Leime
sind wasserlösliche Klebemittel auf pflanzlicher, tierischer oder
synthetischer Basis. Zu den eiweißhaltigen Leimen gehören die
aus Schlachtabfällen gewinnbare Gelatine, der aus Knochen herstellbare
Knochenleim oder das Casein
der Milch. Dieses Eiweiß lässt sich erst mit gelöschtem
Kalk oder Borax in Wasser aufschließen. Die für Schulen oft
verwendeten Plakafarben der Firma Pelikan gehören zu den Caseinfarben.
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Komponenten einer Caseinfarbe
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(nur auf CD-ROM)
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Das Milcheiweiß
Casein lässt sich mit gelöschtem Kalk in Wasser aufschließen.
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Mit dem Ausgang des Mittelalters
wurden Eier zusammen mit Leinöl in Eitemperafarben als Bindemittel
eingesetzt. In der Tafelmalerei auf Holz - so auch in der Ikonenmalerei
- kamen Caseinfarben oder Eitemperafarben zum Einsatz. Fra Angelico (gestorben
1455 in Rom) war einer der bedeutendsten Maler der frühen Renaissance.
Er arbeitete zunächst als Buchmaler in Florenz, die Zellen und der
Kreuzgang im Kloster San Marco enthält bedeutende Werke, aber auch
viele Altarbilder sind bekannt. Nach ihm ist das berühmte Fra-Angelico-Blau
benannt. Der flämische Meister Jan van Eyck (1390-1441) verwendete
neben den Ölfarben auch Eitemperafarben. So ist der berühmte
"Genter Altar" mit Ölfarben auf Holz gemalt, während die "Hochzeit
des Giovanni Arnolfini" mit Temperafarben auf Holz angefertigt ist.
Eine Temperafarbe
enthält eine Leim-Öl-Wasser-Emulsion, die das Pigment bindet.
Gouachefarbe enthält dagegen nur wasserlösliche
Leime und keinen Ölanteil. Die Buchmalerei im Mittelalter verwendete
Gouachefarben. Als Künstlerfarben wurden sie erst etwa ab dem 15.
Jahrhundert entdeckt. Tempera- und Gouachefarben bilden im Vergleich zu
den Ölfarben beim Trocknen weniger Risse, sie erhalten die Leuchtkraft
von Pigmenten besonders gut. Dies ist der Grund, warum einige Meisterwerke
aus der Zeit der Renaissance heute viel leuchtkräftiger erscheinen,
als die nachgedunkelten Ölgemälde späterer Meister. Ein
Nachteil der Temperafarben besteht darin, dass sie nach dem Trocknen heller
erscheinen. Außerdem kann man schlechter Farbübergänge
erzeugen, weil sie sich nicht so gut wie Ölfarben vermischen lassen.
Aus diesem Grund trugen die Temperamaler die Farbe in vielen lasierenden
Schichten übereinander auf. Die Malfarben sind sehr spröde und
lassen sich daher zwar gut auf Holz, aber nur schwer auf einer flexiblen
Leinwand auftragen. Sie müssen nach der Herstellung auch sofort verarbeitet
werden.
Stärkehaltige Leime
kommen als Pulver mit Bezeichnungen wie Glutolin oder Methylan in den Handel.
Sie können aus dem Zellstoff des Holzes gewonnen werden. Methlycellulose
ist der Hauptbestandteil von Tapetenkleister, sie eignet sich hervorragend
als Klebstoff oder zur Herstellung von einfachen Malfarben. Dextrin erhält
man als Abbauprodukt, wenn Stärke auf 200-290°C erhitzt wird.
Heute spielen die natürlichen Bindemittel bei der Herstellung von
Farben und Lacken nur noch eine untergeordnete Rolle. Autolacke werden
oft auf der Basis von Nitrocellulose eingesetzt. Zur Herstellung wird cellulosehaltiges
Material wie Baumwolle mit Salpetersäure und Schwefelsäure zu
Nitrocellulose nitriert. Diese findet als Sprühlack in einer Mischung
aus Harzen, Lösungsmitteln, Weichmachern und Pigmenten Anwendung und
zeichnet sich durch eine außerordentlich schnelle Trocknungszeit
aus.
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Traganthgummi
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Die beste Qualität
des Traganthgummis kommt aus dem Iran.
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Gummi als Ausschwitzungen
von Pflanzen gelten als die ältesten, bekannten Bindemittel. Die dafür
benötigten Sträucher von Astragalus-Arten wachsen in Persien,
Kleinasien, Griechenland und Südamerika. Traganth (Astragalus gummifer)
ist eine etwa 0,5 Meter hohe, mehrjährige Pflanze mit gefiederten
Blättern. Sie wächst beispielsweise im Iran und bevorzugt gerne
sandige Böden an sehr sonnigen Standorten. Vier Jahre nach der Aussaat
werden die Wurzeln gewonnen. Nach dem Anritzen der Wurzeln mit einem Messer
tritt ein Gummi aus. Es wird gesammelt und nach dem Trocknen pulverisiert.
Traganthgummi enthält einen hohen Anteil an Mehrfachzuckern wie Tragacanthin
und Bassorin, das gut quellbar ist. Noch heute ist Traganthgummi als Lebensmittelfarbstoff
E 413 zum Verdicken und Gelieren zugelassen. Es wird zusammen mit Gummiarabikum
in sehr hochwertigen Aquarellfarben eingesetzt,
sein Quellvermögen soll bis zu zehnmal höher sein als das von
Gummiarabikum. Aquarellfarben werden lasierend aufgetragen, während
die "Wasserfarben" aus dem Schulmalkasten deckend vermalt werden. Sie werden
korrekterweise als Deckfarben bezeichnet und
enthalten Dextrin und Polyvinylalkohol als Bindemittel.
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Komponenten einer Aquarellfarbe
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Gummiarabikum und Dextrin
sind gebräuchliche Bindemittel bei Aquarellfarben,
das Glycerin ist als
Feuchthaltemittel zugesetzt.
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Mit wasserlöslichen
Farben bemalten die alten Ägypter ihre Totenbücher oder Holzsarkophage.
Sie kamen auch in China seit dem 1. Jahrhundert nach Christus zum Einsatz.
Die indische Buchkunst verwendete anfangs Wasserfarben und Palmblätter,
seit dem 13. Jahrhundert auch Papier. Eine Vorstufe der Aquarellmalerei
in Europa stellten die um 1413 entstandenen Buchmalereien der Gebrüder
Limburg dar. Pigmente wie Fra Angelico Blau oder
Malachit wurden mit Wasser und Leim vermischt.
Die "Stundenbücher" (Les Très Riches Heures) enthielten 206
farbige Abbildungen, so auch die 12 berühmten Monatsbilder oder biblische
Darstellungen.
Wasserlösliche Farben
wurden seit dem 15. Jahrhundert für wissenschaftliche und künstlerische
Darstellungen von Tieren und Pflanzen benutzt. Durch den lasierenden Auftrag
mehrerer Farbschichten lassen sich sehr naturgetreue Bilder erzeugen. Albrecht
Dürer (1471-1528) gilt mit seinen Landschaften und Tierdarstellungen
als der erste bedeutende Meister der Aquarellmalerei. Einen weiteren Höhepunkt
erlebte die Aquarellmalerei mit dem englischen Maler J.M. William Turner
(1775-1851). Er setzte alle verfügbaren Techniken und Effekte ein.
Er ließ die Farben im Wasser verschwimmen, er malte mit den Fingern
und entfernte mit dem Daumennagel auch wieder Farbe, um Kratzsspuren zu
erzeugen. Manchmal ließ er große Flächen frei oder er
benutzte Löschpapier, um die Farben wegzusaugen. Die Benutzung dieser
Elemente führte zu sehr ausdrucksstarken Aquarellen. Auch Turners
Zeitgenosse John Constable (1776-1877) schuf sehr bemerkenswerte Werke
mit Aquarellfarben.
Von den Aquarellmalern
des Impressionismus ist vor allem Paul
Cézanne (1839-1906) zu nennen. Er gilt als Meister des Licht
und Schattens. Berühmt geworden sind die Aquarelle von August
Macke (1887-1914) und Paul Klee (1879-1940), die auf der Reise
nach Tunesien entstanden. Sehr ausdrucksstarke Aquarelle der norddeutschen
Landschaft und ihrer Wolkenstimmungen schuf Emil Nolde (1867-1956). Der
expressionistische Maler entwickelte eine Meisterschaft
darin, Form und Farbe direkt im Verfließenlassen der Aquarellfarbe
in einem einzigen Prozess umzusetzen. Da er bei den Nationalsozialisten
als entarteter Künstler galt, malte er trotz Malverbot, dann aber
oft schnell auf kleinen Vorlagen. Gerade aber dies begünstigte Noldes
Maltechnik in besonderer Weise. |