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Im
Märzbild der berühmten Stundenbücher der Gebrüder Limburg
tritt eine Gruppe von berittenen Frauen (oder Mädchen) mit maigrünen
Mänteln auf. Das mit Malachit gemalte
Grün symbolisiert den Frühling und vielleicht auch die Jugendhaftigkeit
der Mädchen.
Die Wurzel des Wortes grün liegt in dem alten Wort ghro, was soviel wie wachsen und gedeihen bedeutet. Die Verwandtschaft des englischen Wortes grow mit green ist nicht von ungefähr. Mit Hilfe von Sonnenlicht und dem Kohlenstoffdioxid, das Tiere und Menschen erzeugen, produzieren die Pflanzen den lebensnotwendigen Sauerstoff und Stärke. Der Zauberstoff für den Prozess der Fotosynthese ist der grüne Farbstoff Chlorophyll (Blattgrün), der die Fähigkeit besitzt, anorganische Stoffe in organische umzuwandeln. Obwohl das Chlorophyll schon seit mehreren Milliarden auf der Erde erfolgreich existiert, spielte die Farbe Grün bei den Jägern und Sammlern der Steinzeit im Gegensatz zur Farbe Rot offenbar kaum eine Rolle. So existieren praktisch keine Höhlenmalereien mit Darstellungen von Pflanzen, obwohl grüne Erden zur Verfügung standen. Nach dem Untergang der Jagdvölker und mit dem Aufkommen des Ackerbaus traten zunehmend Götter in Erscheinung, die mit der Farbe Grün in Verbindung gebracht werden. Im alten Ägypten
war die Farbe Grün wie das Blau positiv besetzt.
In einer alten ägyptischen Hymne auf den lebensspendenden Fluss Nil
heißt es:
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| In
der Alchemie wurden Lösungsmittel, die Gold lösen konnten, als
"Grüner Löwe" oder "Grüner Drache" bezeichnet. Derartige
Flüssigkeiten standen am Anfang des "großen Werkes", der Herstellung
des "Steins der Weisen" (Farbe Rot). Unter
dem Bild eines durchscheinenden, grünen Kristalls sahen die Alchemisten
auch ein "geheimes Feuer", das die Lebendigkeit des den Stoffen innewohnenden
Geistes verkörperte.
Im Mittelalter und der Zeit der Minnesänger war Grün die Farbe der Liebe. Der Held Céladon besingt im Schäferoman "Astrée" von Honoré d'Urfé auf etwa 5500 Seiten seine Geliebte und trägt dabei ein maigrünes Gewand. In einem bekannten Minnelied heißt es: "Grün ist allem meinen Sinn Ist der lieb ein anfing. Grün soltn allezeit haben wert, ob dein Herz dir lieb begehrt. (...) Grün soll niemant tragen, der in lieb will verzagen." Grün war im Mittelalter nicht nur die Farbe der Liebe, sondern auch die Farbe der bösen Schlangen und Dämonen. Im alten China besaß der Drache noch eine sehr positive Bedeutung. Er symbolisierte die göttliche Macht der Umwandlung, den Rhythmus der Natur, sowie übernatürliche Weisheit und Stärke. Insofern wurde der Drache oft mit der Farbe Grün in Verbindung gebracht. Das Christentum deutete das positive Symbol um und schuf ein Ungeheuer, das alle bösen und destruktiven Eigenschaften in sich vereinte. Christliche Dämonen waren drachenähnlich und besaßen grüne Hautfarbe und grüne Augen, von ihnen ging tödliches Gift und Höllengestank aus. Fruchtbarkeit als Symbol für die Farbe Grün wurde zu etwas Anrüchigem, da die christlichen Sittenhüter jeden Verdacht auf eine ungezügelte Sexualität vermeiden wollten. Der Teufel - als Jäger auf die Seelen - trat in einem grünen Rock auf. Obwohl manche Künstler des Mittelalters das Kreuz Christi grün malten oder Heilige auf ihren Bildern oft grün tragen - als Zeichen der Hoffnung - existiert bis heute die Vorstellung, dass Grün zusammen mit Gelb mit dem Begriff Gift verbunden ist. Giftgrün ist beispielsweise eine häufig benutzte Farbe.
Eine zusätzliche Steigerung erlitt das Grün als Giftgrün durch die Herstellung von Schweinfurtergrün im Jahre 1805. Diese Malfarbe wurde aus Grünspan und Arsenige Säure gewonnen. Nach dem Vermalen der Farbe entwickelten sich giftige Arsendämpfe, die schon Napoleon zum Verhängnis wurden. Denn Grün war Napoleons Lieblingsfarbe und die Räume seines Exils in St. Helena waren mit Schweinfurtergrün bestrichen. Als italienische Chemiker der Universität Mailand-Bicocca Anfang des 21. Jahrhunderts seine Haare chemisch analysierten, fanden sie hundert mal mehr Arsen als in modernen Haarproben. Der französische Eroberer ist möglicherweise an einer chronischen Arsenvergiftung gestorben. Die Bedeutung der Farbe als Hoffnungsträger und als Symbol der Erneuerung ist bis heute im Christentum erhalten geblieben. Die Karwoche beginnt mit dem Grünen Sonntag (Palmsonntag), die Fastenzeit endet mit dem Gründonnerstag. Nach einem alten Brauch isst man an diesem letzten Tag der Buß- und Fastenzeit Gemüse oder Spinat, als Symbol der Befreiung von den Sünden. Grün ist auch die Farbe der gewöhnlichen Sonntage, die Altäre der katholischen Kirchen sind an diesen Tagen mit einer grünen Decke geschmückt. Während Christus auf alten Darstellungen oft rote Gewänder trug (>Farbe Rot) und Maria blaue (>Farbe Blau), erschien der heilige Geist oft als weiße Taube vor einem grünen Hintergrund. In Deutschland wurde die Farbe Grün ab 1980 mit der Gründung der Partei "Die Grünen" zu einer politischen Farbe. Die Farbe verwies auf den Schutz der Umwelt als wichtigste Absicht der Partei. Obwohl viele Wähler und Mitglieder der Partei aus dem Umfeld der Kirchen kamen, wurden die Grünen anfangs bei den katholischen Kirchenvätern nicht als Partei für das Leben und die Mitwelt anerkannt. Die Farbe besitzt auch in anderen Ländern politische Bedeutung. In der grün-weiß-roten Flagge Italiens stehen das Weiß und das Rot für die alten Farben Italiens, während das Grün das Recht des Menschen auf Freiheit und Gleichheit symbolisiert. Die Flagge wurde während der Französischen Revolution von den italienischen Republikanern im Jahre 1795 präsentiert. In Irland, der grünen Insel, wird die Farbe Grün als Nationalfarbe von den Katholiken beansprucht, die Farbe Orange dagegen von den protestantischen Oraniern. |
| Aufgrund
ihrer Naturnähe wirkt die Farbe Grün im Gegensatz zur anregenden
Wirkung der Farbe Rot beruhigend und harmonisierend.
Aus diesem Grund war sie früher die beliebteste Farbe für Wohnzimmer
und Salons. Der expressionistische Maler Wassily Kandinsky (1866-1944)
schenkte dem Grün aber seine Missachtung. Die Farbe sei aufgrund ihrer
passiven Wirkung ein "beschränkendes Element" und daher die Farbe
der "Bourgeoise": Das Grün sei "wie
eine dicke, sehr gesunde, unbeweglich liegende Kuh, die nur zum Wiederkäuen
fähig mit blöden, stumpfen Augen die Welt betrachtet." (Kandinsky
1952)
Die positive Heilwirkung
der Farbe Grün für Körper und Seele wurde bereits von Hildegard
von Bingen, einer führenden Ärztin des Mittelalters, erkannt.
Noch heute gehen viele Menschen im grünen Wald spazieren, um sich
zu entspannen und zu erholen. Die Tafeln in den Schulen und die Spielfelder
von Billardtischen sind grün, da die Farbe für die Augen angenehm
wirkt und die Kontrastwirkung mit anderen Farben hervorhebt. Dadurch erfolgt
eine Konzentration auf das Wesentliche.
Im Straßenverkehr signalisiert die Farbe Grün im Gegensatz zur Farbe Rot freien Durchgang. Rettungswege sind mit weißen Pfeilen auf grünem Grund gekennzeichnet, und die grünen Ampeln zeigen freie Fahrt an. In der Werbung wird die Farbe Grün mit ökologischen Produkten in Verbindung gebracht. Das Grün der "Frosch"-Produkte versprechen Umweltverträglichkeit und garantieren ein gutes Gewissen beim Kauf. Aus ähnlichen, aber eher zweifelhaften Gründen sind Giftflaschen mit Insektiziden oft grün bedruckt, sie sollen wohl den Kauf eines "Naturproduktes" suggerieren. |
| Farbcodes
und Farbbezeichnungen zur Farbe Grün
Die Farbe Blau Die Farbe Gelb |
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