Im
Isenheimer Altar erscheint Christus mit einem zinnoberroten Mantel. Die
Farbe Rot in Christus' Gewand verkörpert eine ganze Reihe von Symbolgehalten:
Es ist die Farbe der Märtyrer und deren Blut, es demonstriert Macht
und Herrschaft über Leben und Tod, aber auch Glaube, Erfüllung
und Liebe. Das Gewand erinnert an eine lodernde Flamme und symbolisiert
im Streben gegen den Himmel das Sinnbild des Göttlichen. Der Kopf
von Christus ist von einem gelben Strahlenkranz umgeben: Christus ist der
Erlöser der Finsternis und führt uns zum Licht. Noch heute werden
an Pfingsten die Altäre in katholischen Kirchen rot geschmückt,
als Farbe des heiligen Geistes.
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Matthias Grünewald:
Auferstehung Christi (1515)
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Dieses Gemälde
ist Teil des Isenheimer Altars.
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Rot war wahrscheinlich
die erste Farbe, die der Mensch wahrnehmen konnte. Bei Hirnverletzungen,
die eine vorübergehende Blindheit auslösen, nimmt der Patient
während der Genesung zuerst das Rot wieder wahr, bevor sich die anderen
Farben einstellen. In der Frühgeschichte war sie die bedeutendste
Farbe der Jagdvölker. Man schrieb ihr lebenserhaltende Kräfte
zu, was zur Beigabe von rotem Ocker
bei steinzeitlichen Bestattungen führte. So erklären sich Funde
von ganz in Ockerpuder eingebetteten Skeletten. In manchen Gräbern
finden sich bis zu 10 kg des roten Pigments. Die Höhlenmaler
schrieben der roten Farbe Zauberwirkung zu. Das Wort Zauber hieß
in der altnordischen Sprache taufr und ist mit dem angelsächsischen
Wort teafor (roter Ocker) verwandt. Es ist zu vermuten, dass
sie die Tiere bewusst mit rotem Ocker oder mit Eisenoxidrot
zeichneten, um deren Fruchtbarkeit magisch zu beschwören.
Der Glaube, dass die
Farbe Rot vor bösen Einflüssen schütze, war weit verbreitet.
Gegenstände, Bäume und Tiere wurden deshalb mit roter Farbe bestrichen.
Die Krieger färbten ihre Äxte und Speerschleudern mit roter Farbe,
um den Waffen magische Zauberkräfte zu verleihen. Dieser Brauch ist
heute bei den Aborigines in Australien teilweise noch üblich. Man
nimmt an, dass die Jäger der Steinzeit und später auch die germanischen
Krieger ihre Waffen oder sogar sich selbst im Blut der erlegten Tiere tauchten,
wie der Held der Siegfried-Sage. Die Gladiatoren Roms tranken das Blut
ihrer sterbenden Gegner, um deren Kräfte in sich aufzunehmen. Andere
Völker badeten Neugeborene im Blut besonders schöner und kräftiger
Tiere. Auch noch viele spätere Völker trugen rot bemalte Amulette
oder rote Edelsteine wie den Granat
oder den Rubin als Schutz vor dem
"bösen Blick". Man glaubte, dass das Tragen eines roten Rubins den
Träger unverwundbar mache. Selbst im Mittelalter verwendete man in
Deutschland noch rotes Bettzeug, da dieses vor "roten Krankheiten" wie
Fieber, Ausschlag oder bei Fehlgeburten helfen sollte. In Jan van Eycks
Ölgemälde "Vermählungsbild des Giovanni Arnolfini" sieht
man hinter dem Paar das ganz in Rot eingehüllte Bett.
Die Farbe Grün im Gewand der Braut symbolisiert
die Liebe.
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Jan van Eyck: Vermählungsbild des Giovanni Arnolfini
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Öl
auf Holz, 1434
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Das Tragen roter Bänder
oder Tücher gehörte bei vielen Völkern zu den Hochzeitsbräuchen.
Im 18. Jahrhundert heirateten in Nürnberg die reichen Patrizierinnen
in einem roten Brautkleid. Diese Tradition gab es schon in der Römerzeit:
Die römischen Bräute wurden mit einem feuerroten Tuch umhüllt,
dem Flammeum, welches Fruchtbarkeit und Liebe garantieren sollte. Heute
noch tragen in Europa die neugriechischen, die albanischen und armenischen
Bräute rote Brautschleier. In China wird die Braut in einem roten
Brautkleid und einer roten Sänfte zum Ort der Hochzeitsfeier getragen.
Dort schreitet sie auf einem roten Teppich ihrem Bräutigam entgegen
und dieser begrüßt sie, in dem er ihren roten Seidenschleier
hebt. Wenn ein Kind geboren wird, überbringen die Nachbarn dem glücklichen
Paar rote Eier, als Zeichen für Glück und Wohlergehen.
Die rote Rose gilt als
das Symbol der Liebe und Treue. Nach der griechischen Sage sollen rote
Rosen aus dem Blut des Adonis, der auf der Jagd von einem wilden Eber getötet
wurde, entstanden sein. Bei den Griechen war die Rose Sinnbild für
Wachsen und Vergehen in der Natur, aber auch für Liebe und Zuneigung.
Sie war der Aphrodite, der griechischen Liebesgöttin und Tochter der
Zeus und der römischen Göttin Venus geweiht. Im Christentum wird
die rote Rose mit dem Kreuz und dem vergossenen Blut in Verbindung gebracht.
Nicht immer war die Farbe
Rot positiv besetzt: Die biblischen Israeliten bestrichen ihre Türpfosten
mit rotem Blut zur Abschreckung von Dämonen. Im alten Ägypten
galt Rot als Farbe der Wüste und des zerstörerischen Gottes Seth,
der das Böse verkörperte. "Rotmachen" bedeutete soviel wie töten,
üble Machenschaften wurden als "rote Dinge" bezeichnet. In einem alten,
ägyptischen Zauberspruch wird die Erlösung von dem Bösen
gefordert: "O Isis, erlöse mich, befreie mich aus der Hand aller schlechten,
bösen, roten Dinge!" Die Papyrusschreiber verwendeten für üble
Wörter eine eigene, rote Schreibflüssigkeit.
Positive und negative
Eigenschaften sind im Phönix, dem Feuervogel, vereint. Er symbolisierte
in Ägypten, aber auch in China und Mittelamerika Erneuerung und Reinigung.
In China hieß er "zinnoberroter Vogel" oder "die Substanz der Flamme"
und verhieß Glück und langes Leben. Im Symbol des Phönix
verbindet sich das zerstörende Feuersymbol des Hasses und des Krieges
mit seiner lebensspendenden Wirkung und Wiedergeburt. Der Vogel übergibt
sich dem Feuer und geht aus ihm gereinigt und mit neuer Lebenskraft daraus
hervor. |