Startseite  >>>  Chemielexikon  >>> Stoffgemische

Stoffgemische
- Stoffe mischen und Stoffe trennen -
von Thomas Seilnacht

Weiteres Material zum Thema: Chemische Grundoperationen und Digitale Folien

In der Natur kommen Stoffe nur selten als Reinstoffe vor. Meistens handelt es sich um Stoffgemische, die sich aus mindestens zwei Reinstoffen zusammensetzen. Selbst eine hochreine Laborchemikalie ist niemals 100%ig rein, sie enthält immer einige Verunreingungen, wenn auch nur in geringem Maße. Stoffgemische findet man überall. Betrachtet man ein Stück rötlichen Granit, sieht man verschiedene Bestandteile: Rötlicher Feldspat, weißer Quarz und schwarzer Glimmer. Wenn man das Granitstück mit einem Hammer zerkleinert, kann man es in die einzelnen Bestandteile auftrennen.
 

Zoom!
Granit und seine Komponenten:
Quarz, Feldspat und Glimmer (von links)
  
Beim Granit sind die einzelnen Bestandteile deutlich erkennbar. Die drei Bestandteile liegen alle im festen Zustand vor, ein solches Gemisch nennt man auch Gemenge.
 
Zoom!
Zoom!
Salatöl schwimmt auf dem Wasser
Nach dem Verschütteln
  
Vermischt man Salatöl und Wasser, schwimmt das Öl aufgrund seiner geringeren Dichte zunächst auf dem Wasser. Durch kräftiges Schütteln vermischen sich die beiden Flüssigkeiten teilweise. Dieses Gemisch von zwei Flüssigkeiten bezeichnet man als Emulsion. Auch Milch ist eine Emulsion von Fetttröpfchen in Wasser. Dass bei der Milch ein Stoffgemisch vorliegt, kann man erst unter dem Mikroskop erkennen. Die kleinen Punkte auf dem Bild zeigen die Fetttröpfchen in der Milch bei 1000facher Vergrößerung:
 
Zoom!
Fetttröpfchen bei 1000facher Vergrößerung
  
Vermischt man einen festen Stoff mit einer Flüssigkeit, erhält man eine Suspension. Beim Verrühren von Gartenerde in Wasser sind die festen Bestandteile der Erde auch ohne Mikroskop zu erkennen. Sie setzen sich nach einer Weile am Boden des Gefäßes ab.
 
Zoom!
Zoom!
Gartenerde wird in Wasse gegeben
Nach dem Verrühren setzt sich die Erde am Boden ab
  
Sind die Bestandteile eines Stoffgemisches mit den Augen oder mit Hilfe eines Mikroskops noch zu erkennen, liegt ein heterogenes Stoffgemisch vor.

Wenn man einen Goldbarren herstellt, versucht man möglichst reines Gold zu verwenden. Die kleinen Goldbarren auf der Abbildung unten besitzen eine Reinheit von 999,9 - das bedeutet sie enthalten mindestens 99,99% Anteile Gold. Der Goldring mit dem innen versehenen Stempel 585 enthält einen garantierten Goldgehalt von 58,5% Gold, der restliche Anteil setzt sich aus Silber, Kupfer oder Platin zusammen. Hier liegt ebenfalls ein Stoffgemisch in Form einer Legierung vor. Als Legierung bezeichnet man ein Stoffgemisch, bei dem mindestens eine Komponente aus einem Metall besteht. Das goldgelbe Messing enthält beispielsweise kein Gold, sondern die Messing-Legierung setzt sich aus den Komponenten Kupfer und Zink zusammen. Bronze wäre ein Legierung von Kupfer und Zinn.
 
Zoom!
Zoom!
Ein Goldbarren ist (fast) ein Reinstoff
Messing: eine Legierung aus Kupfer und Zink
  
Die einzelnen Komponenten einer Legierung kann man jedoch selbst mit einem Mikroskop nicht mehr erkennen. Derartige Stoffgemische nennt man homogene Stoffgemische. Nicht nur Legierungen bilden homogene Stoffgemische, sondern auch Lösungen und Gemische verschiedener Gase. Beim Streuen von Kochsalz in Wasser löst sich das Salz allmählich auf und ist nach einer Weile nicht mehr zu sehen. Dass es noch im Wasser gelöst ist, kann leicht mit der Geschmacksprobe feststellen.
 
Zoom!
Zoom!
Das Lösen von Kochsalz in Wasser
Salzwasser ist ein homogenes Stoffgemisch
  
Andere Salze wie das Kaliumpermanganat lösen sich unter Ausbildung einer farbigen Lösung. Schichtet man über das Kaliumpermanganat ganz vorsichtig Wasser, erhält man zunächst die getrennten Komponenten. Doch selbst wenn das Gefäß danach völlig ruhig steht, vermischen sich die beiden Komponenten allmählich. Man erklärt sich das Phänomen dadurch, dass die enthaltenen Atome ständig in Bewegung sind und dadurch die Komponenten vermischen. Diese Durchmischung, die durch die Eigenbewegung der Atome verursacht wird, nennt man Diffusion.
 
Zoom!
Zoom!
Kaliumpermanagant bildet mit Wasser eine farbige Lösung
Diffusion in einer Kaliumpermanganatlösung
  
Manchmal findet beim Lösungsvorgang eine Erwärmung statt, beispielsweise beim Lösen von Kaliumnitrat in Wasser, in seltenen Fällen sogar eine Abkühlung. Lösungen findet man nicht nur bei Stoffgemischen von einer Flüssigkeiten mit einem Feststoff, sondern auch bei Mischungen von Gasen oder anderen Flüssigkeiten mit einer Flüssigkeit. Wein ist eine Lösung von Alkohol in Wasser, sowie anderen gelösten Bestandteilen, zum Beispiel Zucker oder Aromastoffe. Erhitzt man gewöhnliches Wasser in einem Glasgefäß, steigen zunächst kleine Gasbläschen auf: Durch das Erhitzen wird der gelöste Sauerstoff aus dem Wasser zuerst in kleinen Bläschen ausgetrieben, bevor die größeren Wasserdampfblasen aufsteigen (>Experimentierbeschreibung).
 
Zoom!
Beim Erhitzen von Wasser wird zuerst gelöster Sauerstoff ausgetrieben (Bild oben links),
dann erst beginnt der Verdampfungsprozess des Wassers (untere Bilder)
 
Ein Beispiel für ein homogenes Stoffgemisch zwischen mehreren Gasen, stellt die gewöhnliche Atemluft dar. Sie enthält als Hauptbestandteil 78% Volumenanteile Stickstoff , 21% Volumenanteile Sauerstoff und 1% Volumenanteil an anderen Gasen wie Argon oder Kohlenstoffdioxid.
 
Bild vergrößern!
Bild vergrößern
 
   
Die Stoffgemische kann man nach dem Aggregatzustand der Komponenten in einer Tabelle zusammenfassen. Heterogene Stoffgemische sind in der Tabelle grün gekennzeichnet, homogene Stoffgemische rot.
 
Stoffgemisch fest flüssig gasförmig
in fest Legierung (Messing)  
Gemenge (Granit)  
Haufwerk (Kieshaufen)
Schwamm Hartschaum
in flüssig Lösung (Salzlösung)  
Suspension (Schlamm)
Lösung (Wein) 
Emulsion (Milch)
Lösung (Mineralwasser) 
Schaum (Seifenschaum)
in gasförmig Rauch (Zigarettenrauch) Nebel Gasgemisch (Luft)
 
 
Stoffe vermischen

Das Vermischen von Stoffen im Labor oder in der Industrie erfolgt beispielsweise durch Schütteln, Vermengen, Walzen, Kneten, Emulgieren (Zugabe eines Emulgators bei der Herstellung einer Hautcreme), Suspendieren oder Lösen. Hierbei wird das Vermischen durch Zerkleinern, Rühren oder Heizen beschleunigt. Das Ablaufen einer unerwünschten chemischen Reaktion lässt sich mit Kühlen, bzw. mit einer exakten Temperaturmessung verhindern. Die Stoffportionen der einzusetzenden Komponenten können durch Wägen oder durch Volumenmessungen bestimmt werden.
 
 
Stoffe trennen

Nach der allgemeinen Definition findet bei der Vermischung der beteiligten Stoffe keine chemische Reaktion statt. Trotzdem lassen sich für die Gemische physikalische Eigenschaften - beispielsweise Dichte oder Siedepunkte - angeben. Die Stoffgemische lassen sich durch physikalische Trennverfahren in ihre Komponenten zerlegen. Bei der Trinkwasserreinigung werden unerwünschte Komponenten durch die Stofftrennungen beseitigt. Im chemischen Labor gehören die verschiedenen Trennverfahren zu den wichtigsten chemischen Grundoperationen. Die Gemische werden aufgrund der unterschiedlichen chemischen und physikalischen Eigenschaften der beteiligten Komponenten aufgetrennt:

 
Copyright: T. Seilnacht
www.seilnacht.com