Rolle des Sauerstoffs / Reduktion
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| Stoffe
Eisen(III)-oxid, Aluminiumgrieß,
Magnesiumpulver, Kaliumpermanganat;
Wunderkerze; alternativ: fertiges Thermitpulver und Zündstäbchen
z.B. von Hedinger; Aktivkohle gekörnt, Holzkohle Stücke, Pressluft,
feuchter Ton, Sauerstoff |
| Geräte
2 Tontöpfe, Stativ, Brenner und Lötlampe, Schale mit Sand, Porzellanschale,
Tiegelzange, Magnet, Papierstreifen, Hammer, Verbrennungsrohr aus Quarzglas
mit zwei durchbohrten Stopfen, 2 Winkelrohre, großes Reagenzglas
30x200mm, Schutzscheibe, Schutzbrillen (Klassensatz), Waage, Weißblechbüchse
0,5-1l, Eisenrohr 10cm (Innendurchmesser ca. 5mm) |
Sicherheit
Der Thermitversuch darf nur im Freien mit genügend Sicherheitsabstand
durchgeführt werden! Bei allen Versuchen ist eine Schutzbrille zu
tragen und für ausreichend Brandschutz zu sorgen! Beim Hochofen-Modellversuch
entsteht toxisches Kohlenstoffmonooxid,
daher darf dieser Versuch nur im Abzug durchgeführt werden. |
Inhalt:
Didaktische
Bemerkungen
Demonstration
1 Thermitversuch
Demonstration
2 Hochofen-Modellversuch (Variante 1)
Demonstration 3
Hochofen-Modellversuch (Variante 2)
Ergänzende
Informationen
Didaktische
Bemerkungen
Beim Thema
Oxidation lernten die Schüler verschiedene chemische Reaktionen
kennen, bei denen Stoffe mit Sauerstoff
reagierten. Bereits bei der Synthese und Analyse von Wasser (>Arbeitsblatt)
zeigte sich, dass Oxide wieder zerlegt werden können. Metalloxide
kommen in der Natur oft als Erze vor. Die entsprechenden Metalle können
nicht mit einfachen Mitteln, z.B. durch bloßes Erhitzen, erhalten
werden. Es wird ein Stoff benötigt, der den Erzen die Sauerstoffatome
wegnehmen kann. Daran knüpft der Einstieg in das Thema Reduktion an.
Demonstration
1 Thermitversuch
Zum Einstieg wird ein
Stück Eisenerz und gemahlenes Eisen(III)-oxid gezeigt und die chemische
Formel dafür genannt. Der Begriff "Erz" wird besprochen und die Schüler
sollen den Begriff in einfacher Form definieren, z.B.: "Erze sind Rohstoffe
für Gebrauchsmetalle". Im folgenden wird demonstriert, dass das bloße
Mahlen und Erhitzen von Eisenerz nicht zum gewünschten Eisen führt.
Das rote Pulver (aus der Flasche) färbt sich beim Erhitzen zwar dunkel,
erhält aber nach dem Abkühlen seine ursprüngliche Farbe
wieder zurück. Außerdem lässt sich kein nennenswerter Magnetismus
vor und nach dem Erhitzen feststellen. (Hinweis: Hier soll vernachlässigt
werden, dass Eisenerze durchaus magnetisch sein können)
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(nur auf CD-ROM)
Um das Prinzip der Metallgewinnung
durch Reduktion zu verdeutlichen, wird den Schülern eine (fiktive)
Geschichte erzählt:
"Stellt
euch vor, Ihr hättet einen Schäferhund und der ist besonders
verspielt. Am liebsten mag er Schuhe. Man darf also keinen Schuh herumliegen
lassen, sonst fasst er ihn mit seiner Schnauze und lässt ihn nicht
mehr los. Nun passiert folgendes: Ihr müsst morgens in drei Minuten
an der Bushaltestelle sein und habt aufgrund der Eile nicht aufgepasst.
Der Hund hat sich die Turnschuhe geschnappt, die ihr heute unbedingt in
der Schule braucht. Je mehr ihr an den Schuhen zieht, umso mehr vertieft
der Hund sich in sein Spiel und fasst die Schuhe nur noch fester. Was ist
also zu tun? Ihr braucht die Schuhe so schnell wie möglich und möchtet
euerm Hund auch keinen Schaden zufügen."
Die Lösung wird
sicherlich genannt: Man hält dem Hund etwas hin, was er noch lieber
hat als Schuhe, z.B. einen Knochen oder Hundefutter. In den meisten Fällen
wird dies auch gelingen (siehe Grafiken).
Nun überträgt man die Geschichte auf das Eisenerz: Der Hund mit
dem Schuh entspricht dem Eisenoxid. Man möchte den Schuh (das Eisen)
und gibt dem Hund (dem Sauerstoff) einen Knochen (ein Stoff, mit dem Sauerstoff
noch besser reagiert als mit Eisen). Aufgrund schon durchgeführter
Experimente im vorangegangenen Unterricht kennen die Schüler vielleicht
solche Stoffe und benennen sie: Magnesium, Aluminium oder Wasserstoff.
Nun wird ein Reaktionsschema an der Tafel hergeleitet:
Eisenoxid +
Aluminium
Eisen
+ ?
Über das zweite
Reaktionsprodukt dürfen die Schüler spekulieren. Manche nennen
vielleicht schon das Aluminiumoxid ("Hund mit Knochen"). Nun wird der eigentliche
Thermitversuch vorbereitet. Für diesen Versuch sind eine Reihe von
Sicherheitsvorkehrungen unbedingt einzuhalten:
-
Beim Mischen der Stoffe darf
keine allzugroße Reibung ausgeübt werden.
-
Selbst hergestellte Thermitgemische
sollten nicht aufbewahrt werden.
-
Eine Schutzbrille (für
alle Beteiligten) und eine feuersichere Umgebung im Freien ist notwendig
und mindestens 10 Meter Sicherheitsabstand!
-
Zündet das Gemisch nicht,
sollte man sich erst nach 10 Minuten nähern, um sicher zu gehen, dass
es nicht plötzlich doch noch losgeht!
-
Es wird empfohlen, fertige,
käufliche Gemische und einen im Handel erhältlichen Zündstab
zu verwenden.
Eigene Herstellung des
Thermitgemisches: 60g fein gemahlenes
Eisen(III)-oxid, 20g Aluminiumgrieß und 2,5g Aluminiumpulver werden
in einem großen Reagenzglas durch Schütteln durchmischt und
in einen kleinen Tontopf (Blumentopf) gegeben.
Fertigmischung:
Alternativ dazu kann der Tontopf mit einer
käuflichen Fertigmischung befüllt werden. Das Loch am Boden wird
vor dem Füllen durch eine Lage Papier verdeckt. Zur Sicherheit kann
der Tontopf noch in einen zweiten, etwas größeren Tontopf gestellt
werden. Die Tontöpfe werden an einem Stativring in etwa 30cm Höhe
über dem Boden befestigt.
Nun begibt man sich an
einen geeigneten Ort im Freien und sorgt für einen Sicherheitsabstand
von 10 Metern für die Zuschauer. Unter den Tontopf wird eine große
Schale befüllt mit reichlich Sand gestellt.
Eigene Mischung:
In die Mischung steckt man eine Wunderkerze
und gibt in eine Vertiefung darum herum 3 Spatel Magnesiumpulver dazu.
Damit das Gemisch sicher zündet, könnte man noch 3 Spatel Kaliumpermanganat
unter das Magnesiumpulver geben. Allerdings besteht hierbei die Gefahr,
dass sich die Zündmischung durch Reibung vorzeitig entzündet.
Die Zündkomponenten dürfen erst (nachdem die Wunderkerze bereits
hineingesteckt ist) direkt vor der Zündung und unvermischt nacheinander
ohne Reibung auf das Thermit gelegt werden. Es ist mit äußerster
Vorsicht zu arbeiten (Kopf fernhalten, etc.).
Fertigmischung:
Bei der Verwendung eines im Handel erhältlichen
Zündstäbchens ist keine zusätzliche Zündmischung notwendig.
Nach dem Zünden des Zündstäbchens am äußersten
Ende mit einer Lötlampe bei weit ausgestrecktem Arm ist eine rasche
Entfernung geboten.
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(nur auf CD-ROM)
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(nur auf CD-ROM)
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Thermitreaktion
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Glühendes Produkt
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Film
erhältlich auf >DVD
Beobachtungen:
Nach dem Hineinbrennen des Zündstäbchen
glüht das Thermitgemisch unter heftiger Funkenbildung hell auf. Sodann
ergießt sich ein gleißend heller Strahl einer heißen
Flüssigkeit durch die Löcher der Tontöpfe in die Schale.
Dabei fliegen Funken weit umher. Nach der Reaktion findet sich ein schwerer,
teilweise metallisch glänzender Brocken auf dem Sand, der immer noch
glüht und so heiß ist, dass er selbst ein feuchtes Holzstöckchen
rasch zum Brennen bringt.
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(nur auf CD-ROM)
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(nur auf CD-ROM)
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Eisenkern (Kugel)
mit Schlackeschicht
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Das Produkt ist magnetisch
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Nach dem Abkühlen
des Produktes in kaltem Wasser wird es näher untersucht. Schlägt
man mit einem Hammer darauf, platzt die äußere Schicht des Brockens
schnell ab. Teilweise zeigen sich auch weißliche Schichten (Hinweis
auf Aluminiumoxid). Innen findet sich eine kompakte, metallische Masse,
die einen deutlichen Magnestismus zeigt (Eisen). Durch stärkere Schläge
lässt sich jedoch auch diese Masse zerschlagen. Das entstandene Roheisen
ist relativ spröde.
Theorie:
Die theoretische Erklärung für diesen
Versuch kann nun von den Schülern selbst hergeleitet werden: Eisenoxid
reagiert mit Aluminium zu Roheisen und Aluminiumoxid. Damit ist das Prinzip
einer Stoffumsetzung erarbeitet (vgl. >Chemische
Reaktion). Bei einer Stoffumsetzung werden Atome oder Atomgruppen ausgetauscht.
Die Reaktion eines Stoffes mit einem anderen unter Sauerstoffabgabe nennt
man Reduktion.
Findet wie im geschilderten Beispiel gleichzeitig eine Reduktion (Eisenoxid)
und eine Oxidation (Aluminium) statt, handelt
es sich um eine Redoxreaktion:
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(nur auf CD-ROM)
Zu diesem Zeitpunkt wird
vorerst nur der einfache Oxidationsbegriff (zurückgehend auf Lavoisier)
vorausgesetzt (vgl. Oxidationsbegriff).
Die Thermitreaktion dient in der Technik aufgrund der hohen, entstehenden
Temperatur von ca. 2400°C zum schnellen Verschweißen von großen
Eisenstücken, z.B. zum schnellen Verbinden von Bahngleisen (siehe
>Thermitschweißen).
Demonstration
2 Hochofen-Modellversuch (Variante 1)
Zunächst wird mit
den Schülern die Wirtschaftlichkeit des Thermitverfahrens zur Eisengewinnung
diskutiert. Jährlich werden weltweit über 500 Millionen Tonnen
Roheisen hergestellt. Beim Thermitverfahren würden riesige Mengen
an metallischem Aluminium benötigt. Aluminium kann ebenfalls nur unter
hohem Energieaufwand (vgl. >Schmelzflusselektrolyse)
aus Aluminiumerzen hergestellt werden. Außerdem würde die Thermitreaktion
im großtechnischen Verfahren zu viel Wärme freisetzen (vgl.
>Eisen(III)-oxid). Für
eine billigere, geregelte Reaktion eignen sich Kohlenstoff (Koks) oder
Wasserstoff als Reduktionsmittel. Das bedeutendste Verfahren findet im
Hochofen mit Hilfe von Koks statt,
einem Zersetzungsprodukt der Stein- oder Braunkohle.
Die Apparatur wird gemäß
der Zeichnung aufgebaut. Zur Isolierung nach unten und oben muss unbedingt
Glaswolle aus Quarzglas verwendet werden, da gewöhnliche Glaswolle
bei den hohen Temperaturen schmilzt. Außerdem sollten die Büschel
ohne Spielraum satt sitzen. In der Mitte werden zwei Doppelschichten aus
2cm gekörnter Aktivkohle und 1cm Eisen(III)-oxid fest fixiert.
Die unterste Schicht
Aktivkohle wird mit einem Brenner und einer Lötlampe von beiden Seiten
kräftig erhitzt. Dann gibt man einen schwachen Sauerstoffstrom durch
das Verbrennungsrohr und wartet ab, bis die Aktivkohle zu glühen beginnt.
Nun erhitzt man das Eisen(III)-oxid und stellt den Sauerstoffstrom so ein,
dass die Glutzone nicht zu heiß wird. Der Vorgang dauert mehrere
Minuten, wobei man später auch die oberen Schichten erhitzt. Nach
dem Abkühlen gibt man das Gemisch in eine Porzellanschale und untersucht
es mit einem Magneten.
Beobachtungen:
Bei der Sauerstoffzugabe glüht die Kohle
hell auf. Dabei entstehen beträchtliche Temperaturen, die möglicherweise
auch das Quarzglas springen lassen. Das Reaktionsprodukt ist deutlich magnetisch.
Theorie:
Im Verbrennungsrohr laufen verschiedene Reaktionen
ab, die den Hochofenreaktionen entsprechen. Beim Verbrennen der Kohle mit
Sauerstoff in der unteren Schicht
entsteht Kohlenstoffmonooxid, das das
darüber liegende Eisen(III)-oxid
zu Eisen reduziert und selbst zu Kohlenstoffdioxid
oxidiert wird. Das neu entstehende Kohlenstoffmonooxid reduziert dann wieder
erneut Eisenoxid zu Eisen (Reaktionsgleichungen siehe >Hochofenprozess).
Demonstration
3 Hochofen-Modellversuch (Variante 2)
Die Variante im Reagenzglas
hat den Nachteil, dass man nur wenig magnetisches Eisen erhält. Steht
Pressluft oder ein Gebläse zur Verfügung, lässt sich ein
Hochofenmodell in einer gewöhnlichen Weißblechbüchse bauen.
Etwa 3cm über dem Büchsenboden wird ein Loch in die Seitenwand
gebohrt. Durch dieses Loch wird ein Eisen- oder Stahlrohr (Innendurchmesser
ca. 5mm) eingeführt, das am Ende zusammengedrückt ist, so dass
die eingeführte Pressluft breit gestreut wird. Die Dose wird innen
mit feuchtem Ton ausgekleidet. Der verbleibende Innenraum sollte etwa 5cm
breit und 10cm hoch sein. Nun füllt man die Büchse mit zerstoßener
Holzkohle (erbsengroß). Danach richtet man eine Lötlampe auf
das seitliche Loch, während das Eisenrohr noch nicht eingesetzt ist
und erhitzt die Kohle, bis sie um das Loch herum kräftig glüht.
Dann wird die Pressluft über das aufgesetzte Eisenrohr zugeführt
und der seitliche Schlitz mit zusätzlichem Ton abgedichtet. Durch
Regulieren der Luftzufuhr wird die ganze Kohle in der Büchse zum Glühen
gebracht. Das Aufheizen erfolgt 20-30 Minuten lang, dabei wird mehrmals
Kohle nachgefüllt. Das bei der Verbrennung entstehende Kohlenstoffmonooxid
wird oben an der offenen Büchse abgefackelt. Dass hierbei dieses Gas
entsteht, erkennt man an der rosa-violetten Flamme:
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(nur auf CD-ROM)
Mit Ton ausgekleidete
Büchse und seitliches Einführen von Pressluft
Dann gibt man die erste
Portion (ca. 20g) Eisen(III)-oxid auf die glühende Holzkohle, die
sogleich mit einer frischen Kohleschicht bedeckt wird. Sobald die oberste
Kohleschicht glüht, wird der Vorgang des Beschichtens wiederholt.
Nach dem Befüllen der letzten Schicht, erhitzt man den Ofen durch
Zugeben mit Pressluft noch etwa 20 Minuten lang. Nach dem Abkühlen
finden sich in der Schlacke größere Mengen an metallischem Roheisen.
Sicherheit: Die
Büchse benötigt einen sicheren Stand. Der Versuch darf nur im
Freien oder in einem gut ziehenden Abzug durchgeführt werden. Es entstehen
große Mengen an toxischem Kohlenstoffmonooxid!
Dieses Gas darf auf gar keinen Fall eingeatmet werden. Es ist darauf zu
achten, dass es laufend abgefackelt wird.
Hinweis: Dieser
Versuch wurde von der Studentengruppe Carole Casparis, Thierry Gauch und
Marco Medici an der PHZ Luzern getestet und modifiziert. Die Gruppe baute
auch den abgebildeten Modellofen. Eine leicht abgewandelte Beschreibung
findet sich im Buch "Jürgen Reiß, Alltagschemie im Unterricht",
Aulis-Verlag.
Ergänzende
Informationen
Oxidation
Reduktion
Hochofenprozess
Thermitschweißen
bei der Bahn