|
|
||
|
|
|
|
|
|
|
| Am
20. Februar 1888 bestieg Vincent den Zug nach Arles, da ihn die leuchtenden
Farben des Südens anzogen. In Arles bezog er ein kleines Zimmer in
einem Restaurant. Hier brachte Vincent seinen Stil - beeinflusst durch
die umgebende Landschaft - zur Vollendung.
Die "Brücke von Langlois bei Arles" malte er mehrfach. Die Bilder weisen Merkmale des Impressionismus auf, gehen aber auch darüber hinaus. Die als Schatten erkennbare Frau mit Schirm auf der Brücke, die lockere Pinselführung auf der Wasseroberfläche, das Unterdrücken von Licht und Schatten oder die helle mit Blau und viel Weiß unterstützte Farbgebung erinnern an den Impressionismus. Die Verwendung der Farben sind aber nicht mehr nur Ausdruck einer "Impression", sondern sie zwingen den Blick des Betrachters durch ihre expressive Ausstrahlung auf die konkreten Gegenstände. Die Komposition ist übersichtlich und die einzelnen Motive sind klar voneinander getrennt.
|
Im
April des Jahres 1888 mietete er den Flügel eines Hauses in Arles,
um dort ein Künstlergemeinschaft mit dem von ihm verehrten Paul Gauguin
(1848- 1903), den er in Paris kennengelernt hatte, zu gründen. Für
das Gästezimmer von Gauguin malte er eine Reihe von Bildern mit Sonnenblumenmotiven,
die alle mit seiner Lieblingsfarbe Gelb Fröhlichkeit
und Offenheit ausdrücken sollten. Das Bild "Sonnenblumen" ist vorwiegend
mit leuchtendem Chromgelb gemalt, die Farbe
ist mit langen, dicken Pinselstrichen aufgetragen. Das Motiv ist ähnlich
wie die Stillleben von Paul Cézanne gut
komponiert. Der Künstler versucht nicht vorrangig, ein Abbild von
der Natur oder von den Blumen zu schaffen, sondern die Sonnenblumen sollen
einen frohen Gemütszustand beim Betrachter erzeugen. Das Gelb der
Blumen symbolisiert Heiterkeit, aber auch Freundschaft und Liebe.
|
| Van
Gogh kann als wichtiger Wegbereiter des späteren Expressionismus
gesehen werden, bei dem nicht nur die äußere Gestalt einer Erscheinung
eine Rolle spielt, sondern vor allem der innere "Seelenzustand" eines Motives.
Um was es ihm dabei genau ging, verdeutlicht das Zitat:
"Ich möchte Männer und Frauen mit dem gewissen Ewigen malen, wofür früher der Heiligenschein das Symbol war und das wir durch das Leuchten, durch das bebende Schwingen unserer Farben auszudrücken versuchen... Die Liebe eines Paares ausdrücken durch die Vermählung von zwei Komplementärfarben, durch ihre Mischung und ihre Kontraste, durch das geheimnisvolle Vibrieren einander angenäherten Töne. Das Geistige einer Stirn auszudrücken durch das Leuchten eines hellen Tones auf einem dunklen Untergrund. Die Hoffnung durch einen Stern ausdrücken. Die Leidenschaft eines Menschen durch einen leuchtenden Sonnenuntergang." (Zitat von Vincent, in: Walther 1986, S. 58) Zwischen van Gogh und Gauguin kam es in der Folgezeit zu Spannungen. Es zeichnete sich ab, dass Gauguin wieder abreisen wollte. In panischer Angst vor dem erneuten Alleinsein, verlor Vincent eines abends die Nerven und schnitt sich in einem Anfall geistiger Umnachtung das rechte Ohr ab. Während sich Vincent im Krankenhaus aufhielt, reiste Gauguin heimlich ab. Vom Scheitern dieser Künstlergemeinschaft war Vincent resigniert, und erste Anzeichen von Wahnvorstellungen befielen ihn. Wiederum verbrachte er einige Wochen im Krankenhaus. Vincent begann sich allmählich - teils freiwillig, teils unfreiwillig - von der Gesellschaft zurückzuziehen und widmete sich immer mehr der Malerei.
Das Bild "Nachtcafé" dürfte seinem damaligen Seelenzustand entsprechen. Es zeigt einen Raum, in dessen Zentrum ein Billardtisch steht. Die dargestellten Personen, der Billardspieler, zwei Betrunkene und ein Liebespaar wirken trotz der leuchtenden Farben nicht fröhlich, sondern eher depressiv. Das leuchtende Rot der Wand, sowie das Gelb der Lampen und des Fußbodens bildet einen Komplementärkontrast zum Grün an der Decke und auf dem Billardtisch. "Ich habe versucht, mit Rot und Grün die schrecklichen menschlichen Eigenschaften auszudrücken. Der Raum ist blutrot und mattgelb, ein grünes Billard in der Mitte, vier zitronengelbe Lampen mit orange- farbenen und grünen Strahlenkreisen (...) Ich habe versucht, den Gedanken auszudrücken, dass das Café ein Ort ist, an dem man sich ruinieren, verrückt werden oder ein Verbrechen begehen kann." (Zitate von Vincent, in: Cole 1994, S. 46 und Walther 1986, S. 44) |
Im
Alter von 36 Jahren ging Vincent freiwillig in die Heilanstalt für
Geisteskranke bei Saint-Rémy-de-Provence. Dort entstand eine Vielzahl
an ausdrucksstarken Bildern. Zwischendurch erlitt er immer wieder Anfälle,
bei denen er einmal sogar Farben verschluckte. Nachdem er von dem schlechten
Zustand seines geliebten Bruders Theo erfuhr, reiste er zu ihm nach Paris
und ließ sich bei Auvers-sur-Oise nieder. Diesen Ort hatte Theo für
ihn ausgesucht, weil dort Dr. Gachet wohnte, der ein großer Bewunderer
von Vincents Bilder war und der sich um seinen Gesundheitszustand kümmern
konnte. In Auvers entstand im Juli
1890 vielleicht Vincents ausdrucksstärkstes Bild, das "Getreidefeld
mit Raben". Vincent wollte nach eigenen Angaben "Traurigkeit und äußerste
Einsamkeit" ausdrücken.
Das einen Meter breite Ölgemälde beginnt an seiner vordersten Front mit drei Feldwegen, die in verschiedene Richtungen laufen und sich am Ende irgendwo verlieren. Die gewohnte Perspektive ist umgedreht, die Fluchtlinien der Wege laufen vom Horizont her zum Vordergrund. Die Farbe des gelben Getreidefeldes und die bedrohlich wirkende, blaue Komplementärfarbe des Himmels sind so vorherrschend, dass der Betrachter die Bedrohung unmittelbar verspürt. Der über das Bild fliegende Krähenschwarm verstärkt diese Gefühle noch zusätzlich und kann wohl auch als Vorahnung auf den bevorstehenden Tod interpretiert werden. Die Farbkombination Gelb-Blau trat auch bei anderen Landschaftsbildern van Goghs auf. Sie versinnbildlichte für ihn die Kraft und die Totalität des Lebens. Am 27. Juli des Jahres 1890 machte Vincent einen Spaziergang und schoss sich mit einem Revolver eine Kugel in die Brust. Drei Tage später erlag er seinen Verletzungen. Sein Bruder Theo starb ein halbes Jahr später, nachdem sich dessen Zustand nach dem Selbstmord von Vincent ebenfalls verschlechtert hatte. Vincent van Gogh setzte für damalige Verhältnisse extrem leuchtende Farben ein, um seinen Bildern die Dramatik und die Spannung des Ausdrucks zu verleihen. Verstärkt wurde dies noch durch einen sehr dicken Auftrag der Farbe. Doch dies ging wohl nicht ohne Preis. In den meisten seiner Werke finden sich toxische Pigmente wie Bleiweiß, Bleichromat und vor allem auch das gefährliche Arsenpigment Schweinfurtergrün. Bleiweiß war bei den Malern des Impressionismus das häufigste eingesetzte Weiß zum Abtönen. Bleichromat findet sich bei Van Gogh in allen Sonnenblumen und bei den Getreidefeldern, das Schweinfurtergrün oft bei grünen Pflanzen oder in gemalten Hintergründen bei Portraits. Welche Spuren die Arbeit mit diesen giftigen Farben beim Künstler hinterlassen haben, kann heute wohl nicht mehr geklärt werden. |
| Merkmale
des Impressionismus
Portrait Claude Monet Portrait Paul Cézanne Merkmale des Expressionismus |
| Vincent
im Web-Museum
The Vincent van Gogh Information Gallery Vincent bei Wikipedia |
| Copyright (Text): T. Seilnacht |