Gase herstellen
 
Gase werden im Labor in vielfältiger Art und Weise benötigt. Wie man Gase auffängt, lesen Sie unter >Volumenbestimmung von Gasen, das Beseitigen von Feuchtigkeit unter >Trocknen von Gasen, die Gasreinigung unter >Adsorbieren oder >Absorbieren, Informationen zu den Laborgasen - insbesondere auch über ihre Giftigkeit - finden Sie im >Lexikon der Gase.
 
 
 
Thermische Zersetzung von festen Stoffen
 
Zur Herstellung von Gasen in der Schule kommen verschiedene Verfahren in Betracht. Für einfache Schülerübungen erfüllen schwer schmelzbare Reagenzgläser, die mit einem Stopfen und einem Ableitungsrohr verbunden sind (siehe oben), ihren Zweck. Auf diese Art und Weise kann durch das Erhitzen von Kaliumpermanganat auf über 240°C Sauerstoff hergestellt werden (>Schülerübung):
 
10 KMnO4  ----->  3 K2MnO4  +  2 K2O . 7 MnO2  +  6 O2
 
Das Reagenzglas wird waagerecht in ein Stativ gespannt und vorsichtig erhitzt. Da Sauerstoff schwerer als Luft ist, wird er in ein senkrecht stehendes Reagenzglas, dessen Öffnung nach oben zeigt, eingeleitet. Weitere Auffangapparaturen für Gase finden Sie im Kapitel >Volumenbestimmung von Gasen.
 
Name des
Gases
chem.
Formel
Herstellung durch 
Erhitzen von:
aus 1g Stoff
entstehen max.:
Sauerstoff
O2
Kaliumpermanganat
110ml
Ammoniak
NH3
Mischung von Ammoniumchlorid
und Calciumhydroxid
150ml
Schwefelwasserstoff
H2S
je 1 Masseteil Paraffin und Kieselgur mit 2 Masseteilen Schwefel mischen
225ml
Stickstoffdioxid
NO2
Blei(II)-nitrat
80ml
Kohlenstoffmonoxid
CO
2 Masseteile Zink und 1 Masseteil Calciumcarbonat mischen
k.A.
 
 
Austreiben von Gasen aus Flüssigkeiten durch Erhitzen
 
Sind Gase in Flüssigkeiten gelöst, können Sie durch einfaches Erhitzen ausgetrieben werden. Man verwendet in der Regel zwei Rundkolben aus Duranglas, wobei auf den unteren Kolben ein Stopfen mit Gasableitungsrohr aufgesetzt wird. Durch vorsichtiges Erhitzen füllt sich der obere, umgekehrte Rundkolben mit dem ausgetriebenen Gas. Diese Apparatur eignet sich beispielsweise zur Herstellung von Chlorwasserstoff oder von Ammoniak für Springbrunnenversuche:
 
 
Der Nachteil dieser Methode liegt in dem hohen Feuchtigkeitsgehalt der ausgetriebenen Gase. Sie müssen daher gegebenenfalls getrocknet werden (>Trocknen von Gasen). Für Schülerübungen eignen sich auch zwei starkwandige, aufeinander gestellte Reagenzgläser, wobei das untere im Wasserbad erhitzt wird. Dabei ist allerdings zu beachten, dass Schüler mit konzentrierten Säuren nicht arbeiten dürfen.
 
Name des
Gases
chem.
Formel
Die Herstellung erfolgt
durch Erhitzen von:
aus 10ml Flüssigkeit entstehen max.:
Chlorwasserstoff
HCl
Salzsäure rauchend
700ml
Ammoniak
NH3
Ammoniaklösung 10%
900ml
Schwefeldioxid
SO2
schweflige Säure
225ml
 
 
Gasentwicklung durch chemische Reaktion mit einer Flüssigkeit
 
Ein einfacher, ungeregelter Gasentwickler besteht aus einem Reaktionsgefäß, z.B. einem Rundkolben oder einem Erlenmeyerkolben mit Ableitung und einem aufgesetzten Tropftrichter. Über den Hahn lässt sich die zugeführte Menge an Flüssigkeit in das Reaktionsgefäß regeln. Eine Unterbrechung durch Verschließen der Ableitung ist nicht möglich, da dann das Gefäß platzen würde, sofern es keinen Druckausgleich besitzt.
 
 
 
Gasentwicklungsapparatur
für einfache Schülerübungen
Schliff-Gasentwickler mit
Tropftrichter und Druckausgleich
 
 
Werden giftige oder aggressive Gase wie Chlor hergestellt, ist in jedem Fall eine Schliffapparatur zu verwenden. Außerdem sollte die Gasentwicklung im gut ziehenden Abzug durchgeführt werden. Die Tropfgeschwindigkeit und damit auch die Geschwindigkeit der Gasentwicklung kann mit dem Hahn am Gasentwickler gesteuert werden.
  
Name
des Gases
chem.
Formel
zugetropfte
Flüssigkeit
vorgelegter
Stoff
aus 1g Feststoff entstehen max.:
Wasserstoff
H2
a) Salzsäure 10%
a) Zink granuliert
350ml
Sauerstoff
O2
Wasserstoffperoxid-
lösung 10%
Mangan(IV)-oxid
aus 10ml H2O2
250ml
Stickstoff
N2
Natriumnitritlösung
Ammoniumchloridlsg.
aus 10ml A.
250ml
Chlor
Cl2
Salzsäure konz.
Kaliumpermanganat
150ml
Chlorwasserstoff
HCl
Schwefelsäure konz.
(erwärmen)
Natriumchlorid
370ml
Bromwasserstoff
HBr
Phosphorsäure konz.
(erwärmen)
Kaliumbromid
80ml
Schwefelwasserstoff
H2S
Salzsäure 10%
Eisen(II)-sulfid
230ml
Ammoniak
NH3
Natronlauge konz.
Ammoniumchlorid
400ml
Kohlenstoffdioxid
CO2
Salzsäure 10%
Calciumcarbonat
210ml
Kohlenstoffmonoxid
CO
Schwefelsäure konz.
Natriumformiat
keine Angaben
Schwefeldioxid
SO2
Schwefelsäure 20%
Natriumsulfit
55ml
Methan
CH4
warmes Wasser
(nur kleine Mengen)
Aluminiumcarbid
180ml
Ethin
C2H2
Wasser
(nur kleine Mengen)
Calciumcarbid
310ml
 
 
Die Geschwindigkeit des Gasentwicklung hängt von mehreren Faktoren ab (siehe >Reaktionsgeschwindigkeit). Wasserstoff lässt sich auch durch das Hineinwerfen von gekörntem Calcium in Wasser leicht herstellen. Dabei entsteht unter Wasserstoffbildung Calciumhydroxid (>Schülerübung):
 
Ca  +  2 H2O  ----->  Ca(OH)2  +  H2 
 
Das bekannteste Gerät zur kontinuierlichen Gasentwicklung ist der von dem Apotheker Petrus Jacobus Kipp (1808-1864) im Jahre 1860 erfundene Kippsche Gasentwickler. Dieser arbeitet nach folgendem Prinzip:
 
a) Nach dem Einfüllen des Feststoffes (z.B. Zink granuliert) und der Flüssigkeit (z.B. Salzsäure) bei geschlossenem Hahn, steigt die Flüssigkeit im unteren Behälter solange, bis die darüber stehende Luft ein weiteres Ansteigen verhindert.
b) Durch das Öffnen des Hahns entweicht zunächst Luft, so dass die Flüssigkeit wieder ansteigt und in den mittleren Behälter gelangt. Dadurch reagiert die Flüssigkeit mit dem Feststoff und es entsteht ein Gas (z.B. Wasserstoff).
c) Beim Schließen des Hahns wird die Flüssigkeit durch das zunächst noch entstehende Gas zurückgedrängt, so dass die Gasentwicklung wieder aufhört.
 
 
Kippscher Gasentwickler zur kontinuierlichen Entnahme von Wasserstoff
 
Beim Arbeiten mit einem Kippschen Gasentwickler sind einige Sicherheitsmaßnahmen zu beachten. So sollten die Stopfen mit Schlifffett gefettet und mit Drahtschellen gesichert sein, damit sie durch das entstehende Gas nicht herausgedrückt werden. Bei der Herstellung von Wasserstoff muss die Knallgasprobe durchgeführt werden, bevor das Gas entzündet wird.
 
 
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