Der traditionelle Stoffbegriff der
Chemie Nach der DIN-Norm 32629 (November 1988)
wird eine Stoffportion folgendermaßen definiert: "Zwei Stoffe
sind einander gleich, wenn sie in allen „stofflichen“ Eigenschaften übereinstimmen."
Demnach kann man den Graphit und den Diamanten als zwei verschiedene
Stoffe ansehen. Der an der Laborpraxis orientierte, pragmatische Stoffbegriff
charakterisiert einen Stoff wie die Laborchemikalie
Calciumcarbonat durch seine Umwandlungstemperaturen (z.B. unter Normalbedingungen)
und seine atomare Komposition. Hochreine Laborchemikalien sind meistens
„präparierte Stoffe“ oder „Reinstoffe“. Sie lassen sich mit einer
präzisen Formel angeben und sind von hoher Homogenität.
weißes Pulver
MG: 100,09 g/mol
Dichte (Calcit): 2,71 g/cm3 Wasserlöslichkeit: bei 20 °C 0,014 g/l
Der phänomenologische Stoffbegriff
- natürliche Stoffe - Stoffe als Gebilde Stoffe kommen in der Natur praktisch nie
in ihrer reinen Form vor. Im Gegensatz zu den hochreinen Chemikalien im
Chemielabor sind die meisten Stoffe der Natur untereinander verunreinigt.
Diese Verunreinigungen sind es auch, die beim Mineral
Calcit die faszinierende Vielfalt der Farben und der Kristalle ausbilden.
Sie machen die Eigenarten des Calcits aus und bestimmen das Kristallwachstum.
Das Mineral Calcit
bildet eine enorme Farbe- und Formenvielfalt
Der Calcit ist ein Gebilde mit einer festen
Eigenform, zu dem er aufgrund der vorherrschenden Bedingungen geworden
ist. Dabei spielt vor allem auch der Zufall eine Rolle. Die besonderen
Umstände des Wachstums führen zu besonderen und einmaligen Varietäten.
Aus systemischer Sicht stellen die präparierten Stoffe nichts anderes
als das Kompositionsmaterial für die natürlichen Stoffe dar.
Zur entstandenen Komposition sagen wir zum Beispiel Calcit oder Aragonit.
Tritt noch die Kristalltracht einer Kristallstufe hinzu, und dies in einer
Weise, dass Gefühle von Schönheit, Perfektion, Einmaligkeit oder
Assoziationen bei uns erzeugt werden, erleben wir die Materie in einer
kosmischen Harmonie, in die wir selbst eingebunden sind. Wir kennen dies
aus der musikalischen Welt: Während die Harmonielehre ein Ordnungsprinzip
für die Welt der Noten darstellt, bildet die Natur aus der zur Verfügung
stehenden Materie eine „Symphonie der Stoffe“.
Abbildung: Der Kosmos
der Stoffe - Die Komposition Calcit