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Die Farbe Gelb
symbolisiert das Sonnenlicht, die Erkenntnis und das Gedeihen des Lebendigen,
aber auch den Herbstes und die Reife. Die Sonne war bei allen Völkern
eines der wichtigsten Symbole. Viele Naturvölker verehrten sie als
Gott. Die alten Griechen stellten sich vor, dass der griechische Sonnengott
Helios in einem gelben Gewand auf einem von vier Feuerrossen gezogenen
Wagen über den Himmel fährt. Das strahlende, gelbe Licht der
Sonne und ihren Göttern verkörperte die göttliche Intelligenz.
In China ist die Farbe Gelb dem männlichen Yang, dem aktiven schöpferischen
Prinzip, zugeordnet. Die alten Ägypter, aber auch der Maler Franz
Marc, sahen im Gelb jedoch das Weibliche, das "Sanfte, Heitere, Sinnliche".
Seit dem Mittelalter gilt Gelb auch als Farbe des Neides und als Schandfarbe
von diskriminierten Gruppen.
J.M.W. Turner: Licht
und Farbe -
Der Morgen nach der
Sintflut,
Moses schreibt das
Buch Genesis, 1843
Der Titel von Turners Gemälde verdeutlicht
die Funktion des Gelb: Nach einer Zeit von langer Dunkelheit erstrahlt
das leuchtende Gelb des Sonnenlichts, und ein neues, geläutertes Zeitalter
nach der alles verschlingenden und verdunklenden Sintflut beginnt. Das
Bild gilt als Allegorie (Umschreibung) des Begriffes "Licht". Leicht oberhalb
des Zentrums hält sich Moses auf, der mitten im Licht steht und um
den sich alle Figuren drehen.
Die Geschichte der Farbe
Gelb
1. Die Farbe
Gelb im Altertum
Ein gelbes Pigment
(Goethit und Ton) wurde bereits bei den Höhlenmalereien
von Lascaux vor 17000 Jahren verwendet. Die alten Ägypter benutzten
auf Wandgemälden gelben Ocker
zur Darstellung von Haut. In den Hieroglyphen - als einziges Schriftsystem,
das bisher die Farbe als Bedeutungsträger einsetzte - wurde das Wort
"Frau" mit gelber Farbe geschrieben. Außerdem diente der gelbe Ocker
zur Ausmalung von Bildhintergründen.
Ein anderes Gelb, das von den Ägyptern
als Pigment verwendet wurde, ließ sich durch Mahlen des Minerals
Auripigment (Arsensulfid) herstellen.
Das giftige Pigment diente im alten Ägypten, aber auch später
in Assyrien oder in China zum Anstrich von Wänden oder als Malfarbe
für Bilder und Buchmalereien. Giftig sind auch viele andere gelbe
Pigmente wie Bleichromat (Chromgelb) oder Beiantimonid (Neapelgelb), die
in der Malerei immer wieder eingesetzt wurden.
Im alten China, dem "Reich der Mitte"
und in allen asiatischen Kulturen galt die Farbe Gelb als Farbe der Glückseligkeit,
des Ruhms und der Weisheit. Ähnlich wie die Farbe
Rot und der Purpur im Römischen Reich
und im Mittelalter verkörperte die Farbe Gelb in China ab dem 3. Jahrtausend
vor Christus auch Macht und Herrschaft. Safrangelbe Gewänder waren
dem Volke verboten, nur der Kaiser und buddhistische Mönche durften
sie tragen.
Der Ursprung für die Bedeutung der
Farbe Gelb in China kann vielleicht im Gelben Fluss (Huang Ho) gesehen
werden: Der Name rührt von der Farbe des Wassers her, welches einen
hohen Anteil an gelbem Schlamm mitführt. Diese Lösserde ist außergewöhnlich
fruchtbar und erreicht bei manchen Ablagerungen am Rande des Flusses eine
Dicke von 200 Metern.
Viele Kulturen sagten der Farbe Gelb wie
der Farbe Rot eine schützende Wirkung nach.
In Indien trugen die Bräute vor der Hochzeit zerrissene, gelbe Kleider
zur Vertreibung von bösen Geistern. In Ägypten, in Russland,
im Orient und in manchen Ländern des Balkans ist sie Hochzeitsfarbe.
In anderen Kreisen und Kulturen galt die Farbe Gelb als Unglücksbringer.
Schausteller meiden die Farbe und im Theater dürfen Vorhänge
nie gelb sein, da sie Unglück bringen sollen.
2.
Die zwiespältige Verwendung der Farbe Gelb
Rohstoff für die gelben Gewänder
der chinesischen Kaiser war der Safrankrokus.
Im Herbst sprießt innerhalb von einem Tag aus der Zwiebel eine zartviolett
blühende Pflanze. Aus der Blüte wächst ein 10cm langer Griffel,
der sich in drei auffällig rot gefärbte Blütennarben aufspaltet.
8000 Blüten ergeben 100g braunrote, getrocknete Narben, aus denen
sich der Farbstoff Crocin mit Wasser extrahieren
lässt. Der Krokus des Altertums galt als König der Pflanzen,
da der gewonnene Farbstoff eine unglaubliche Färbekraft besaß.
Noch in einer Verdünnung von 1 : 200 000 bleibt die Farbe sichtbar.
Safran diente zum Färben von Kosmetika, von Wein und Speisen (z. B.
Reis) oder zum Würzen. Der römische Kaiser verwendete ihn als
Badezusatz, und im Theater wurden die Sitze für die obere Gesellschaft
mit Safranwein besprengt. Neben seiner desinfizierenden Wirkung sagte man
ihm auch Heilwirkungen nach. Bereits die Ägypter färbten Textilien
mit dem kostbaren Farbstoff, dies belegen heute die mit Safran gefärbte
Mumienbinden aus den Gräbern. Ein billigerer Ersatzfarbstoff für
den Safran war das gelbe Luteolin, welches aus der Resedapflanze
gewonnen werden konnte.
Während in Europa das Gelb nie als
Herrschaftssymbol wie das Rot fungierte, trugen die
Königstöchter oft gelbe, mit Safran gefärbte Seidengewänder.
Der Farbstoff benötigte reinweißes Textilmaterial, da er mit
Geweben wie Baumwolle Grauschleier ergab, daher kam nur die teure Seide
in Frage. Safrangelb galt als Farbe der Liebe und später auch der
Wollust. Die römische Liebesgöttin Venus trug ein gelbes Gewand.
Aus diesem Grunde wurde die Farbe im Mittelalter vom Christentum zur Farbe
der Dirnen umfunktioniert. Sie wurden gezwungen, zur Erkennung ein gelbes
Band, einen gelben Gürtel oder einen gelben Umhang zu tragen. Da das
Gelb sehr leicht durch andere Farbstoffe "verschmutzt"
wurde, belegte man das grünliche-schmierige Gelb mit Ekel, als Farbe
des Eiters und des Aussatzes. Der Maler Giotto di Bondone (1267-1337) stellte
Judas im Fresko "Der Judaskuss" als Verräter in einem gelben Mantel
dar. Wo eine gelbe Flagge wehte, wütete die Pest. Nach altem Glauben
sah man die Ursache für jeglichen Ärger in der Galle. Eine Gelbfärbung
der Haut symbolisierte Ärger und ewigen Neid ("gelb vor Neid") und
Eifersucht, aber auch Geiz. Nach der christlichen Vorstellung waren Neid
und Geiz zwei der sieben Todsünden, was einen weiteren Grund darstellte,
um die Farbe Gelb zu diskriminieren.
Einen Höhepunkt erlitt die Farbe
der Geächteten, als die Nationalsozialisten die Juden zwangen, einen
gelben Davidsstern als Erkennungszeichen zu tragen. Die Geschichte der
Judenverfolgungen durch die Christen ist jedoch wesentlich älter.
Im 12. Jahrhundert mussten die Juden einen gelben Hut tragen.
3. Die Wirkung
der Farbe Gelb
Die Farbe Gelb, als Farbe des Lichts und
der Wärme wirkt auf das Gemüt anregend, aufheiternd und erwärmend.
In seiner Farbenlehre schrieb Goethe:
"Sie führt in ihrer
höchsten Reinheit immer die Natur des Hellen mit sich und besitzt
eine heitere, muntere, sanft reizende Eigenschaft (...) So ist es der Erfahrung
gemäß, dass das Gelbe einen durchaus warmen und behaglichen
Eindruck mache. Daher es auch in der Malerei der beleuchteten und wirksamen
Seite zukommt. Diesen wärmende Effekt kann man am lebhaftesten bemerken,
wenn man durch ein gelbes Glas, besonders in grauen Wintertagen, eine Landschaft
ansieht. Das Auge wird erfreut, das Herz ausgedehnt, das Gemüt erheitert;
eine unmittelbare Wärme scheint uns anzuwehen." (Goethe, Farbenlehre)
In seinem Buch "Über das Geistige
in der Kunst" beschrieb Kandinsky eine andere Wirkung des (grellen) Gelb:
Andererseits das Gelb,
wenn es direkt betrachtet wird (...) beunruhigt den Menschen, sticht, regt
ihn auf und zeigt den Charakter der in der Farbe ausgedrückten Gewalt,
die schließlich frech und aufdringlich auf das Gemüt wirkt.
Diese Eigenschaft des Gelb (...) kann zu einer dem Auge und dem Gemüt
unerträglichen Kraft und Höhe gebracht werden. Bei dieser Erhöhung
klingt es wie eine immer lauter geblasene scharfe Trompete." (Kandinsky,
1952)
Die beiden Zitate verdeutlichen die zwiespältige
Wirkung der Farbe Gelb. Warmes Goldgelb unterscheidet sich in seiner Wirkung
deutlich vom grellen Zitronengelb. Manche Psychologen sehen im Gelb ein
Anzeichen von psychischen Störungen:
"Dieses Gelb ist die
natürliche und eigentliche Farbe des morbiden Gemüts. Sobald
wir sein zunehmendes Auftreten bemerken, können wir sicher sein, dass
wir es mit einer psychischen Störung zu tun haben." (E. P. Mosse in
Bruns 1997)
Gelb war auch die Lieblingsfarbe von Vincent
van Gogh. Anfangs verwendete er gelben
Ocker, später auch das neu aufkommende Cadmiumgelb oder Chromgelb
(z.B. in den berühmten Sonnenblumenbildern). Das Licht seiner Landschaften
wurde bei van Gogh zur Farbe. Licht symbolisierte für ihn die Sonne
des Südens, Heiterkeit, aber auch Freundschaft und Liebe. Das Gelb
trat bei van Gogh immer in Verbindung mit seiner Komplementärfarbe
Blau auf. Die Farbkombination Gelb-Blau versinnbildlichte
für ihn die Kraft und die Totalität des Lebens. Das Gelb drückt
die Sehnsucht des Künstlers nach einem heiteren und unbeschwerten
Leben aus, welches van Gogh nicht hatte. Gleichzeitig verkörpert es
die schöpferische Energie, die in diesem Künstler innewohnte.
Im Straßenverkehr hat die Farbe
Gelb die beste Fernwirkung. Aus diesem Grund sind das Vorfahrtsschild,
die umschaltende Ampel, Postautos aber auch Rettungswesten und Tennisbälle
gelb. International ist die Farbe Gelb (oder auch Orange) als Warnfarbe
für Gefahrstoffe eingeführt. Gelb-schwarze
Streifen müssen unbedingt beachtet werden (z. B. beim Blindenabzeichen).
Im Fussball verwarnt der Schiedsrichter die Spieler bei einem Foul mit
einer gelben Karte. Das Signalisieren einer gelben Flagge auf einem Schiff
bedeutet den Ausbruch einer Seuche. Im Tierreich gilt Gelb wie Rot
als Warnfarbe und signalisiert Gift (Feuersalamander, Hornisse).
Warme Gelbfarben werden in der Werbung
- z. B. bei der Margarinewerbung - eingesetzt, um eine heitere und friedliche
Stimmung zu suggerieren. Eine Familie sitzt am Frühstückstisch,
während sie die goldgelbe "Rama" auf ihre Brote streicht. Das Gelb
der kosmetischen Sonnenschutzprodukte wie "Delial" vermitteln Fun, Aktivität
und suggerieren tiefe Bräune der Haut, die sich kontrastreich vom
knappen, gelben Bikini einer Strandschönheit abhebt.
| Copyright
(Text): T. Seilnacht |
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