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Die Geschichte der Kalknutzung
 
Kalkstein und Marmor wurden schon in der Antike abgebaut und verarbeitet. Die 137 Meter hohe Cheopspyramide ist aus über 2 Millionen mächtigen Kalksteinblöcken gebaut. In der Bibel wurden die Begriffe "Kalkmörtel" und "Kalktünche" verwendet. Der griechische Philosoph Theophrast (geb. um 327 vor Chr.) berichtete über das Brennen von Kalk zu Branntkalk und über die Herstellung von Kalkmörtel. Der lateinische Name calx taucht bei Gaius Plinius dem Älteren (23-79 n. Chr.) auf. Die Römer führten den Kalk als Baustoff in Germanien ein und entwickelten die Kalkbrenntechnik zu einem hohen industriellen Standard. In Deutschland kann in Bad Münstereifel eine römische Kalkbrennerei besichtigt werden.
 
 
Abbildung: Schema eines antiken Kalkofens
 
 
Beim Kalkbrennen werden rohe, vom Steinbruch kommende Kalksteine auf 900-1200°C erhitzt. Der Ofen ist innen mit Steinen aus Kalk gemauert und außen mit Erde umgeben, damit der Ofen dem Druck des Füllmaterials standhält. Die zu brennenden Kalksteine werden über dem Gewölbe vorsichtig aufeinander geschichtet. Die Feuerung erfolgt durch ein Schürloch und dauert mindestens 100 Stunden. Bei diesem Vorgang entweicht Kohlenstoffdioxid, wobei Calciumoxid (CaO) entsteht:
 
CaCO3 -----> CaO  +  CO2
 
Man erhält einen weißlichen, porösen Stoff (Calciumoxid), der leicht zerbröckelt werden kann. Gibt man zu dem gebrannten Kalk portionsweise Wasser, erhält man gelöschten Kalk (Calciumhydroxid). Bei diesem Vorgang, der auch als "Kalk löschen" bezeichnet wird, entsteht viel Hitze, die so groß werden kann, dass die Lösung zu sieden beginnt. Als Produkt erhält man ein weißes, lockeres Pulver:
 
CaO  +  H2O  -----> Ca(OH)2
 
Gibt man Wasser im Überschuss und die dreifache Menge an Sand dazu, erhält man Kalkbrei, der als Mörtel geeignet ist. Beim Abbinden reagiert der Kalkbrei mit dem Kohlenstoffdioxid der Luft und bildet wieder kristallinen, harten Kalk:
 
Ca(OH)2  +  CO2  ----->  CaCO3  +  H2O
 
 
Abbildung: Kreislauf der Kalkverarbeitung
 
 
Kalk war früher das wichtigste Rohmaterial zur Herstellung von Mörtel. Gelöschter Kalk fand Verwendung als Düngemittel, zur Herstellung von Wandfarben oder als Frostschutzmittel für Obstbäume. Kalkmilch, eine wässrige Lösung von gelöschtem Kalk in Wasser diente zur Bekämpfung von Schädlingen an Obstbäumen. Filtriert man die Kalkmilch, erhält man eine klare Lösung von Kalkwasser, die im chemischen Labor zum Nachweis von Kohlenstoffdioxid verwendet wird. Die Lösung trübt sich beim Durchleiten von Kohlenstoffdioxid weißlich.
 
Aufgrund der vielfältigen Erscheinungsformen des Kalks wurde erst spät die "Grundsubstanz" entdeckt. Erasmus Bartholinus unternahm im Jahre 1669 physikalische Untersuchungen am Kalkspat vor, und erst im Jahre 1804 führte Buchholz eine korrekte chemische Analyse durch. Die Chemiker nennen diese Grundsubstanz heute Calciumcarbonat, die Mineralogen sprechen von Calcit (=Kalkspat) oder bei veränderter Strukur von Aragonit. Die Geologen oder die Petrographen bezeichnen Steine, die aus dieser Grundsubstanz aufgebaut sind, als Kalkstein oder Marmor.
 
Kalk ist heute immer noch ein wichtiger Rohstoff und findet sich in zahlreichen Produkten:
 
Kalk ist neben Ton Hauptbestandteil des  
Rohmaterials zur Herstellung von Zement
Manche Zahnpasten oder auch Putzmittel  
enthalten Kalk als sanftes Scheuermittel
 
Kalk verbessert die technischen Eigen- 
schaften von PVC (z.B. die Schlagfestigkeit)
In der Grundmasse der Radiergummis ist 
Kalkpulver als Scheuermittel enthalten
 
 
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