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Der zu den Leingewächsen gehörende
Sommerlein kommt in verschiedenen Zuchtformen vor. Faserlein (Flachs) besitzt
kleine hellblaue Blüten und einen unverzweigten Stengel. Er wird über
einen Meter hoch. Der Stengel besteht aus bis zu 4cm langen Bastfasern,
die aufgrund ihrer besonderen Reißfestigkeit zur Herstellung von
Textilfasern (Leinen) verwendet werden. Der kleinwüchsigere Öllein
ist an etwas größeren Blüten und Samen und an einem stark
verzweigten Stengel zu erkennen (Grafik). Die
großen Kapseln und Samen des Ölleins garantieren eine gute Ausbeute
bei der Leinölgewinnung.
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Die Gewinnung des Öls erfolgt aus
den Samen des Ölleins. Der Ölgehalt der Samen beträgt etwa
30-48% und setzt sich folgendermaßen zusammen:
-
gesättigte Fettsäuren:
1-4% Stearinsäure; 4-8% Palmitinsäure
-
ungesättigte Fettsäuren: 10-30%
Linolsäure; 15-30% Ölsäure; 40-68% Linolensäure
-
Ungesättigte Fettsäuren besitzen
mindestens eine Doppelbindung in der Kohlenstoffkette.
-
Weitere Inhaltsstoffe sind Wasser, Eiweiße
und Kohlenhydrate.
Herstellung in der Ölmühle
Pockau nach einem alten Verfahren
(nach H. Neubauer und G. Klotz, Ölmühle
Pockau):
Die >Ölmühle
Pockau im Kreis Marienberg (Erzgebirge) ist die einzige noch funktionstüchtige
Mühle in Europa, welche die Gewinnung von Leinöl nach dem alten
Verfahren demonstrieren kann. Ein Auszug aus der Begleitbroschüre
des Museums (von H. Neubauer und G. Klotz) verdeutlicht das Verfahren:
„In einer 3m langen, schmalen Holzkiste
befinden sich 5 eiserne Stampftröge, die mit Ölfrüchten,
meist Leinsamen, aber auch Raps, Mohn, Rübsen, Sonnenblumenkerne oder
Bucheckern gefüllt werden. 10 Stampfen, zu 5 Paaren geordnet, werden
durch die Daumenwelle mittels 20 versetzter Daumen (Nocken) nacheinander
in gleichmäßigem Arbeitsrhythmus bei jeder Umdrehung zweimal
angehoben und fallen nach dem Abgleiten der Stampfansätze (Gegennocken)
von den Daumen der Welle durch ihr Eigengewicht nach unten und leisten
dabei Stampfarbeit. Die Ölfrüchte werden nun von den Eisenschuhen
der Stampfen zerstampft bis ein öliger Schrot entsteht. (...)
Stampfwerk der Ölmühle
Pockau
|
Schlägelpresse
der Ölmühle Pockau
|
Der Leinschrot wird auf einem Herd, in
dem ein mit Sägespänen abgedecktes Feuer mit großen Holzstücken
schwelt, in einer Pfanne mit eisernem Boden von 60cm Durchmesser und 10cm
Tiefe unter Umrühren auf ca. 70°C erwärmt. Der heiße
Leinschrot kommt nun in die eiserne Pressform (30cm Durchmesser).
Nach dem Einsetzen der Pressform beginnt
mit Hilfe eines Keiles, Gegenkeiles, Hammers und einer Pressplatte die
Ölgewinnung. Der Vorgang verläuft folgendermaßen:
In der Höhe des Bodenraumes befindet
sich eine dritte Holzwelle, die mittels eines Holzgestänges durch
den 21. Daumen von der Daumenwelle in eine Pendelbewegung versetzt wird.
An dieser Welle hängt ein 65 kg schwerer Eisenhammer, der mit kräftigen
Schlägen den Holzkeil fest gegen die Pressplatte der Eisenform treibt.
Dabei wird mit gewaltigem Druck der heiße Leinschrot zu einem trockenen
Ölkuchen zusammengepresst, und das hierbei gewonnene Öl läuft
durch eiserne Lochscheiben und Filzfilter dann als reines Speiseöl
in ein darunter stehendes Kupfergefäß. Übrig bleibt der
Leinkuchen, der als hochwertiges Futtermittel zu Leinmehl verstampft wird.“
Die Arbeitsschritte dieses Verfahrens
entsprechen im wesentlichen der heutigen Gewinnung von Pflanzenölen:
Kaltpressung
Durch das Auspressen in einer Presse können
aus Sonnenblumenkernen, Lein- oder Ricinussamen pflanzliche Öle gewonnen
werden. Erfolgt die Pressung bei Zimmertemperatur, lösen sich nur
die Öle mit bestem Aroma und bester Qualität. Bei höheren
Temperaturen lösen sich auch andere Pflanzenbestandteile, welche die
Qualität des Öles vermindern. Aus diesem Grunde gehören
kaltgepresste Pflanzenöle zu den wertvollsten und teuersten Ölen.
Extraktion
Fette und Öle lösen sich in
unpolaren, organischen Lösungsmitteln wie Hexan oder Benzin besonders
gut. Zur Ölgewinnung werden die zerkleinerten oder gemahlenen Samen
in einem Kolben mit dem Lösungsmittel versetzt und evt. leicht erhitzt.
Ein aufgesetzter Rückflusskühler verhindert, dass die Öle
bei höheren Temperaturen abdampfen. Während der Extraktion
lösen sich die pflanzlichen Öle und Fette im Lösungsmittel.
Befinden sich im Extrakt noch feste Pflanzenbestandteile, werden diese
abfiltriert.
Nach der Extraktion wird das Lösungsmittel
vom Filtrat abdestilliert. Die Pflanzenöle besitzen wesentlich höhere
Siedetemperaturen als das niedrig siedende Benzin, welches zuerst abdestilliert
und für weitere Extraktionen wieder verwendet werden kann. Im Rückstand
der Destillationsapparatur bleibt
das reine Pflanzenöl zurück.
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Verwendung:
Unter Lufteinwirkung oxidieren
ungesättigte Fettsäuren mit dem Luftsauerstoff.
Dies gilt vor allem für mehrfach ungesättigte Fettsäuren
wie die Linolensäure mit ihren drei Doppelbindungen. Die oxidierten
Zwischenprodukte verbinden sich an den Sauerstoffbindungen zu Riesenmolekülen,
wobei die Fettsäure, bzw. das Öl zu einem festen und beständigen
Harz erstarrt. Der Vorgang des Verbindens vieler Moleküle zu einer
kettenförmigen Verbindung wird auch als Polymerisation bezeichnet.
Das oxidierte und polymerisierte Leinöl nennt man Linoxyn. Aufgrund
dieser Eigenschaft ist das Leinöl mit seinen mehrfach gesättigten
Fettsäuren ein hervorragendes Bindemittel,
welches Pigmente dauerhaft und wetterbeständig
auf einem Untergrund haften lässt.
Durch das Erhitzen des Leinöl bei
ca. 300°C unter Luftabschluss erhält man ein zähflüssiges
Öl, welches auch als Leinöl-Standöl bezeichnet wird. Anstriche
mit diesem Öl als Bindemittel sind noch
elastischer und beständiger gegen Witterungseinflüsse. Leinöl
war früher eines der wichtigsten Bindemittel für Farben und Lacke.
Eine Ölfarbe erhält man zum Beispiel durch das Verrühren
eines Pigments mit Leinöl. Fast alle großen Meister verwendeten
dieses Rezept für ihre Ölmalereien.
Heute benutzen viele Naturfarbenhersteller wie Auro
oder Livos das Öl zur Herstellung umweltverträglicher Farben
und Lacke.
Aufgrund seines hohen Gehalts an ungesättigten
Fettsäuren ist das Leinöl ein wertvolles Speiseöl. Ölsäure,
Linolsäure und Linolensäure gehören zu den essentiellen
Fettsäuren, die für den menschlichen Körper lebensnotwendig
sind. Vor allem die kaltgepressten Pflanzenöle enthalten einen hohen
Anteil an fettlöslichen Vitaminen wie Vitamin A und E. Tierische Fette
und Öle besitzen weniger ungesättigte Fettsäuren als pflanzliche
Produkte und enthalten einen hohen Anteil an Cholesterin. Letzteres beschleunigt
die Bildung von Gicht und Harnsteinen. Cholesterin verstopft Blutbahnen
und fördert besonders im Alter Herzinfarkte (Durchblutungsstörung
im Herzen) und Schlaganfälle (Durchblutungsstörung im Gehirn).
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Früher diente Leinöl auch zur
Herstellung von Linoleum, einem auf Naturstoffen basierenden Bodenbelag,
den Sir Frederic im Jahre 1863 in London patentieren ließ. Seit kurzer
Zeit erlebt der natürliche Bodenbelag im Zuge eines neuen Umweltbewusstseins
eine Renaissance, er wird wieder zunehmend für Bodenbeläge eingesetzt.
Darüber hinaus wird das Leinöl zur Produktion von Geweben, Schmierseifen,
Kitt und Wachstüchern verwendet.
Aus ökologischer Sicht ist der nachwachsende
Rohstoff Leinöl und sein Produktionskreislauf ein gutes Beispiel
für eine umweltverträgliche und moderne Technologie der sogenannten
sanften Chemie. Sämtliche Produkte, Zwischenprodukte und Abfallstoffe
sind umweltverträglich und können wieder in den natürlichen
Ökokreislauf zurückgeführt werden, wie das nebenstehende
Schaubild zeigt.
Quelle: Hermann Fischer,
Auro