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Cellulose
Cellulose ist das in der Natur am häufigsten
vorkommende, natürliche Polymer und auch die am häufigsten vorkommende
organische Verbindung. Cellulose bilden zusammen
mit Lignin und Pektinen die Gerüstsubstanz für pflanzliche Zellwände.
Bei den Tieren ist die Cellulose mit Ausnahme von einigen Manteltieren
nicht zu finden. Das Makromolekül der Cellulose ist aus dem Zweifachzucker
Cellobiose aufgebaut. Ein Cellobiose-Molekül enthält zwei Grundeinheiten
der Glucose, die durch eine b-Verknüpfung
(siehe Grafik) miteinander verbunden sind. Cellulose-Polymere enthalten
bis zu 5000 Glucose-Einheiten. Die zwischen den Makromolekülen befindlichen
Wasserstoffbrückenbindungen verhindern eine spiralartige Drehung des
Moleküls. Im Gegensatz zur Stärke
ist das Makromolekül der Cellulose daher linear angeordnet.

Holz ist der wichtigste Rohstoff für
Papier. Er enthält einen Anteil von bis zu 50% an Cellulosefasern.
Die Fasern sind mit mit dem Aromat Lignin fest verbunden, wodurch eine
hohe Stabilität erreicht wird. Lignin ist ebenfalls ein natürliches
Polymer. Es macht im Holz einen Anteil von 25% aus, während die restlichen
Bestandteile aus aromatischen Ölen, Harzen und Hemicellulosen zusammengesetzt
sind. Holz ist ein wichtiger Rohstoff für Cellulose-Produkte (z.B.
Papier und Kunststoffe). Durch das Erhitzen unter Luftabschluss erhält
man in einer Verkokung Holzkohle, die zum Heizen verwendet werden kann.
Holz wird auch zur Herstellung von Synthesegas
verwendet, die sekundären Inhaltsstoffe (Kautschuk,
Harze, Öle, u.a.) dienen zur Herstellung von Folgeprodukten wie Gummi,
Lacken, Klebstoffen oder Duftstoffen.
Aus Holz und dem Stroh von cellulosehaltigen
Pflanzen lässt sich Zellstoff
gewinnen. Bei der Zellstoffgewinnung werden in einem chemischen Verfahren
alle anderen Bestandteile der Pflanze - z.B. das Lignin - von der Cellulose
abgetrennt. Im Kraft-Verfahren erfolgt
die Abtrennung durch das Kochen der Holzschnitzel in einer alkalischen
Schwefelsalzlösung. Man erhält einen braunen Zellstoff, der sich
zur Herstellung von Packpapier eignet. Zur Entfernung der braunen Farbe
ist ein nachfolgendes Bleichen notwendig (mit Chlor
oder Sauerstoff). Beim Sulfit-Verfahren
wird das Lignin in einer sauren Schwefelsalz-Lösung gekocht und abgetrennt.
Der gewonnene Zellstoff des Sulfit-Verfahrens ist heller und weicher, dafür
aber nicht so fest. Bei diesen beiden Verfahren wird nur die Hälfte
des Holzes verarbeitet. Die andere Hälfte wird verbrannt und zur Energiegewinnung
genutzt.
Früher stellte man den Faserstoff
zur Herstellung von Papier auf mechanischem Weg her. Holzprügel wurden
unter Zusatz von Wasser von einem großen, rotierenden Schleifstein
zerfasert, um die Holzfasern aus dem Holz herauszureißen. Dieses
Verfahren nennt man Holzschliff. Bei
modernen mechanischen Verfahren, z.B. beim CTMP-Verfahren, wird das Holz
mit Wasserdampf und Chemikalien vorbehandelt. Allerdings ist mit diesem
Verfahren ein erheblicher Energieverbrauch verbunden und der erhaltene
Holzstoff ist zu grob für feine
Papiersorten. Er eignet sich für billige Papiersorten wie Zeitungspapier.
Alle drei Verfahren führen zu einer
erheblichen Umweltbelastung. Beim Kraft- und beim Sulfit-Verfahren werden
giftige Gase wie Schwefeldioxid und
Schwefelwasserstoff frei, weshalb eine
Abluftanlage notwendig ist. Werden die ausgewaschenen Holzreste in die
Gewässer gegeben, verbrauchen die Fasern dort Sauerstoff und führen
zu einem Umkippen der Gewässer.
Neuere Verfahren zur Zellstoffgewinnung (z.B. das Allcell-Verfahren oder
das Organocell-Verfahren) lösen die begleitenden Holzstoffe mit Hilfe
von organischen Lösungsmitteln bei erhöhter Temperatur und Druck
aus dem Holz. Die Entwicklung und der Einsatz dieser Technologien tragen
erheblich zur Reduzierung der Umweltbelastung bei.
Papier
Nach der Isolierung der Faserstoffe aus
dem Holz werden sie zu einem festen Gebilde verfilzt. Zunächst wird
der angelieferte Zellstoff mit Wasser zu einer Suspension aufbereitet.
Der Suspension werden natürliche Mineralien als Füllstoffe
zugegeben. Diese sparen Zellstoff und verleihen dem Papier bessere Eigenschaften,
es wird dadurch weißer und undurchsichtiger. Die Zugabe von Leimstoffen
wie Harze oder Alaun machen das Papier wasserabstoßend und verhindern
das Zerfließen von Tinte. Farbstoffe geben dem Papier den gewünschten
Farbton. Danach gelangt die Faserstoffmischung (Pulpe) auf ein glattes
Sieb, wird dort gleichmäßig verteilt, gewalzt oder gepresst
und getrocknet.
Baumwolle
Baumwolle ist eine pflanzliche Naturfaser,
die aus den Samenhaaren des zu den Malvengewächsen gehörenden
Baumwollstrauches (Gossypium) gewonnen wird. Nach der Blüte des Strauches
entwickelt sich eine Fruchtkapsel, aus der ein Bausch weißer Samenhaare
herausragt. Die Länge der Haare variiert von einem bis zu sechs Zentimeter.
Die größten Baumwollfelder finden sich im Südwesten der
USA. Nach dem Sammeln und Reinigen der Samenhaare lässt sich durch
Spinnen ein Garn erzeugen, das zur Herstellung von zahlreichen Produkten
der Textilindustrie verwendet wird. Baumwolle lässt sich bleichen
und färben (z.B. mit dem Küpenfarbstoff Indigo)
und eignet sich auch zur Herstellung von Watte.
Viskosefasern
Genau genommen ist die Viskosefaser keine
natürliche Faser. Sie wird zwar aus natürlichen Rohstoffen gewonnen
(Holzzellstoff), aber die Herstellung der Faser erfolgt auf chemischem
Weg. Der von den Zellstofffabriken angelieferte Zellstoff
wird zunächst mit konzentrierter Natronlauge
versetzt. Dies bewirkt ein Aufquellen der Cellulose. Die Polymere werden
dabei in kürzere Ketten zerlegt. Durch die Zugabe von Schwefelkohlenstoff
bildet sich als Zwischenprodukt Cellulose-Xanthogenat, eine orangegelbe,
zähflüssige Masse, die auch als Viskose
bezeichnet wird. Nach der Zugabe von verdünnter Natronlauge erhält
man eine Lösung, die durch Spinndüsen in ein Säurebad gepresst
wird. Dabei zerfällt die Viskose und man erhält regenerierte
Cellulose in Form von feinen Fäden.
Bei diesem Vorgang entstehen äußerst giftige Zersetzungsprodukte
wie Schwefelwasserstoff und Schwefelkohlenstoff,
die leicht brennbar sind und mit der Luft explosionsfähige Gemische
bilden. Viskosefasern besitzen einen seidenähnlichen Glanz. Sie werden
zu Garnen verarbeitet und in der Textil- und Möbelindustrie vielfältig
eingesetzt. Aus der Viskoselösung lässt sich auch eine regenerierte
Cellulose in Folienform gewinnen. Diese ist im Handel unter dem Namen Cellophan
bekannt.
Celluloseacetat
(CA)
Celluloseacetat ist ein Ester
der Cellulose, der schon im Jahre 1865 entdeckt
wurde. Aber erst 1904 entwickelte man ein Produkt, aus dem sich Folien
und Filme fertigen ließen. Bei der Herstellung werden die OH-Gruppen
der Cellulose mit Essigsäureanhydrid unter Zugabe von Schwefelsäure
zu Cellulosetriacetat verestert. Durch Erwärmen und die Zugabe von
Wasser wird ein geringer Anteil des Acetat-Gruppen wieder abgespalten und
man erhält die Acetylcellulose, die im Molekülbau kürzere
Ketten aufweist. Acetylcellulose ist in Aceton
löslich, aus ihr lassen sich Acetat-Fasern
spinnen. Diese Fasern wurden früher als Kunstseide
bezeichnet. Der Begriff ist jedoch heute nicht mehr üblich, da er
mit Seide eigentlich nichts zu tun hat. In Kombination mit Weichmachern
erhält man einen thermoplastischen Kunststoff, der zur Herstellung
von Griffen bei Werkzeugen, Tastaturen, Lenkrädern oder Kugelschreibern
eingesetzt wird.
Celluloid (Zellhorn)
Um 1900 wurden jährlich noch 12000
Elefanten zur Gewinnung von Elfenbein aus ihren Stoßzähnen getötet.
Elfenbein wurde vor allem für Billardkugeln und Klaviertastaturen
benötigt. Kleine Unebenheiten der Billardkugeln verärgerten um
1870 einen amerikanischen Billardspieler dermaßen, dass er eine Belohnung
von 10000 Dollar für die Herstellung eines besseren Materials bot.
Etwa zur gleichen Zeit gelang es den Brüdern Hyatt aus Baumwolle ein
neues Material herzustellen. Durch die Behandlung von Baumwolle mit konzentrierter
Salpetersäure und konzentrierter
Schwefelsäure (Nitriersäure)
erhält man Schießbaumwolle (ein >Ester
der Cellulose). Diese eignet sich als Sprengstoff
und in abgeschwächter Form als Schießpulver. Durch das Lösen
der Schießbaumwolle in einem Gemisch aus Alkohol und Campher erhielten
die Brüder Hyatt einen Stoff, der durchsichtig wie Glas und zäher
als Leder war.
Das erhaltene Celluloid konnte man färben,
und es schmolz bereits bei niedrigen Temperaturen ohne zu zerfließen.
Damit war Celluloid der erste industriell hergestellte, thermoplastische
Kunststoff. Die Eigenschaften des Celluloids ermöglichte den Brüdern
Hyatt auch die Konstruktion der ersten Spritzgießmaschine. Die hohe
Zähigkeit und Transparenz des Celluloids ermöglichte einen Einsatz
als Trägermaterial für Filme in der Fotografie und im Kino. Aufgrund
seiner leichten Entflammbarkeit wurde es später durch andere Kunststoffe
ersetzt. Heute wird das Celluloid noch zur Herstellung von Tischtennisbällen,
Knöpfen, Kämmen oder von Brillengestellen verwendet.
c) Tierische Rohstoffe
auf der Basis von Proteinen
Einige tierische Rohstoffen werden als Polymere selbst oder zur Herstellung von Polymeren verwendet. Das Casein-Formaldehyd (Kunsthorn) entsteht durch die Härtung von natürlichen Eiweißen (aus Milch oder Eiern) mit Formaldehyd. Auch die Naturfasern Wolle und Seide enthalten Polymere auf der Basis von Eiweiß.
Wolle
Aus den Tierhaaren des Hausschafes lässt
sich Schafwolle gewinnen. Zur Wollgewinnung werden die Schafe einmal jährlich
geschoren. Im erweiterten Sinne versteht man unter Wolle auch andere tierische
Textilfasern, z.B. die Unterhaare des südamerikanischen Lamas (Lamawolle,
Alpakawolle), der Kaninchen (Angorawolle) oder der Ziegen (Kaschmirwolle,
Mohairwolle). Wolle besteht im wesentlichen aus den zu den Faserproteinen
zählenden Keratinen. Bei der Wolle sind die Proteinmoleküle spiralförmig
aufgerollt (siehe >Proteine),
was die Elastizität der Faser erklärt (Näheres unter >Haare).
Pro Schaf lassen sich 3-5 kg Wolle gewinnen.
Bei der Schur wird dem Schaf das Fellkleid in einem Stück abgeschoren
und man erhält das Vlies. Nach der Schur wird die Wolle durch Waschen
zunächst vom Wollschweiß, der aus Wollfett und getrocknetem
Schweiß besteht, gereinigt. Das Wollfett sondern die Schafe aus ihren
Talgdrüsen ab, es dient ihnen zum Schutz des Felles. Wollfett wird
zu Lanolin verarbeitet und dann in der Kosmetikindustrie als Salbengrundlage
verwendet. Nach dem Trocknen wird die Schafwolle aufgezupft und zu einem
Wollfaden versponnen.
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