Temperaturmessung
Die Temperatur wird nach dem SI-Einheiten-System
in der Basisgröße mit dem Größensymbol T und der
Basiseinheit Kelvin (K) angegeben (nach dem britischen Physiker Lord William
Kelvin, 1824-1907). Im deutschsprachigen Bereich ist die Basiseinheit Grad
Celsius (°C) nach wie vor gültig (nach dem Schweden Anders Celsius,
1701-1744). Die Celsius-Skala bezieht sich auf den Erstarrungspunkt (0°C)
und den Siedepunkt (100°C) von Wasser bei 1,013bar Druck. Der absolute
Nullpunkt liegt bei 0 Kelvin oder bei -273,15°C. Demnach entsprechen
0° Celsius 273,15 Kelvin.
Die bei chemischen Reaktionen frei werdende
Wärmemenge Q wird in Joule gemessen. Meist bezieht man die Reaktionswärme
auf die Stoffmenge der beteiligten Stoffe (>Arbeitsanleitung).
Flüssigkeits-Thermometer
Das gängigste Gerät im Labor
zur Temperaturmessung ist der Flüssigkeits-Thermometer. Bestimmte
Flüssigkeiten wie Quecksilber
oder aber auch Alkohole dehnen sich beim Erwärmen ungewöhnlich
stark aus. Füllt man sie in dünne Kapillaren kann die Ausdehnung
beobachtet werden. Quecksilber eignet sich für einen Einsatzbereich
zwischen -39°C (Erstarrungspunkt für Quecksilber) und +630°C.
Alkoholthermometer eignen sich für Messungen zwischen -100°C und
+250°C. Oberhalb der Flüssigkeit befindet sich in den Thermometern
eine Schutzgasfüllung, z.B. Stickstoff
oder Argon. Diese verhindert das Abdestillieren
der Flüssigkeit.
Quecksilberthermometer sollten nicht mehr
bei Schülerübungen eingesetzt werden. Empfehlenswert sind die
robusten Einschlussthermometer mit rot gefärbter Alkoholfüllung,
bei denen die Kapillare ins Glas eingeschmolzen ist. Sie ermöglichen
eine Temperaturablesung von 1°C Genauigkeit. Für die Bestimmung
von Reaktionswärmen im Demonstrationsexperiment eignen sich Stockthemometer
mit Quecksilberfüllung und einer Ablesbarkeit von 0,1°C.
Bei der Arbeit mit Thermometern, insbesondere
mit Quecksilberfüllung, sind eine Reihe von Vorschriften zu beachten:
-
Der Fühler muss ganz in die zu messende
Flüssigkeit eintauchen.
-
Thermometer dürfen niemals mit dem Brenner
direkt erhitzt werden.
-
Es ist stets eine Schutzbrille zu tragen.
-
Das Rühren mit dem Thermometer ist untersagt.
-
Thermometer dürfen niemals an den Boden
fallen. Bei Quecksilberthermometern besteht die Gefahr des Austritts von
giftigem Quecksilber!
Elektronische Thermometer
Widerstands-Thermometer enthalten
am Messfühler einen metallischen Leiter als elektrischen Widerstand,
der mit Zunahme der Temperatur steigt. Einen derartigen Halbleiter nennt
man auch PTC (positive temperature coefficient). Eine elektronische Steuerung
misst die Änderungen des Widerstands im Halbleiter und überträgt
die Messwerte auf eine Anzeige.
|
|
|
Widerstands-Thermometer
|
Temperatur-Messfühler
|
Die heute in Labor und Schule häufig
eingesetzten elektronischen Themometer beruhen jedoch auf einem anderen
Prinzip: Der Temperatur-Messfühler enthält als Thermoelement
zwei verschiedene Metalle, z.B. Kupfer und Konstantan (Kupfer-Nickel),
die durch eine Lötstelle miteinander verbunden sind. Erwärmt
man die Kontaktstelle, entsteht eine Spannung. Das Phänomen heißt
auch Seebeck-Effekt.
Bimetall-Thermometer
Nietet man zwei Streifen von zwei Metallen
mit unterschiedlichem Wärmeausdehnungskoeffizient aufeinander, dann
dehnen sich die beiden Metalle bei einer Erwärmung unterschiedlich
stark aus. Als Folge verkrümmt sich der Bimetallstab. Verwendet man
eine Bimetallspirale mit einem Zeiger am Ende, erhält man den Bimetall-Thermometer,
der sich für schnelle Messungen bis +500°C eignet.
Bimetall-Thermometer
Schmelzpunkt-Bestimmung
Der Schmelzpunkt ist neben dem Siedepunkt
für jeden Stoff ein charakteristisches Merkmal, anhand von dem der
Stoff bestimmt werden kann. Beim Schmelzpunkt geht ein Stoff vom festen
in den flüssigen Zustand über. Durch den umgekehrten Vorgang
beim Abkühlen erhält man den Erstarrungspunkt.
Schmelzpunktbestimmungsapparat
nach Thiele
Der Schmelzpunktbestimmungsapparat nach
Thiele wird mit einer Heizflüssigkeit - meist mit Paraffin, aber auch
mit Wasser - gefüllt und mit einem Thermometer versehen. Besitzt der
Schmelzpunktbestimmungsapparat keine seitlichen Ansätze, muss der
Korken belüftet werden, z.B. mit einem zweiten zusätzlichen Loch.
Der zu bestimmende und fein pulverisierte Stoff wird 3mm hoch in ein einseitig
zugeschmolzenes Glasröhrchen (ca. 7,5cm lang und 1mm Durchmesser)
gefüllt. Dann taucht man das Röhrchen mit der offenen Seite in
den Stoff. Damit der Stoff auch wirklich an den Boden des Röhrchens
geht, dreht man das Röhrchen und klopft es vorsichtig auf den Tisch.
Das Röhrchen wird so in den Apparat hineingesteckt, dass sich der
Stoff direkt neben dem Thermometerfühler befindet. Nun erwärmt
man den Apparat schnell - z.B. mit der nicht leuchtenden Brennerflamme,
um den Schmelzpunkt abschätzen zu können - und lässt dann
wieder abkühlen.
Die exakte Bestimmung des Schmelzpunktes
gelingt erst beim erneuten, langsamen Hochheizen. Die Flüssigkeit
wird langsam erhitzt, z.B. im Wasserbad, so dass die Temperatur nicht mehr
als 2°C pro Minute steigt. Der Schmelzvorgang kann auch mit einer Lupe
beobachtet werden. Der Schmelzpunkt ist erreicht, sobald eine Flüssigkeit
entstanden ist, die einen Flüssigkeitsspiegel ausbildet. Dies ist
selbst dann der Fall, wenn noch einige Kristalle auf der Flüssigkeit
schwimmen. Sie schmelzen ohne weitere Temperaturerhöhung.
Siedepunkt-Bestimmung
Der Siedepunkt eines Stoffes ist stark
druckabhängig. Daher wird der Druck stets mit angegeben. Zur einfachen
Siedepunktbestimmung erhitzt man eine Flüssigkeit zusammen mit einem
Siedestein im Reagenzglas solange, bis die Flüssigkeit siedet und
keine Temperaturzunahme mehr feststellbar ist. Handelt es sich um entzündliche
Flüssigkeiten, darf nur im Wasserbad erhitzt werden.
Siedepunktbestimmung
im Wasserbad
Will man den Siedepunkt genauer bestimmen,
verwendet man eine Destillationsapparatur, in der eine bestimmte Menge
an Flüssigkeit langsam verdampft wird. Dabei taucht der Thermometer
in die Flüssigkeit. Man erhitzt so stark, dass etwa ein Tropfen pro
Sekunde aus dem Kühler in die Vorlage tropft. Während der Destillation
wird in Abständen von einer Minute die Temperatur abgelesen und danach
ein Zeit-Temperatur-Diagramm erstellt. Eine reine Flüssigkeit zeigt
eine Kurve der Form a, ein Gemisch zweier Flüssigkeiten ergibt eine
Kurve der Form b. Letztere ermöglicht die Siedepunktbestimmung von
zwei Flüssigkeiten, die ineinander gelöst sind, z.B. bei der
Destillation von Wein.
Siedekurven: Messen
der Temperatur in Zeitabständen von 1 Minute
reine Flüssigkeit
(a), Gemisch zweier Flüssigkeiten (b)