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Der
industrielle Abbau von Ocker ist in Roussillon schon lange eingestellt.
Heute steht das bei Touristen beliebte Dorf mit seinen gelben und roten
Steinbrüchen unter Natur- und Denkmalschutz.
Rote und gelbe Erdfarben wurden bereits von den Höhlenmalern vor etwa 35000 Jahren benutzt. Sie schrieben der Farbe Rot lebenserhaltende Kräfte zu. So erklären sich wohl auch die Beigaben von rotem Ocker bei steinzeitlichen Bestattungen. In manchen Gräbern finden sich bis zu 10kg des roten Pigments, in das die Skelette eingebettet sind. Als die alte Jagdkultur der Steinzeit in die der Bauern und Viehzüchter überging, erlosch die Tradition der Höhlenmalereien. Die Höhlen und Zelte wurden von festen Behausungen abgelöst, deren Wände man verputzte und mit rotem Ocker anstrich. In den Häusern der bronzezeitlichen Ausgrabungsstätte Akrotiri auf der griechischen Insel Thera fand man 3500 Jahre alte Fresken, deren gelbe und rote Farben noch leuchten, als ob sie gerade gemalt worden wären. Die Frauen Afrikas bemalen die Wände ihrer Häuser noch heute mit rotem und gelbem Ocker.
Der Einsatz von rotem Ocker und seine Verwendung zur Herstellung von Schminke lässt sich in der Stadt Catal Hüyük, einer der ältesten Städte der Geschichte, nachweisen. Auch die Frauen im alten Ägypten schminkten ihre Lippen mit rotem Ocker. Seit der Renaissance ist der Zeichenstift aus Rötel ein beliebtes Arbeitsgerät der Maler. Der Rötel wurde früher auf der griechischen Insel Lemnos gewonnen. Rötel diente auch als Heilmittel gegen Geschwüre und sogar als Gegengift bei Schlangenbissen. Noch heute werden aus roter Tonerde Kreidestifte herausgesägt, die zum Skizzieren hervorragend geeignet sind. Neben mineralischen Pigmenten wie Fra Angelico Blau oder Malachit wurde der rote Ocker zusammen mit den anderen Erdfarben ausgiebig in der Freskomalerei, in der Ölmalerei und auch in der Aquarellmalerei als Pigment verwendet. Lagerstätten finden sich heute immer noch im Mittelmeerraum. Das Pigment dient zur Herstellung von zahlreichen Malfarben und Rostschutzlacken. Gelber Ocker Die gelben Erden gehören wie die roten Erdfarben zu den ältesten Farbmitteln. Sie besitzen einen hohen Anteil an Eisenoxidhydrat, das im Labor durch die Reaktion zwischen Eisen(III)-salzlösungen und Alkalilauge künstlich hergestellt werden kann.
Das Sammeln von Ocker und anderen farbigen Erden besitzt bei vielen Malern schon lange Tradition. Der Maler Arnold Böcklin (1827-1901) soll sich seine Ocker an den Flussufern der Campagna selbst gesucht haben. Damals wurde feines Ockerpulver in verschiedenen Tönungen am Flussufer angeschwemmt. Terra di Siena ist wie der spanische Goldocker ein tiefgelber Ocker, der in der Toscana, im Harz, in Bayern und in Nordamerika gefunden wird. Die berühmten Lager in Siena sind aber erschöpft. Die italienische Siena enthält einen Eisenoxidanteil von 60-70% und ca. 10-20% Wasser. Grüne Erden Grüne Erde ist ein Verwitterungsprodukt von Silicaten, die Mineralien wie Augit und Hornblende enthalten. Die grüne Farbe wird durch zweiwertige Eisensalze verursacht.
Erste Verwendungen des grünen Pigments finden sich bei den Wandmalereien der Römer. Die berühmte Veroneser grüne Erde vom Monte Baldo war ein wichtiges Grünpigment für die Fresko-, Tempera-, Öl-, und Aquarellmalerei. Andere Fundstellen liegen in Tirol, Böhmen und Bayern, aber auch in Indien und Japan. Umbra, Erdbraun, Braunocker Die verschiedenen Arten von Umbra enthalten eisen- und manganhaltige Tone, welche die braune Farbe verursachen. Die Braunfärbung nimmt mit wachsendem Mangangehalt zu. Braune Erden finden sich in Italien, Zypern, Holland, am Harz, am Rhein und in Kleinasien. Ihre Verwendung lässt sich bis zu den Höhlenmalereien zurückverfolgen. Im Mittelalter wurde die braune Farbe durch das Vermischen von gelbem Ocker mit schwarzem Ruß oder mit roter Erde hergestellt. Erst seit dem 16. Jahrhundert ist Umbra wieder in der Malerei anzutreffen. Durch Brennen von brauner Umbra verliert sie ihren Kristallwasseranteil. Gebrannte Umbra erscheint rötlich.
Pigmente aus Erdfarben sind bei vielen Malern beliebt. Da sie nicht so knallig wie beispielsweise die Cadmiumpigmente erscheinen, lassen sich mit ihnen warme und naturnahe Töne erzeugen. Dies ist besonders für das gegenständliche Malen von Landschaften oder Häusern von Bedeutung. Auch dezente Orangetöne sind möglich.
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