Johann
Rudolph Glauber
geboren 1604 in Karlstadt
(Franken)
gestorben 10. März
1670 in Amsterdam
Lebenslauf:
Johann Rudolph Glauber wurde als Sohn
eines Barbiers in Karlstadt (25 km nördlich von Würzburg) geboren.
Wahrscheinlich machte er in seiner Geburtsstadt eine Apothekerlehre. Nach
dem frühen Tod seiner Eltern begab er sich auf Wanderschaft und verdiente
sein Geld als Spiegelmacher. Im Alter von 21 Jahren erkrankte er in Wien
an Flecktyphus. Nachdem er in der Nähe von Neustadt an einem Weinberg
ein bestimmtes Wasser getrunken hatte, wurde er nach eigenen Angaben wieder
gesund.
Bei seinen Reisen eignete er sich autodidaktisch
das Wissen seiner Zeit an. In Salzburg besuchte er das Grab des von ihm
verehrten Paracelsus, seine Reisen führten
ihn auch nach Basel, Paris, Marburg und Frankfurt. 1641 heiratete er seine
zweite Ehefrau, mit der er acht Kinder hatte. Von seiner ersten Ehefrau
hatte er sich getrennt, da sie ihm untreu war. Ab 1644 wurde Glauber Leiter
der "Fürstlichen Hoff-Apotheken" in Gießen. Aufgrund des Hessenkrieges
gab er diese Anstellung ein Jahr später wieder auf und ging 1646 nach
Amsterdam. In seinem Haus richtete er sich dort ein eigenes Laboratorium
ein.
Nach dem Ende des Dreißigjährigen
Krieges ging Glauber zurück in sein Heimatland, wo er zunächst
ab 1648 in Wertheim wirkte und ab 1651 in Kitzingen. Dort stellte er aus
Wein und Hefe Essig und Weinstein her und verkaufte diese Produkte. Nach
einem gerichtlichen Streit um Rezepturen mit Christoph Fahrner, einem Angestellten
des Domstifts zu Speyer, wurde ihm Kitzingen verleidet, 1656 ließ
er sich erneut in Amsterdam nieder. Dort baute er sich große Laboratoriumsräume
und besaß sogar ein Versuchsfeld für Getreidezucht. Ab 1660
litt Glauber unter einer merkwürdigen Krankheit, die sich in Lähmungserscheinungen
und später auch in starker Gewichtsabnahme äußerte. Im
Jahre 1666 wurde er bettlägrig, zwei Jahre später musste er sein
Labor aufgeben und verkaufen. Vermutlich hatte er sich beim Experimentieren
mit Quecksilber, Arsen
oder mit Antimonverbindungen vergiftet,
da die Alchimisten jener Zeit ohne zuverlässige Abluft in ihren Laboratorien
arbeiteten. Glauber starb am 10. März 1670.
Werk:
Glaubers Werk ist sehr umfangreich, so
hinterließ er 40 gedruckte Schriften, die vorwiegend in deutscher
Sprache verfasst waren und lateinische Titel hatten. Ein Teil davon erschien
ab 1661 in Amsterdam, vorgelegt in 7 Bänden unter dem Titel "Opera
omnia". Ab 1651 wurde in Leipzig und Breslau der "Glauberus Concentratus"
verlegt, der die wichtigsten Schriften von Glauber enthält. Schon
in der Amsterdamer Ausgabe befand sich eine Schrift mit dem Titel "Furni
Novi Philosophici". Darin beschrieb Glauber das Erhitzen und Destillieren
von Eisenvitriol (Eisensulfat), das
er vorher durch mehrfache Kristallisation gereinigt hatte. Dabei entstand
das Oleum (Rauchende Schwefelsäure).
Bei der vorsichtigen, fraktionierten Destillation erhielt er in der Destillationsvorlage
"Spiritus volatilis vitrioli" (heute: Schweflige
Säure). Das in der Retorte zurückbleibende Oleum wurde dabei
konzentriert. Ähnliche Produkte erhielt Glauber auch beim Destillieren
von Alaun oder Zinkvitriol (Zinksulfat).
Erstaunlicherweise wurden die (heute als giftig geltenden) Produkte von
Glauber aufgrund ihrer "wunderbarlichen Wirckungen" als Arzneimittel empfohlen.
"Spiritus volatilis vitrioli" erhielt Glauber auch beim Verbrennen von
Schwefel. Erst Priestley
identifizierte über hundert Jahre später das dabei entstehende
Schwefeldioxid als neue Gasart.
Beim Erhitzen von 2 Teilen Alaun
mit 1 Teil Salpeter erhielt Glauber
durch langsames Destillieren und eine nachfolgende "linde rectification"
(Rektifikation) "Spiritus nitri" (rauchende Salpetersäure).
Die gleiche Säure konnte Glauber auch beim Erhitzen von einem
Teil Oleum mit zwei Teilen Salpeter (Kaliumnitrat) darstellen. Dieses Verfahren
wurde vermutlich von Glauber erstmals entwickelt. Glauber beschrieb auch
ein Herstellungsverfahren zur Darstellung von Königswasser
("Aqua Regis"):
"Wenn man mit diesem
Spiritus Nitri acido, ein außgeglüht Koch-saltz solviert, und
durch gläsern Retorten im Sand mit starckem Fewer rectificirt, so
wird er so starck, daß er das Gold und alle andere Metalla und Mineralien
(außgenommen Lunam und sulphur) auff solviren (Anmerkung: heute
lösen) kann ... viel besser, als mit Aqua Regis, welches mit zuthun
Salis Armoniaci (heute: Ammoniumchlorid) gemacht worden ist".
Bemerkenswert ist, dass das Königswasser
schon lange vor der Entdeckung der Salzsäure
bekannt war. Die Herstellung von Königswasser aus Salpetersäure
und Ammoniumchlorid geht vermutlich
bis in die Zeit vor dem Mittelalter, bis zu den arabischen Alchimisten
im 7. oder 8. Jahrhundert zurück. Glauber war aber der erste, der
konzentrierte Salzsäure herstellen
konnte. Die Herstellung einer salzsäureähnlichen Substanz wurde
in dem Werk "Alchemia" von Andreas Libavius (geb. um 1540) durch das Glühen
von Kochsalz und Ton beschrieben. Basilius Valentinus beschrieb nur wenig
später die Umsetzung von "Vitriol" (Kupfersulfat)
mit Kochsalz, bei der "ätzendes
Wasser" ("Aqua Caustica") entstand. Glauber schilderte zunächst die
unvollkommenen Methoden der Vorgänger und entwickelte ein eigenes
Verfahren: Er tränkte glühende Holzkohle mit einer Kochsalzlösung
und verbrannte diese in einem Ofen. Das Verfahren von Valentinus erweiterte
er, in dem er eine Mischung aus Vitriol
und Alaun auf die glühenden Kohlen
gab. Auf diese Art und Weise konnte Glauber eine konzentriertere Salzsäure
("Spiritus Salis") als seine Vorgänger darstellen. Eine der größten
Entdeckungen Glaubers war jedoch die Herstellungsmethode aus Kochsalz
und Schwefelsäure (Reaktionsgleichung
siehe bei >Salzsäure).
Dabei konnte er neben einer relativ konzentrierten Salzsäure ("Salzgeist",
vermutlich bis zu 26%) auch Natriumsulfat
("Sal Mirabile Glauberi", dt. Glaubersalz) gewinnen.
Herstellung von Spiritus
Salis (Salzsäure) im "Glauberus Concentratus";
die Substanznamen sind
teilweise verschlüsselt
Beim Lösen von Metallen in Salzsäure
stellte er auch erstmals die Metallchloride
dar ("solvirte Metalle") und empfahl diese wiederum für die Zubereitung
von Medikamenten. Die Reaktion von Metallen mit Säuren kannte Glauber,
daher konnte er eine ganze Reihe an weiteren Salzen herstellen, beispielsweise
Zinkchlorid, Kupferchlorid, Silberchlorid,
Antimonchlorid, Arsenchlorid (alle aus Salzsäure), aber auch Kupfernitrat
oder Silbernitrat (aus Salpetersäure)
und einige Vitriole (Sulfate aus Schwefelsäure).
Erst den Alchemisten nach Glauber war es möglich, die relativ reinen
Säuren wie Salz-, Schwefel- oder Salpetersäure darzustellen.
Dass die Säuren unterschiedlich stark sind, erkannte Glauber dadurch,
dass er beispielsweise zur Salpetersäure solange Pottasche
zufügte (wir würden heute sagen: mit Pottasche neutralisierte),
bis kein Aufbrausen mehr zu hören war. Bei anderen Säuren erhielt
er diesen (Neutralisations-)Punkt
beim Zufügen mit weniger oder mit mehr Pottasche. So erkannte er,
dass die Schwefelsäure die stärkste
aller Säuren war.
Bei der fraktionierten
Destillation von Steinkohle erhielt er einen "scharpen Spiritus"
und ein "hitziges und bluthrothes Oleum", das "alle feuchten
Ulcera (heute: Geschwüre oder Entzündungen) gewaltig trocknet
und heilet". Vermutlich erhielt Glauber dabei u.a. die Aromaten Benzol
(ein "liebliches" Öl) und Phenol.
Heute ist es schwer vorstellbar, dass diese stark giftigen Substanzen einst
als Heilmittel empfohlen wurden. Allerdings wirken diese Stoffe stark keimtötend
und so lässt sich die Wirkung vielleicht einigermaßen nachvollziehen.
Glauber extrahierte auch Alkaloide aus Pflanzen und stellte psychoaktive
Substanzen beispielsweise aus Mohn her ("Opium pulverisatum"). Im Streit
zwischen der Viersäftelehre des Arztes Galenus und der Dreiprinzipienlehre
des Paracelsus legte sich Glauber jedoch nicht fest. Er sah sich eher als
praktizierender Alchimist als ein Theoretiker.
Destillationsöfen
aus dem "Glauberus Concentratus"
Die von Glauber entwickelten Öfen
und Destillationsanlagen waren für die zukünftigen Labors von
großer Bedeutung. Heute unersetzliche Verfahren der chemischen Industrie
wie die fraktionierte Destillation
und das Verfahren der Rektifikation
gehen teilweise auf Glauber zurück. Er setzte eine ganze Reihe an
Glasgefäßen ein, so beschrieb er gläserne Retorten und
Trichter oder Flaschen mit eingeschliffenen Glasstopfen. Darin bewahrte
er die konzentrierten Säuren auf. Von der Vielzahl an weiteren Substanzen,
deren Herstellung auf Glauber zurückgehen, sollen noch die Explosivstoffe
erwähnt werden. So entwickelte er ein Verfahren, um Knallgold gegen
Hitze unempfindlich zu machen oder er arbeitete an der Herstellung von
Salpeter und anderen Nitraten,
beispielsweise von Ammoniumnitrat.
Die explosive Wirkung dieses Stoffes kannte Glauber allerdings noch nicht,
da die Initialzündung zu jener Zeit noch nicht bekannt war.
Präparation von
Knallgold im "Glauberus Concentratus"
Empfehlenswerte Literaturquellen:
-
Glauber, Johann Rudolph: Glauberus
Concentratus, Faksimile der Leipziger Ausgabe von 1714, Ulm 1961
-
Glöckner, W., u.a.: Handbuch
der experimentellen Schulchemie, Band 1 S. 326 ff., Köln 2002
-
Priesner,
Claus und Figala, Karin: Alchemie, München 1998
-
Walden, P.: Johann Rudolph Glauber
in Günther Bugge: Das Buch der großen Chemiker, Weinheim 1929
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