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Die meisten Kunststoffe werden aus Erdöl
hergestellt. Doch dieser fossile Rohstoff, der als Zersetzungsprodukt aus
ehemaligen Lebewesen entstanden ist, steht nicht unbegrenzt zur Verfügung.
Daher erscheint es sinnvoll, wenn Kunststoffe im Recycling wiederverwertet
werden. Viele Kunststoffe wie Polyethen sind
gegen Umwelteinflüsse äußerst widerstandsfähig und
bauen sich in der Natur nur schlecht ab. Die Kunststoffe lagern für
Jahrtausende auf Mülldeponien, und manche Kunststoffe erzeugen beim
Verbrennen sehr giftige Reaktionsprodukte (z.B. das PVC).
Ein weiteres Problem stellen giftige Ausgangsstoffe und Zwischenprodukte
dar, denen die Arbeiter bei der Produktion ausgesetzt sind. Auch diese
Stoffe müssen entsorgt werden und können zu Umweltschädigungen
führen. In der Zwischenzeit sind einige dieser Probleme erkannt worden,
z.B. beim EU-weiten Verbot von Weich-PVC für
Kinderspielzeug im Jahre 1999.
Recycling von
Kunstoffen
Bei der Wiederverwertung von Kunststoffen
sind drei Verfahren von Bedeutung:
Werkstoffliches
Recycling: Die Kunststoffabfälle werden zunächst zu
Granulat zerkleinert, danach eingeschmolzen und zu neuen Formen verarbeitet.
Dieses Verfahren findet bei Flaschenkästen, Kunststoff-Flaschen (z.B.
die PET-Flaschen) und Folien Anwendung.
Nachteil: Ein Gemisch aus vielen kleinteiligen Abfällen lässt
sich nur noch schwer und unter Zusatz von neuem Material verarbeiten.
Rohstoffliches
Recycling: Die Makromoleküle der Kunststoffe werden in
einer Pyrolyse in kurzkettige Moleküle
aufgespalten. Durch Erhitzen bei 600-900°C unter Sauerstoffabschluss
ist gewährleistet, dass keine Verbrennung stattfindet. Bei der Pyrolyse
von Polyethen und Polypropen
entstehen Monomere wie Methan, Ethan,
Ethen, Propen
und Benzol an. Die Auftrennung der
einzelnen Produkte erhält man durch eine nachfolgende Destillation.
Der Vorteil dieses Verfahrens liegt darin, dass die Abfälle nicht
sortiert werden müssen. Allerdings erzeugt die notwendige Trennung
der Produkte und die Neuherstellung der Kunststoffe hohe Kosten.
Thermische Verwertung:
Die Kunststoffabfälle werden unter Nutzung der dabei entstehenden
Wärmeenergie verbrannt. Diese Verwertung ist kostengünstig, es
können aber giftige Produkte entstehen, so dass eine Abgasreinigungsanlage
notwendig ist.
Biologisch abbaubare
Polymere
Der anfallende Hausmüll kann auf
Deponien gelagert, in Müllverbrennungsanlagen verbrannt oder wiederverwertet
werden. Der Hausmüll enthält aber auch einen relativ hohen Anteil
an kompostierbarem Material. Dabei sind nicht nur Stoffe auf pflanzlicher
oder tierischer Basis abbaubar, sondern auch Kunststoffe, die folgende
Anforderung erfüllen:
-
Sie enthalten keine biologisch nicht abbaubare
Komponenten
-
Sie enthalten keine Zusätze wie Weichmacher
oder Stabilisatoren
-
Der Kunststoff wird innerhalb eines bestimmten
Zeitraums (max. 1 Jahr) in Wasser, Kohlenstoffdioxid und Humus umgewandelt
Voraussetzung dafür ist die biologische
Abbaubarkeit der Rohstoffe. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick,
welche Rohstoffe biologisch abbaubar sind:
Biologisch abbaubare
Polymere
|
nachwachsende Rohstoffe
|
aus fossilen Rohstoffen
|
|
pflanzlich: Stärke,
Cellulose
tierisch: Wolle,
Seide, Gelatine,
Chitin
Produkte aus biotechnischen Synthesen
|
Polyester
Polyesteramide (40% Polyesteranteil)
Polyesterurethane (80% Polyester-Anteil)
|
Eine sinnvolle Alternative sind Blends,
bei denen nachwachsende Rohstoffe mit abbaubaren Polyestern vermischt werden.
So kombiniert ein derart hergestelltes Material die biologische Abbaubarkeit
des nachwachsenden Rohstoffes mit der guten Verarbeitbarkeit des fossilen
Rohstoffes.
Der Einsatz von biologisch abbaubaren
Polymeren ist überall dort sinnvoll, wo das Material nur eine begrenzte
Zeit halten muss, z.B. bei Plastiktüten, Joghurtbechern oder bei Verpackungsmaterial
im Haushalt. Es sind zwei Gruppen von Polymeren von Bedeutung:
Materialien auf Stärke- und Cellulosebasis
Stärke wird vorwiegend aus Mais,
Weizen oder Kartoffeln hergestellt. Damit die Stärke verarbeitet und
verformt werden kann, wird sie mit Wasser oder mit Alkoholen als Weichmacher
versetzt. Auf diese Art und Weise lassen sich aus Stärke Suppenteller,
Kaffeetassen oder diverse Verpackungsmaterialien herstellen (z.B. für
Eierbehälter oder nach dem Schäumen als Verpackungschips). Der
Nachteil dieser Polymere liegt darin, dass sie wasseranziehend und durch
Wärmebehandlung nicht gut verformbar sind. Cellophan ist aus biologisch
abbaubarem Cellulosehydrat aufgebaut und eignet sich zur Herstellung von
Verpackungsfolien (Näheres siehe unter >Cellulose
und Produkte).
Materialien
auf Polyesterbasis
Polyester sind oft nur als Kunstfasern
bekannt. Sie kommen aber auch als natürliche Polymere vor. Ihre biologische
Abbaubarkeit lässt sich aufgrund des Molekülbaus begründen.
Sie enthalten nicht nur reine Kohlenstoff-Ketten, sondern durch die Ester-Bindung
auch Sauerstoff-Atome in der Kette, z.B. Polymilchsäure, Poly-3-hydroxybuttersäure
(Markenname Biopol®), Polycaprolacton und der von der BASF
entwickelte BTA-Copolyester (Markenname Ecoflex®). Letzterer
erhält man durch eine Umsetzung von Butandiol mit Terephthalsäure
und Adipinsäure. Diese Polyester lassen sich zu Folien und Formteilen
verarbeiten und eignen sich sogar als chirurgisches Nähmaterial. Die
Ester-Bindung wird durch Wasser gespalten und kann dann von den Mikroorganismen
abgebaut werden.
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Eine Folie für Lebensmittelverpackungen
sollte im Interesse der Hygiene und der Haltbarkeit möglichst keine
Gase und Flüssigkeiten durchlassen. Durch
Polyester-Beschichtungen auf Stärke-Verpackungen erreicht man eine
Wasser- und Fettundurchlässigkeit. Insofern stellen auch Verbundwerkstoffe
aus biologisch abbaubaren Materialien eine sinnvolle Kombination dar.
Didaktische Hinweise und Ökobilanzen
von abbaubaren Polymeren
Im Unterricht bietet sich eine Diskussion
um die Einsatzmöglichkeiten und Grenzen von nachwachsenden Rohstoffen
im Hinblick auf die Kunststoffe an (vgl. auch das >Farbenprojekt).
Zunächst kann man überlegen, ob die Verwendung einer Kunststoffverpackung
überhaupt notwendig ist. So könnte man ja auch auf einen Markt
gehen und die Behältnisse (z.B. Flaschen, Schüsseln) selbst mitbringen
und befüllen lassen. Bei der Verwendung von PET
für Getränke treten geschmackliche Veränderungen auf - beispielsweise
beim Mineralwasser oder bei der Milch. Dies weist darauf hin, dass chemische
Verbindungen von der Verpackung in das Getränk übergehen. Dieser
Effekt verstärkt sich, wenn die Flaschen länger an der Sonne
oder an der Wärme stehen oder wenn die Getränke kohlenstoffdioxidhaltig
sind. Bei der Verunreinigung handelt es sich vor allem um den leicht fruchtig
schmeckenden Stoff Acetaldehyd, der bei der Kunststoffproduktion verwendet
wird (chem. Formel vgl. >Aldehyde) in geringen
Mengen ist auch Terephthalsäure (vgl. >Phthalsäure)
in den PET-Flaschen nachweisbar. Es ist bis heute nicht hinreichend bekannt,
wie sich der giftige Acetaldehyd in regelmäßig verabreichten,
geringen Mengen auf den menschlichen Körper langfristig auswirkt,
auch wenn die nachweisbaren Mengen meist unter dem gesetzlichen Grenzwert
liegen *) vgl. Anmerkung.
In der Zwischenzeit haben einige der Hersteller reagiert und das Herstellungsverfahren
so geändert, dass die geschmacklichen Beeinträchtigungen beim
Mineralwasser nicht mehr auftreten. Bei hochwertigen Produkten wird auch
ein Blocker beigefügt, der den Acetaldehyd chemisch bindet.
|
Biologisch abbaubare
Polymere
|
Herkömmliche
Kunststoffe
|
| Die Rohstoffe wachsen in der Natur immer
wieder nach, keine Rohstoffknappheit |
Die Erdölreserven sind begrenzt und
gehen absehbar zur Neige |
| Die notwendigen Anbauflächen stehen
teilweise nicht zur Verfügung |
Länder mit hoher Bevölkerungsdichte
können auf fossile Rohstoffe zurückgreifen |
| Der Einsatzbereich ist auf spezielle Anwendungsgebiete
beschränkt, z.B. Verpackungsmaterial |
Viele Spezialanwendungen sind möglich,
z.B. elektrisch leitfähige Polymere, Spezialkleidung, Sportgeräte,
Autolacke |
| Die Kunststoffe können kompostiert
werden und bauen sich in der Natur ab |
Manche Kunststoffe verrotten nur schwer
und erzeugen Müllberge, z.B. Polyethen |
| Sie sind nicht so gut wasser- und fettabweisend,
dies wird erst durch die Kombination in Verbundwerkstoffen erreicht |
Die Kunststoffe und Kunstfasern sind von
hoher Qualität und Homogenität (Festigkeit, Wasserundurchlässigkeit,
Beständigkeit) |
| Ein Bearbeiten und Verformen, z.B. durch
Erwärmen ist nicht so gut möglich |
Die Kunststoffe lassen sich z.B. durch
Spritzgießen und Spritzpressen verarbeiten |
Grundsätzlich besitzen biologisch
abbaubare Polymere eine günstigere Ökobilanz und verwirklichen
den Grundsatz eines geschlossenen Stoffkreislaufes.
*)
Anmerkung: Bei regelmäßigem Alkoholkonsum wird Alkohol in
der Leber zu Acetaldehyd umgebaut. Der so gebildete Acetaldehyd erzeugt
Kopfschmerzen und schädigt die Leber. In einigen Fällen entwickelt
der menschliche Körper Antikörper gegen den Fremdstoff, die dann
wiederum den Körper selbst schädigen. Das entspricht dem Prinzip
einer Autoimmunkrankheit, die in diesem Fall alkoholbedingt ist. Acetaldehyd
ist auch im Zigarettenrauch enthalten und verursacht bei Rauchern eine
erhöhte Wahrscheinlichkeit an Krebs im oberen Verdauungstrakt (Mund,
Speiseröhre, etc.).