|
|

Die Verwendung von wenig Schwefel führt
zu einem Weichgummi, ein hoher Schwefelanteil
zu Hartgummi. Der aus dem Latex gewonnene
Gummi wird auch als Natur-Kautschuk bezeichnet. Er ist leichter als Wasser
und leitet Elektrizität und Wärme schlecht. Beim Abkühlen
unter 3-4°C wird er spröde, beim Erhitzen auf 145°C klebrig
und oberhalb von 170°C zerfließt er und verbrennt mit stark rußender
Flamme. In Ether, Benzol oder Benzin löst er sich, gegen verdünnte
Säuren und Laugen ist er beständig. Im Natur-Kautschuk sind bis
zu 30000 Grundeinheiten zu einem Makromolekül verknüpft. Die
erste bedeutende Arbeit zur Aufklärung der Strukturformel des hochmolekuren
Kautschuks gelang Hermann Staudinger
im Jahre 1920.

Das zur Verhütung eingesetzte Kondom
aus Gummi wurde von Charles Goodyear im Jahre 1855 erfunden. Latex besitzt
heute noch eine zweite Bedeutung: Es bezeichnet die Kurzform von Latexgummi,
der meist aus Synthese-Kautschuk hergestellt und für Kondome oder
für Fetischkleidung verwendet wird.
Die Geschichte des Natur-Kautschuks reicht
aber wesentlich weiter zurück. Bereits die Kultur der Mayas benutzte
elastische Bälle, die aus Natur-Kautschuk hergestellt waren. Der Franzose
Charles Marie de La Condamine (1701-1774) bereiste im 18. Jahrhundert die
Amazonasgebiete und beschrieb 1755 die Gewinnung von Natur-Kautschuk aus
dem Kautschukbaum der Eingeborenen. Sie benutzten den Naturkautschuk als
Klebemittel zur Herstellung von Schuhen und fertigten daraus wasserdichte
Gefäße an. Der Chemiker Joseph
Priestley (1733-1804) zeigte im Jahre 1770, dass man mit Natur-Kautschuk
Bleistiftstriche wegradieren kann. Zwei Jahre später wurden erstmals
kleine Würfel aus Natur-Kautschuk als Radiergummis in den Läden
von Paris und London verkauft. Heute wird ein Großteil des Gummis
zur Herstellung von Reifen, Pufferteilen, Dichtungen, Luftballons, Handschuhen,
Schläuchen, Schuhen und Schuhsohlen verarbeitet. Von Bedeutung sind
auch Latex-Matratzen, die aus Natur-Kautschuk hergestellt werden.


| Copyright: T. Seilnacht |