Im Gegensatz zu den anorganischen Pigmenten
sind Farbstoffe wie Blauholz
oder Krapp wasserlöslich und bedürfen
daher einer anderen Verarbeitungsmethode, wenn sie als Malfarbe verwendet
werden sollen. Hermann Fischer von der Firma
Auro hat ein patentiertes Verfahren entwickelt,
in dem die löslichen Farbstoffe zuerst extrahiert und dann auf einen
mineralischen Träger (Tonerde)
aufgetragen werden (>Flussdiagramm). Der Vorteil
dieses Verfahrens ist darin zu sehen, dass die Rohmaterialien für
das Pflanzenpigment zu den nachwachsenden Rohstoffen
gehören und die Postulate einer Sanften Chemie
erfüllen.
Der von mir nach den Unterlagen von Hermann
Fischer entwickelte Schulversuch eignet sich auch,
um chemische Arbeitsverfahren wie die Extraktion oder die Fällungsreaktion
einzuführen. Außerdem kann gezeigt werden, dass die Pflanzen
bei der Ausfällung unterschiedliche pH-Werte
benötigen. Die optimalen Reaktionsbedingungen für die Krappwurzel
liegen eher im sauren Bereich. Das hergestellte Pigment
kann nach dem Trocknen und Zerreiben als Malfarbe verwendet werden. Beim
Blauholz ist es möglich, mit Hilfe von
Essig oder einer anderen Säure reizvolle
Farbeffekte zu erzielen, da der Farbstoff als Indikator
fungiert.
Die bei Auro hergestellten Pigmente werden
zum Anstrich von Fassaden und Zimmerwänden verwendet. Das Pigment
wird hierbei nicht unter die weiße Anstrichfarbe
gerührt, sondern nachträglich als dünne Lasur auf die weiß
gestrichene Wand aufgetragen. Der lasierende
Anstrich wirkt auf den Betrachter lebendig, da er aufgrund geringfügiger
Farbschattierungen den Eindruck von Räumlichkeit erweckt.
Malen mit dem Pflanzenfarbstoff-Pigment
Arbeitsaufgaben:
1.) Schildere die chemischen Arbeitsschritte
zur Herstellung eines Pflanzenfarbstoff-Pigments!
2.) Warum können Farbstoffe
nicht ohne weiteres als Pigment zum Malen verwendet
werden?
3.) Fasse die Kernthesen
der Sanften Chemie zusammen und nimm dazu Stellung.