Lage
Bad Ems ist eine kleinere Stadt mit rund 10000 Einwohnern. Sie liegt an der Lahn rund zehn Kilometer östlich von Lahnstein genau auf der Grenze zwischen Westerwald und Taunus. Auf der Flussinsel Silberau befand sich früher die zentrale Aufbereitungsablage für die gewonnenen Erze aus der Umgebung. Sie stand dort, wo heute die Sportanlagen sind, Spuren sind keine mehr vorhanden. Dort wurde das Material aus der Grube Friedrichssegen und aus Braubach am Rhein aufbereitet. Zwischen Bad Ems und Lahnstein gelangt man zum Lahnsteiner Ortsteil Friedrichssegen. Dort beginnt der schön hergerichtete Bergbaupfad in das Erzbachtal mit den noch erhaltenen Überbleibseln der legendären Grube Friedrichssegen.
Bad Ems
Im 17. und 18. Jahrhundert war Bad Ems ein bekannter Badeort. Ab dem 19. Jahrhundert erlangte zunehmend der Bergbau an Bedeutung. Dieser ist bei Bad Ems schon seit dem Mittelalter dokumentiert. Spuren davon findet man noch heute im Emsbacher Tal in Richtung Arzbach. Im alten Huthaus der Grube Merkur ist ein Bergbaumuseum mit einer Mineraliensammlung eingerichtet. Im Bereich des Malberger Gangzuges – auf der anderen Seite der Lahn – gab es ebenfalls Gruben und Halden: Von der einstigen Grube Bergmannstrost mit ihrer Halde ist heute nicht mehr viel zu sehen.
Grube Friedrichssegen
Im Gebiet bauten schon die Römer Erze ab. Kaiser Friedrich II. verlieh im Jahr 1220 die Schürfrechte an den Mainzer Erzbischof. Mitte des 19. Jahrhunderts gewann der Bergbau an Bedeutung und man vergab den Namen der Grube in Erinnerung an den Kaiser. 1913 ging die Bergbaugesellschaft in Konkurs. Mehrere Bemühungen zur Wiederaufnahme scheiterten, 1952 baute man sogar eine neue Flotationsanlage, aber auch diese wurde 1957 wieder stillgelegt, so dass der Bergbau seither ruht. Die Wiederaufbereitungsanlage auf der Silberau arbeitete noch bis 1959. In der Grube Friedrichssegen wurden hauptsächlich Bleierze gefördert, aber auch Eisen-, Kupfer-, Silber- oder Zinkerze. Mindestens 175 verschieden Minerale sind aus der Grube bekannt. Zwei davon kommen in der Typlokalität vor: Das Silber-Quecksilber-Erz Hanauerit sowie Lahnsteinit, ein farbloses Zinksilicat, das glimmerähnliche Tafeln bildet und erst 2012 von russischen Mineralogen erstmals bestimmt werden konnte.
Die alten Halden sind noch gut zu sehen. Die drei Eingänge der ehemaligen Stollen wurden restauriert. Auch Reste der Grubenbahn sind erhalten. Ganz oben im Tal gelangt man in einem kleinen Wäldchen zum alten Bergmannsfriedhof. Der Bergbaupfad ist gut ausgeschildert. Die ausgiebigen Halden der Grube waren in der Vergangenheit für Sammler sehr ergiebig. Für gute Funde musste man tief graben. Heute findet man kaum noch etwas. 1867 und 1876 entdeckte man riesigen Drusen, die reich mit Braunbleierz, dem braunen Pyromorphit, ausgefüllt waren. Diese Stücke wurden wegen ihrer Kristallformen als „Emser Tönnchen“ bekannt. Da die Vererzung zum Emser Gangzug zählt und die Aufbereitungsanlage in Bad Ems war, sind die meisten alten Etiketten mit dem Zusatz „Bad Ems“ versehen. Friedrichssegen ist ein Ortsteil von Lahnstein.
Der Pyromorphit kommt in braunen oder grünen hexagonalen Prismen, sowie in hellgelbgrünen Nadeln vor. Auch andere Bleiminerale wie Anglesit, Bleiglanz, Cerussit, Corkit, Dundasit, Hinsdalit oder der blaue Linarit finden sich teilweise in sehr gut ausgebildeten Kristallen. An Kupfer- und Zinkerzen findet man zum Beispiel Azurit, Brochantit, Chalkopyrit, Chalkosin, Covellin, Cuprit, Devillin, Hydrozinkit, Kupfer gediegen, Langit, Malachit, Posnjakit, Ramsbeckit, Rosasit, Schulenbergit, Serpierit, reiskornartiger Smithsonit oder Zinkblende. Der Cuprit kann von Chrysokoll oder Malachit überkrustet sein, oder er ist in einer Pseudomorphose vollständig in Malachit umgewandelt. Manganminerale sind Coronadit, Rhodochrosit oder Pyrolusit. Auch Eisenerze wie Goethit, Hämatit und skalenoedrischer Siderit kommen vor, sowie Calcit, Gips, Quarz und Schwefel. Silber gediegen ist häufig mit Quecksilber legiert, so dass entweder die Silbervarietät Kongsbergit oder sogar der Moschellandsbergit vorliegt, in dem der Quecksilbergehalt überwiegt. Auch Quecksilber gediegen kommt in kleinen, silbrig glänzenden Tropfen vor. Chlorargyrit findet man in der Varietät Embolit. Die abgebildeten Stücke hat der 2020 verstorbene Sammler Max Kern selbst auf den alten Halden im Erzbachtal zwischen 1960 und 1980 gesucht:
Silberau
Die Silberau wird hier als Fundstelle geführt, weil dort früher die zentrale Aufbereitungsanlage stand. Noch in den 1960er-Jahren konnte man auf den noch vorhandenen Abraumhalden und in den Schlacken sehr schöne Micromounts finden. Stücke von dort sind große Raritäten. Auch Material aus Braubach kam in die Anlage. Die abgebildeten Minerale hat Max Kern damals selbst gesammelt. Gefunden hat er zum Beispiel Anglesit, Azurit, Bleiglanz, Brochantit, Caledonit, Cerussit, Chalkopyrit, Chalkosin, Covellin, Cuprit, Devillin, Gips, Linarit, Malachit, Markasit, Namuwit, Quarz, Pyromorphit, Ramsbeckit, Serpierit oder Smithsonit.

Caledonit, Linarit
Silberau

Malachit, Azurit
Silberau

Ramsbeckit
Silberau

Serpierit, Azurit
Silberau

Smithsonit
Silberau
Braubach
Schlackenminerale wurden früher bei der ehemaligen Blei- und Silberhütte (auch „Hütte“) gefunden. Oberhalb von Braubach hat es ein paar sehr schöne Wanderwege mit Blick auf die historischen Anlagen. Man erblickt die imposante Marksburg und weit unten die ehemalige Blei- und Silberhütte, in der heute ein Recyclingwerk für Bleischrott untergebracht ist. Im Jahr 1691 wurde dort die erste Silberhütte in Betrieb genommen. Das Hüttenwerk ist heute ein UNESCO-Denkmal. Die drei markanten Schornsteine auf dem Berg Pankert waren über Abgaskanäle mit dem Hüttenwerk verbunden. Die Kamine auf dem hohen Berg dienten zum Schutz der Bevölkerung vor den Blei- und Arsen-Immissionen. Von den ehemaligen Halden der Gruben Königstiel und Rosenberg ist heute nicht mehr viel zu sehen. Sämtliche Halden in Braubach wurden aufgrund der starken Bleibelastung abgetragen und umfangreich saniert, deshalb sind keine Funde mehr möglich. Von der Grube Rosenberg ist noch ein Werkstattgebäude und der Schornstein des Kesselhauses erhalten geblieben.
Aus Braubach stammt sehr schöner Aragonit, auch in der Varietät „Eisenblüte“. Gefunden wurden auf den Halden Bleiminerale wie Anglesit, Bleiglanz, Cerussit, Lithargit oder hellbrauner Pyromorphit. Letzterer kann von Schlacke oder von sekundär gebildeten Bleimineralen überzogen sein. Der Mimetesit tritt in in der orangen Varietät Kampylit auf. Auch Kupferminerale waren reichhaltig vertreten, zum Beispiel Aurichalcit, Azurit, Chalkopyrit oder Malachit. Typische Eisenminerale sind Markasit (instabil), Pyrit und Siderit, während Zinkblende oder Zinkit zu den Zinkmineralen zählen. Manche Minerale sind mit Quarz vergesellschaftet. Einige der alten Haldenfunde stellen Sekundärbildungen dar.

Aragonit
Hütte Braubach

Aragonit
Grube Rosenberg

Chalkopyrit
Hütte Braubach

Malachit
Hütte Braubach

Malachit, Quarz
Hütte Braubach

Markasit, Pyrit
Grube Königstiel

Markasit
Grube Königstiel

Pyromorphit
Grube Rosenberg

Pyromorphit
Grube Rosenberg
































































