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  Farbe
 
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Farben wirken auf unsere Sinne und beinflussen die Gefühle. Dies wurde besonders von den Malern des Expressionismus aufgegriffen. Eine Definition des Begriffs Farbe ist sehr schwierig, daher sollte eher vom Phänomen Farbe gesprochen werden. Farben bestimmen die Natur und unser Leben wesentlich. In der Tier- und Pflanzenwelt werden sie als Tarnfarbe, zur Arterkennung, als Lock- oder Schreckfarbe eingesetzt. Sie üben auf das menschliche Bewusstsein und auf Körperempfindungen Einflüsse aus und können therapeutisch zum Heilen eingesetzt werden.
  
 
Farbreiz
Farbmischungen
Gegenfarben
Farbentheorie
 
 
Farbreiz
In der deutschen Sprache ist der Begriff der Farbe nicht eindeutig festgelegt. Es ist zu unterscheiden zwischen der Farbe, die man sieht und der (Mal)Farbe, mit der man Gegenstände anstreichen kann. In anderen Sprachen ist dieses Problem eindeutiger gelöst. Im Englischen ist mit colour der Farbenbegriff gemeint, mit paint die Farbe zum Anstreichen. Die französische Sprache unterscheidet couleur und peinture. 
    
Farbe existiert in der Natur eigentlich gar nicht, sie wird erst durch unsere Sinnesorgane oder genauer durch das Gehirn als Farbeindruck erzeugt. Das Licht wird auf der Netzhaut des Auges als Farbreiz wahrgenommen und im Gehirn zu einer Farbempfindung (Farbeindruck) verarbeitet. Über ein Linsensystem mit Blendenregelung (Regenbogenhaut) fällt das Licht in das Auge und gelangt auf eine Schicht von Sinneszellen, die sich auf der Netzhaut befinden. Das Zentrum des schärfsten Sehens heißt Gelber Fleck. Es existieren zwei verschiedene Sorten von Sinneszellen. Die Stäbchen sind für das Hell-dunkel-Sehen zuständig, die Zapfen für das Farben-Sehen.  
 
 
Bau des Auges und der Netzhaut
 
 
 
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Die Stäbchen sind für das Helldunkelsehen zuständig, die Zapfen fürs Farbensehen.
 
 
Bei Personen, die eine Farbfehlsichtigkeit haben, fällt eine Zapfensorte aus. Das linke Bild zeigt die Farbwahrnehmung einer voll farbtüchtigen Person, das rechte die Wahrnehmung einer Person mit Rot-Grün-Sehschwäche:  
  
   
Unterschiedliche Farbwahrnehmungen
 
   
  
 
Eine Person mit Rot-Grün-Sehschwäche kann die Farben Rot und Grün schwer unterscheiden.
 
 
In den Sehsinneszellen befindet sich ein rötlicher Farbstoff, der Sehpurpur (Rhodopsin). Dieser ist aus einem Eiweißkörper (Opsin) und dem Farbstoffmolekül 11-cis-Retinal aufgebaut, welches im Körper aus Vitamin A gebildet wird. Ein Vitamin-A-Mangel kann daher zur Nachtblindheit führen. Fällt ein Lichtimpuls auf das 11-cis-Retinal, sendet es einen elektrischen Impuls an die Nervenzellen, welche diesen an das Gehirn weiterleiten. Dabei zerfällt das 11-cis-Retinal innerhalb einer Tausendstel Sekunde in das Zwischenprodukt Opsin und in ein langestrecktes Molekül (All-trans-Retinal). Die Rückverwandlung (Retinal-Isomerase) in das ursprüngliche Retinal erfolgt langsam in mehreren Schritten und kann bis zu einer halben Stunde dauern. Aus diesem Grunde wird man geblendet, wenn man schnell von einem dunklen Raum in einen hellen gelangt.  
   
  
Umwandlung des Sehpurpurs beim Sehvorgang
 
 
 
 
 
 
 
Der Sehpurpur Rhodopsin ist die Schlüsselsubstanz beim Sehvorgang.
 
 
 
 
Farbmischungen
Werden alle drei Zapfensorten auf der Netzhaut gleichzeitig gereizt, entsteht im Gehirn der Farbeindruck Weiß. Dieses Phänomen kann experimentell beobachtet werden, wenn drei farbige Lichter (rot, blau, grün) auf einer weißen Fläche übereinander projiziert werden. Diese sogenannte additive Farbmischung kann als umgekehrter Vorgang der Dispersion gesehen werden, aus drei farbigen Lichtern wird die Farbe Weiß erzeugt.   
   
 
  
  
   
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Bei einem Farbkreisel werden farbige Flächen so schnell gedreht, dass das Auge die einzelnen Farben nicht mehr unterscheiden kann und die Farben zum Farbeindruck Weiß addiert. Das Prinzip der dicht beieinander liegenden Farbpunkte kann man am Computermonitor selbst beobachten. Beim Betrachten der weißen Fläche mit einer starken Lupe ist zu erkennen, dass der weiße Farbeindruck des Monitors bei starker Vergrößerung aus drei dicht nebeneinander liegenden Farbpunkten zusammengesetzt ist.   

Eine subtraktive Farbmischung tritt auf, wenn Licht drei farbige (rot, gelb, blau) und durchscheinende, hintereinandergestellte Glasplatten durchdringt. Jede Platte schluckt in einer Absorption einen Wellenanteil des weißen Lichtes: Die rote Platte lässt nur das langwellige, rote Licht durch, sie lässt kein kurzwelliges Licht durch, das wir als Violettblau empfinden. Das Ergebnis ist, dass bei den drei hintereinander geschalteten Glasplatten kein Licht mehr durchdringen kann und uns die Farbe Schwarz erscheint. Eine subtraktive Farbmischung entsteht auch bei der Vermischung von Pigmenten. 
    
  
 
  
  
  
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Gegenfarben und Komplementärfarben
Fixieren Sie eine Minute lang die orange-rote Fläche im linken Kasten und blicken Sie danach sofort auf die weiße Fläche des rechten Kastens. Welche Farbe nehmen Sie wahr?   
   
 
  
 
   
   
   
   
   
   
   
   

 

   
   
   
   
 
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Sie werden einen hellblauen Farbeindruck wahrgenommen haben. Wie kommt dieses Phänomen zustande? Die rotempfindlichen Zapfen auf der Netzhaut ermüden allmählich beim längeren Betrachten des orange-roten Kastens. Blickt man danach auf die weiße Fläche, erbringen die ermüdeten, rotempfindlichen Zapfen nicht mehr ihre volle Leistung, so dass bevorzugt die blau und grünempfindlichen Zapfen reagieren. Der Farbeindruck Weiß wird nicht mehr gesehen, da die "rot-orange Farbkomponente" im Gehirn teilweise nicht ankommt. Es ist eine hellere bunte Farbe, die in der Nähe der Gegenfarbe liegt. Die vom Auge erzeugten Nachbildfarben haben eine Beziehung zu den ursprünglich gesehenen Farben, dies hängt mit den Vorgängen in der Netzhaut zusammen. Sie werden nach der Gegenfarbtheorie von Karl Ewald Konstantin Hering (1834-1918) als Gegenfarben bezeichnet. Die Farbpaare Gelb-Blau oder Rot-Grün stellen beispielsweise Farbe und Gegenfarbe dar.   
    
Hinweis: Das exakte Nachbild wird normalerweise auf einem schwarzen Untergrund zum Erkennen gebracht. Je nach Untergrund erscheinen verschiedene Nachbildfarben. Aus anschaulichen Gründen wurde im gewählten Beispiel ein weißer Untergrund gewählt.   
  
Ergibt ein farbiges Licht zusammen mit einem anderen farbigen Licht (oder eine Farbe mit einer anderen Farbe) den Farbeindruck Weiß (oder Grau), spricht man von Farbe und Komplementärfarbe. Beim Farbkreis nach Goethe stehen Farbe und Komplementärfarbe gegenüber. Dem Gelbrot steht als Komplementärfarbe ein Blau gegenüber. Dabei ist festzuhalten, dass Goethe die Farbe Orange nicht als eigenständige Farbe ansah.  
   
 
  Farben und Komplementärfarben nach Goethe
 
 
   
 
Farbe und Komplementärfarbe stehen sich im Farbkreis jeweils gegenüber.
 
  
Bei anderen Farbsystemen werden andere Farbpaare aus Farbe und Komplementärfarbe gebildet. So kann je nach Farbsystem dem Gelb ein Blaurot (Goethe und Itten) oder aber auch ein Blau (CIE) zugeordnet werden.  
  
Viele Maler benutzten die Gegenüberstellung von Farbe und Komplementärfarbe als Ausdrucksmittel. Vincent van Gogh verwendete zum Beispiel in seinem Bild Getreidefeld mit Raben überwiegend die Farben Blau und Orange. Das exzessive und fast aufdringliche Vorherrschen von Farbe und Komplementärfarbe verstärkt beim Betrachter die von dem Bild ausgehenden Gefühle. In dem beschriebenen Bild von van Gogh empfindet man Gefühle wie Verlorenheit oder Traurigkeit. 
 
 
Farbentheorie
Veraltete Drei-Farbentheorien gingen davon aus, dass aus drei farbigen Lichtern alle anderen Farben durch additive Farbmischung erzeugt werden könnten. Dies stellte sich jedoch als Trugschluss heraus. Um den Ansatz einer modernen Farbentheorie genauer zu verstehen, sollen zuerst einmal alle dafür notwendigen Begriffe erläutert werden.   

Ein normalsichtiger Mensch kann über 5000 verschiedene Farbarten unterscheiden. Eine Farbart ergibt sich aus ihrem Farbton und ihrem Sättigungsgrad. Unter Sättigungsgrad versteht man die Buntheit eines Farbtones. Bei farbigen Lichtern nimmt der Sättigungsgrad mit einem zunehmenden Weißanteil ab, bei Pigmenten erfolgt eine Abnahme der Farbsättigung durch Mischung mit weißen, grauen oder schwarzen Pigmenten. Aber auch das Mischen von farbigen Pigmenten untereinander führt zu einer Abnahme des Sättigungsgrades (siehe unten). Die Mischfarben haben nicht mehr den Sättigungsgrad wie die ursprüngliche Farbe.  
  
Am Computer kann man Farben beliebig mischen ohne dass es zu unerwünschten Veränderungen kommt. Bei der Farbeinstellung von Bildschirmdarstellungen am Computer wählt man (bei der erweiterten Farbpalette) zuerst den Farbton und dann kann man (mit der rechten Leiste) die Sättigung variieren. So lässt sich eine bestimmte Farbart erhalten. Diese ergibt sich immer aus einem Farbton und dessen Sättigungsgrad: Farbart = Farbton x Sättigung. 
    
In der CIE-Farbnormtafel für farbige Lichter ist der Sättigungsgrad berücksichtigt. Die Farben des Spektrums sind hufeisenförmig wie eine "Schuhsohle" um den absoluten Weißpunkt, den sogenannten Unbuntpunkt angeordnet. Nach außen nimmt der Sättigungsgrad der Farbe, ihre Buntheit, zu. Die x-Achse gibt den Rotgehalt, die y-Achse den Grüngehalt und die z-Achse den Blaugehalt an.   
     
  

 CIE-Normfarbtafel
 
   
 U = Unbuntpunkt
 
  
Jeder Punkt innerhalb der "Schuhsohle" stellt eine Farbart dar. Zieht man eine Gerade von der Farbart A zur Farbart B (siehe Grafik), dann lassen sich nur diejenigen Farbarten durch additive Farbmischung erzeugen, die auf der Geraden liegen. Aus einem blaugrünen und einem roten Licht kann kein gelbes Licht gemischt werden.   
  
 
Nach den vom Autor (als Kunstmaler) durchgeführten Experimenten ist es nicht möglich, einen in der Reinheit gleichwertigen Farbtonkreis zu erzeugen, wenn man mit Pigmenten die drei "Primärfarben" miteinander mischt. Ein gemischtes Violett erreicht niemals die Reinheit eines reinen Violetts, ein Orange vergraut immer beim Mischen von Gelb mit Rot. Dann kommt noch hinzu, dass jedes anorganische Pigmente eine andere Farbstärke besitzt. Manche Pigmente dominieren beim Mischen über andere. Organische Pigmente weisen hier zwar günstigere Eigenschaften auf, aber sie lassen sich mit Wasser nur schlecht benetzen. Jedes Mischen mit öl- oder harzhaltigen Bindemitteln verändert den Farbton des Pigments. Ein Cadmiumrot (oder ein Ferrarirot) in einem Autolack ergibt niemals das gleiche Rot, wie wenn es unter Zugabe eines notwendigen Netzmittels mit Casein und Wasser angerührt wird. Dann kommt noch hinzu, dass beim Vermischen von Pigmenten die Lichtechtheit abnimmt, so dass nach einigen Jahren andere Farbtöne entstehen.  
 
Einen ähnlichen Ansatz vertritt auch Wolfgang Pehle. Beim Mischen von Pigmenten benötigt es nach Pehle mindestens neun Farben zum Mischen eines einigermaßen befriedigenden "Farbtonkreises". "Die Begriffe Primär- und Sekundärfarben sind damit für Vollfarben nicht mehr angebracht" (Pehle 2007, S. 236). Möglicherweise liegt es nur am Druck bei Pehles Buch, nach meiner Ansicht müssen die Pigmente farbkräftiger sein wie im Buch abgedruckt und man benötigt auf jeden Fall  Türkis (Grünblau, Blaugrün) oder ein blaustichiges Karminrot. Besonders schwierig zu mischen sind die Farben im Bereich Violett, daher werden die neun Farben nun so angeordnet:  
 
 
  Farbtonpalette zum Mischen von Farben
 
 
 
 
 
 
 
 
 Violett, Ultramarinblau, Grünblau, Blaugrün, Grün, Gelb, Orange, Rot, Karminrot
 
  
Bei den reinen, anorganischen Pigmenten kämen diese neun in Frage: Manganviolett, Ultramarinblau, Cobaltcoelinblau, Cobalttürkis, "Cadmiumgrün", Cadmiumgelb, Cadmiumorange, Cadmiumrot und Cobaltviolett hell. Allerdings ist zu bemerken, dass nicht alle dieser Pigmente für den Einsatz an Schulen geeignet sind (vgl. Einführung in das Farbenprojekt). Außerdem gelten für Cadmiumpigmente bestimmte Einschränkungen.  
  
  
  Palette mit anorganischen Pigmenten
 
 
 
 
                 
 
 
 
 
 
 
   
Als Grün in der Mitte ist das echte Schweinfurtergrün abgebildet. Aufgrund der hohen Gefahren beim Umgang mit dem arsenhaltigen Pigment wird auf eine Mischung zwischen Cadmiumgelb und Cobalttürkis zurückgegriffen. Eine ähnliche Mischung aus dem organischen Phthalocyaningrün und Cadmiumgelb ist unter dem Namen Cadmiumgrün im Handel. Chromoxidhydratgrün ist weniger bunt. Es eignet sich, wenn man ein etwas zurückhaltenderes Grün möchte. Im problematischen Bereich Violett-Purpur-Karmin ist die Auswahl der heute verfügbaren, anorganischen Pigmente nicht befriedigend, die Farbstärke von Manganviolett und Cobaltviolett ist nur mittelmäßig. 
 
 
Weitere Infos
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