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"Arbeiten sie Stück
für Stück, tragen sie überall Farben auf in genauer Beobachtung
der Tonwerte im Verhältnis zur Umgebung. Malen sie mit kleinen Pinselstrichen,
und versuchen sie, ihre Wahrnehmungen sogleich festzuhalten. Das Auge darf
sich nicht auf einen bestimmten Punkte konzentrieren, sondern muss alles
aufnehmen und dabei die Reflexe der Farben auf ihre Umgebung beachten.
Arbeiten sie nebeneinander am Himmel, am Wasser, an den Zweigen und an
der Erde, und verbessern sie immer wieder, bis das Ganze stimmt. Bedecken
sie schon in der ersten Sitzung die ganze Leinwand, und arbeiten sie, bis
es nichts mehr hinzuzufügen gibt. Beobachten sie die Luftperspektive
genau vom Vordergrund bis zum Horizont, den Widerschein des Himmels und
des Laubs.
Haben sie keine Angst,
kräftig Farbe aufzutragen; verfeinern sie nach und nach die Arbeit.
Gehen sie nicht nach Regeln und Prinzipien vor, sondern malen sie, was
sie wahrnehmen und empfinden. Malen sie flott und ohne Zögern, denn
es ist wichtig, den ersten Eindruck festzuhalten. Nur keine Schüchternheit
vor der Natur! Man muss kühn sein, auch auf das Risiko hin, sich zu
irren und Fehler zu machen, Es gibt nur einen Lehrer: die Natur..." (Zitat
von Pissaro, entnommen aus: Becks-Malorny, 1995)
1876 hielt er sich erneut in L'Estaque
auf und malte diesmal freundlichere Bilder. Er erinnerte sich an die Ratschläge
von Pissaro und vertiefte sich vor dem Malen in einen langen Akt des Schauens.
Im "Meer bei L'Estaque" (1876) drängen die Dächer und Wände
der Häuser mit warmen Farben (Rot und Gelb) in den Vordergrund, während
die Komplementärfarbe Blau von Himmel und Meer eher "kalt" wirken
und somit die Behausungen der Menschen besonders hervorheben. Cézanne
schrieb in einem Brief an Pissaro:
"Es ist hier wie eine
Spielkarte. Rote Dächer vor dem blauen Meer... Es sind Olivenbäume
und Pinien, die immer ihr Laubwerk behalten. Die Sonne ist hier so fürchterlich,
dass mir scheint, als ob alle Gegenstände sich als Silhouetten abhöben,
und zwar nicht nur in Schwarz und Weiß, sondern in Blau, in Rot,
in Braun, in Violett" (Cézanne, 1876, in: Becks-Malorny, 1995, S.
39).
Im Gegensatz zu den anderen Impressionisten
war Cézanne ab ca. 1880 nicht mehr bereit, auf die Form zugunsten
der Farbe vollständig zu verzichten. Er malte zahlreiche Stillleben
und Portraits. Die "blaue Vase" (1885-1887) stammt aus dieser Zeit. Vase,
Teller und Apfel erhalten eine genaue Modellierung und sind fest auf dem
Tisch angeordnet. Die breite Pinselführung, z. B. auf der Vase, ermöglicht
das Abtönen von Lichtwerten, wodurch der Eindruck von Räumlichkeit
entsteht. Licht und Schatten erreicht der Künstler nicht mit Schwarz
und Weiß, sondern durch das Abtönen der Farben: Der Schatten
auf der linken Seite der Vase erscheint grün, der Schatten des Tellerrandes
violett.
"Die Natur ist nicht an
der Oberfläche, sie ist in der Tiefe. Die Farben sind der Ausdruck
dieser Tiefe an der Oberfläche. Sie steigen aus den Wurzeln der Welt
auf. Sie sind ihr Leben, das Leben der Ideen." (Zitat von Cézanne).
An manchen Stellen hat der Maler die Leinwand
durchscheinen lassen, ohne Ölfarbe aufzutragen. Die weißen Felder
betonen die Zweidimensionalität der Farbe und verleihen ihr somit
mehr Ausdruckskraft.
Andere Internetseiten
Paul
Cézanne im Web-Museum
Große
Cézanne-Bildergalerie im CGFA
Die
Rettung der Dinge durch Wandlung des Sehens (philosophische Seite über
Cézanne)
| Copyright (Text): T. Seilnacht |