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erstes zeigt uns Herr Haverkamp die Abwasser-Aufbereitungsanlage der Firma
AURO. Die Anlage ist so konzipiert, dass sie sämtliche anfallenden
Abfall-Stoffe im Abwasser chemisch-biologisch aufbereitet und vollständig
abbaut. Dies ist ein Grundkonzept der Firma: Im Entwicklungslabor der Firma
werden sämtliche Entsorgungspfade für Reststoffe entwickelt und
geklärt, bevor mit der Produktion eines neuen Produkts begonnen wird.
Dabei wird vor allem darauf geachtet, dass nur ökologisch unbedenkliche
und biologisch abbaubare Stoffe als Abfallprodukte entstehen. Die Firma
AURO ist nach eigenen Angaben die einzige Firma weltweit, die vollständig
und konsequent diese Bedingungen erfüllt.
In den Laborräumen fallen uns vor allem die naturholzbelassene Labormöbel auf, die trotz langjähriger Benutzung kaum Verschleißerscheinungen zeigen, obwohl sie nur mit Naturlacken und -farben behandelt wurden. Wir fühlen uns in dem Labor mit der angenehm duftenden Atmosphäre sofort wohl und denken mit Schaudern an die kalten Räumlichkeiten der Großindustrielabors.
Als nächstes gelangen wir in einen Raum, in dem das Pflanzenfarbstoffpigment nach einem firmeneigenen Patent hergestellt wird. Als Rohstoffe werden verschiedene pflanzliche und tierische Materialien verwendet: Reseda: geraspelte Blüten, Blätter und Stengel (gelb), Catechu: eingedickter Saft der indischen Gerberakazie (braun), Chlorophyll: aus Blättern (grün), Indigo: eingedickte Stücke aus Indien (blau) Blauholz: geraspeltes Kernholz des Blauholzbaumes (violett), Krapp: Wurzeln der Pflanze (rostrot) Cochenille: getrocknete Schildläuse (leuchtend rot) Im Gegensatz zu einem mineralischen Pigment besitzt das so hergestellte Pigment nur einen mineralischen Träger unter der Oberfläche (weiße Tonerde), während die farbgebende Substanz (Farbstoff) auf der Oberfläche der Tonerdekristalle sitzt. Durch nachhaltiges Rühren setzt sich der Schaum allmählich am Boden ab, und eine Probe des Pigments kann als feuchte, schlammige Masse mit Hilfe von Leinensäckchen aus dem Reaktionskübel abgeschöpft werden.
Nach einer erneuten Filtration und nach dem Auswaschen mit Wasser bleibt das noch nasse Pflanzenfarben-Tonerdepigment im Filter zurück. Mit Hilfe von Filterpressen wird es getrocknet. Dem trockenen Pigment werden nun Bindemittel wie Lärchenharz-Balsam, Schellack-Ammoniumseife, Walnussöl, und Xanthangummi beigefügt. Zugegebenes Lavendel- und Rosmarinöl, sowie Alkohol dienen zur Konservierung und geben der fertigen Wandlasur-Pflanzenfarbe einen wohlriechenden Duft.
Eine Besonderheit dieser Farbe ist ihre Art, wie sie auf die Wände aufgetragen wird: Sie wird nicht mit der weißen Wandfarbe vermischt, sondern als verdünnte Lasur über den weißen Malgrund der AURO Natur-Casein-Wandfarbe aufgetragen. Dadurch vermittelt der physikalische Eindruck der gestrichenen Wände eine besondere Lebendigkeit und Farbintensität. Nach dieser interessanten Darbietung gelangen wir in die Produktionsabteilung, die Farben und Lacke herstellt. Hier ist das Rauchen und insbesondere das Blitzen mit Elektronenblitzgeräten strengstens verboten. Ursache für die Feuergefährlichkeit sind nicht die Lösungsmittel, die in anderen Farben und Lacken üblicherweise enthalten sind, sondern brennbare Harze und Öle, wie Balsamterpentinöl, das aus dem Harz einer portugiesischen Kiefer gewonnen wird. Die wasserlöslichen Lacke für Holzgrundierungen und -anstriche enthalten Pflanzenöle wie Leinöl oder Rizinen-Standöl. Das Leinöl bezieht die Firma von einer Ölmühle in Ostdeutschland. Dieses Öl oxidiert an der Luft zu einem wetterbeständigen und festen Harz. Spezielle Stoffe zur Trockenzeitverkürzung (Ca/Co/Zr-Trockner) beschleunigen diesen Prozess. Oft sind den Lacken auch Harze und Wachse wie Bienenwachs oder Carnaubawachs beigefügt, welche die Imprägnierwirkung des lackierten Holzes zusätzlich verstärken und verhindern, dass die Lacke spröde und rissig werden. Zum Lösen der Wachse und Harze wird das aus Apfelsinenschalen gewonnene Citrusschalenöl eingesetzt. Dieses verleiht den fertigen Lacken und Lasuren einen angnehmen Duft. In großen Kesseln nehmen wir eine weiße Masse wahr, die wir aufgrund ihrer Geruchsneutralität zuerst nicht als weiße Wandfarbe erkennen. Das farbgebende Pigment dieser Farbe ist das Weißpigment Titandioxid, welches nach dem Sulfat-Verfahren mit anschließender Dünnsäureaufbereitung hergestellt wird. Als Füllstoffe werden Buchenholzzellulose, Talkum und Quellton verwendet. Sie verbessern die Oberflächenbeschaffenheit und das Saugvermögen der Wandfarbe. Als Bindemittel kommt Casein zum Einsatz. Wir gehen weiter und gelangen in große Lagerhallen. Hier lagert die Firma Auro ihre Rohstoffe. Herr Haverkamp öffnet Säcke mit Färbepflanzen und zeigt uns das Material, das in großen Mengen zur Verfügung steht. Aus einem Sack entnimmt er eine Handvoll Carnaubawachs, welches aus den Palmblättern einer brasilianischen Palmenart gewonnen wird. Das darin enthaltene Wachs wird durch das Auskochen mit Wasser verflüssigt, danach abgeschöpft und gereinigt. Es gelangt in zerbrechlichen, gelb-weißlichen Stücken in den Handel.
Oberhalb der Lagerräume befindet sich ein anderes Gebäude, in dessen Treppenaufgang es angenehm nach etherischen Ölen duftet. Im obersten Stockwerk gelangen wir in einen großen Konferenzraum, der ebenfalls mit Naturholzmöbeln ausgestattet ist. Am Ende befindet sich ein kleiner, heller Raum mit einer großen Bibliothek, die sofort meine Aufmerksamkeit auf sich zieht. Dort befinden sich alle nur erdenklichen Raritäten und bisherigen Veröffentlichungen zum Thema Farbstoffe. In der Mitte des Raumes steht Hermann Fischer und begrüßt uns herzlich. Wir nehmen auf einem bequemen Sofa Platz und sind mitten in ein hochinteressantes Gespräch hineingezogen, bevor wir überhaupt unsere Kameras und das Tonbandgerät aufbauen können. Hermann Fischer bietet uns Café an und interessiert sich auch für uns. Er tauscht Gedanken aus, so dass der Dialog allen Beteiligten Spaß macht.
Als das Telefon klingelt, sagt Hermann Fischer einen Termin ab, um sich ganz dem Interview widmen zu können. Er nimmt sich viel Zeit für uns und erzählt aus seinem persönlichen Werdegang. Wir sind von seiner Persönlichkeit und seinem Engagement beeindruckt. Er verabschiedet uns später sehr herzlich. Bevor wir das Firmengelände verlassen, steht uns Herr Haverkamp nochmals ein halbe Stunde für Fragen zu Wirtschaftsdaten über die Firma zur Verfügung. Wir erfahren, dass die 1983 gegründete Firma im Frühjahr 1998 zu einer Aktiengesellschaft umgewandelt wurde. Im Sortiment befinden sich über 100 Produkte, die an fast 1000 Fachhändler und Handwerksbetriebe ausgeliefert werden. Der Export erfolgt in nahezu alle westeuropäischen Länder und nach Übersee. In der Zwischenzeit ist es abend geworden, und wir schießen noch einige Fotos von den Außenanlagen und den Pflanzen. Befriedigt verlassen wir mit einer Vielzahl an Eindrücken und gewonnenen Informationen Braunschweig. |
| Vorgeschichte
und Danksagungen
Interview mit Hermann Fischer Zusammenfassung der neun Kernthesen der Sanften Chemie Hermann Fischer: Über das Lasieren von Wand- und Deckenflächen mit Pflanzenfarben Die Herstellung eines Krapplacks im Schulversuch (mit Kopiervorlagen) Dokumentation des Farbenprojekts Links zum Thema Nachwachsende Rohstoffe Internet: Webseite der Firma AURO |
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