Lage
Der Hunsrück ist ein überwiegend in Rheinland-Pfalz liegendes Mittelgebirge, das im Südwesten bis in das Saarland hineinreicht. Begrenzt wird es durch die Mosel im Norden, durch die Nahe im Süden und durch den Rhein im Osten. Der Erbeskopf ist mit einer Höhe von 816 Metern über Meereshöhe die höchste Erhebung der Region. Abbauspuren des typischen Hunsrücker Schiefers findet man zum Beispiel im oberen Hahnenbachtal bei Bundenbach.
Hinweis: Die Umgebung von Idar-Oberstein mit den weltbekannten Achaten und auch der Donnersberg haben einen anderen geologischen Ursprung, diese Fundstellen werden im Portrait Saar-Nahe-Becken behandelt.
Geologie
Im Erdzeitalter Devon vor rund 400 Millionen Jahren war das Gebiet von einem flachen Meer bedeckt. Nach und nach verfestigten sich die Sedimente zu Sandstein und Tonschiefer. Aus dieser Zeit stammt auch der Hunsrückschiefer, der mit gut erhaltenen Fossilien durchsetzt sein kann. Vor 300 Millionen Jahren in Erdzeitalter Carbon wurden die Schichten gefaltet und zu einem Gebirge übereinandergeschoben. Durch Rissbildung entstanden bei diesem Prozess Hohlräume, die später mit erzreichen, hydrothermalen Lösungen aus der Tiefe gefüllt wurden. So entstanden die weißen Quarzadern im Bundenbacher Schiefer. In den verbliebenen Hohlräumen kristallisierten Minerale wie Calcit, Pyrit oder Chalkopyrit aus.
Bundenbach
Im Hunsrück wurde früher Schiefer für Dächer und Hausverkleidungen abgebaut. Ein Zeugnis davon gibt die Grube Herrenberg bei Bundenbach, die von 1976 bis zu ihrem Einsturz 2023 ein Besucherbergwerk war. Bereits im 16. Jahrhundert gab es dort Bergbau, erstmals erwähnt wird die Grube 1822. Im Jahr 1964 stellte sie ihren Betrieb ein. Heute wird kein Schiefer mehr in Bundenbach abgebaut, die ortsansässige Firma bezieht den Schiefer aus Spanien. Die Fossilfunde im Bundenbacher Schiefer wie Schlangensterne, Sonnensterne oder Trilobiten sind weltberühmt und zählen bei den Sammlern zu den wertvollsten Fossilien überhaupt. Sie sind durch ihre Pyritisierung im Schiefer besonders gut erhalten geblieben.
Die bekannteste Fundstelle bei Sammlern war früher die Grube Eschenbach im gleichnamigen Tälchen südlich von Bundenbach. Die Grube wird renaturiert und darf ohne Genehmigung nicht mehr betreten werden. Im dunklen Tonschiefer befinden sich helle Quarzbänder, deren Hohlräume mit gut kristallisierten Mineralen ausgefüllt sind. Der Quarz bildet klare Kristalle, auch Fadenquarze kommen vor. Er ist häufig mit farblosem oder gelblichem Dolomit vergesellschaftet, darauf sitzen vereinzelt goldene oder farbig angelaufene Kristalle aus Chalkopyrit:

Der Pyrit kommt in Bundenbach nur in winzigen Kristallen auf dem Dolomit vor. Begehrt und entsprechend selten ist stängelförmiger Pyrit, der an die Formen von Flugobjekten erinnert. Der orangefarbene Dolomit kann auf der Oberfläche auch in Ankerit übergehen, meistens handelt es sich aber bei den gelben Rhomboedern um Eisendolomit. Der Calcit bildet kleine Skalenoeder oder flächenreiche Kristalle, er sitzt auf dem Dolomit und ist deutlich weniger häufig als dieser. Eher selten sind Bleiglanz oder Zinkblende. Der Hämatit bildet auf dem Quarz oder auf dem Dolomit Überzüge. In den Hohlräumen des Schiefers können auch kleine Kristalle mit Albit oder Apatit wachsen.

Chalkopyrit, Calcit
Bundenbach

Ankerit-Dolomit, Quarz
Bundenbach

Quarz
Bundenbach

Quarz, Hämatit
Bundenbach

Quarz, Dolomit
Bundenbach

Pyrit
Bundenbach

Pyrit, Dolomit
Bundenbach

Pyrit auf Chalkopyrit
Bundenbach

Zinkblende
Bundenbach
Kautenbach
Die Grube Kautenbach liegt südlich von Traben-Trarbach in einem Seitental an der Mosel und zählt geologisch zum Hunsrück. Das ehemalige Bergwerk mit seinem Abbau von Blei- und Kupfererzen im Devonschiefer ist vor allem für eine Weltrarität bekannt geworden: Dort kommt das sehr seltene Blaubleierz vor, bei dem sich der Pyromorphit in einer Pseudomorphose zu Bleiglanz umgewandelt hat. Der ursprüngliche Habitus des Pyromorphits bleibt dabei erhalten. An dieser Fundstelle und auch bei weiteren alten Gruben in der Umgebung von Traben-Trarbach findet man Bleierze wie Cerussit, Linarit oder Pyromorphit.

Blaubleierz
Kautenbach

Linarit
Kautenbach
Stromberg
Die rekultivierten Kalksteinbrüche bei Stromberg stellen für den Hunsrück eine geologische Besonderheit dar. Während das Rheinische Schiefergebirge ansonsten hauptsächlich von Tonschiefern oder Sandsteinen geprägt ist, stellt der Massenkalk aus dem Mitteldevon eine Ausnahme dar. Diese Kalklinse entstand vor etwa 390 Millionen Jahren. Die nicht zugängliche Bogertshöhle bei Stromberg zeugt ebenfalls von diesem Phänomen. Bis 2014 baute man in den Steinbrüchen Kalk aus dem Devon ab. In den Störungszonen sind breite Quarzgänge enthalten. In der Vergangenheit fanden Sammler dort Stufen mit Calcit oder Quarz. Die Stufen aus Stromberg sind häufig von schwarzem Arsenopyrit oder von golden glänzendem Chalkopyrit bedeckt. Beide Erze treten „biomimetisch“ auf: Sie gleichen in ihrer welligen oder knolligen Struktur fossilen Strukturen.

Arsenopyrit, Quarz
Stromberg

Arsenoyprit biomimetisch
Stromberg

Calcit, Chalkopyrit
Stromberg

Chalkopyrit, Calcit
Stromberg

Chalkopyrit
Stromberg
Hinweise: Es werden nur die bekanntesten Minerale einer Fundstelle genannt. Die abgebildeten Stücke aus Bundenbach hat Max Kern zwischen 1960 und 1980 gesucht. Das Betreten der Steinbrüche ist heute verboten.









