Startseite  >>  Farbe  >>  Pigmente

Cobaltpigmente
 
Bei den Cobaltpigmenten handelt es sich um Cobaltsalze, die in Verbindung mit anderen Metallatomen wie Aluminium, Zink oder Zinn verschiedenartige Färbungen ergeben. Sie sind sehr beständig gegen Licht, Luft, Hitze, Alkalien, sowie gegen die meisten Säuren. Lediglich konzentrierte Salzsäure vermag einige der Cobaltpigmente anzugreifen. Neuentwicklungen führten zu sehr leuchtkräftigen und farbstarken Pigmenten im Violett-, Blau- und Grünbereich. Smalte ist ein mit Cobaltsalzen blau gefärbtes Glas.
  
 
Geschichte Gewinnung Toxikologie Portraits
   
Geschichte und Verwendung
Die Verwendung von Cobaltsalzen zur Blaufärbung ist bereits im Jahr 1500 vor Christus in Ägypten nachweisbar. Auch in China wurde Cobaltblau während der Tang-Dynastie (618 bis 906 n. Chr.) zur Färbung von Tonwaren verwendet. Wiederentdeckt wurde es um 1777 durch Gahn in Falun und Wenzel in Freiberg. Thénard entwickelte ein paar Jahre später ein Herstellungsverfahren, deshalb ist das Pigment auch unter dem Namen Thénards Blau bekannt. Die Maler des Impressionismus wie Claude Monet verwendeten die feinen Farb-Abstufungen des Cobaltblaus und des Cobaltvioletts gerne zur Darstellung von Bereichen, in denen das Licht einen Schatten wirft. Mit der Entwicklung neuer, leuchtkräftiger Cobaltpigmente wie Cobaltcölinblau oder Cobalttürkis im 20. und 21. Jahrhundert ergaben sich jedoch völlig neue Möglichkeiten: 
  
 
Thomas Seilnacht: Niesen - Triptychon 3
Casein/Pigmente auf Holz, 60 x 120 cm (2010 Nr. 126)
 


In diesem Gemälde finden sich Cobaltpigmente, Ultramarinblau und Berliner Blau.
 
  
Alle Cobaltpigmente finden zur Herstellung von Malfarben Verwendung. Cobaltblau eignet sich besonders zum Malen von Lufttönen, es tritt anderen Farbtönen gegenüber perspektivisch zurück. Heute wird Cobaltblau auch für den Druck von Banknoten verwendet, da es fotochemisch leicht zu identifizieren ist. Zur Färbung von Keramik ist es ebenfalls weit verbreitet. 
  
 
Cobaltblau
   
Cobaltblau ist als Thénardblau bekannt. Das industrielle Herstellungsverfahren entwickelte der französische Chemiker Louis Jacques Thénard (1777-1857). Das Pigment selbst wurde jedoch schon um 1500 vor Christus in Ägypten verwendet. In China diente es etwa ab dem Jahr 600 während Zeit der Tang-Dynastie zur Färbung von Tonwaren. In Persien war es wahrscheinlich schon davor bekannt. Vom chemischen Aufbau her gehört Cobaltblau zu den Spinellen. Die Summenformel wird mit CoAl2O4 angegeben. Es ist beständig gegen Licht, Luft, Hitze, Alkalien und den meisten Säuren. Nur heiße Salzsäure vermag Cobaltblau aufzulösen. 
   
 
  
 
 Cobaltviolett hell
  
Cobaltviolett hell (C.I. 45820) ist vom chemischen Aufbau ein Cobalt-Lithiumphosphat  CoLiPO4. Ein violettes Cobaltpigment wurde als Cobaltrosa schon 1859 entdeckt und diente damals als Ersatz für das sehr giftige Cobaltarsenat Co3(AsO4)2. Letzteres konnte aus dem Mineral Erythrin gewonnen werden. Die Deckkraft und die Farbstärke des an sich leuchtenden Pigments ist nur mäßig, aber in der Mischung mit Cobaltblau oder Titanweiß lassen sich schöne Violetttöne erzeugen. Cobaltviolett dunkel (C.I. 77360) ist chemisch gesehen ein anderes Pigment. Es handelt sich hierbei um ein Cobaltphosphat mit der chemischen Formel Co3(PO4)2
   
 
  
 
 Cobaltcölinblau
  
Cobaltcölinblau (oder Cölinblau) ist ein Cobalt-Zinn-Mischoxid. Es ist chemisch sehr stabil, hitzebeständig, extrem lichtecht, farbstark und lässt sich auch durch Säuren und Alkalien nicht angreifen. Seine Deckkraft ist erheblich besser als die des Cobaltblaus oder des Cobaltgrüns. Aufgrund seiner Leuchtkraft eignet sich das Cölinblau ( "Himmelblau") für die Darstellung des Himmels. 
   
 
  
 
 Cobalttürkis
  
Cobalttürkis ist ein neu entwickeltes Pigment von sehr hoher Farbstärke mit hoher Lichtbeständigkeit. Es gehört zu den Mischoxidpigmenten. Durch ein bestimmtes Mengenverhältnis an Cobalt, Chrom und Aluminium und weiteren Metalloxidzusätzen erhält man nach einem exakt durchgeführten Brennvorgang dieses Türkisblau. Das Pigment stellt eine Weiterentwicklung des schon am Ende des 19. Jahrhunderts erfundenen Blaugrünoxids dar, das eine ähnliche Zusammensetzung hat.
   
 
  
 
 Rinmansgrün
  
Rinmansgrün ist ein Cobalt-Zink-Mischoxid. Das Pigment ist lichtbeständig, allerdings ist die Färbe- und Deckkraft nicht besonders gut. Daher wird es gerne in Lasuren eingesetzt oder immer dann, wenn die Farbe Grün zurückhaltend erscheinen soll. Der schwedische Chemiker und Mineraloge Sven Rinman (1720-1792) stellte das Pigment erstmals im Jahr 1780 her.
   
 
 
   
Gewinnung
Nach Thénards Verfahren ist Cobaltblau durch Glühen von Tonerde-Hydrat (Aluminiumhydroxid) mit Cobaltphosphat zugänglich. Heute wird es jedoch durch Glühen von Alaun mit Cobaltsulfat hergestellt. Im Labor kann ein blaues Cobaltpigment durch das Erhitzen eines Gemisches von 5 Spatel Aluminium(III)-chlorid mit 1 Spatel Cobalt(II)-chlorid hergestellt werden.  Ein Cobaltviolett kann durch das Glühen eines Gemisches von 5 Spatel Alaun mit 1 Spatel Cobalt(II)-chlorid erzeugt werden.  Das von Rinman entdeckte Rinmansgrün entsteht beim Glühen von Zinkoxid mit Cobalt(II)-oxid und erhält seine grüne Färbung durch die Zinkatome. Ein ähnliches Pigment erhält man auch durch das Erhitzen eines Gemisches von 5 Spatel Zinkoxid mit 1 Spatel Cobalt(II)-chlorid. 
   
Toxikologie
Die im Handel erhältlichen Pigmentsorten Cobaltblau, Cobaltcölinblau, Cobalttürkis und Cobaltviolett werden nicht als Gefahrstoff gekennzeichnet. Eine Ausnahme bildet Rinmansgrün. Generell dürfen Pigmentstäube nicht eingeatmet werden. Es ist zu bemerken, dass bei der eigenen Herstellung von Cobaltpigmenten giftige Ausgangsstoffe verwendet werden (siehe Gefahrstoff Cobalt(II)-chlorid). Da es größtenteils verboten ist, mit krebserzeugenden Stoffen an der Schule zu arbeiten, sind diese Versuche für allgemeinbildende Schulen weniger geeignet.
   
Copyright: T. Seilnacht
www.seilnacht.com