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Die Kreidebilder zum Thema
Höhlenmalerei sind sehr vergängliche Kunstwerke, da sich
die Farbe nach dem Trocknen vom Untergrund löst. Daraus ergibt sich
die Fragestellung, wie ein Pigment dauerhaft
auf einem Untergrund gebunden werden kann. Die Höhlenmaler
nahmen Wasser und pflanzliche Öle, die Römer verwendeten das
aus Milch gewonnene Casein als Bindemittel.
Den Schülern wird gezeigt, wie Casein gewonnen
und verarbeitet wird. Sie machen sich mit der Casein-Maltechnik vertraut
(Arbeitsblatt). Zuerst
malen sie Probeflächen aus, danach gestalten sie ein Kunstwerk mit
dieser Maltechnik. Dafür bieten sich zwei Alternativen an:
Die Farben Afrikas (diese Seite) oder Das
Projekt Blau.
Die Bilder aus dem Bildband "Die Farben
Afrikas" von M. Courtney-Clarke erzeugen bei den Schülern Staunen
und Faszination. Das Buch sollte zusammen mit dem Bildband "Ndebele" (von
der gleichen Autorin und Fotografin) unbedingt angeschafft werden (siehe
auch Literatur).
Exkurs zu den Farben Afrikas:
Bei den Frauen Westafrikas hat das Bemalen
von Außen- und Innenwänden große Tradition. Die Malereien
dienen der Verschönerung der Wohnräume, sie können aber
auch als künstlerisches Ausdrucksmittel der Frauen in Mauretanien,
Nigeria und Ghana angesehen werden. Das Bemalen der Wände ist eng
mit den alltäglichen Pflichten verknüpft und wird in der Regel
als Gemeinschaftsarbeit angelegt. Die westafrikanischen Frauen verwenden
im Gegensatz zu den Frauen in Südafrika keine leuchtenden und "knalligen"
Farben, sondern nur die "gemäßigten" Erdfarben
und teilweise auch pflanzliche Farbstoffe wie
das blaue Indigo.
Vor dem Farbauftrag werden die Wände
mit einer feuchten Paste aus Tiermist und Urin als Bindemittel
bestrichen, erst danach erfolgt das Bemalen des mit Wasser vermischten
Pigments. Die Motive orientieren sich an geometrischen,
rhythmischen Figuren (Dreiecke, Quadrate), die in verschiedenen Variationen
farblich und motivisch immer wiederkehren. Insofern kommen die Malereien
der afrikanischen Musik, bei der der Rhythmus eine entscheidende Rolle
spielt, sehr nahe. Es werden aber auch Naturmotive wie Käfer oder
die Sonne verwendet.
Die Motive des Volksstamms der Ndebele
in Südafrika unterscheiden sich von den Motiven der Frauen Westafrikas
vor allem in der Verwendung von grelleren Farben und in der Motivauswahl.
Westliche Symbole (Buchstaben, Rasierklingen, Flugzeuge) werden mit traditionellen
Motiven (Sonne, Bäume) vermischt. Dies gilt auch für die Bekleidung.
Grundthema bei den Ndebele ist jedoch immer das Haus mit all seinen Formen
und Winkeln (Museumsdorf
in Südafrika >Internet).
Oft meinen die Schüler beim Betrachten
der afrikanischen Motive immer wieder, Graffiti-Elemente zu erkennen. Der
individuelle Ausdruck, die in den Malereien der Frauen zu finden ist, überträgt
sich in der Regel auf die Schüler, so dass sie selbst eigene Motive
kreieren. Dabei ist es durchaus legitim, die afrikanischen Motive weiter
zu entwickeln oder zu verfremden. In jedem bisherigen Projekt konnte ich
beobachten, dass es einen sehr hohen individuellen Ausdruck bei den Schülern
und Schülerinnen verursacht und kreative Energien freisetzt, wie ich
es bisher bei keinem anderen Kunstprojekt gesehen habe. Ich behaupte sogar,
dass jedes Bild aufgrund seines individuellen Ausdrucks jedem einzelnen
Schüler zugeordnet werden kann. Vor allem die Casein-Maltechnik eignet
sich dafür in besonderem Maße, da die Schüler ihre Farben
selbst herstellen und mischen. Außerdem besitzt die gemalte Caseinfarbe
eine Oberflächenstruktur, die den Charakter der afrikanischen Malereien
unterstreicht. Höhepunkt des Projekts kann das Bemalen von Wänden
oder Säulen im Schulhaus darstellen (siehe "Das
Bemalen von Wänden").
Caseinbild von Claudia
Schweininger (9. Klasse)
Als Untergrund eignet sich ein schwarzer
Plakatkarton. Das Motiv wird mit Bleistift vorgezeichnet. Bei einem an
Westafrika orientierten Motiv darf kein Lineal verwendet werden (siehe
linkes Bild unten). Bei einem Motiv, das sich an der Kunst der Ndebele
orientiert, sollten grellere Farben verwendet und schärfere Ränder
gezogen werden. Verwendet wird die Grundpalette
der vier - wie in der Einführung beschriebenen - Farben. Die fertigen
Bilder können mit einem Holzrahmen versehen werden, wobei das fertige
Gemälde auf eine Holzplatte mit Holzleim aufgezogen wird. Glasrahmen
sind zu meiden, die Holzrahmen können mit farblosem Caseinbrei (Bild
links) oder mit schwarzer Caseinfarbe (Bild rechts) bestrichen werden.
Caseinbild von Jens
Grathwohl (9. Klasse)
Arbeitsaufträge:
1.) Stelle Casein
selbst im Backofen her!
2.) Warum eignet sich das Casein
als Bindemittel?
3.) Wenn dich die afrikanischen
Motive ansprechen: Begründe deine Sympathie (oder Abneigung)?