Demonstrationen zu den Katalysatoren
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| Stoffe
Würfelzucker, Zigarette oder Tabak, Platindraht
10cm, Silber- und Kupferdraht, Salzsäure
10%, Platinkatalysator (Kugel) oder Platinschwamm, Platinherz (>Lieferquelle),
Wasserstoff, Sauerstoff
und Kohlenstoffdioxid aus der Flasche,
Methanol, Ethanol,
Apfel oder Birne aus dem eigenen Garten, Vitamin
C |
| Geräte
Pinzette, Tiegelzange, Porzellanschale, Spiritusbrenner, Glasstab, Streichhölzer,
Feuerzeug mit Glühwendel, Gasdüse mit Rückschlagsicherung,
Filmdöschen transparent oder 50ml Plastikbecher, kleiner Siliconstopfen,
Messer, 2 Glasplatten, Kolbenprober 100ml oder Kunststoff-Spritze, Standzylinder
mit Halterung für Platinherz, Reagenzglas 30x200mm mit 30ml-Markierung,
evt. Sterilisiertüten |
Sicherheit
Platindrähte oder -katalysatoren dürfen nicht mit Alkoholdämpfen
oder mit Wasserstoff in Berührung kommen. Entzündungsgefahr!
Getrennt lagern! Beachten Sie auch die Vorschriften beim Umgang mit Laborgasen!
Weitere Vorschriften finden Sie bei den einzelnen Versuchen! |
Inhalt:
Didaktische
Bemerkungen
Demonstration
1 Der Würfelzucker-Trick
Demonstration
2 Aphlogistische Lampe
Demonstration
3 Katalysator-Feuerzeug
Demonstration
4 Oszillierendes Herz
Demonstration
5 Der aufgeschnittene Apfel
Literatur
Didaktische
Bemerkungen
Nachdem die Schüler
verschiedene chemische Reaktionen
kennengelernt haben (z.B. die Sulfid-Reaktionen)
und der Begriff der Aktivierungsenergie bekannt
ist, soll gezeigt werden, dass es Stoffe gibt, die das Ablaufen chemischer
Reaktionen erheblich erleichtern. Katalysatoren
und katalytische Vorgänge spielen in der Natur und in der Technik
eine große Rolle. Ohne sie wäre das Leben auf der Erde vermutlich
gar nicht möglich. Zu dem Thema liegt auch ein Arbeitsblatt
für eine Schülerübung vor. Die von den Schülern
beobachteten Vorgänge werden von Ihnen in einem "Erlebnisbericht"
zusammengefasst. Dabei äußern sie auch Vermutungen über
die Eigenarten eines Katalysators. Die Texte und Gedichte werden zu Beginn
jeder Demonstration gelesen.
Demonstration
1 Der Würfelzucker-Trick
Ein Mädchen liebt
einen Jungen.
Er weiß es noch
nicht.
Er kennt das Mädchen,
ihr hübsches
Gesicht.
Da findet er eine
Rose...
An
ein Stück Würfelzucker wird eine Streichholzflamme gehalten.
Der Würfelzucker schmilzt zwar in der Flamme, aber entzünden
lässt er sich nicht. Nun raucht man eine Zigarette oder verbrennt
etwas Tabak mit Hilfe der Tiegelzange in der Brennerflamme und wartet bis
die Asche vollständig verglüht ist. Mit diese Asche benetzt man
mit einem Finger den Würfelzucker. Nun gelingt der Trick: Der Würfelzucker
verbrennt mit einer kleinen, rauschenden Flamme.
Bild vergrößern
(nur auf CD-ROM)
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Der Würfelzuckertrick
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Demonstration
2 Aphlogistische Lampe
Du bist gekommen
du
wieder
und immer wieder
wieder du
(aus "Immer wieder"
von Erich Fried)
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Film nur auf
CD-ROM
26 sek
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Dieser Versuch
zeigt die katalytische Wirkung eines Platindrahtes, der auf dem Docht einer
Lampe sitzt. |
Um den Docht eines Spiritusbrenners
wird eine Drahtspirale aus Platin gewunden. Hierzu nimmt man ein 10cm langes
Stück Platindraht und formt es mit Hilfe eines Glasstabs zu einer
federförmigen Spirale. Diese wird auf den Docht des Brenners gesetzt.
Nach dem Entzünden des Brenners glüht der Platindraht hell auf.
Bläst man die Flamme aus, beginnt der Draht nach kurzer Zeit wieder
zu glühen, so dass die Flamme wieder angeht. Dies lässt sich
beliebig oft wiederholen. Bei langem Blasen erkaltet der Draht, dann tritt
der Effekt nicht mehr auf. Auch das Wegnehmen des Sauerstoffs durch Aufsetzen
eines Deckels bewirkt das Abklingen des glühenden Drahtes. (Erklärung
siehe >Katalyse).
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Animierte gif-Grafik
(nur auf CD-ROM)
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Variationen:
Die Demonstration gelingt
auch mit Silber- oder Kupferspiralen. Hierbei wird der Draht mit Schmirgelpapier
aufgerauht und kurz mit 10%iger Salzsäure behandelt, dann erst zu
einer Spirale aufgewickelt. Allerdings reicht das Glühen des Kupfer-
oder Silberdrahtes meistens nicht aus, um den Brenner wieder zu entzünden.
Der Effekt des Nachglühens von Metallen in brennbaren Gasen kann auch
an Feuerzeugen, die mit einer Glühwendel ausgestattet sind, beobachtet
werden. Man zündet das Feuerzeug, hält die Gaszufuhr gedrückt
und bläst dann die Flamme aus, so dass weiter Gas an der Glühwendel
vorbeiströmt:
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Film nur auf
CD-ROM
12 sek
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Rhenium besitzt
einen sehr hohen Schmelzpunkt, daher eignet es sich als Heizwendel in Feuerzeugen. |
Demonstration
3 Katalysator-Feuerzeug
Eine mit fein verteiltem
Platin beschichtet Tonerdekugel (käuflich) oder selbst hergestellter
Platinschwamm wird mit einer Pinzette über einen aus einer Düse
austretenden Strom Wasserstoffgas
(aus der Flasche) gehalten. Achtung: In der Düse sollte sich eine
Rückschlagsicherung aus Eisenwolle befinden! Testen Sie die mögliche
Flammenhöhe des Wasserstoffflamme vorher! Außerdem sollte die
Raumlüftung aufgrund des entweichenden Wasserstoffs angeschaltet sein!
Nach einer Weile glüht
die Kugel auf. Mit etwas Fingerspitzengefühl lässt sich dadurch
der Wasserstoff entzünden. Aufgrund dieses Effekts entwickelte J.W.
Döbereiner im Jahre 1823 das berühmte "Döbereinersche
Feuerzeug".
Film
erhältlich auf >DVD
Variationen:
Mit Hilfe der glühenden
Platinkugel können auch Knallgasgemische entzündet werden. Man
füllt mehrere, helle Filmdöschen von unten mit einem Wasserstoff-
Sauerstoffgemisch und verschließt sie sofort mit dem Deckel. Das
Knallgasgemisch wird in großen 60ml-Spritzen (Wasserstoff:Sauerstoff
=2:1) oder in einem sauberen Kolbenprober hergestellt. Dann drückt
man den Inhalt von unten in das offene Filmdöschen, in dem man den
Deckel etwas öffnet und die Kanüle oder die Öffnung des
Kolbenprobers hineinhält und die ganze Spritzenladung in das Filmdöschen
befördert. Überschüssiges Knallgas entweicht dabei auf der
Seite, der Überschuss bewirkt eine vollständige Füllung.
Wichtig ist, dass das Döschen sofort verschlossen wird.
Ein kleiner Silicon-Stopfen
wird mit einem scharfen Messer an einem Ende etwas ausgehöhlt (d=
5mm, Tiefe ca. 2mm), so dass eine platinbeschichtete Aluminiumoxidkugel
gut in die Mulde passt und nicht mehr herausrollt. Der präparierte
Stopfen wird auf eine Glasplatte gestellt. Nun nähert man sich mit
dem Filmdöschen vorsichtig (Deckel unten), öffnet den Deckel,
schiebt den Deckel zur Seite und stellt die Filmdose auf die Glasplatte,
so dass der Stopfen in das Döschen ragt. Man entfernt sich rasch und
wartet ab.
Beobachtungen:
Nach einer Weile beginnt
die auf dem Stopfen liegende Kugel zu glühen. Das Knallgasgemisch
explodiert mit einem lauten Knall und die Filmdose fliegt mit hoher Geschwindigkeit
an die Decke. Danach fühlt sie sich warm an, auf der Glasplatte ist
kurzzeitig ein Beschlag zu sehen.
Hinweise:
Dieser Versuch darf nur mit
einer Schutzbrille durchgeführt werden! Die Zuschauer sind vor dem
lauten Knall zu warnen, sie müssen den Mund offen halten! Es dürfen
nur Kunststoffgefäße (kein Glas!) mit einem Volumeninhalt von
max. 50ml verwendet werden! Halten Sie den Kopf fern! In Drogerien oder
in Supermärkten sind kleine, transparente 50ml-Becher erhältlich.
Der Vorteil liegt hier in der guten Sichtbarkeit des Katalysator-Glühens.
Allerdings können diese Gefäße nicht mit einem Deckel verschlossen
werden. Sie werden nach dem Füllen (Öffnung unten!) auf eine
zweite Glasplatte gestellt. Man kann auch kleine Pigmentdöschen verwenden.
Hinweise zum theoretischen Hintergrund für diesen Versuch finden Sie
im Lexikon unter dem Begriff >Katalyse
und beim >Wasserstoff.
Demonstration
4 Oszillierendes Herz
Der liebsten Herz
ist aufgewacht
Als wie die Ros' am
Strauche;
Die Liebe hat es angefacht
Mit einem frischen
Hauche.
(Friedrich Rückert
aus: "Liebesleben")
Dieser Versuch stellt
eine rhythmische Variation der aphlogistischen Lampe dar. Die Geräte
und Materialien sind bei der Firma Hedinger
erhältlich. Der Versuch darf nur auf einer feuersicheren Unterlage
und mit Schutzbrille durchgeführt werden. Zu Beginn fragt man die
Schüler, woher sie rhythmische Reaktionen in der Natur oder im Alltag
kennen. Sie nennen vielleicht die Atmung, den Herzschlag oder Tag und Nacht.
Die Herstellung von solchen Analogien ist nicht von ungefähr. Chemische
Oszillationen stellen eine Grundlage für die Entstehung des Lebens
dar.
Der Raum ist abzudunkeln.
In ein großes Reagenzglas (30x200mm) werden 30ml Methanol
gegeben und mit einem Feuerzeug vorsichtig erwärmt, so dass die Temperatur
ca. 40-50°C beträgt. Das erhitzte Methanol gießt man in
einen Standzylinder. Danach hängt man einen zu einem Herz geformten
und gewendelten Platindraht an einem Eisen- oder Stahldraht so in den Zylinder,
dass das Herz nur weniger Millimeter über dem Methanol hängt.
Man nimmt das Herz wieder heraus und erhitzt es mit der Feuerzeugflamme.
Nun hängt man es zügig in den Zylinder und hält dabei den
Kopf fern. Während der Reaktion darf auf keinen Fall Methanol nachgegossen
werden!
Beobachtungen:
Nach kurzer Zeit tritt eine lautstarke Verpuffung
auf. Dann beginnt das Herz zu glühen und nach einer Weile entzündet
sich das Methanol in einem kleinen, blauen Flämmchen erneut, das aber
sofort wieder erlischt. Danach treten das Glühen des Herzes und das
Entzünden des Methanols in abwechselnden Phasen auf.
Theorie:
Für Schüler sind theoretischen Erklärungen
zum Zeitpunkt der Versuchsdurchführung im Unterricht nur bedingt nachvollziehbar.
Sie würden auch das Staunen der Schüler zerstören. Das Phänomen
spricht für sich. Wollen Sie, lieber Leser, den poetischen Moment
bei sich selbst vorerst noch wirken lassen, dann lesen Sie bitte die hier
folgenden Erklärungsversuche später!
Im Standzylinder konkurrieren
mehrere Systeme, die sich gegenseitig beeinflussen. Das Platinherz vermag
Methanoldämpfe in einer endothermen Reaktion zu atomarem Wasserstoff
(2 H) und Formaldehyd (HCHO) dehydrieren:
H3COH
HCHO + 2 H endotherm
Der atomare Wasserstoff
wird durch das Platin sofort adsorbiert. Von oben gelangt Sauerstoff in
den Zylinder und oxidiert den vorhandenen, atomaren Wasserstoff zu Wasser:
4 H + O2
2 H2O exotherm
Diese stark exotherme
Reaktion liefert die Energie zum Glühen des Platinherzes bis über
1000°C. Das glühende Herz liefert auch Wärme zum weiteren
Verdampfen von Methanol. Dadurch bildet sich ein explosives Methanol-Luft-Gemisch
im Zylinder, das noch mit Formaldehyd angereichert ist. Das Gemisch wird
durch das glühende Platin entzündet, so dass es zu einer kleinen
Verpuffung kommt:
2 H3COH
+ 3 O2
2 CO2 + 4 H2O
exotherm
HCHO + O2
CO2 + H2O
exotherm
Die Zündtemperatur
des Gemisches liegt bei etwa 455°C. In einer Oxidation entstehen bei
dieser Verbrennung die Reaktionsprodukte Wasserdampf (H2O) und
Kohlenstoffdioxid (CO2). Zu Beginn der Demonstration beschlägt
die Zylinderwand dabei noch mit Wasserdampf. Die Wand erwärmt sich
zunehmend und der Beschlag bleibt aus. Die bei der Verpuffung entstehenden
Gase bringen die Flamme schnell wieder zum Erlöschen. Die Gase entweichen
durch das Verdampfen des Methanols, und der rhythmische Prozess beginnt
von vorne.
Variationen:
-
Welche Rolle spielt die Höhe
des Herzes im Zylinder?
-
Glüht das Herz weiter,
wenn man den Zylinder abdeckt?
-
Was passiert in kaltem Methanol,
bzw. mit einem kalten Herz?
-
Funktioniert der Versuch
auch mit anderen Metallen, z.B. mit Silber oder mit Kupfer?
Formen Sie eine eng gewendelte
Silberdrahtspirale und probieren Sie den Versuch selbst aus! Welche Nachteile
besitzen Silber- und Kupferspiralen?
Demonstration
5 Der aufgeschnittene Apfel
Herbsthauch
Herz, nun so alt und
noch immer nicht klug,
Hoffst du von Tagen
zu Tagen,
Was dir der blühende
Frühling nicht trug,
Werde der Herbst dir
noch tragen!
Lässt doch der
spielende Wind nicht vom Strauch,
Immer zu schmeicheln,
zu kosen,
Rosen entfaltet am
Morgen sein Hauch,
Abends verstreut er
die Rosen.
Lässt doch der
spielende Wind nicht vom Strauch,
Bis er ihn völlig
gelichtet.
Alles, o Herz, ist
ein Wind und ein Hauch,
Was wir geliebt und
gedichtet.
(Friedrich Rückert)
Nach dem Vorlesen dieses
Gedichts zur Vergänglichkeit wird ein Apfel oder eine Birne in zwei
Teile zerschnitten. Die eine Hälfte legt man in Wasser, dem evt. noch
1 Teelöffel Vitamin C als Konservierungsstoff zugegeben wurde. Die
andere liegt offen auf dem Tisch. Nach ein paar Minuten hat sich die Hälfte
an der Luft deutlich braun gefärbt. Danach wird das Obst gegessen.
Hinweis: Der Versuch gelingt am besten mit unbehandelten Äpfeln vom
eigenen Baum, bzw. von einem Baum aus dem Schulgarten oder aus dem Bioladen.
Bild vergrößern
(nur auf CD-ROM)
Birne nach dem Schneiden
und nach wenigen Minuten
Beobachtung:
Nach relativ kurzer Zeit färbt sich aufgeschnittenes
Obst, sofern es nicht behandelt wurde, vor allem um das Kerngehäuse
herum an der Luft braun. Hier wirken Stoffe im Apfel als Biokatalysatoren,
die in Verbindung mit dem Luftsauerstoff wirksam werden. Bei den im Wasser
mit Konservierungsstoff eingelegten Schnitzen findet der Prozess langsamer
statt.
Variationen:
-
Vergleich von (vorbehandelten)
Äpfeln aus dem Supermarkt mit eigenen Äpfeln oder mit Äpfeln
aus dem Bioladen.
-
Einlegen von Apfelschnitzen
in Behälter mit Kohlenstoffdioxid oder mit reinem Sauerstoff.
-
Luftdichtes Einpacken der
Schnitze in Folien.
-
Lagern der Schnitze im Kühlschrank,
in Eis oder an der Wärme.
Literatur
-
R. Battino, T.M. Letcher,
D.E.A. Rivett: J. Chem. Educ., 1993, 70, 1029
-
Glöckner/Jansen, u.a.:
Handbuch der experimentellen Chemie Sekundarbereich II - Band 8: Kinetik,
Katalyse, Gleichgewichte, Aulis-Verlag 2004
-
H.W. Roesky, K. Möckel:
>Chemische
Kabinettstücke, VCH-Verlag, 1994
-
S. Nick, I. Parchmann, R.
Demuth: >Chemisches
Feuerwerk, Aulis-Verlag, 2001
-
J. Zitt: Oszillierende Reaktion
- Das glühende Herz, >Renate
Zitt Experimentiergeräte, Jacobistraße 9, 79104 Freiburg
(Bezugsquelle für das Platinherz)