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Leinöl
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Der zu den Leingewächsen gehörende Sommerlein kommt in verschiedenen Zuchtformen vor. Faserlein (Flachs) besitzt kleine hellblaue Blüten und einen unverzweigten Stengel. Er wird über einen Meter hoch. Der Stengel besteht aus bis zu 4cm langen Bastfasern, die aufgrund ihrer besonderen Reißfestigkeit zur Herstellung von Textilfasern (Leinen) verwendet werden. Der kleinwüchsigere Öllein ist an etwas größeren Blüten und Samen und an einem stark verzweigten Stengel zu erkennen (Grafik). Die großen Kapseln und Samen des Ölleins garantieren eine gute Ausbeute bei der Leinölgewinnung.
 
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Die Gewinnung des Öls erfolgt aus den Samen des Ölleins. Der Ölgehalt der Samen beträgt etwa 30-48% und setzt sich folgendermaßen zusammen:  
Herstellung in der Ölmühle Pockau nach einem alten Verfahren
(nach H. Neubauer und G. Klotz, Ölmühle Pockau):

Die >Ölmühle Pockau im Kreis Marienberg (Erzgebirge) ist die einzige noch funktionstüchtige Mühle in Europa, welche die Gewinnung von Leinöl nach dem alten Verfahren demonstrieren kann. Ein Auszug aus der Begleitbroschüre des Museums (von H. Neubauer und G. Klotz) verdeutlicht das Verfahren:
 
„In einer 3m langen, schmalen Holzkiste befinden sich 5 eiserne Stampftröge, die mit Ölfrüchten, meist Leinsamen, aber auch Raps, Mohn, Rübsen, Sonnenblumenkerne oder Bucheckern gefüllt werden. 10 Stampfen, zu 5 Paaren geordnet, werden durch die Daumenwelle mittels 20 versetzter Daumen (Nocken) nacheinander in gleichmäßigem Arbeitsrhythmus bei jeder Umdrehung zweimal angehoben und fallen nach dem Abgleiten der Stampfansätze (Gegennocken) von den Daumen der Welle durch ihr Eigengewicht nach unten und leisten dabei Stampfarbeit. Die Ölfrüchte werden nun von den Eisenschuhen der Stampfen zerstampft bis ein öliger Schrot entsteht. (...)
 

 
Stampfwerk der Ölmühle Pockau
 
Schlägelpresse der Ölmühle Pockau
 
Der Leinschrot wird auf einem Herd, in dem ein mit Sägespänen abgedecktes Feuer mit großen Holzstücken schwelt, in einer Pfanne mit eisernem Boden von 60cm Durchmesser und 10cm Tiefe unter Umrühren auf ca. 70°C erwärmt. Der heiße Leinschrot kommt nun in die eiserne Pressform (30cm Durchmesser).
 
Nach dem Einsetzen der Pressform beginnt mit Hilfe eines Keiles, Gegenkeiles, Hammers und einer Pressplatte die Ölgewinnung. Der Vorgang verläuft folgendermaßen:
 
In der Höhe des Bodenraumes befindet sich eine dritte Holzwelle, die mittels eines Holzgestänges durch den 21. Daumen von der Daumenwelle in eine Pendelbewegung versetzt wird. An dieser Welle hängt ein 65 kg schwerer Eisenhammer, der mit kräftigen Schlägen den Holzkeil fest gegen die Pressplatte der Eisenform treibt. Dabei wird mit gewaltigem Druck der heiße Leinschrot zu einem trockenen Ölkuchen zusammengepresst, und das hierbei gewonnene Öl läuft durch eiserne Lochscheiben und Filzfilter dann als reines Speiseöl in ein darunter stehendes Kupfergefäß. Übrig bleibt der Leinkuchen, der als hochwertiges Futtermittel zu Leinmehl verstampft wird.“
 
Die Arbeitsschritte dieses Verfahrens entsprechen im wesentlichen der heutigen Gewinnung von Pflanzenölen:
 
Kaltpressung
 
Durch das Auspressen in einer Presse können aus Sonnenblumenkernen, Lein- oder Ricinussamen pflanzliche Öle gewonnen werden. Erfolgt die Pressung bei Zimmertemperatur, lösen sich nur die Öle mit bestem Aroma und bester Qualität. Bei höheren Temperaturen lösen sich auch andere Pflanzenbestandteile, welche die Qualität des Öles vermindern. Aus diesem Grunde gehören kaltgepresste Pflanzenöle zu den wertvollsten und teuersten Ölen.
 
 
Extraktion
 
Fette und Öle lösen sich in unpolaren, organischen Lösungsmitteln wie Hexan oder Benzin besonders gut. Zur Ölgewinnung werden die zerkleinerten oder gemahlenen Samen in einem Kolben mit dem Lösungsmittel versetzt und evt. leicht erhitzt. Ein aufgesetzter Rückflusskühler verhindert, dass die Öle bei höheren Temperaturen abdampfen. Während der Extraktion lösen sich die pflanzlichen Öle und Fette im Lösungsmittel. Befinden sich im Extrakt noch feste Pflanzenbestandteile, werden diese abfiltriert.
 
Nach der Extraktion wird das Lösungsmittel vom Filtrat abdestilliert. Die Pflanzenöle besitzen wesentlich höhere Siedetemperaturen als das niedrig siedende Benzin, welches zuerst abdestilliert und für weitere Extraktionen wieder verwendet werden kann. Im Rückstand der Destillationsapparatur bleibt das reine Pflanzenöl zurück.
 
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Verwendung:
 
Unter Lufteinwirkung oxidieren ungesättigte Fettsäuren mit dem Luftsauerstoff. Dies gilt vor allem für mehrfach ungesättigte Fettsäuren wie die Linolensäure mit ihren drei Doppelbindungen. Die oxidierten Zwischenprodukte verbinden sich an den Sauerstoffbindungen zu Riesenmolekülen, wobei die Fettsäure, bzw. das Öl zu einem festen und beständigen Harz erstarrt. Der Vorgang des Verbindens vieler Moleküle zu einer kettenförmigen Verbindung wird auch als Polymerisation bezeichnet. Das oxidierte und polymerisierte Leinöl nennt man Linoxyn. Aufgrund dieser Eigenschaft ist das Leinöl mit seinen mehrfach gesättigten Fettsäuren ein hervorragendes Bindemittel, welches Pigmente dauerhaft und wetterbeständig auf einem Untergrund haften lässt.
 
Durch das Erhitzen des Leinöl bei ca. 300°C unter Luftabschluss erhält man ein zähflüssiges Öl, welches auch als Leinöl-Standöl bezeichnet wird. Anstriche mit diesem Öl als Bindemittel sind noch elastischer und beständiger gegen Witterungseinflüsse. Leinöl war früher eines der wichtigsten Bindemittel für Farben und Lacke. Eine Ölfarbe erhält man zum Beispiel durch das Verrühren eines Pigments mit Leinöl. Fast alle großen Meister verwendeten dieses Rezept für ihre Ölmalereien. Heute benutzen viele Naturfarbenhersteller wie Auro oder Livos das Öl zur Herstellung umweltverträglicher Farben und Lacke.
  
Aufgrund seines hohen Gehalts an ungesättigten Fettsäuren ist das Leinöl ein wertvolles Speiseöl. Ölsäure, Linolsäure und Linolensäure gehören zu den essentiellen Fettsäuren, die für den menschlichen Körper lebensnotwendig sind. Vor allem die kaltgepressten Pflanzenöle enthalten einen hohen Anteil an fettlöslichen Vitaminen wie Vitamin A und E. Tierische Fette und Öle besitzen weniger ungesättigte Fettsäuren als pflanzliche Produkte und enthalten einen hohen Anteil an Cholesterin. Letzteres beschleunigt die Bildung von Gicht und Harnsteinen. Cholesterin verstopft Blutbahnen und fördert besonders im Alter Herzinfarkte (Durchblutungsstörung im Herzen) und Schlaganfälle (Durchblutungsstörung im Gehirn).
 

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Früher diente Leinöl auch zur Herstellung von Linoleum, einem auf Naturstoffen basierenden Bodenbelag, den Sir Frederic im Jahre 1863 in London patentieren ließ. Seit kurzer Zeit erlebt der natürliche Bodenbelag im Zuge eines neuen Umweltbewusstseins eine Renaissance, er wird wieder zunehmend für Bodenbeläge eingesetzt. Darüber hinaus wird das Leinöl zur Produktion von Geweben, Schmierseifen, Kitt und Wachstüchern verwendet.
  
Aus ökologischer Sicht ist der nachwachsende Rohstoff Leinöl und sein Produktionskreislauf ein gutes Beispiel für eine umweltverträgliche und moderne Technologie der sogenannten sanften Chemie. Sämtliche Produkte, Zwischenprodukte und Abfallstoffe sind umweltverträglich und können wieder in den natürlichen Ökokreislauf zurückgeführt werden, wie das nebenstehende Schaubild zeigt.
 
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Quelle: Hermann Fischer, Auro
 
 
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