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Kaliumdichromat, Gelatine Pulver, Silbernitrat, Ammoniaklösung konzentriert, Salzsäure rauchend, Kaliumbromat (oder Natriumbromat), Malonsäure, Schwefelsäure konzentriert, Kaliumbromid (oder Natriumbromid), destilliertes Wasser, 0,025molare Ferroinlösung. |
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Becherglas 250ml, Dreifuß mit Brenner oder Magnetrührer, Petrischalen d=8cm, Reagenzgläser 20x180mm, 2 Gaswaschflaschen, 40cm lange Glasröhre d=8mm, 2 Schlauchstücke, mehrere große Reagenzgläser 30x200mm mit Stopfen, 2 Erlenmeyerkolben 250ml mit Stopfen, Messzylinder 100ml und 10ml, Stativ, Pipetten, Overheadprojektor. |
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Kaliumdichromat ist ein umweltgefährlicher, krebserzeugender und erbgutverändernder Arbeitsstoff. Daher darf der Stoff nicht bei Schülerübungen verwendet werden. Die nicht mehr gebrauchten Gele werden im Sondermüll entsorgt. Bei der Demonstration 2 entstehen zwischendurch Bromdämpfe, die nicht eingeatmet werden dürfen. |
Didaktische
Bemerkungen:
Friedrich Ferdinand Runge (1794-1867)
führte Versuche durch, bei denen nach dem Auftragen von Farbstoffen
auf Fließpapier räumliche Muster entstanden. Sie gelten als
Vorläufer für die Papier-Chromatografie.
Im Jahre 1896 beschrieb Raphael Eduard Liesegang (1869-1947) das periodische
und rhythmische Auftreten von Strukturen bei chemischen Reaktionen. Beim
Auftropfen von Silbernitratlösung
auf ein mit Kaliumdichromat vermischtes Gelatine-Gel entstanden in rhythmischer
Periode Ringe von Silberchromat-Ausfällungen. Diese Ringe erhielten
später nach dem Namen des Entdeckers die Bezeichnung "Liesegangsche
Ringe". Auch der Chemiker Wilhelm Ostwald forschte an den periodisch auftretenden
Reaktionen und versuchte, die chemischen Vorgänge zu erklären
(vgl. weiterführende Links).
Heute lassen sich zahlreiche Phänomene
und Vorgänge in der Natur durch das Auftreten von periodischen Strukuren
bei chemischen Vorgängen erklären. So entstehen auch die Ringe,
die bei Anschliffen des Edelsteins Achat sichtbar werden. Liesegang erforschte
die Strukturen im Achat in langjähriger Arbeit.
Demonstration 1: Liesegangsche Ringe
a) Periodische Strukturen auf einem Gel
In einem 250ml-Becherglas werden 0,4g Kaliumdichromat, 12g Gelatinepulver in 100ml Wasser gegeben und auf dem Dreifuß oder einem heizbaren Magnetrührer unter ständigem Rühren solange erhitzt, bis die Gelatine mit dem Wasser ein klares Gel bildet. Die heiße, gelbe Flüssigkeit wird in mehrere Petrischalen und Reagenzgläser verteilt. Das Gel in den Petrischalen bildet eine dünne Schicht, während die Reagenzgläser zur Hälfte gefüllt werden. Direkt nach dem Erstarren des Gels wird in die Mitte der Petrischale ein dicker Tropfen 1molare Silbernitratlösung gegeben (ca. 17g Silbernitrat auf 100ml Lösung). Nach dem Abdecken der Schale stellt man diese an einen ruhigen Ort und wartet mehrere Stunden ab. Die erstarrte Gelschicht in den Reagenzgläsern wird 1-2mm hoch mit der Silbernitratlösung überschichtet und an einen ruhigen Ort gestellt.
Beobachtungen:
Schon nach kurzer Zeit entsteht in der
Petrischale unter der Silbernitratlösung ein dunkelbrauner Fleck (Silberchromat),
der sich sehr langsam ausbreitet. Nach ein paar Stunden sind konzentrische
Kreise um den Tropfen herum erkennbar, die eine periodische Struktur aufweisen
(Bild links). Im Reagenzglas entsteht eine periodische Fällung von
Silberchromat (Bild rechts).
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Zunächst wird die Apparatur ohne Füllungen
aufgebaut. Zwei Gaswaschflaschen werden gegenläufig mit einer ca.
40cm langen Glasröhre (d=8mm) verbunden und aufgestellt. Dann füllt
man die eine Gaswaschflasche 5cm hoch mit rauchender Salzsäure und
die andere 5cm hoch mit konzentrierter Ammoniaklösung. Die Apparatur
stellt man in einen Abzug und betrachtet am nächsten Morgen den entstandenen
Effekt.

Beobachtungen:
Nach wenigen Minuten bildet sich an einer
Stelle des Glasrohres ein weißer Nebelring. Am nächsten Morgen
sind im Glasrohr auf einer Seite periodische Ringe entstanden, die regelmäßige
Strukturen aufweisen:
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NH3 + HCl -----> NH4Cl
Dabei wird der gesamte Chlorwasserstoff in der unmittelbaren Umgebung durch einen Überschuss an Ammoniak verbraucht. Durch Diffusion von weiterem Chlorwasserstoff und einer erneuten Ausfällung von Ammoniumchlorid entsteht eine Zone, die kaum Chlorwasserstoff mehr enthält. Das Ammoniak diffundiert schneller als der Chlorwasserstoff, so dass eine Sogwirkung entsteht, das Häutchen bewegt sich in Richtung des Chlorwasserstoffs. Nach einer Weile wird wieder eine Zone mit mehr Chlorwasserstoff erreicht, so dass eine erneute Ausfällung stattfindet und ein neuer Ring entsteht.
Demonstration
2: Oszillierende Reaktionen
(modifiziert nach
Belousov und Zhabotinsky)
Variante 1: Ausbildung periodischer und räumlicher Strukturen in einer Petrischale
Beobachtungen:
In der zunächst roten Lösung
bilden sich hellblaue Flecken, aus denen konzentrische Kreise herauswachsen.
Das Entstehen der räumlichen Strukturen in dem flachen Gefäß
verläuft sehr langsam. Aufschlussreich ist auch die Durchführung
mehrerer Versuchsreihen, da dabei immer wieder andere Muster und Strukturen
entstehen.
Variante 2: Oszillierende Farbwechsel in einem Standgefäß
Beobachtungen:
Die zunächst rote Lösung färbt
sich für kurze Zeit blau und wird dann wieder rot. Der Wechsel von
Blau nach Rot läuft danach selbständig ab, wobei die Rotphase
wesentlich länger andauert. Die Blauphase läuft meist rhythmisch
durch die Lösung. Durch weiteres Experimentieren kann man die bereits
oszillierende Lösung beeinflussen, z.B. durch geringe Zugaben von
konzentrierter Schwefelsäure oder Malonsäure. Auch eine Erwärmung
beeinflusst die Oszillation, z.B. beim Film 2 erwärmte sich die Flüssigkeit
durch eine geringe Zugabe von konzentrierter Schwefelsäure und durch
die starke Filmlampe, wodurch die Oszillation sehr schnell ablief und eine
starke Gasentwicklung feststellbar war. Langsame und durchlaufende Wellen
erhält man nur mit viel Glück und Fingerspitzengefühl (z.B.
Film 3).
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Seit die beiden russischen Chemiker Boris Pavlovich Belousov (1893-1970) und Anatoli Markovic Zhabotinsky (*1938) oszillierende Reaktionen untersucht und gedeutet haben, weiß man, dass innerhalb von chemischen Reaktionen Rückkopplungseffekte auftreten und damit auch die Fähigkeit zur Selbstorganisation möglich ist. Das bei chemischen Reaktionen oft auftretende Phänomen der Autokatalyse stellt ein System mit positiver Rückkopplung dar: Ein Katalysator entsteht erst während der Reaktion und beschleunigt dadurch die Reaktion immer mehr.
Bei Oszillationen entsteht die Rückkopplung
aus komplizierten und vernetzten Kreisreaktionen der beteiligten Stoffe,
wobei bestimmte Stoffe als Regelelemente auftreten. Wie kompliziert der
Mechanismus der Belousov-Zhabotinsky-Reaktion ist, verdeutlicht die Tatsache,
dass 21 teilweise nur kurz auftretende Reaktionspartner an 18 Teilreaktionen
teilnehmen. Die folgende Beschreibung beschränkt sich daher auf die
wesentlichen Reaktionen:

In der Lösung reagieren das Bromat-Ion
(BrO3-) und das Bromid-Iom
(Br-) zu elementarem Brom (Br2).
Dieses bildet mit der Malonsäure Brommalonsäure. Normalerweise
würde das Bromat-Ion auch mit dem Indikator Ferroin (rot) zu Ferriin
(blau) reagieren, was aber durch das Bromid-Ion
verhindert wird. Das Bromid-Ion wirkt als Regelelement und verursacht eine
negative Rückkopplung innerhalb
des Gesamtsystems. Erst wenn alle Bromid-Ionen verbraucht sind, kann die
verhinderte Reaktion ablaufen und (blaues) Ferriin entstehen. Die Brommalonsäure
reduziert dann wiederum das Ferriin zu (rotem) Ferroin, wobei auch wieder
Bromid-Ionen gebildet werden. Der Kreisprozess beginnt von vorne, bis alle
Bromat-Ionen verbraucht sind. So wechselt die Lösung durch das im
Regelkreis gesteuerte Paar Ferroin/Ferriin ständig die Farbe:

Gibt man die oszillierende Lösung
in ein Gefäß, findet der oben beschriebene Prozess nicht gleichzeitig
an allen Stellen in der Flüssigkeit statt. Es kann sein, dass an einer
Stelle noch viele Bromid-Ionen vorliegen und an einer anderen bereits alle
verbraucht sind. Auf diese Art und Weise entstehen innerhalb der Lösung
Wellen. Können sich die Wellen nur langsam ausbreiten (Versuchsvariante
1), dann erhält man räumliche Muster.
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