C-Atomen. Die mehrwertigen Alkoholen besitzen
einen süßen Geschmack.
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Name
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Summenformel
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Strukturformel
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Siedepunkt
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Wasserlöslichkeit
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Propan-1-ol
(1-Propanol)
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C3H7OH
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+97,2 °C
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in jedem Verhältnis
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Propan-1,2,3-triol
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C3H5(OH)3
|
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+290 °C
|
in jedem Verhältnis
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Zwei Hydroxy-Gruppen
an einem C-Atom sind nach der Erlenmeyer-Regel nicht stabil. Daher kommen
solche Stoffe nicht als beständige Verbindungen vor.
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Ab dem Propanol
tritt bei den Alkoholen Isomerie auf. Nach
der Stellung der Hydroxy-Gruppe werden die Alkohole daher nochmals unterteilt:
1. Bei den primären
Alkoholen ist das mit der OH-Gruppe verbundene Kohlenstoff-Atom
mit keinem oder nur einem weiteren Kohlenstoff-Atom
verbunden.
2. Bei den sekundären
Alkoholen ist das mit der OH-Gruppe verbundene Kohlenstoff-Atom
mit zwei weiteren Kohlenstoff-Atomen
verbunden.
3. Bei den tertiären
Alkoholen ist es mit drei weiteren
Kohlenstoff-Atomen verbunden.
Der sekundäre Alkohol
Propan-2-ol (auch Isopropylalkohol,
oder 2-Propanol) ähnelt in seinen physikalischen Eigenschaften dem
Ethanol und wird als Desinfektionsmittel
oder zum Reinigen von CD's und Schallplatten (früher) eingesetzt.
Die Flüssigkeit reizt Haut und Augen und kann nicht getrunken werden.
Sie unterliegt daher nicht der Alkoholsteuer. Beim
Butanol kommen vier Isomere vor.
Reaktionen (Beispiele)
Die Isomere der Alkohole
zeigen unterschiedliche physikalische Eigenschaften und Unterschiede bei
ihrem Reaktionsverhalten. Bei der Oxidation eines primären Alkohols
erhält man ein Aldehyd, bei der Oxidation
eines sekundären Alkohols ein Keton. Tertiäre
Alkohole lassen sich nicht mehr oxidieren.
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Bei der Oxidation des
primären Alkohols
1-Propanol entsteht
das Aldehyd Propanal
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Bei der Oxidation von
2-Propanol
entsteht das Keton Aceton
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Durch eine enzymatische
Reaktion, z.B. wenn man Wein längere Zeit an der Luft stehen lässt,
oxidieren die primären Alkohole zu Carbonsäuren.
Alkohole zeigen schwache
Säure-Base-Reaktionen. Aufgrund der OH-Gruppe kann man die Alkohole
als schwache Säuren bezeichnen. Die Hydroxy-Gruppe
kann ein Proton abgegeben. Mit Alkalimetallen
reagieren die Alkohole daher unter Wasserstoffentwicklung. Bei der Reaktion
mit Natrium entsteht ein Natriumalkoholat, eine
sehr starke Base:
2 R-O-H + 2 Na
2 [R-O]-Na+ + H2
Typische Reaktionen zeigen
die Alkohole beim Vorliegen von Wärme und Katalysatoren mit den Carbonsäuren,
wobei sich >Ester bilden. Bei der Meerwein-Reaktion
reagieren zwei Ethanol-Moleküle unter Wasserabspaltung zu einem >Ether.
Herstellung
Der trinkbare Alkohol
wird durch alkoholische Gärung gewonnen.
Alkohole für technische Zwecke gewinnt man durch Anlagerung von Wasser
an Ethen (>Ethanol), aus Synthesegas
(>Methanol) oder durch eine Oxosynthese
(z.B. Propanol oder >Cetylalkohol).
Beim letzteren Verfahren bringt man Ethen
oder Propen mit Synthesegas (Kohlenstoffmonoxid-Wasserstoff-Gemisch)
mit Hilfe eines Katalysators zur Reaktion.
Verwendung
der Alkohole
Alkohole spielen heute
in der Chemie eine vielfältige Rolle. Alkohole sind wichtige Zwischenprodukte
in der chemischen Industrie. Mit Alkansäuren entstehen Ester, die
als Geruchs- und Geschmacksstoffe in der Lebensmittel- und Parfümindustrie
verwendet werden, beispielsweise Essigsäureethylester.
Alkohole dienen auch als Lösungsmittel für Farben und Lacke (alle
kurzkettigen Alkohole) oder für die Duftstoffe bei der Parfümherstellung
(Ethanol). Durch Oxidation erhält
man Aldehyde und Ketone (s.o.) oder Alkansäuren wie die Essigsäure.
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Bioethanol-Tankstelle
in Winterthur
Alkohole eignen sich
auch als Treibstoffe für Kraftfahrzeuge oder Raketen. Die V2-Rakete
im 2. Weltkrieg verbrannte in 70 Sekunden 3500kg Ethanol mit 5250kg Sauerstoff.
Mehrwertige Alkohole finden sich in Hautcremes (Glycerin)
oder in Frostschutzmitteln (Ethylenglycol).