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Aggregatzustände
- am Beispiel des
Wassers mit ergänzenden Beispielen -
von Thomas Seilnacht
Weiteres Material
zum Thema: Powerpointpräsentationen
und Digitale Folien
Das Wasser ist ein wesentlicher Stoff
für das Leben auf der Erde. Es bedeckt zu mehr als zwei Drittel die
Erdoberfläche. Auf der Erde kommen mehrere "Gestaltformen" des Wassers
vor: Die Sonne verdunstet das Wasser zu Wasserdampf, als Regen kommt es
wieder auf die Erde zurück. Bei niedrigen Temperaturen - zum Beispiel
im Winter - gefriert das Wasser zu Eis. Die Gletscher der Alpen erinnern
noch an die Eiszeit, als ganz Mitteleuropa mit Gletschereis überzogen
war.
Bei heißen Quellen wird das Wasser
durch die Erdwärme erhitzt. In einem Geysir entsteht am Fuß
in einer trichterförmigen Erdhöhlung gasförmiges Wasser,
das durch seine plötzliche Ausdehnung beim Siedepunkt das darüber
stehende heiße Wasser in die Höhe schleudert. Dadurch schießt
heißer Wasserdampf in die Höhe (siehe Bild unten rechts).
Die
drei bekannten Zustandformen von Wasser
Wir kennen aus unserem Alltag drei „Zustandformen“
des Wassers. Eis ist der feste Zustand und das Wasser der flüssige.
Den gasförmigen Zustand des Wassers sieht man an einem Teekessel als
den unsichtbaren Teil zwischen der Austrittsstelle und dort wo der Dampf
sichtbar wird.
Vereinfachte Definitionen
Die drei Zustandformen nennt man auch
Aggregatzustände. Wenn Wasser
zu Sieden beginnt, verdampft Wasser
zu Wasserdampf. Beim starken Abkühlen gefriert
flüssiges Wasser zu festem Eis. Der Fachbegriff lautet hierzu
erstarren. Den umgekehrten Vorgang,
wenn sich Eis wieder verflüssigt, nennt man schmelzen.
Kommt Wasserdampf mit einer kalten Glasscheibe in Berührung, kondensiert
der Dampf wieder zu Wasser. Erhitzt man Wasser auf den Siedepunkt,
beginnt es bei 100°C zu sieden.
Eis schmilzt am Schmelzpunkt bei 0°C.
Der Schmelzpunkt bei einem Stoff entspricht dem Erstarrungspunkt
und der Siedepunkt dem Kondensationspunkt.
Beispiele aus dem Alltag:
Das Schmelzen von Stoffen ist uns gut
bekannt. So schmilzt Schokolade bereits bei Sonneneinstrahlung.
Beim Zinngießen an Silvester muss das
Zinn auf seinen Schmelzpunkt von 232°C erhitzt
werden. Das flüssige Zinn erstarrt bei der Abkühlung wieder.
Zinn besitzt übrigens einen Siedepunkt von 2270°C. Hier noch ein
Beispiel, das nicht unbedingt zu unserem Alltag gehört: Kühlt
man mit einer großen technischen Einrichtung Luft auf ca. -195°C
ab, kann man sie verflüssigen! Auf dem Bild oben rechts ist siedende
flüssige Luft zu sehen.
Hängt man nasse Wäsche an eine
Leine, dann trocknet die Wäsche allmählich. Dieses Phänomen
heißt Verdunsten. Hierbei geht
das flüssige Wasser in den gasförmigen Zustand über, ohne
dass es auf seinen Siedepunkt erhitzt wird. Eine große Menge an Wasser
verdunstet auch über feuchten Böden, über Flüssen,
Seen und den Ozeanen.
Sublimieren
und Resublimieren von Iod
Eine weitere Besonderheit zeigen Stoffe,
die beim Erhitzen des festen Zustandes direkt in den gasförmigen Zustand
übergehen. Das Phänomen wird als Sublimation
bezeichnet. Beispiele:
-
Gefrorenes Kohlenstoffdioxid
("Trockeneis") sublimiert bei -78,5°C
zu gasförmigem Kohlenstoffdioxid. Kohlenstoffdioxid bildet unter Normaldruck
keine Flüssigkeit, daher erhielt das tiefkalte Kohlenstoffdioxid den
Namen "Trockeneis". Beim Abkühlen unter den Sublimationspunkt
von -78,5°C resublimiert das Kohlenstoffdioxidgas wieder zu Trockeneis.
-
Festes Iod geht beim
Erhitzen direkt in gasförmigen Ioddampf über. Beim Abkühlen
von Ioddampf bilden sich durch Resublimation
wieder Iodkristalle.
Die Alltagssprache ist oft aber nicht exakt
genug. So wird umgangssprachlich sehr heißer Wassernebel und gasförmiges
Wasser gleichgesetzt, beides wird dann unter Umständen "Wasserdampf"
genannt.
Exakte Definitionen der Fachsprache
Man spricht in der chemischen Fachsprache
beim Erhitzen von Wasser im Teekessel von Dampf.
So nennt der Chemiker ein Gas, das immer noch mit der Flüssigkeit
in Kontakt steht. Das, was man aber beim Teekessel am Dampfaustritt sieht,
ist genaugenommen kein Dampf, sondern der Nebel, der durch das Abkühlen
des Dampfs an der Luft entsteht. Der eigentliche Wasserdampf ist unsichtbar.
Wir spüren vor allem die Hitze, wenn wir uns am Dampf verbrühen.
Werden Wassertröpfchen in der Luft
ganz fein verteilt, dann erhält man Nebel.
In der Natur entsteht Nebel, wenn sich feuchte Luft abkühlt. Durch
die Abkühlung kann die Luft nicht mehr so viel Feuchtigkeit aufnehmen,
so dass das überschüssige Wasser in winzigen Tröpfchen kondensiert.
Nebel entsteht vorzugsweise im Winter an Gewässern. Die Sonne verdampft
tagsüber Wasser, am Abend kühlt es so stark ab, dass das Wasser
auskondensiert. Die Bildung von Nebel wird noch beschleunigt, wenn Kondensationskerne
wie Rußpartikel vorhanden sind. Wenn unterkühlter Wasserdampf
bei Temperaturen unterhalb von 0°C an Pflanzen oder am Boden direkt
aus dem gasförmigen Zustand in den festen Zustand übergeht, bildet
sich Reif.
Im Chemieunterricht gelten die drei Aggregatzustände
fest, flüssig und gasförmig als die drei
klassischen Aggregatzustände. Der feste Zustand eines Stoffes
ist dadurch gekennzeichnet, dass eine Stoffportion ihre Form behält.
Eine Goldmünze bleibt im Gravitationsfeld der Erde und im Bereich
der Schwerelosigkeit in ihrer Form. Im flüssigen Zustand füllen
die flüssigen Stoffportionen auf der Erde die Form eines Behälters
aus und bilden oben eine ebene Oberfläche, solange sie ruhen. Beim
Herunterfallen wird eine Tropfenform gebildet. Im Bereich der Schwerelosigkeit
bilden Flüssigkeiten tendenziell Kugeln aus. Gase haben in der Schwerelosigkeit
hingegen die Tendenz, sich in alle Richtungen auszubreiten. Im Schwerefeld
der Erde können Gase Schichtungen bilden. Ihre Tendenz, sich auszubreiten,
ist auch im Schwerefeld gegeben. Auf Druckerhöhung reagieren Flüssigkeiten
und feste Stoffe kaum mit Volumenminderung, solange sie in ihrem Aggregatzustand
verbleiben. Ändern sie ihren Aggregatzustand, können sie auch
ihre Volumina sprunghaft ändern. Gase dehnen sich bei Druckminderung
aus, bei Druckerhöhung sind verschiedene Möglichkeiten gegeben.
Welche davon eintritt, kann man am Zustandsdiagramm ablesen.
Beim Wasser besteht eine sogenannte "Anomalie":
Bei 4°C besitzt Wasser die höchste Dichte. Beim Abkühlen
unter diesen Temperaturwert dehnt sich das Wasser aus. Eis hat eine geringere
Dichte als Wasser und schwimmt daher auf dem Wasser. Im
Winter gefrieren aufgrund der Anomalie des Wassers
die Gewässer nicht vollständig zu. Das dichtere und 4°C warme
Wasser sinkt auf den Boden. Wenn das Wasser an der Wasseroberfläche
0°C erreicht, wird es fest und schwimmt auf dem Wasser. An einer Zirkulation
kann dieses Wasser nicht mehr teilnehmen. Es isoliert sogar die unteren
Wasserschichten gegen zu schnelle Abkühlung. Aus diesem Grunde können
Wasserorganismen wie Fische im Winter im zugefrorenen See überleben.
Das Phänomen der Ausdehnung von Flüssigkeiten beim Erstarren
kommt nur bei wenigen anderen Stoffen vor.
|
Temperatur
|
Dichte
|
|
0° C (Eis)
|
0,9168 g/ml
|
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0° C (Wasser)
|
0,999818 g/ml
|
|
4° C (Wasser)
|
1,000000 g/ml
|
|
10 °C (Wasser)
|
0,999727 g/ml
|
|
20 °C (Wasser)
|
0,998231 g/ml
|
Der Effekt, dass mit Wasser gefüllte
Spalten im Gebirge im Winter ganze Felswände "sprengen" können
und das Phänomen der Frostschäden im Straßenbau beruhen
auf einem anderen Effekt: Kleine Kristalle sublimieren leichter als größere
Kristalle, und umgekehrt resublimieren Gase an großen Kristallen
besser als an kleinen. Bei längeren Frostperioden werden daher die
kleinen Kristalle immer kleiner und die größeren Kristalle immer
größer. Die größeren Kristalle entwickeln bei ihrem
Wachstum sehr beachtliche Kräfte, so dass große Felsen abgesprengt
oder faustgroße Beulen auf dem Straßenbelag entstehen können.
Beim Siedepunkt
geht eine Flüssigkeit in den gasförmigen Zustand über, die
flüssige und die gasförmige Phase stehen dann in einem thermodynamischen
Gleichgewichtszustand. Da der Siedepunkt vom Außendruck abhängig
ist, gelten die tabellarischen Werte für den Siedepunkt eines Stoffes
bei einem Normaldruck von 1013mbar. Beim Erreichen des Siedepunktes unter
Normalbedingungen entspricht der Dampfdruck einer Flüssigkeit dem
äußeren Druck von 1013mbar. Nach dieser Definition verdampft
das Wasser nicht erst beim Siedepunkt von exakt 100°C, sondern teilweise
schon bei niedrigeren Temperaturen. Am Siedepunkt ist nur der beschriebene
Gleichgewichtszustand erreicht.
Beim Erwärmen einer Flüssigkeit
wird die zugeführte Wärme zunächst zum Aufheizen der Flüssigkeit
verwendet. Je mehr sich die Temperatur der Flüssigkeit dem Siedepunkt
nähert, um so mehr wird die Wärme zum Verdampfen der Flüssigkeit
verbraucht. Beim Erreichen des Siedepunktes steigt die Temperatur für
längere Zeit nicht mehr an, sie bleibt konstant. Die zugeführte
Wärme dient dann nur noch dem Verdampfen der Flüssigkeit. An
der konstant bleibenden Temperatur erkennt man das Erreichen des Siedepunktes.
So lassen sich Stoffe an ihren Siedepunkten (oder auch an ihrem Schmelzpunkt)
erkennen (>Siedepunktbestimmung).
Bei der Destillation nutzt man den
Siedepunkt zum Trennen von Stoffgemischen.
Bild
vergrößern
Da der Siedepunkt eines Stoffes mit abnehmendem
Druck (und daher auch bei zunehmender Höhenlage) sinkt, werden Destillationen
auch unter Vakuum durchgeführt. Die Abnahme des Druckes erniedrigt
die Siedetemperatur, so dass weniger Energie beim Heizen aufgewendet werden
muss.
Setzt man den Außendruck (p) und
die Temperatur (T) in ein Diagramm, lässt sich für ein Stoff
ein sogenanntes Zustandsdiagramm (oder
pT-Phasendiagramm) darstellen. Anhand
der Linien erkennt man, bei welchem Druck und bei welcher Temperatur der
Stoff seinen Zustand verändert.
Bild
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Auf den Linien selbst liegt der thermodynamische
Gleichgewichtszustand vor. Am Tripelpunkt
können alle drei Aggregatzustände gleichzeitig vorliegen. Unterhalb
des Tripelpunktes tritt das Phänomen der Sublimation auf, die Trennlinie
zwischen absolutem Nullpunkt und Tripelpunkt heißt Sublimationskurve.
Die Trennlinie zwischen fester und flüssiger Phase nennt man Schmelzkurve,
die Trennlinie zwischen flüssiger und gasförmiger Phase Siedekurve.
Beim kritischen Punkt können Gas
und Flüssigkeit aufgrund ihrer identischen Dichte nicht mehr unterschieden
werden. Man könnte sagen: Der Stoff ist sowohl gasförmig als
auch flüssig. Techniker in einem Kraftwerk, die mit Wasser am kritischen
Punkt arbeiten, sprechen von "überkritischem
Wasser". Es lässt sich oberhalb des kritischen Punktes
keine Phasengrenzlinie mehr angeben.
Ergänzende Hinweise: Die Schmelzkurve
beim Wasser unterscheidet sich von anderen Stoffen. Beim Schmelzen von
Eis beobachtet man bei steigendem Druck ein Absinken des Schmelzpunktes.
Dieses Phänomen nennt man Schmelzanomalie des Wassers. Das obige Zustandsdiagramm
ist aus didaktischen und anschaulichen Gründen vereinfacht, außerdem
sind im Diagramm die Proportionen nicht korrekt dargestellt. Bei sehr hohen
Drücken (nicht im Diagramm dargestellt) bildet das Eis eine weitere
Zustandform, das sogenannte "Eis-II". Eis-II zeigt "normales Verhalten",
sein Schmelzpunkt steigt mit zunehmendem Druck.
Grenzen des Modells der klassischen
3 Aggregatzustände
Nur einige Stoffe zeigen die klassischen
Aggregatzustände mit den typischen Temperaturen bei den Umwandlungen.
Manche Stoffe wie viele organische Stoffe zersetzen sich beim Erhitzen
auch unter Luftabschluss. Es gibt Mineralien wie der Calcit,
die sich gar nicht schmelzen lassen. Beim Quarz und bei vielen Gläsern
ist der Übergang von fest nach flüssig fließend. Beim Erwärmen
eines Glasröhrchens wird das Glas allmählich weich, beim weiteren
Erhitzen zähflüssig, aber nie so flüssig wie das Wasser.
Kristalliner Schwefel wird beim Erhitzen zunächst
flüssig (bei ca. 119°C), dann tritt beim weiteren Erhitzen eine
zähflüssige Zustandform auf (bei 159°C), bevor er erneut
flüssig wird und dann beim Siedepunkt verdampft (ca. 444°C). All
diese Phänomene lassen sich mit dem Modell der klassischen Aggregatzustände
nicht mehr erklären.
Bild
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Kritik am oft verwendeten Teilchenmodell
In einigen Schulbüchern wird das
Teilchenmodell als "Erklärungsversuch" für die klassischen Aggregatzustände
hinzugezogen. Bei einem Feststoff sind die kleinsten Teilchen nach dieser
Vorstellung nur wenig in Bewegung. Es wirken starke Anziehungskräfte,
die Teilchen sind regelmäßig angeordnet und sie liegen relativ
eng beieinander. Je höher die Temperatur ist, umso mehr nimmt die
Eigenbewegung zu. Bei der Flüssigkeit ist die Bewegung der Teilchen
so stark, dass die Teilchen nicht mehr ihren Platz halten können.
Der Zusammenhalt der Teilchen ist jedoch weiter gewährleistet. Beim
Gas sind die Teilchen so schnell in Bewegung, dass sie keine regelmäßige
Anordnung mehr einnehmen können und auch nicht mehr zusammenhalten.
Kritik: Das Problem des Teilchenmodells
ist, dass es mit Bildern aus der dem Menschen sichtbaren Welt arbeitet.
Der Mikrokosmos ist aber eine abstrakte und andersartige Welt als die Welt,
wie wir Menschen sie wahrnehmen und erkennen. Das Teilchenmodell legt den
Schwerpunkt zu stark auf die bildhafte Darstellung der Teilchen, die als
abgeschlossene Einheiten wie Pingpongbälle aufeinander "stoßen"
oder sich wie Magnete gegenseitig "anziehen". Die komplizierten Wechselwirkungen
der Systeme im atomaren Bereich werden nur unzureichend berücksichtigt.
Alternative: Die eingehende Beschäftigung
mit den Phänomenen ist für ein einfaches Verstehen des Alltags
aus didaktischer Sicht genügend präzise. Die komplizierteren
Zusammenhänge werden durch die abstrakte Sprache der Mathematik treffend
beschrieben, z.B. durch eine Siedepunktskurve oder ein Zustandsdiagramm.
Weitere Aggregatzustände
Bei sehr hohen Temperaturen und/oder bei
sehr hohen Drücken erreicht die Materie einen Zustand, der oft als
vierter Aggregatzustand bezeichnet wird. Die Gase zerfallen dabei in ein
Plasma, wobei die Elektronen der Atomhüllen
in den Atomen ganz oder teilweise frei werden. Man erhält freie, negativ
geladene Elektronen und positiv geladene Ionen. Materie im Plasmazustand
besitzt völlig neue Eigenschaften. Sie ist in der Regel elektrisch
sehr leitfähig und durch Magnetfelder leicht beeinflussbar. Plasmazustände
finden sich oft in unserer Umwelt, ohne dass wir sie direkt wahrnehmen.
So bilden Kerzenflammen oder Gewitterblitze teilweise Plasmazustände
aus. Im Universum sind sie sehr häufig anzutreffen. Plasmen finden
sich in den Sternen, beispielsweise im Inneren unserer Sonne. Neuerdings
vermutet man auch sogenannte "metallische Plasmen" im Inneren der Planeten,
die dort unter hohem Druck und bei relativ niedriger Temperatur vorhanden
sind. Im Labor kann man Plasmazustände durch starke Stromentladungen,
durch die Verwendung von Laserstrahlen oder durch den Beschuss von Materie
mit Schwerionenstrahlungen künstlich erzeugen.
Je mehr man bei einer Abkühlung der
Materie dem absoluten Nullpunkt (-273,15°C) nahe kommt, umso mehr verlieren
die Atome ihre Individualität und funktionieren synchron. Eine Wechselwirkung
zwischen den Atomen findet kaum noch statt. Ein Quantenphysiker spricht
von einem einzigen Quantenzustand bei den Atomen. Dieser 5. Aggregatzustand
wird als Bose-Einstein-Kondensat (BEC)
bezeichnet. Die Atome in einem solchen Zustand sind auch nicht mehr räumlich
zuzuordnen. Man könnte auch sagen, die Atome sind im Kondensat überall
zugleich. Vorausgesagt wurde dieser 5. Aggregatzustand von Satyendra Nath
Bose und Albert Einstein bereits im Jahre 1925. Der experimentelle Nachweis
erfolgte im Jahre 1995 durch Eric Cornell, Carl Wiemann und Wolfgang Kettele,
die im Jahre 2001 dafür den Nobelpreis erhielten.
Im Jahre 2003 stellte ein Wissenschaftlerteam
der Universität Colorado ein weiteres Kondensat nahe dem absoluten
Nullpunkt her. Das Kondensat aus Fermionen wurde gelegentlich schon als
6. Aggregatzustand bezeichnet. Ob das Fermionen-Kondensat einen sechsten
Aggregatzustand oder nur eine Variante des fünften darstellt, ist
noch nicht endgültig geklärt.
Ob ein Vakuum
als Aggregatzustand bezeichnet werden kann, ist umstritten. Ein Vakuum
ist entstanden, wenn die diversen Phänomene, die aus einem Gas bekannt
sind, nicht mehr auftreten:
-
Es treten keine Strömungsphänomene
wie Verwirbelungen oder Sog mehr auf.
-
Die Schallleitung ist vollständig unterbrochen.
-
Ein Luftwiderstand tritt nicht mehr auf.
-
Wärme wird nur durch Wärmestrahlung
übertragen.
Im (realen) Vakuum sind also immer noch Atome
enthalten - im Gegensatz zum (rein theoretischen) absoluten Vakuum. Im
Weltall existiert ebenfalls ein Vakuum. Dieses enthält so wenig Atome
auf einen Kubikmeter wie es auf der Erde bisher noch nicht technisch realisiert
werden konnte.