Chemische
Gleichgewichte
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Stoffe:
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Kaliumiodid,
Iod, Stärke
löslich, Eiswürfel, Blei(II)-nitrat,
Calciumchlorid, evt. Trockeneis |
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Geräte:
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20 Cent-Münzen, Spielfeld
mit Holzlatten, mehrere Reagenzläser 18x180mm, zwei starkwandige Reagenzgläser
ca. 12x200mm mit Stopfen, zwei Winkelrohre, Y-Rohr und Schlauchverbindungen,
Reagenzglashalter, zwei 100ml-Bechergläser, Rührstäbe, Spatel,
Pipette, Waage, zwei 600ml-Bechergläser, Heizplatte, Brenner, Thermometer,
Stativ mit Halterungen, Overheadprojektor |
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Die vorbereitenden Arbeiten
für Demonstration 3 nur in einem Abzug durchführen! Stickstoffdioxid
nicht einatmen! Blei(II)-nitrat sachgemäß
entsorgen! |
Inhalt:
Didaktische Bemerkungen
Demonstration 1: "Rollende
Münzen"
Demonstration 2: Iod-Iodstärke-Gleichgewicht
Demonstration 3: Stickstoffdioxid-Distickstofftetroxid-Gleichgewicht
Literatur
Didaktische
Bemerkungen:
Zunächst wird nochmals auf die Schülerübung
"Reaktion von Salzsäure
mit Zink" Bezug genommen. Bei diesem Versuch handelte es sich um ein
offenes System (Näheres siehe unter dem Begriff "Chemisches
Gleichgewicht"). Der Unterschied zwischen einem offenen und einem geschlossenen
System wird daran verdeutlicht. Das Prinzip, wie sich ein Gleichgewicht
einstellt, wird im Anschluss daran spielerisch aufgezeigt:
Demonstration
1: "Rollende Münzen"
Durchführung:
Ein ca. 2x1m großes Spielfeld wird
mit vier Holzlatten umrahmt und in der Mitte durch eine Linie in zwei Felder
aufgeteilt. Zwei Spieler erhalten je zehn 1-Cent-Münzen. Sie versuchen,
die Münzen in das gegnerische Spielfeld zu rollen. Werfen oder schieben
ist nicht erlaubt. Wer nach einer bestimmten Zeitspanne weniger Münzen
in seinem Feld hat, gewinnt das Spiel.
Beobachtungen:
Sind die Spieler gleich geschickt, bleibt
die Zahl der Münzen in den beiden Feldern etwa gleich. Ist ein Spieler
wesentlich geschickter, dann nimmt die Zahl der Münzen auf seinem
Feld relativ schnell ab. Allerdings besitzt er dann auch weniger "Nachschub",
was zu einer selbstregulierenden Korrektur führt.
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Theorie:
Das beschriebene Spiel entspricht dem
Modellbeispiel "Apfelkrieg": Ein Großvater spielt gegen seinen Enkel
im Garten. Jeder Spielteilnehmer erhält zu Beginn 9 Äpfel. Ziel
des Spiels ist es, in das gegnerische Feld möglichst viele Äpfel
zu werfen. Nach einiger Zeit lässt sich feststellen, dass sich ein
konstantes, dynamisches Gleichgewicht einstellt. Im Feld des Großvaters
befinden sich mehr Äpfel als im Feld des Enkels.
Variationen:
Es eignen sich auch Spiele in der Turnhalle,
z.B. mit Tennisbällen oder mit Fußbällen und einem Netz
zur Spielfeldtrennung. Es kann dann ausprobiert werden, was mit dem Gleichgewicht
passiert, wenn ein Fußballer gegen einen Laienfußballer oder
ein Tennisspieler gegen einen Nicht-Tennisspieler antritt.
Demonstration
2: Iod-Iodstärke-Gleichgewicht
Vorbereitende
Arbeiten:
Durch das Auflösen von 0,5g löslicher
Stärke in 100ml Wasser stellt man eine 0,5%ige Stärkelösung
her. Danach werden 0,2g Kaliumiodid in 10ml Wasser gelöst und mit
0,1g Iod versetzt. Nun füllt man auf 100ml auf und erhält eine
0,3%ige Iod-Kaliumiodid-Lösung. In einem 600ml-Becherglas werden 500ml
Wasser auf 60°C erhitzt.
Durchführung:
1.) Zwei Reagenzgläser werden zu
einem Drittel mit der verdünnten Stärkelösung gefüllt
und mit jeweils gleich vielen Tropfen Iod-Kaliumiodid-Lösung versetzt,
so dass eine Blaufärbung auftritt. Die Blaufärbung bleibt nach
dem Schütteln bestehen.
2.) Ein Reagenzglas wird in das 60°
warme Wasserbad gestellt. Danach vergleicht man die Färbung der warmen
Lösung mit der Färbung der kalten Lösung.
3.) Beim Abkühlen der warmen Lösung
findet ebenfalls ein Farbeffekt statt, der genau beobachtet wird. Das Abkühlen
kann durch das Halten des Reagenzglases unter einen Strahl kaltes Wasser
beschleunigt werden.
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Beobachtungen:
Beim Erwärmen verschwindet die Blaufärbung,
die Lösung wird farblos. Beim Abkühlen kehrt die blaue Färbung
allmählich wieder zurück.
Theorie:
Iod
reagiert mit Stärkelösung
unter Bildung einer Blaufärbung. Die Reaktion beruht auf dem Einbau
von Iodatomen in die Kettenmoleküle der Stärke, wobei Iodstärke
entsteht. Die Reaktion verläuft exotherm unter Wärmeabgabe. Anhand
der Färbungen kann die Lage des Gleichgewichts beurteilt werden. Nach
dem Prinzip von Le Chatelier, weicht das chemische Gleichgewicht bei einer
Erwärmung dem ausgeübten Zwang aus. Eine Erwärmung begünstigt
also die endotherme Teilreaktion und das Gleichgesicht verschiebt sich
in Richtung der Ausgangsstoffe (auf dem Bild rechts). Beim Abkühlen
nimmt die exotherme Teilreaktion wieder zu und die Bildung der Iodstärke
wird wieder begünstigt (auf dem Bild links).
Demonstration
3: Stickstoffdioxid-Distickstofftetroxid-Gleichgewicht
Vorbereitende
Arbeiten:
Achtung: Diese Arbeiten dürfen nur
in einem gut ziehenden Abzug durchgeführt werden! Stickstoffdioxid
nicht einatmen! Lesen Sie bitte auch die Steckbriefe zum Stickstoffdioxid
und zum Blei(II)-nitrat!
Grafik erstellt mit
Labormaker
Ein Reagenzglas 20x180mm wird quer in
ein Stativ gespannt und mit 4g Blei(II)-nitrat gefüllt. Die Apparatur
wird gemäß der Zeichnung aufgebaut. Danach erhitzt man das Blei(II)-nitrat
mit der nicht leuchtenden Brennerflamme kräftig, bis es sich zersetzt
und rotbraunes Stickstoffdioxid entsteht. Man füllt die beiden starkwandigen
Reagenzgläser (120x20mm) mit dem Gas, so dass beide Reagenzgläser
mit der gleichen Färbung erscheinen. Danach verschließt man
die Reagenzgläser so fest wie möglich mit einem Stopfen.
Durchführung:
1.) Zur Herstellung einer Kältemischung
füllt man ein hohes 150ml-Becherglas mit 150ml zerstoßenem Eis
und fügt 50g Calciumchlorid hinzu. Nach dem Umrühren misst man
mit einem Thermometer die entstehende Temperatur. Als Alternative kann
auch Trockeneis verwendet werden (Schutzhandschuhe verwenden!).
2.) Ein zweites Becherglas wird mit 30°C
warmem Wasser gefüllt. Achtung: Bei höheren Temperaturen treibt
es den Stopfen aus dem Reagenzglas, daher fest verschließen und nicht
höher erwärmen!
3.) Die beiden Reagenzgläser mit
dem Stickstoffdioxid werden demonstrativ gezeigt und die Färbungen
verglichen. Dann stellt man das eine Reagenzglas in die Kältemischung,
das andere in das warme Wasser. Nach einer Weile vergleicht man erneut
die Färbungen und beobachtet wie sich die Färbungen mit der Zeit
wieder angleichen. Die Reagenzgläser können auch auf einen Overheadprojektor
gelegt werden.
Bild
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Beobachtungen:
Beim Abkühlen wird die gelbe Farbe
heller, beim Erwärmen nimmt die Färbung wieder zu.
Theorie:
Beim Erhitzen des Blei(II)-nitrats entsteht
rotbraunes Stickstoffdioxid:
2 Pb(NO3)2
2 PbO + 4 NO2 + O2
Unterhalb von 0°C wandeln sich die
meisten Stickstoffdioxid-Moleküle in Distickstofftetroxid-Moleküle
um:
2 NO2
N2O4 DHR = -57 kJ/mol
Nach dem Prinzip von Le Chatelier begünstigt
eine Temperaturerniedrigung die exotherme Teilreaktion. Daher verschiebt
sich das Gleichgewicht beim Abkühlen in Richtung des farblosen Distickstofftetroxids
(in der Gleichung nach rechts). Eine Erwärmung begünstigt die
endotherme Teilreaktion, es entsteht wieder mehr Stickstoffdioxid. Das
Gleichgewicht verschiebt sich nach links. Bei 27°C sind ca. 20% des
Distickstofftetroxid zu Stickstoffdioxid zerfallen. Unterhalb von 0°C
kommen nur noch Spuren vor. Bei 150° liegt das Gleichgewicht fast ganz
auf der Seite des Stickstoffdioxids. Darüber zerfällt Stickstoffdioxid
in Stickstoffmonoxid und Sauerstoff:
2 NO2
2 NO + O2
DHR
= +114 kJ/mol
Ausblick:
Im Anschluss folgen Beispiel aus der Technik,
wo chemische Gleichgewichte von Bedeutung sind, z.B. bei der Ammoniaksysnthese
oder bei der Schwefelsäureherstellung.
Die Schüler erkennen, dass das Gleichgewicht von äußeren
Bedingungen abhängt. Der Begriff "Gleichgewicht" spielt in der Natur
bei den ökologischen Gleichgewichten eine bedeutende Rolle. Ökosysteme
sind komplexer als chemische Systeme.
Werden chemische Gleichgewichte mit ökologischen
Gleichgewichten verglichen, erkennt man viele Gemeinsamkeiten. Beide Systeme
erreichen bei bestimmten äußeren Bedingungen einen stabilen
Zustand, beide versuchen bei Änderungen diese Stabilität wieder
herzustellen und beide regulieren sich von selbst.
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Ökologisches Gleichgewicht |
Chemisches Gleichgewicht |
| Kennzeichen: |
Ein natürliches System
bleibt im Gleichgewicht, indem seine Komponenten gerade soviel produzieren,
um sich selbst zu erhalten, Beispiel: Mäusebussard und Mäuse |
Ausgangs- und Endstoffe
bei einer chemischen Reaktion kommen gleichzeitig in einem bestimmten Verhältnis
vor, das von äußeren Bedingungen abhängt (Druck, Temperatur). |
| Einstellen des Gleichgewichts: |
Es tritt Selbstregulation
auf: Mehr Bussarde fressen mehr Mäuse, weniger Mäuse verursachen
weniger Bussarde. |
Das Gleichgewicht stellt
sich in Abhängigkeit von den äußeren Bedingungen von selbst
ein: Hin- und Rückreaktionen regulieren sich gegenseitig. |
Dieses Thema führt dann zu den ökologischen
Aspekten der Chemie hin. Stoffkreisläufe werden diskutiert und Themen
wie Nachwachsende Rohstoffe oder Nachhaltigkeit
kommen zur Sprache (zur Rolle des Sauerstoffs in nachfolgender Grafik siehe
unter dem Begriff Gewässerverschmutzung).
Ökologischer
Kreislauf in einem Gewässer
Literatur:
-
Helmut Boeck: Chemische Schulexperimente,
Band 5, Verlag Harri Deutsch, 1978