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Calciumcarbonat,
ein vielseitiger Stoff
Wenn der Chemiker von dem Stoff Calciumcarbonat
spricht, meint er ein weißes Pulver, das sich in einer Chemikalienflasche
befindet. Doch gerade dieses Beispiel zeigt, dass der Stoffbegriff nicht
so leicht definierbar ist, denn der "Stoff Calciumcarbonat" begegnet uns
in der Natur in vielen Variationen:
Versteinerter Ammonit
auf Kalkstein
a)
Kalkstein
Kalkstein ist durch sedimentäre Ablagerung
im Meer gebildetes Calciumcarbonat. Manche Kalksteine, z.B. im weißen
Jura sind relativ rein, andere sind durch geringe Mengen an organischen
Substanzen - z.B. Bitumen - dunkel gefärbt, z.B. im Schwarzen Jura.
Die Kalksteine der Schwäbischen Alb und des Jura
sind reich an Versteinerungen. Kalkstein war schon im Altertum ein wichtiges
Baumaterial, z.B. für den Bau der Cheops-Pyramide.
b) Calcit (Kalkspat)
Der Calcit
ist die chemisch stabilste Form des Calciumcarbonats und bildet farblose
oder durch Fremdeinschlüsse gefärbte Kristalle, die nach dem
trigonalen System kristallisieren und in vielen Formen und Kombinationen
auftreten. Calcite sind sehr gut spaltbar und spalten sich nach dem Rhomboeder.
Die meisten Kalksteine oder Marmore enthalten kleinste Kristalle von Calcit.
Sie bilden sich in Hohlräumen, Spalten, Klüften und Höhlen,
die von hartem Wasser durchflossen werden.
c) Aragonit
Der Aragonit
ist im chemischen Aufbau dem Calcit sehr ähnlich aber nicht so beständig
und kommt darum in der Natur nicht gesteinsbildend vor. Er bildet in reiner
Form farblose bis weiße Kristalle, die aber ausschließlich
nach dem rhombischen System kristallisieren. Aragonit spaltet nicht gut
und unterscheidet sich dadurch vom Calcit.
d)
Dolomit
Dolomit bildet wasserklare oder durchscheinende
Kristalle, die gut spaltbar sind. Sie kristallisieren wie Calcit nach dem
trigonalen System, jedoch kommen keine skalenoedrischen Formen vor. Das
Mineral ist im reinen Zustand ein Calcium-Magnesiumcarbonat, das mit Hilfe
der Salzsäureprobe von Aragonit und Calcit unterschieden werden kann:
Mit verdünnter Salzsäure entwickelt sich kein Kohlenstoffdioxid,
erst beim Erwärmen lässt sich das typische Sprudeln beobachten.
Die Dolomitgebirge, z.B. die Dolomiten, entstanden wie die Kalkgebirge
sedimentär am Meeresboden, aber unter Beteiligung der im Meerwasser
gelösten Magnesium-Ionen.
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Kristallisierter Dolomit
von Navarra
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Dolomiten: Sellagruppe
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e)
Kreide
Kreide heißen die in der Kreidezeit
aus den Schalen von Kleinstlebewesen gebildeten weißen Kalke, die
im Gegensatz zum Kalkstein stark abfärben und daher als Pigmente verwendet
werden. Kreidevorkommen finden sich in Rügen, in Jütland/Dänemark
oder in der Champagne/Frankreich. Kreide wird zur Herstellung von Malkreide
und als weißes Pigment verwendet.
Kreidefelsen auf Rügen
im Jahr 2001
f)
Tropfsteine
Tropfsteine kommen in den Höhlen
der Kalkgebirge vor und wachsen zapfenartig von der Decke (Stalaktiten)
oder von den Böden (Stalagmiten). Zum Beginn des Wachstums bilden
sich feine Sinterröhrchen von der Decke (Bild 7), die im Laufe der
Zeit zu Stalaktiten auswachsen (Beachten Sie in Bild 4 das Sinterröhrchen
im Zentrum des Stalaktiten!). Tropfsteine werden durch den langsamen Zerfall
des im Sickerwasser gelösten Calciumhydrogencarbonats gebildet. Sie
können aus Calcit oder aber auch aus Aragonit bestehen, meistens enthalten
sie jedoch ein Gemisch beider Mineralien.
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Stalaktit-Querschnitt
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Stalaktit-Längsschnitt
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Zuerst entsteht ein
Sinterröhrchen, an dem sich dann der Stalaktit bildet
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Sinterröhrchen
in den Beatushöhlen
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Stalagmiten
in den Beatushöhlen
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g)
Kalksinter
Kalksinter entsteht, wenn hartes Wasser
aus dem Untergrund zutage tritt. Das gelöste Calciumhydrogencarbonat
wandelt sich zu Kohlenstoffdioxid und zu Kalk um, der dann treppenstufig
angeordnete Terrassen und tropfsteinartige Gebilde um die Quelle herum
bildet. Die berühmten Kalksinter-Terrassen von Pamukkale in der Südwest-Türkei
sind bis zu 80 Meter hoch. Der Name Pamukkale bedeutet soviel wie "Watteschloss".
Ebenfalls berühmt sind die Kalksinter-Terrassen in der Nähe des
Ortes Mammoth Hot Springs im Yellowstone Nationalpark/USA.
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Sinter-Calcit
von Ilsfeld
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Kalksinter in den Beatushöhlen
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Versintertes
Vogelnest
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Versinterte Tannenzweige
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Das Vogelnest auf dem Bild ist wie der
Tannenzweig bei einer Quelle in das Wasser gefallen und durch das kalkhaltige
Wasser versintert. Beide Stücke befinden sich im Naturhistorischen
Museum zu Bern. In Wasserleitungen kann sich ebenfalls Kalksinter bilden,
wenn kalkhaltiges Wasser längere Zeit ungenutzt in den Rohren stehen
bleibt oder wenn es in heißen Rohren, z.B. in Kaffeemaschinen erhitzt
wird. Kaffeemaschinen oder Bügeleisen müssen öfters entkalkt
werden, da sonst die Rohre immer mehr durch den gebildeten Kalksinter verstopft
werden.
Verkalkter Tauchsieder
h)
Travertin
Travertin ist ein sehr fester Kalkstein,
der sich durch Sedimentation aus kalkreichem Süßwasser gebildet
hat. Der Travertin von Tivoli (Tibur) nahe bei Rom wurde zum Bau des römischen
Kolosseums und des Petersdomes verwendet.
Lampe mit Travertinfuß
i) Marmor
Die Marmorgesteine bilden sich nicht sedimentär
sondern metamorph. Sie entstehen, wenn
sedimentär entstandener Kalkstein unter hohem Druck wieder in die
Erdkruste hineingeschoben und dort bei hohen Temperaturen umgewandelt wird
("Metamorphose"). Der Kalkstein wird dabei grobkörniger und dichter.
Dies ermöglicht die Polierfähigkeit der Marmore. Das berühmteste
Marmorvorkommen der Erde bei Carrara/Norditalien diente schon den Römern
als Baumaterial.