Startseite >>> Lexika >>> Chemikaliendatenbank >>> Anorganische Salze >>> Natriumcarbonat
 
  Natriumcarbonat   Na2CO 
Wasserfrei 
weißes Pulver 
  
Decahydrat 
kristallines Pulver 

Vorkommen   Seen (Ägypten, Owens Lake/USA), Heilquellen

Molmasse  105,989 g/mol 
(Decahydrat  286,142 g/mol)  
AGW  keine Angaben 
Dichte  2,54 g/cm3 
(Decahydrat  1,46 g/cm3)  
Schmelzpunkt   +856 °C 
Wasserlöslichkeit 
100g H2O lösen bei 25 °C 30,7 g
Piktogramm  
GHS 07  
Achtung
Gefahrenklassen + Kategorie  
  
Schwere Augensch./-reizung 2 
HP-Sätze (siehe auch Hinweis)      
H 319  P 280.3, 305+351+338  
Entsorgung G 4
Etikett drucken Deutscher Name Englischer Name
CAS  497-19-8 
CAS  6132-02-1
Natriumcarbonat 
Natriumcarbonat Decahydrat *
Sodium carbonate 
Sodium carbonate decahydrate
  
  *) Für die Schule bevorzugt 
  
Eigenschaften 
  
Die Herkunft des historischen Namens Soda für Natriumcarbonat ist nicht eindeutig geklärt. Möglicherweise geht es auf das arabische Wort suwwâd (Salzpflanzen-Asche) zurück. Der Begriff ist etwas irreführend, da mehrere Modifikationen des Natriumcarbonats existieren: 
   
Wasserfrei   Na2CO3 Heptahydrat  Na2CO3 • 7H2O
Monohydrat   Na2CO3 • H2O Decahydrat   Na2CO3 • 10H2O
      
  
    
 
Beim Erwärmen von Natriumcarbonat Decahydrat geht es oberhalb von 34°C in das Monohydrat über. Erhitzt man weiter, erhält man ab 107°C die kristallwasserfreie Form. Reines, wasserfreies Natriumcarbonat ist ein weißes Pulver, das Haut und Schleimhäute reizt. Es ist stark hygroskopisch und nimmt Kristallwasser aus der Luft auf. Beim Lösen im Wasser entsteht unter Wärmeentwicklung eine alkalische Lösung. Das Carbonat-Ion reagiert dabei mit einem Wasser-Molekül zu einem Hydrogencarbonat-Ion und einem OH--Ion:   
    
CO32-  +  H2  HCO3-  +  OH-    
    
Mit Säuren entwickelt Natriumcarbonat unter Aufbrausen Kohlenstoffdioxid:   
    
Na2CO3  +  H2SO4   Na2SO4  +  H2O  +  CO2
   
 
Herstellung  
    
Im Labor kann man Natriumcarbonat durch Einleiten von Kohlenstoffdioxid in Natronlauge herstellen:   
     
2 NaOH  +  CO2  +  H2  Na2CO3  +  2 H2O    
    
In der chemischen Industrie wird es heute fast ausschließlich nach dem Solvay-Verfahren aus Kochsalz und Kalk hergestellt. Zuerst setzt man Sole (stark salzhaltiges Wasser) mit Ammoniak (NH3) und Kohlenstoffdioxid (CO2) in einem Reaktionsofen zu Natriumhydrogencarbonat um:    
   
NaCl  +  H2O  +  NH3  +  CO2   NaHCO3  +  NH4Cl    
    
Durch Calcinieren (Erhitzen) auf 200 °C wird das Natriumhydrogencarbonat danach in das Carbonat umgewandelt:    
   
2 NaHCO3   Na2CO3  +  H2O  +  CO2    
    
Bei dem alten Verfahren nach Nicolas Leblanc (1742-1806) erhielt man Soda aus Natriumchlorid, Schwefelsäure und Natriumsulfat. Das Verfahren wurde aufgrund eines Preisausschreibens der Pariser Akademie der Wissenschaften von dem französischen Fabrikanten und Privatgelehrten Leblanc entwickelt. Zunächst stellte er aus Natriumchlorid und Schwefelsäure Natriumsulfat her. Beim Erhitzen von Natriumsulfat zusammen mit Kalk und Kohle entstand Soda, Calciumsulfid und Kohlenstoffdioxid:   
    
Na2SO4  +  CaCO +  2 C   Na2CO3  +  CaS  +  2 CO2    
    
Das entstehende Soda wurde danach mit Wasser ausgelaugt. Der Nachteil des Verfahrens bestand in den hohen Energiekosten und im Anfall unerwünschter Abfallprodukte. Das Verfahren ist heute nur noch von historischer Bedeutung, es leitete aber den Beginn der chemischen Großindustrie ein.   

Natriumcarbonat wird auch durch Verdunsten von Wasser aus Natronseen gewonnen. Die natürliche Heilquellen (beispielsweise in Karlsbad) enthalten ebenfalls hohe Sodakonzentrationen.

   
 
Verwendung 
   
Soda wird in großem Umfang von der Glasindustrie verwendet: Die Zugabe verhindert das Auskristallisieren der Schmelze beim Erstarren der Glasschmelze. Dadurch erhält man amorphes, sehr homogenes und durchsichtiges Glas. Die Konzentration an Soda  bestimmt auch die Fließfähigkeit der Schmelze. In der chemischen Industrie ist Soda ein wichtiges Zwischenprodukt für andere Natrium-Verbindungen, z.B. zur Herstellung von Natriumhydroxid, Natriumhydrogencarbonat oder Ultramarinblau. Soda wird auch zur Herstellung von Seifen und Waschmitteln verwendet. Die Zellstoff- und Papierindustrie setzt Soda zum Aufschluss, zur Neutralisation, zum Reinigen, zum Bleichen, sowie zur Aufbereitung von Altpapier ein. Bei der Eisenverhüttung wird das Soda bei der Entschwefelung von Roheisen und Stahl und als Flotations- und Flussmittel eingesetzt. Weiterhin dient es zum Enthärten von Wasser, wasserfreies Natriumcarbonat auch als Trocknungsmittel für Räume. Die glänzende Oberfläche beim Laugengebäck wird durch das Behandeln mit Soda erreicht. Weitere Verwendungen sind bei der Leder-, Keramik- und Textilindustrie zu finden.
  
  
Copyright: T. Seilnacht