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Eigenschaften
Preußisch Blau ist ein dunkelbaues,
ungiftiges und künstlich hergestelltes Pigment,
welches entsteht, wenn man eine Lösung von Eisen(III)-Salz mit gelbem
Blutlaugensalz zusammengibt (siehe unten). Seine chemische Formel wird
mit Fe4[Fe(CN)6]3 x H2O oder
KFe[Fe(CN)6]3 x H2O angegeben. Von verdünnten
Säuren wird es nicht angegriffen, dagegen zersetzt es sich mit konzentrierten
Säuren unter Grünfärbung und reagiert mit Laugen zu braunem
Eisenhydroxid. Mit alkalisch wirkenden Bindemitteln, z.B. mit Kalk (und
Casein) kann es nicht angerührt werden.
Daher eignet es sich auch nicht für
die Freskotechnik. In Oxalsäure
löst es sich und bildet eine blaue Tinte. Preußisch Blau kann
je nach Reaktionsbedingungen (pH-Wert, Temperatur, Körnung) grünliche
oder rötliche Farbtönungen besitzen, "Miloriblau" besitzt eher
rötliche Tönungen, "Chinablau" eher grünliche. Das lichtbeständige
Pigment behält seine Farbe, sofern es nicht mit bestimmten Stoffen
vermischt wird. Wird es mit Kopalharz oder Leinöl
als Bindemittel angerührt oder mit dem Pigment
Bleiweiß vermischt, verfärbt es sich allmählich grünlich.
Geschichte
Der Name "Preußisch Blau" geht auf
die Farbe der preußischen Uniformen zurück. Die Entdeckung zur
Herstellung des Pigments wird dem Berliner Farbenmacher Diesbach zugeschrieben
und ist einem Zufall zu verdanken. Diesbach pflegte einen roten Farbstoff
aus Cochenille-Läusen herzustellen, die
er zuerst in Alaun und Eisensulfat
kochte. Zur Ausfällung des Farbstoffes gab er Pottasche
als alkalisches Medium hinzu. Eines Tages ging ihm die Pottasche aus. Von
dem Chemikerkollegen J.C. Dippel borgte er sich eine Lauge, die jener aus
"Dippels Tieröl" gewonnen hatte und die er nicht mehr benötigte
(Dippel führte eine trockene Destillation von Knochen und tierischen
Abfallprodukten durch und stellte Knochenteer her. Bei der Destillation
des Knochenteers erhielt er ein sehr übelriechendes Tieröl, das
viele alkalisch reagierende und stickstoffhaltige Verbindungen enthielt).
Diesbach nahm die Lauge und stellte zu Hause überraschend fest, dass
bei der Zugabe der Lauge eine Blaufärbung erschien. Diesbach tat sich
mit seinem Schüler zusammen und begann das Pigment in einer Fabrik
in Paris zu produzieren.
Allerdings konnte er das Rezept nicht
lange geheimhalten, schon 1724 war die Präparation in England bekannt.
Nach einem alten englischen Rezept wurden gleiche Teile Kaliumnitrat
(Salpeter) und Kaliumtartrat in einem rotglühenden Schmelztiegel erhitzt,
dann getrocknetes Tierblut hinzugegeben und schließlich bis zur Weißglut
weiter erhitzt. Die so erhaltene Masse wurde mit Wasser gewaschen, das
Waschwasser mit einer Lösung aus Alaun und Eisensulfat versetzt. Zur
Entstehung des Preußisch Blaus behandelte man die anfangs grünliche
Ausfällung mit Salzsäure.
John Constable: Wivenhoe
Park, Essex, Öl auf Leinwand, 1816
Constable verwendete
das Preußisch Blau in vielen seiner Gemälde. Er fand die verfügbaren
grünen Pigmente
zu matt und mischte die Grüntöne aus Preußisch Blau und
Neapelgelb.
In der Folgezeit griffen immer mehr Maler
auf das beliebte, dunkelblaue Pigment zurück. Es wurde auch in Amerika
produziert. In Japan erschien es in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts,
wo es den natürlichen Indigo allmählich
als Pigment verdrängte. Zahlreiche Mischungen mit anderen Pigmenten
kamen auf den Markt, so z.B. Preußisch Grün, eine Mischung aus
Preußisch Blau und Gummigutt. Beliebt war es auch zur Färbung
von Tapeten. Preußisch Blau eignete sich als Farbstoff
zur Färbung von Seide. Die Stoffe wurden mit gelbem Blutlaugensalz
imprägniert und dann in Eisen(III)-chlorid getaucht, wobei sich der
blaue Farbstoff auf die Faser aufzog.
Bis etwa 1970 war Preußisch Blau
eines der am meisten verwendetsten Blaupigmente. Danach nahm Phthalocyaninblau,
ein metallhaltiges, organisches Pigment auf Phthalocyaninbasis, seinen
Platz ein.
Gewinnung (Download
einer Arbeitsanleitung)
a) Direkte Methode
Eisen(III)-chlorid
(oder Eisen(III)-nitrat) und Kaliumhexacyanoferrat(II) wird in wässriger
Lösung vermischt, wobei Berliner Blau ausfällt. Das entstehende
Pigment ist so fein zerteilt (kolloidal), dass es selbst die Poren von
Filterpapier durchdringt:
Fe3+ aq. + 3K4Fe(CN)6
-------> Preußisch Blau
Bildung von Berliner
Blau durch eine Fällungsreaktion
b) Indirekte Methode
Durch die Reaktion von Kaliumhexacyanoferrat(II)
mit Eisensulfat erhält man eine weißes, unlösliches Pigment
("Berliner Weiß", Fe2Fe(CN)6), das leicht zu
Preußisch Blau oxidierbar ist. Als Oxidationsmittel eignen sich auch
Chlor oder Chromsäure:
1. Schritt: 2FeSO4
+ K4Fe(CN)6 -------> Fe2Fe(CN)6
+ 2K2SO4
2. Schritt: Fe2Fe(CN)6
----Cl2/H3CrO3---->
Preußisch Blau
Verwendung
Neben seiner Verwendung als Pigment für
Kunstmaler wird Preußisch Blau immer noch zur Herstellung von Anstrichfarben,
zum Papierdruck, bei Tapeten, für Farbbänder und Kohlepapiere
verwendet.
Gemälde im Internet
mit Preußisch Blau
Claude
Monet: Baden in La Grenouillere, 1869
Vincent
van Gogh: Selbstportrait, Paul Gauguin gewidmet, 1888
Andere Internetseiten
Preußisch
Blau bei Juraj Lipscher