Mineralienportrait Calcit                     Kristallsysteme
 
Zwillinge (engl. twin)
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Calcitzwillinge sind einmalig in ihrer Ästhetik und lassen das Herz jedes Sammlers höher schlagen. Dies liegt vielleicht an ihrer hohen Symmetrie, aber sicher auch an ihrer Seltenheit.
 
vergrößerte Ansicht
Bild 1: Herzzwillinge aus Guiyang (Breite 4cm)
Bild 2: Klarer V-Zwilling (Bildbreite 7cm)
 
 
Zwillinge sind Kristallverwachsungen, die bestimmten Gesetzen gehorchen. Damit ein Calcitkristall wächst, müssen Kristallkeime vorhanden sein. Manchmal lagern sich die Bausteine beim Wachstumsbeginn eines Kristalls spiegelbildlich an, so dass eine "Zwillingsebene" entsteht. Die beiden verwachsenen Kristalle können auch um 180° gedreht sein. Man nimmt an, dass geringfügige Verunreinigungen im Kristallgitter dafür verantwortlich sind.
 
Je nach Art der Verwachsung lassen sich die Zwillinge unterscheiden:
  
Berührungzwilling (Bild 3):
Die Zwillingsebene ist zugleich Verwachsungsebene. Die meisten Calcite sind Berührungszwillinge.

Durchdringungszwillinge (Bild 4):
Die beiden Kristalle durchdringen sich gegenseitig, sie kommen z.B. beim Fluorit oder beim Gips vor.
 
Ergänzungszwillinge (Bild 5):
Zwei gleichartige Kristalle bilden ein neues Gebilde, so dass eine höhere Symmetrieordnung erscheint, z.B. das "Eiserne Kreuz" beim Pyrit.
 
Mehrlinge (Drillinge, Vierlinge, usw.) (Bild 6):
Die Verzwillingung wiederholt sich mehrfach. Beim Drilling existieren drei verschiedene Ebenen. Alle Kristalle einer Ebene stehen parallel zueinander. Typisch sind die Aragonit-Mehrlinge aus Minglanilla (siehe Bild) oder die Cerussit-Drillinge aus Tsumeb.
 
 

Bild 3: Berührungszwilling beim Gips
Bild 4: Durchdringungszwilling beim Fluorit

 
Bild 5: Pyrit-Ergänzungszwilling "Eisernes Kreuz"
Bild 6: Aragonit-Mehrling aus Minglanilla
 
 
Das Zwillingswachstum wurde in der Vergangenheit vor allem an den Zwillingen von Cumberland untersucht. Für den Calcit gelten vier verschiedene Zwillingsgesetze:
 
1. Zwilling nach der Basis
Die Verwachsungsfläche liegt an der Basis eines Skalenoeders. Früher fand man diese Zwillingsbildung besonders häufig an den Calcit-Skalenoedern von Derbyshire, daher stammt der Name "Derbyshire Twin".
 
2.-4. Zwillinge nach dem Rhomboeder
Das Wachstum der Kristalle verläuft parallel zu den Flächen des Rhomboeders. Die so verwachsenen Skalenoeder oder Prismen stehen dann geneigt, parallel zu den Flächen des Rhomboeders, zueinander. Dabei sind aufgrund der Form des Rhomboeders drei verschiedene Ebenen möglich. Die "Schmetterlings"- oder "Herzwillinge" gehören zu dieser Kategorie.
 
Die vier Zwillingsarten des Calcits
Zeichnungen nach alten Darstellungen von Calcitzwillingen aus Cumberland
 
Rhomboeder    Rhomboeder
 
Zwilling nach der Basis (Skalenoeder "Derbyshire Twin")
Zwilling nach dem positiven Hauptrhomboeder 
Zwilling nach dem ersten stumpferen Rhomboeder
Zwilling nach dem nächst steileren negativen Hauptrhomboeder
 
 
 
Entscheiden Sie an den nächsten Fotos selbst, welche Art von Zwilling bei den Calciten vorliegt:
  
Bild 7: Zwilling von Elmwood/Tennessee
Bild 8: Zwilling aus Mexiko
 
 
Bild 9: Calcitzwilling aus Liesberg/Schweiz
Bild 10: Calcitzwilling auf Matrix aus Irai
 
 
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