Lage
Das Saar-Nahe-Becken erstreckt sich als großer Einbruchgraben im Südwesten des Bundeslandes Rheinland-Pfalz bis zum Saarland. Freisen zählt auch zu diesem Gebiet. Eingerahmt wird es vom Hunsrück im Norden und dem Pfälzerwald im Süden. Berühmt ist das Achatrevier rund um Idar-Oberstein mit den bekannten Steinbrüchen Setz und Juchem oder bei Baumholder. Auch der Steinbruch bei Rammelsbach, die Quecksilbervorkommen und das mächtige Massiv des Donnersberges mit den umliegenden Steinbrüchen oder Bergwerken bei Imsbach, Dannenfels oder Rockenhausen zählen geologisch gesehen zum Gebiet.
Geologie
Die geologische Geschichte des Beckens begann vor rund 290 Millionen Jahren im Erdzeitalter Perm im Abschnitt Rotliegend. Zu dieser Zeit bildete sich die Steinkohle aus den Überbleibseln der damaligen Pflanzen, ebenso die eisenerzhaltige Tonsande, die durch Flüsse eingetragen wurden. Die Steinkohle wurde früher hauptsächlich im saarländischen Bereich des Beckens abgebaut, die Eisenerze auch in den anderen Bereichen.
Durch Dehnung der Erdkruste entstanden nach und nach tiefe Spalten. Durch diese Risse gelangte Magma nach oben, die zur Andesit-Lava abkühlte. Emporsteigende Gase hinterließen Hohlräume (Geoden). Im Lauf der Jahrmillionen sickerten erzhaltige, hydrothermale Lösungen durch das Gestein. Beim Abkühlen der heißen Kieselsäure-Lösungen kristallisierte der Quarz aus. Je nach Wachstumsbedingungen konnten in den nicht vollständig gefüllten Hohlräumen Quarzkristalle entstehen (=Druse) oder Achat, der dann oft den gesamten Hohlraum ausfüllte (=Mandel). Zur Bildung des violetten Amethysts benötigte es Eisen-Ionen und eine schwache, natürliche Gammastrahlung.
Idar-Oberstein
Berühmt ist der Steinbruch Setz oberhalb der Weiherschleife, er lieferte schönen Achat und Amethyst, sowie Calcit und Harmotom. Heute steht er unter Naturschutz und darf nicht mehr betreten werden.

Steinbruch Setz
bei Idar

Amethyst
Steinbruch Setz

Calcit Vizinalflächen
Steinbruch Setz

Harmotom
Steinbruch Setz

Harmotom
Steinbruch Setz
Fischbach
Die Gemeinde Fischbach befindet sich etwa zehn Kilometer nördlich von Idar-Oberstein. Dort mündet der Fischbach in die Nahe. Über den Hosenbach gelangt man zum Kupferbergwerk Fischbach, das Führungen in die alten Minen anbietet (>Internet). Urkundlich ist es im 15. Jahrhundert erstmals erwähnt, aber schon 1792 stellte es seinen Betrieb ein. 1975 wurde es als Besucherbergwerk wiedereröffnet. Besonders interessant sind die alten Stollen, in denen man an den Wänden die blaugrünen Ausblühungen der Kupferminerale direkt sehen kann. Auf dem Gelände wird gezeigt, wie die historische Kupferschmelze stattfand, man sieht ein Pochwerk oder Proben mit Schwarzkupfer, das einen Kupfergehalt von bis zu 95 % aufweist (siehe Kupfergewinnung). Fährt man mit dem Auto das Fischbachtal ein paar Kilometer hinauf, gelangt man zum Steinbruch Juchem. Im Jahr 2002 ließ der Autor einen dort gefundenen Achat bei der Schleiferei Karl & Otto Dreher in Fischbach schleifen (Foto des Achats). Bei der traditionellen Achatschleiferei muss sich der Schleifer auf einem Brett abstützen – oft auch im Liegen – um den maximalen Druck auszuüben, der für den extrem harten Achat notwendig ist, sobald er an den feucht gehaltenen und schnell rotierenden Schleifstein gehalten wird.
Steinbruch Juchem
Der legendäre Steinbruch Juchem liegt im Fischbachtal bei Niederwörresbach im Landkreis Birkenfeld. Er wurde 1933 durch ein paar Arbeiter eröffnet. In ihm wird das vulkanische Gestein Andesit für den Straßenbau abgebaut. Zwischen 1980 und 1990 suchten oft hunderte von Sammlern nach Betriebsende in dem Steinbruch nach Schätzen. Die berühmten Amethyst- und Rauchquarzdrusen stammen vor allem aus dem Bereich „Wasserfall“ links hinten neben der ersten großen Wand. Im oberen Bereich, fast am Wald, fand man in der „Achatecke“ zwischen 1990 und 2000 sehr viel Achatmandeln und wenig Drusen. Später war dann der Steinbruch an bestimmten Tagen an zugewiesenen Stellen gegen Gebühr geöffnet, heute darf man ihn gar nicht mehr betreten, und auch der einst beliebte Mineralienmarkt auf dem Parkplatz davor existiert nicht mehr.
Die berühmten Amethystdrusen aus Juchem sind wohl den meisten Sammlerinnen und Sammlern bekannt. Sie zählen aufgrund ihres Aufbaus und ihrer Farbe zu den schönsten der Welt. In den Geoden finden sich neben dem Amethyst auch andere Minerale wie Rauchquarz, Calcit, Goethit, Harmotom und sogar grüner Fluorit. Bei den Achatmandeln ist meistens die ganze Geode ausgefüllt. Sie können Bitumen-Einschlüsse oder schwarzen Hämatit enthalten oder aber auch von der grünen Klinochlor-Varietät Delessit durchwachsen sein. Manche Achatmandeln sind pseudomorph zu Calcit umgewandelt. Auch zahlreiche weitere Pseudomorphosen kommen vor, zum Beispiel von Chalcedon nach Aragonit oder von Hämatit nach Calcit.

Achat, Amethyst
Schliff: Dreher
Birkenfeld, Baumholder, Reichenbach, u.a.
Auch in den Steinbrüchen anderer Gemeinden im Saar-Nahe-Becken wurden Achat und die typischen Begleitminerale in ausgezeichneter Qualität gefunden. Jedem Achat-Sammler sind die Namen der Gemeinden Birkenfeld, Reichenbach, Baumholder oder Reichweiler wohlbekannt. Die meisten Steinbrüche sind leider nicht mehr zugänglich, bei Baumholder befinden sie sich auf militärischem Sperrgebiet. Das legendäre Freisen zählt geologisch auch zur Region, es liegt bereits im Saarland. Die Achate wurden auch auf Äckern oder beim Bau von Straßen und Windrädern gefunden. Auch aus dem Steinbruch Kuhn bei Waldhambach in der südlichen Weinstraße haben viele Achate den Weg in Sammlungen gefunden. Wunderschöne Gangachate kommen aus Steinhardt bei Bad Sobernheim.

Baumholder
Kasernen und Ortskern

Achat
Baumholder

Achat
Baumholder

Stilbit, Chabasit
Reichenbach

Achat
Reichweiler

Achat
Waldhambach

Achat
Bad Sobernheim
Rammelsbach
Rammelsbach befindet sich im Landkreis Kusel oberhalb von Altenglan. Die Eröffnung des Steinbruchs erfolgte mit dem Bau der Bahnlinie von Landstuhl nach Kusel im Jahr 1868. Der Abbau von Dioritgestein oder „Kuselit" am Rammelsbacher Kopf endete im Jahr 2004. Das dortige Schotterwerk verarbeitet heute das Material aus dem rückseitig gelegenen Steinbruch am Remigiusberg bei Theisbergstegen. Dieser gräbt sich im Tagebau tief in den Boden. Dort werden alle Schichten sichtbar. Das Material wird hauptsächlich für Schotter der Deutschen Bahn benötigt. Früher wurden die Pflastersteine in zahlreichen europäischen Städten verbaut.
Im Rotliegend des Steinbruchs am Remigiusberg wurden im Jahr 2024 versteinerte Köpfe des Schmalschädlers Stenokranio boldi gefunden. Das Tier lebte räuberisch und gilt als Uramphib. Entdeckt wurden die Fossilien in der etwas dunkleren und leicht grünlichen Ablagerungs-Schicht, die sich im untersten Bereich in der 300 Millionen Jahre alten Remigiusberg-Formation befindet. Der magmatisch entstandene Kuselit liegt darunter, weil die zähflüssige Magma beim späteren Vulkanismus diese Formation nicht durchdrang, sondern nur hochdrückte. Im Steinbruchcafé in Rammelsbach erhält man Zugang zu einer Ausstellung über den weltberühmten Steinbruch.
Die Steinbrüche bei Rammelsbach lieferten für die Sammler unzählige Calcite. Dieses Mineral bildete sich zusammen mit den anderen Mineralen in den durch den ehemaligen Vulkanismus entstandenen Rissen. Typisch für Rammelsbach sind langgezogene Skalenoeder, die durch Hämatit rot gefärbt sind. Es kommen aber auch Calcite mit kugeligem oder rhomboedrischem Habitus vor. Der Calcit kann pseudomorph zu Dolomit umgewandelt sein. Es sind alle Übergangsformen zwischen Calcit und Dolomit vorhanden. Manchmal sitzen kleine, rötliche Hämatitkristalle direkt auf dem Quarz. Gefunden wurden zum Beispiel auch Anatas, Baryt, Chalkopyrit, Djurleit, Goethit, Malachit oder Pyrit.

Calcit
Rammelsbach

Seelilie
Rammelsbach
Donnersberg
Der Donnersberg ist mit 686 Meter über dem Meeresspiegel der höchste Gipfel des Nordpfälzer Berglandes. Er entstand ebenfalls vor rund 290 Millionen Jahren im Rotliegend, ist jedoch kein Vulkan mit einen typischen Krater. Die aufsteigende Magma war so zähflüssig, dass sie kurz unter der Erdoberfläche stecken blieb und sich zu einem gigantischen Lavadom aufblähte. Sie kühlte ab und erstarrte zu Rhyolith. Die Kupfererzgänge am Westrand des Donnersberges bei Imsbach entstanden durch das Aufsteigen hydrothermaler Lösungen in die Spalten des magmatischen Gesteins. Die Eisenerze sind sehr viel älter und bildeten sich bereits in der Frühphase durch Sedimentablagerungen bevor es überhaupt Vulkanismus gab.
Der Bergbau bei Imsbach im Donnersbergkreis lässt sich bis in die Römerzeit zurückverfolgen. Es wurden zunächst Eisenerze und später auch Buntmetallerze abgebaut. Die Weiße Grube wurde im 15. bis 16. Jahrhundert erschlossen und 1922 stillgelegt. Man förderte blaue und grüne Kupferminerale sowie Silber. Seit 1979 ist sie wie auch die gegenüberliegende, ehemalige Eisenerzgrube Grube Maria ein Besucherbergwerk. Bei der Weißen Grube steht ein nach mittelalterlichem Vorbild rekonstruiertes Pochwerk, das mit Wasserkraft angetrieben wird. Die Geschichte des Bergbaus in der Pfalz wird im Pfälzer Bergbaumuseum im Ortszentrum anschaulich beschrieben. Im Obergeschoss ist mit der „Terra Crystallum“ eine prächtige Mineraliensammlung untergebracht. Die Rundwanderwege um Imsbach führen zu den interessanten Stellen, die alle mit Schautafeln beschildert sind.
Mineralstufen sind nur noch aus alten Sammlungen zugänglich. Typisch aus der Weißen Grube sind Stufen mit Chalkosin, Covellin, Erythrin, Silber oder Tirolit. Ähnliche Paragenesen gab es in der Grube Grüner Löwe. Die Gruben Katharina 1 und Katharina 2 lieferten reichhaltig Kupferminerale wie Azurit, Bayldonit, Brochantit, Chrysokoll, Cuprit, Duftit, Konichalcit oder Malachit. Bleiminerale wie Cerussit, Linarit oder Mimetesit und sogar Parauranophan (früher „Uranophan-Beta“) kamen ebenfalls ans Tageslicht. Gut auskristallisierter, tafeliger Pyrolusit stammt aus der Grube Maria.

Covellin
Weiße Grube

Silber
Grube Grüner Löwe

Azurit
Grube Katharina 1

Chrysokoll
Grube Katharina 1

Duftit
Grube Katharina 1

Linarit
Grube Katharina 1

Malachit
Grube Katharina 1

Malachit, Cerussit
Grube Katharina 1

Malachit, Mimetesit
Grube Katharina 1

Mimetesit, Malachit
Grube Katharina 1

Tirolit
Grube Katharina 1

Parauranophan
Grube Katharina 1

Pyrolusit
Grube Maria
Steinbruch Lenz bei Rockenhausen
Der mächtige Steinbruch Lenz bei Rockenhausen ist heute ein einmaliges Naturdenkmal, das nicht mehr betreten werden darf. Früher baute man dort Andesit für den Straßenbau ab. Calcit, Chalkopyrit und Dolomit, sowie schöner Amethyst und Rauchquarz sind nur noch aus alten Sammlungen zugänglich. Auch Achat wurde im Steinbruch gefunden. Im Unterrotliegend kommen Fossilien vor.

Steinbruch Lenz
Teleblick aus dem Wald

Steinbruch Lenz
von oben mit See

Calcit, Dolomit
Rockenhausen

Amethyst
Rockenhausen

Rauchquarz
Rockenhausen
Steinbruch Giro bei Dannenfels
Im seit 2016 geschlossenen Steinbruch Giro am Mannbühl bei Dannenfels fünf Kilometer westlich von Kirchheimbolanden wurde Latit-Andesit abgebaut. Er war davor für die Sammler viele Jahre lang eine ergiebige Fundquelle für schönen Calcit, Baryt oder auch für Zeolithe wie Chabasit. Der tafelige Baryt kann knallgelb sein und ähnelt dadurch einem Wulfenit, der aber im Steinbruch nicht vorkommt. Der Calcit ist extrem variationsreich: Die Skalenoeder können sehr langgezogen und spitz sein. Häufig zeigen die Spitzen im Wachstum eine Zepterbildung, manchmal sogar einen Doppelzepter. Bei der unten abgebildeten Spitze zeigt der oberste Zepter rhomboedrische Formen. Auch Zwillinge kommen vor. Nach ihrem Aussehen mit gebogenen Kanten werden manche davon als „Walfischflossenzwillinge“ bezeichnet. Der Steinbruch lieferte auch Harmotom in hervorragend ausgebildeten Kristallen.

Steinbruch Giro
mit Mannbühl

Steinbruch Giro
Teleblick

Calcit
Steinbruch Giro

Calcit
Steinbruch Giro

Calcitzwilling
Steinbruch Giro

Calcit Zepter
Steinbruch Giro

Calcit Doppelzepter
Steinbruch Giro

Chabasit
Steinbruch Giro

Harmotom
Steinbruch Giro
Steinbrüche Wolfsmühle und Rauschermühle
Der Steinbruch neben der Wolfsmühle an der L379 bei Waldgrehweiler ist bei den Sammlern aufgrund des Pektolith-Vorkommens bekannt. Auf dem Pektolith sitzen manchmal schwarze Kristalle mit Julgoldit-(Fe2+). Auch Analcim, Chalkopyrit, Datolith, Laumontit oder Prehnit wurden im Steinbruch gefunden. Heute kann man von der Straße aus noch die verrosteten Reste der alten Förderanlagen sehen, das Betreten des Areals ist strikt verboten. Der ebenfalls stillgelegte Steinbruch Rauschermühle bei Niederkirchen im Landkreis Kaiserslautern lieferte den vielleicht schönsten Prehnit von Deutschland in grünen Kugeln. Der Prehnit kann mit Apophyllit oder mit Zeolithen wie Natrolith vergesellschaftet sein.

Stbr. Wolfsmühle
Blick von der Schranke

Analcim
Wolfsmühle

Datolith, Chalkopyrit
Wolfsmühle

Julgoldit
Wolfsmühle

Pektolith
Wolfsmühle

Pektolith
Wolfsmühle

Prehnit, Apophyllit
Rauschermühle
Quecksilbergruben im Gebiet
Die stillgelegten Quecksilbergruben wie die Grube Carolina am Landsberg bei Obermoschel sind Typlokalität für seltene Minerale wie Belendorffit, Kalomel, Moschellandsbergit oder Schachnerit. Die Minerale bei Obermoschel zeichnen sich durch ihren Silbergehalt aus. Die Fundstellen werden auf den alten Etiketten meistens mit „Moschellandsberg“ bezeichnet. Der Stahlberg mit den drei ehemaligen Gruben Frischer Mut, Roßwald und St. Peter befindet sich mehrere Kilometer nördlich von Rockenhausen auf einer Anhöhe. 1942 wurde der Bergbau in Obermoschel und am Stahlberg stillgelegt. Von den Gruben sind kaum noch Spuren vorhanden. Im ehemaligen Quecksilberbergwerk Schmittenstollen am Lemberg im Landkreis Bad Kreuznach wurde früher Zinnober abgebaut. Heute ist dort ein Besucherbergwerk.

Obermoschel
mit Landsberg

Kalomel TL
Moschellandsberg

Stahlberg
mit Ortschaft

Zinnober
Stahlberg

Zinnober
Lemberg
Hinweise: Es werden nur die bekanntesten Minerale einer Fundstelle genannt. Die abgebildeten Stücke stammen ausnahmslos aus alten Sammlungen, in überwiegender Zahl aus den Sammlungen von Herrn Setz, Max Kern und Manfred Früchtl. Das Betreten der Steinbrüche ist heute in den meisten Fällen verboten.


































