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Kristallsysteme bei Mineralien
Inhalt
 
Einführung 
Kubisches System   
Hexagonales System   
Trigonales System   
Tetragonales System   
Orthorhombisches System   
Monoklines System   
Triklines System   
Bastelbögen für Kristallmodelle 

Granat, aber auch Bleiglanz, Diamant, Fluorit, Pyrit
Granat, aber auch Bleiglanz, Diamant, Fluorit, Pyrit Granat, aber auch Bleiglanz, Diamant, Fluorit, Pyrit
Einführung
 
Viele Mineralien lassen sich anhand ihrer Kristallformen erkennen. Es ist immer wieder faszinierend zu beobachten, mit welcher Symmetrie die Kristalle gewachsen sind. Bei vielen Kristallen fallen auch die ebenen Kristallflächen auf. So erscheint ein natürlich gewachsener und gut ausgebildeter Bergkristall auf den Flächen wie angeschliffen. Die Mineralien und ihre Kristalle lassen sich aufgrund ihrer Achsen und deren zueinander stehenden Winkeln in sieben verschiedene Kristallsysteme einteilen. Die Buchstabensymbole für die charakteristischen Flächen einer Form orientieren sich an Danas "System of Mineralogy". Erst die Kombination von sogenannten offenen Formen, ergibt eine geschlossene Form (>Kristallformen beim Calcit). Die äußere Form eines Kristalls, die Gesamtheit aller entwickelten Formen an einem Kristall, nennt man Tracht. Diese kann aus einer einzigen oder aus einer Kombination mehrerer Grundformen bestehen. Bei den Abbildungen oben wurde eine Tracht im kubischen Kristallsystem aus Würfel und Oktaeder beim Pyrit gebildet.
 
 







Pyrit

Pyrit

Pyrit
Grundform Würfel
Grundform Oktaeder
Würfel (a) + Oktaeder (o)
 
 
Die Größenverhältnisse der Kristallformen bilden den sogenannten Habitus eines Kristalls. Im folgenden Beispiel nimmt die oben beschriebene Tracht einmal einen eher hexaedrischen, würfeligen Habitus und im zweiten Fall einen eher oktaedrischen Habitus an:
 
 
würfeliger Habitus oktaedrischer Habitus
 
 
Der Habitus kann sich auch nach der Länge einer Achse richten. Beim folgenden Beispiel ist der Habitus im tetragonalen Kristallsystem nach der c-Achse gerichtet. Von einem tafeligen Habitus spricht man, wenn die c-Achse ganz abgeflacht ist, beim prismatischen Habitus ist der Kristall auf der c-Achse in die Länge gezogen, was beim nadeligen Habitus noch viel mehr ausgeprägt ist:

 
 
Habitus (von links): tafelig, prismatisch, nadelig

 
Sind die Kristalle nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten verwachsen und bilden die Verwachsungen eine höhere Symmetrie spricht man von Zwillingen. Verwachsungen zwischen Kristallen ohne höhere Gesetzmäßigkeiten werden als Aggregate bezeichnet. Tracht und Habitus sind oft typisch für bestimmte Fundorte. Sie hängen im Wesentlichen von den Wachstumsbedingungen der Umgebung ab. Dabei spielen beispielsweise Druck, Temperatur und Verunreinigungen eine Rolle.
 
 
Tafeliges Aggregat beim Baryt  Nadeliges Aggregat beim Goethit

Blättrige Aggregate sind plattenförmig, manchmal sind die Plättchen auch biegbar, beispielsweise beim Muskovitglimmer oder beim Lepidolithglimmer. Die geschichtete Kristallstruktur der Silicat-Kristalle ist dafür die Ursache. Bei radialstrahligen Aggregaten geht das Kristallwachstum kreisförmig von einem Punkt aus. Derartige Formen sind typisch beim Antimonit oder beim Epidot.


Blättriges Aggregat beim Muskovit Radialstrahliges Aggregat beim Antimonit
 
 
Kristalle mit gekrümmten Flächen entstehen durch Druck, beispielsweise beim Gips. Als Gwindel werden verwachsene Kristall-Aggregate beim Quarz bezeichnet, deren Flächen leicht verbogen sind. Vorübergehende Wachstumsstillstände sind in durchsichtigen Kristallen als Phantome sichtbar.
 
 
Rauchquarz-Gwindel Phantombildung beim Calcit
 
 
In den Hohlräumen von Kristall-Drusen wachsen Kristalle ohne besondere Gesetzmäßigkeiten. Geoden sind mit Kristallen ausgekleidete Hohlräume, die im vulkanischen Gestein als ehemalige Gasblasen entstanden sind. Manche Kristalle zeigen auf ihren Flächen Streifungen oder Wachstumsanomalien, so auch beim Pyrit.
 
 
Calcit-Druse aus Marokko Achat-Geode aus Idar Oberstein
 
 
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