Startseite >>> Lexika >>> Chemikaliendatenbank >>> Organik >>> Ameisensäure
 
  Ameisensäure   HCOOH 
   
   
Klare, farblose   
Flüssigkeit 

Vorkommen   
Giftsekrete der Ameisen, 
Brennnessel, Tannennadeln

Molmasse  46,026 g/mol   
  
AGW  5 ml/m3 (TRGS 900) 
Dichte  1,220 g/cm3   
Schmelzpunkt  +8,3 °C   
Siedepunkt  +101 °C   
Wasserlöslichkeit  vollst. mischbar 
Explosionsgrz.  10 - 45,5 Vol.-% (Luft) 
Flammpunkt  +45 °C 
Zündpunkt  +520 °C
Piktogramme 
GHS 02 
GHS 05 
Gefahr
Gefahrenklassen + Kategorie 
Entzündbare Flüssigkeiten 3 
Ätz-/Reizwirkung auf die Haut 1A 
(Abstufung bei Verdünnungen)
HP-Sätze (siehe auch Hinweis)  
H 226, 314   P 260, 280.1+2+3+7, 303+361+353, 304+340, 305+351+338, 309+310   Entsorgung 
Etikett drucken Dt. Bezeichnung 
Synonyme (deutsch)
Engl. Bezeichnung 
Synonyme (engl.)
CAS  64-18-6 Ameisensäure 
Methansäure 
Formic acid 
Methanoic acid 
   
 
Eigenschaften 
  
Die klare, stark stechend riechende Flüssigkeit reizt die Augen und die Atemwege und führt zu Verätzungen und Blasenbildungen auf der Haut.   
   
  
    
  
Die Ameisensäure wird von verschiedenen Tieren (Ameisen, verschiedene Laufkäferarten) und von Pflanzen wie die Brennnessel als Verteidigungswaffe eingesetzt. Die stilettartigen Brennhaare der Brennnessel sind an der Spitze mit einem Widerhaken versehen. Direkt unterhalb der Spitze ist das Brennhaar stark verdünnt, so dass die Spitze bei einer bloßen Berührung abbricht. Die dabei entstehende scharfe Kanüle dringt in die Haut des Menschen ein und der Zellsaft gelangt in den Körper. Im Zellsaft wurden das Histamin Arecocholin und verschiedene organische Stoffe wie Ameisensäure oder Natriumformiat nachgewiesen.  
   
  
 Zoom!
Bild vergrößern (nur auf CD-ROM)
 Zoom!
Bild vergrößern (nur auf CD-ROM)
   
  
Ameisensäure ist im Gegensatz zu den langkettigen Carbonsäuren wie Stearinsäure aufgrund ihrer Polarität sehr gut wasserlöslich. In Ethylalkohol, Diethylether und Glycerin löst sie sich ebenfalls sehr gut. Sie ist die stärkste Carbonsäure, Eisen, Zink, Magnesium und andere unedle Metalle lösen sich unter Wasserstoffentwicklung auf. Dabei bilden sich die Salze der Ameisensäure, die Formiate (nach IUPAC Methanoate):   
  
Magnesium  +  Ameisensäure    Magnesiumformiat  +  Wasserstoff  
   
Aufgrund ihrer vorhandenen Aldehydgruppe wirkt Ameisensäure als Reduktionsmittel, so dass z.B. eine ammoniakalische Silbernitratlösung zu Silber reduziert wird. Bei höheren Temperaturen zerfällt sie bei der Gegenwart von Katalysatoren in Kohlenstoffdioxid und Wasserstoff. Mit Luft entstehen explosive Gemische (bei 14 - 33 Vol.-%). Mit Alkoholen können Ester erzeugt werden. Für diese Reaktion ist jedoch Wärme und ein Katalysator (H2SO4) notwendig:  
   
Ameisensäure  +  Ethanol   Ameisensäureethylester  +  Wasser  
   
Durch das Erhitzen eines Gemisches aus reiner Ameisensäure mit konzentrierter Schwefelsäure erhält man Kohlenstoffmonooxid:  
   
HCOOH   CO  +  H2   
  
Bild vergrößern!
Bild vergrößern (nur auf CD-ROM)
 
Film erhältlich auf >DVD
   
  
Herstellung 
  
Der britische Naturforscher John Ray (1627-1705) destillierte im Jahre 1671 Ameisen und gewann daraus eine Säure. Die reine Darstellung von Ameisensäure gelang dem deutschen Chemiker Andreas Sigismund Marggraf (1709-1782) im Jahre 1749. Das Kochen vom Ameisen und nachträgliche Abdestillieren der Säure wird heute nicht mehr angewandt.  

In der chemischen Industrie wird Ameisensäure heute aus Natriumhydroxid und Kohlenstoffmonoxid bei 210 °C und sehr hohen Drücken hergestellt:   
  
1. Schritt: NaOH  +  CO   HCOONa    
2. Schritt: HCOONa  +  H2SO4   H-COOH  +  Na2SO4    
  
Das entstehende Zwischenprodukt HCOONa (Natriumformiat) wird mit Schwefelsäure zersetzt, wobei die Ameisensäure entsteht. 

   
  
Verwendung 
  
Zum Desinfizieren von Wein- und Bierfässern; als Putzmittel in WC-Reinigern; die Salze (Formiate) als Hilfsmittel in der Textil- und Lederindustrie zum Imprägnieren und Beizen oder zum Entkalken von Leder (Calciumformiat); als Lebensmittelzusatzstoff (E236) zur Konservierung von Fruchtsäften, auch in Form der Salze (Natriumformiat E237 und Calciumformiat E238).
   
 
Copyright: T. Seilnacht