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Friedrich Wöhler
 
Wöhler
 
geboren am 31. Juli 1800 in Eschersheim (Frankfurt a.M.)
gestorben am 23. September 1882 in Göttingen

 
Lebenslauf 

Friedrich Wöhler streifte schon in seiner Schulzeit mit seinem Schulfreund Hermann von Meyer, dem späteren Paläontologen, durch die Wälder des Taunus und sammelte Mineralien. In der Wohnung des Privatgelehrten Dr. Buch konnte der junge Wöhler experimentieren und dessen Bibliothek benutzen.  
  
Im Jahre 1820 studierte Friedrich Wöhler ein Jahr lang Heilkunde in Marburg, danach zog er zu Leopold Gmelin, dem Professor für Chemie an der Universität Heidelberg, um dort Medizin und Chemie zu studieren. Nachdem Wöhler beschlossen hatte, Chemiker zu werden - obwohl er den Dr. med. bereits hatte - schrieb er einen Brief an den schwedischen Chemiker Berzelius. Ab Oktober 1823 ging Wöhler für knapp ein Jahr nach Stockholm. Aus dieser Zusammenarbeit entstand eine enge Freundschaft und Zusammenarbeit mit Berzelius. Dort lernte er die zahlreichen analytischen Methoden des schwedischen Meisters der experimentellen Chemie kennen.  
  
1825 wurde Wöhler die Stelle an der Städtischen Gewerbeschule in Berlin angeboten. Diese Stelle hatte Wöhler bis zum Jahre 1831 inne, ab 1828 als ordentlicher Professor. An diesem Labor gelangen Wöhler die ersten großen Erfolge, wie die Synthese von reinem Aluminium oder von Harnstoff. Als die Cholera 1831 in Berlin ausbrach, brachte Wöhler seine junge Frau und seinen Sohn zu ihren Eltern nach Kassel. Zur gleichen Zeit bot man ihm eine Professorenstelle an der Höheren Gewerbeschule in Kassel an. Wöhler nahm die Stelle an. In dieser Zeit besuchte er Justus von Liebig in Gießen, woraus eine intensive Zusammenarbeit entstand. 1835 wurde eine attraktive Stelle an der Universität Göttingen frei. Nachdem Gmelin die Stelle ablehnte - da er Heidelberg nicht verlassen wollte - bot man die Stelle Wöhler an. In Göttingen wirkte er ab 1836 bis zu seinem Tod als Professor für Pharmazie, Chemie und Medizin. 
 

Theorien und Werk

Eine der ersten großen Leistungen Friedrich Wöhlers war die Übersetzung des Lehrbuchs zur Chemie (Lärebok i kemien) von Berzelius. Ab 1830 war dieses Buch in einer sechsbändigen, deutschen Ausgabe erhältlich. Diese Arbeit hat Friedrich Wöhler viel Zeit gekostet. 

Im Jahre 1827 gelang ihm durch die Reduktion von Aluminiumchlorid mit Kalium die Darstellung des reinen Aluminiums. Damit war es erstmals möglich, die Eigenschaften des zwei Jahre zuvor von dem Dänen Hans Christian Oersted (1777-1851) entdeckten Elements zu untersuchen. Wöhler erhielt bei der Reduktion des Aluminiumchlorids ein graues Pulver, das nach einer Reinigung im Wasser glänzte. In reinem Sauerstoff verbrannten die Metallflitter unter sehr großer Wärmeentwicklung und mit sehr hellem, blendendem Licht. Mit Alkalien bildete sich Wasserstoff, außerdem konnte er zahlreiche Aluminiumverbindungen herstellen.  

Nur kurz danach wandte Wöhler das Verfahren auf die Herstellung des Berylliums und des Yttriums an. So konnte er erstmals beide Elemente in unreiner Form herstellen. Das Beryllium erhielt er durch eine Reduktion von Berylliumchlorid mit Kalium und das Yttrium durch die Reduktion von Yttrium(III)-chlorid mit Kalium. Den Rohstoff in Form des Minerals Gadolinit erhielt er von Berzelius aus Schweden. Die Entdeckung der beiden Elemente werden dem französischen Chemiker Louis Nicolas Vauquelin (1763-1829) und dem finnischen Chemiker Johan Gadolin (1760-1852) zugeschrieben. Vauquelin war schon im Jahre 1798 die Darstellung von Berylliumoxid aus dem Mineral Beryll gelungen und Gadolin entdeckte das Yttrium im Jahre 1794 in Form seines Oxids.  
  
Am 22. Februar 1828 schrieb Wöhler einen Brief an Berzelius in dem er ihm mitteilte, dass er "Harnstoff machen kann, ohne dazu Nieren oder überhaupt ein Thier, sey es Mensch oder Hund, nöthig zu haben. Das cyansaure Ammoniak ist Harnstoff."  Am Ende des Briefes schrieb er: "Diese künstliche Bildung von Harnstoff, kann man sich als Beispiel von Bildung einer organischen Substanz aus unorganischen Stoffen betrachten." Der Harnstoff wurde durch das Eindampfen einer wässrigen Lösung aus Ammoniumcyanat gewonnen (Reaktionsgleichung siehe >Harnstoff). Allerdings war dies nicht wie allgemein angenommen die erste echte organische Synthese, denn bereits im Jahre 1824 konnte Wöhler die Oxalsäure aus Dicyan ohne die Verwendung von organischen Ausgangsstoffen gewinnen. Außerdem war die Synthese des Harnstoffs zuvor schon anderen Chemiker gelungen, ohne dass diese die wahre Bedeutung erkannten. Sie bezeichneten den Stoff zunächst als cyansaures Ammoniak. Aber erst Wöhler erkannte die Zusammenhänge und widerlegte die Theorien des Vitalismus. Nach dieser Anschauung war eine besondere Lebenskraft (lat. vis vitalis) notwendig, damit lebende, organische Materie entsteht. Berzelius erkannte zwar die Bedeutung dieser Entdeckung, hielt aber trotzdem noch einige Jahre am Vitalismus fest. Liebig dagegen schrieb im Jahr 1831: "Ich halte diese beiden Entdeckungen (Anm.: Wöhlers Harnstoffsynthese und Berzelius Untersuchung über die Traubensäure) für den ersten Anfang einer eigentlichen wissenschaftlichen organischen Chemie". In der Folgezeit gelang es zahlreichen anderen Chemikern, aus anorganischen Stoffen organische Stoffe darzustellen. Die 1828 erschienene Abhandlung "Über künstliche Bildung des Harnstoffs" war nur vier Seiten lang und trotzdem von epochaler Bedeutung. Friedrich Wöhler erhielt als Anerkennung für seine Leistungen 1828 den Professorentitel. 
  
1829 gelang es Wöhler, elementarer Phosphor aus Knochenasche herzustellen. In den nachfolgenden Jahren arbeitete er an einer Vielzahl von Verfahren, um neue Stoffe darzustellen. Von Bedeutung sind u.a. seine Arbeiten über die Darstellung von reinem Silicium (1856) und der Silane und vor allem auch die Entdeckung des Calciumcarbids und die daraus einfach mögliche Herstellung von Acetylen (1862).  
  
Ähnlich wie Liebig in München hatte Friedrich Wöhler einen großen Einfluss auf die nachkommende Generation an Chemikern in Deutschland. Seine Studenten schätzen ihn nicht nur als Lehrer, sondern auch sein Einfühlungsvermögen. Wöhler gab zusammen mit Justus von Liebig das "Handbuch der organischen Chemie" heraus. 
    
   
Empfehlenswerte Literaturquellen 

  • Winderlich, R.: Friedrich Wöhler;; in Günther Bugge: Das Buch der großen Chemiker, Weinheim 1929
 
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