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Oxidation
1. Oxidation im einfachen
Sinne
Der Versuch soll den einfachen Begriff
der Oxidation erörtern. An einer Balkenwaage hängen zwei gleich
schwere Stücke Eisenwolle. Die Eisenwolle am rechten Waagebalken wird
entzündet und vollständig verbrannt. Auf welcher Seite zeigt
die Waage nach dem Verbrennen der Stahlwolle die größere Masse
an?
Das Ergebnis zeigt, dass die verbrannte
Stahlwolle am rechten Waagebalken die höhere Masse besitzt! Die Atome
der Eisenwolle haben sich bei der Verbrennung mit den Sauerstoffatomen
der Luft zu einem neuen Atomverband zusammengeschlossen. Das Reaktionsprodukt
(Eisenoxid) enthält hinzugekommene
Sauerstoff-Atome in chemisch gebundener Form.
Aus diesem Grunde wird die Eisenwolle beim Verbrennen schwerer.
Die Reaktion eines Stoffes mit Sauerstoff
nennt man Oxidation,
dabei entstehen Oxide.
Allgemein lässt sich die Gleichung folgendermaßen formulieren:
Metall
+ Sauerstoff -----> Metalloxid
Die Oxide sind in
der Natur die am häufigsten vorkommenden Verbindungen. Es sind Verbindungen
des Sauerstoffs mit anderen Elementen (mit Ausnahme des elektronegativeren
Fluors). Im Mineralienreich sind weit mehr als
1000 verschiedene Mineralien bekannt, z.B. Anatas,
Hämatit, Cuprit,
Korund, Magnetit
oder Quarz. Viele Salze
im Chemielabor sind ebenfalls Oxide:
Durch Klicken auf
die Flaschen können die Datenblätter abgerufen werden
1.
Beispiel: Die Verbrennung in einem Raketentriebwerk ist eine Oxidation
Das Space Shuttle führt
in Vorratstanks einen Brennstoff (Wasserstoff)
und ein Oxidationsmittel (Sauerstoff) mit sich.
Bei der Verbrennung von Wasserstoff und Sauerstoff in den Brennkammern
des Triebwerks entstehen große Energiebeträge, die als Schubenergie
verwertet werden können.
Der Tank wird in der
Erdumlaufbahn abgeworfen. Als Starthilfe benötigt die Columbia noch
zwei seitlich angebrachte Feststoffraketen. Die Reaktionsgleichung für
diese stark exotherme Verbrennung lautet:
Wasserstoff
+ Sauerstoff -----> Wasserstoffoxid ( = Wasser)
2 H2 +
O2 ----->
2 H2O DHR
= -572 kJ/mol
2.
Beispiel: Energiegewinnung im menschlichen Körper
Über die Nahrungsmittel
nehmen wir Kohlenhydrate
auf. Diese werden bei der Verdauung in Traubenzucker
umgewandelt, der über Blutbahnen zur Muskulatur und zum Gehirn transportiert
wird. Dort dient der Traubenzucker als Brennstoff und wird mit Hilfe des
Blutsauerstoffs (aus der Lunge) zu Kohlenstoffdioxid
oxidiert. Dabei wird Energie in Form von Wärme und Muskelarbeit frei.
Traubenzucker enthält viele chemisch gebundene Kohlenstoffatome. Diese
oxidieren zu Kohlenstoffdioxid, welches wir wieder über die Lunge
ausatmen.
3.
Beispiel: Auch das Rosten ist eine Oxidation
Der Versuch verdeutlicht,
dass auch beim Rosten Sauerstoff verbraucht
wird: Zwei Reagenzgläser werden mit Eisenwolle gefüllt. In einem
Reagenzglas wird die Eisenwolle zusätzlich mit Wasser befeuchtet.
Die beiden Reagenzgläser werden mit langen Röhren in mit Tinte
gefärbtes Wasser gestellt und für einige Tage stehen gelassen.
Nach einiger Zeit
rostet die mit Wasser befeuchtete Eisenwolle. Dabei wird in einer komplizierten
chemischen Reaktion Sauerstoff verbraucht. Auch das Rosten ist eine Oxidation,
wobei Wärme frei wird. Trotzdem ist es keine Verbrennung im eigentlichen
Sinne. Die folgende Reaktionsgleichung gibt den komplizierten Rostvorgang
stark vereinfacht wieder:
Eisen +
Wasser + Sauerstoff -----> Eisenhydroxid
(+ Energie)
Das Eisenhydroxid reagiert dann mit dem
Luftsauerstoff zu Eisen(III)-oxid
(Fe2O3) weiter. Daneben entstehen auch andere Eisenoxide,
z.B. Eisen(II,III)-oxid (Fe3O4) oder Eisen(II)-oxid
(FeO).
2.
Oxidation im erweiterten Sinne
Im erweiterten Sinne
sind alle chemischen Reaktionen, bei denen Elektronen abgegeben werden,
Oxidationen. Insofern kann auch die Reaktion zwischen Natrium
und Chlor als Oxidation bezeichnet werden, obwohl
dabei keine Sauerstoff-Atome beteiligt sind. Bei dieser Salzbildung
gibt ein Natrium-Atom ein Elektron an ein Chlor-Atom ab und wird dabei
zu einem positiv geladenen Natrium-Ion (Na+):
Stoffe mit hoher
Elektronegativität (Sauerstoff,
Chlor, etc.) sind "hungrig" auf Elektronen, die
sie anderen Stoffen wegnehmen. Jeweils ein Chlor-Atom holt sich ein Elektron
aus der Außenschale des Natrium-Atoms und besitzt nach der Reaktion
statt sieben Elektronen acht in seiner Außenschale. Es hat einen
Elektronenüberschuss und wird einfach negativ geladen (Cl-):
Seine Ionenladungszahl
beträgt -1.
Oxidationszahlen
werden mit römischen Ziffern angegeben und über die Atome geschrieben
(im Gegensatz zu der Ionenladungszahl mit arabischen Ziffern).
Im elementaren
Chlor besitzen die Chlor-Atome die Oxidationszahl = 0
(Dies gilt
übrigens für alle chemischen Elemente).
Nach der Aufnahme
eines Elektrons erniedrigt sich die Oxidationszahl um eins und das entstehende
Chlor-Ion erhält die Oxidationszahl -I.
Die Summe
aller Oxidationszahlen in einem Stoff ergibt immer null.
In einer
Ionenbindung sind die Ionenladungszahlen und die
Oxidationszahlen identisch.
Bei Elektronenpaarbindungen
ist die Oxidationszahl eine imaginäre Zahl. Früher wurde dafür
auch der Begriff Wertigkeit
verwendet. Hierbei geht man von den feststehenden Oxidationszahlen (bzw.
Wertigkeiten) bekannter Elemente aus und leitet die Oxidationszahlen der
anderen Atome ab.
|
Atome
|
Oxidationszahl,
Wertigkeit
|
|
Wasserstoff
(außer Metallhydride)
|
+ I
|
|
Sauerstoff
|
- II
|
|
Alkalimetalle
|
+ I
|
|
Halogene (gegenüber
weniger
elektronegativen
Elementen)
|
- I
|
Beispiel 1:
Im Wasser (H2O)
besitzen die beiden Wasserstoff-Atome die Oxidationszahl +I,
das Sauerstoff-Atom -II.
Die Summe der Oxidationszahlen ergibt null:
Oxidationszahlen
im Wassermolekül
Beispiel 2:
Im Kohlenstoffdioxid
(CO2) erhalten die zwei Sauerstoff-Atome jeweils die Oxidationszahl
-II. Damit
die Summe aller drei Atome null ist, muss das Kohlenstoff-Atom im Kohlenstoffdioxid
die Oxidationszahl +IV
erhalten. Das Kohlenstoff-Atom im Kohlenstoffdioxid ist vierwertig.
Oxidationszahlen
beim Kohlenstoffdioxid
Beispiel 3:
Im Kohlenstoffmonooxid
(CO) erhält das Sauerstoff-Atom die Oxidationszahl -II,
das Kohlenstoff-Atom erhält +II.
Das Kohlenstoff-Atom im Kohlenstoffmonooxid ist nur zweiwertig. Auch hier
beträgt die Summe aller Oxidationszahlen null.
Oxidationszahlen
beim Kohlenstoffmonoxid
Weitere Informationen:
Experimente
mit Sauerstoff
Oxidationstheorie
von Antoine Lavoisier
Ionen und Ionenbindung
Reduktion, das Gegenteil
der Oxidation
Sauerstoff