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Stereochemie und Isomerie
Bei organischen Stoffen gibt es viele Stoffe, die zwar die gleiche Summenformel besitzen, sich aber in ihrem Molekülbau und ihren Stoffeigenschaften unterscheiden. Es werden zwei Typen von Isomerie unterschieden, innerhalb der es weitere Aufteilungen gibt:  
  • Bei der Konstitutions-Isomerie (Struktur-Isomerie) sind die Atome innerhalb eines Moleküls unterschiedlich verknüpft.
  • Bei der Stereo-Isomerie sind die Atome an den gleichen Stellen miteinander verknüpft, sie unterscheiden sich aber durch ihre räumliche Lage.
Moleküle mit gleicher Summenformel, aber unterschiedlicher Struktur oder räumlicher Anordnungen nennt man Isomere.  

 
1. Konstitutions-Isomerie  
   
Wenn sich die Isomere im Hinblick auf die Stellung der funktionellen Gruppen oder der Stellung der Alkylreste unterscheiden, spricht man von Stellungs-Isomerie 
   
  
Hexan (n-Hexan)
Summenformel: C6H14
3-Methyl-Pentan (iso-Hexan)
Summenformel: C6H14
   
  
Besitzen zwei Stoffe die gleiche Summenformel, aber unterschiedliche funktionelle Gruppen, dann liegt eine Funktions-Isomerie vor. Dies ist beispielsweise bei der Buttersäure und dem Essigsäurethylester der Fall (Summenformel: C4H8O2).  
   
Hexan (früher: n-Hexan) und 3-Methyl-Pentan (früher: iso-Hexan) besitzen unterschiedliche Siedepunkte. Sie unterscheiden sich auch in ihrem chemischen Verhalten: Befindet sich im Autobenzin viel n-Hexan, neigt der Motor zu Frühzündungen. Dieses Phänomen wird als "Klopfen" bezeichnet. Klopffestes Benzin enthält dagegen sehr viel verzweigtes iso-Hexan. Dieses Beispiel zeigt, dass Isomere sich chemisch voneinander unterscheiden.  
   
   
2. Stereo-Isomerie  
   
Bei der Spiegelbild-Isomerie sind zwei Moleküle gleich verknüpft, verhalten sich aber wie Bild und Spiegelbild. Diese Art der Isomerie kommt bei fast allen Aminosäuren oder bei der Weinsäure vor. Die Enantiomere sind durch Drehung nicht ineinander überführbar. Sie besitzen gleiche Siedepunkte und gleiche Löslichkeit. Sie unterscheiden sich jedoch bei optisch aktiven Vorgängen, dies spielt beispielsweise bei der Verdauung eine Rolle.  
    
   
D(-)-Milchsäure
L(+)-Milchsäure
    
   

Die in saurer Milch weit verbreitete Milchsäure enthält zwei Spiegelbild-Enantiomere. Während die linksdrehende D(-)-Milchsäure vorwiegend beim mikrobiologischen Abbau von Traubenzucker entsteht, kommt die rechtsdrehende L(+)-Milchsäure im Blut, in der Muskulatur und in den Organen der Tiere und Menschen vor. Schickt man linear polarisiertes Licht durch die Lösungen der beiden Enantiomere, dreht sich die Schwingungsebene bei der rechtsdrehenden L(+)-Milchsäure nach rechts und bei der linksdrehenden D(-)-Milchsäure nach links. Dieses Phänomen wurde von Louis Pasteur (1822-1895) entdeckt. Die saure Milch enthält ein Gemisch beider optischer Enantiomere. Eine solches Gemisch wird auch Racemat genannt. Racemate kommen zum Beispiel auch bei der Weinsäure oder bei der Glucose vor.  
  
  
Bei der geometrischen Isomerie liegen Atome in Doppelbindungen oder in Ringen auf der gleichen ("cis") oder auf der gegenüberliegenden ("trans") Seite. Die geometrischen Isomere lassen sich nicht durch Drehung ineinander überführen. Sie unterscheiden sich auch in ihren chemischen Eigenschaften. Eine cis-trans-Isomerie kommt auch bei den ungesättigten Fettsäuren vor. 
   
  
cis-2-Buten
trans-2-Buten
Siedepunkt: 3,7°C
Dichte: 0,621 g/cm³
Siedepunkt: 0,9°C
Dichte: 0,604 g/cm³
     
  
  
Bei der Konformations-Isomerie lassen sich die Moleküle der Isomere durch Drehung ineinander überführen. Beim Cyclohexan existiert eine Sesselform und eine Wannenform.  
   
  
 
Cyclohexan Wannenform
Cyclohexan Sesselform
  
  
Liegen beim Ethanmolekül die Atome hintereinander, handelt es sich um die verdeckte Konformation, werden sie um 60° gedreht, erhält man die gestaffelte Konformation. Letztere ist energetisch günstiger. Bei Raumtemperatur gleichen die Moleküle durch ständige Bewegungen diese Energiedifferenz aus.  
  
  
 
verdeckte Konformation beim Ethan
gestaffelte Konformation beim Ethan
  
 
 
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