Inhaltsverzeichnis
1. Die Ursprünge der Freiarbeit
2. Die Freiarbeit
im bildungs- und lerntheoretischen Zusammenhang
2.1 Schüler und Lehrkräfte
als Lernende
2.2 Die Bedeutung der Freiarbeit
in der Gegenwart
4. Überlegungen
zur Durchführung der Freiarbeit
4.1 Begründung der
Freiarbeit für den Chemieunterricht
4.2 Orientierung der am
Lernprozess Beteiligten
5. Die Organisation
der Freiarbeit
5.1 Das Umfeld der Klasse
5.2 Methodische Überlegungen
5.2.1 Handlungsformen und
soziales Lernen
5.2.2 Fachliche Vorbereitungen
5.2.3 Umgangsregeln
5.2.4 Lernkontrolle durch
Arbeitsplan und Arbeitsheft
5.2.5 Metakommunikation
5.2.6 Der Einstieg
6. Die vorbereitete
Umgebung
6.1 Die Lehrkraft als Beraterin,
Vermittlerin und Entfalterin
6.2 Der Raum
6.3 Das Material
7. Fortführung
der Freiarbeit
7.1 Auswertung der Arbeit
7.2 Handlungsorientierung
1. Die Ursprünge der Freiarbeit
Die Freiarbeit geht historisch auf Arbeitsformen verschiedener Pädagogen zurück:
Maria Montessori
Die folgende Beschreibung eines Erlebnisses von Maria Montessori macht deutlich, worin die wesentlichen Kernpunkte und Inhalte der Montessoripädagogik liegen:
"Als ich meine ersten Versuche mit der Anwendung der Grundsätze und eines Teiles des Materials, dessen ich mich viele Jahre vorher bei der Erziehung schwachsinniger Kinder bedient hatte, bei den kleinen normalen Kindern von S. Lorenzo machte, fiel mir ein kleines Mädchen von etwa drei Jahren auf, das tief versunken war in eine Übung mit kleinen Holzzylindern, die es aus den Vertiefungen des Holzblockes herausnahm und dann wieder an ihren richtigen Platz brachte. Der Ausdruck des Kindes zeugte von einer so intensiven Aufmerksamkeit, dass es für mich eine Offenbarung war: Bis dahin hatten die Kinder noch nie eine derartige Stetigkeit der Aufmerksamkeit auf einen Gegenstand gezeigt... Ich beobachtete die Kleine mit Spannung, ohne sie zu stören, und begann zu zählen, wie oft sie die Übung wiederholte; als ich aber sah, dass sie sehr lange bei der Arbeit verharrte, hob ich das Sesselchen, auf dem sie saß, mitsamt dem Kinde auf den Tisch; die Kleine ergriff in Eile den Holzblock, stellte ihn auf die Armlehnen des kleinen Sessels, nahm die kleinen Zylinder auf den Schoß und fuhr in ihrer Arbeit fort. Da forderte ich alle Kinder auf, zu singen; sie taten es, aber jene Kleine fuhr unentwegt mit der Wiederholung der Übung fort, auch als der kurze Gesang zu Ende war. Ich zählte 44 Wiederholungen; und als sie endlich aufhörte, tat sie das ganz unabhängig von den Ablenkungen um sie her, die sie hätten stören können, und blickte glücklich umher, als ob sie von erquickendem Schlaf erwacht wäre." (M. Montessori: Erziehung für Schulkinder, Stuttgart 1926)
M. Montessori beobachtete eine stetige
Aufmerksamkeit und stetige Wiederholungen (44x) des Kindes am Material.
Dieses Phänomen der "Polarisation der Aufmerksamkeit" wird auch als
"Montessori-Phänomen" bezeichnet. Ausgelöst wird das Phänomen
durch die "vorbereitete Umgebung". Die vorbereitete Umgebung wird vor allem
durch die Lehrerpersönlichkeit, den Raum und das Material bestimmt
(Näheres siehe Kapitel 6).

Freinet setzte den Schwerpunkt vor allem auf das Schreiben und Verfassen von Texten. In einer Klassendruckerei konnten die Schüler ihre Gedanken, Gefühle und Meinungen, aber auch Sachbeiträge drucken und veröffentlichen. Freinets Klassen standen meist in Korrespondenz mit anderen Klassen. Damit öffnete sich die Schule nach außen. Jedoch lässt sich die Pädagogik Freinets nicht eindeutig definieren. Die Freinet-Pädagogik ist durch eine Geisteshaltung bestimmt, welche sich durch folgende Leitgedanken auszeichnet:
1. Lernprozesse sind immer individuell,
jeder Lernende hat das Recht auf seinen eigenen Lernrhythmus, seine eigene
Zeiteinteilung, sein eigenes Ermessen des Lernerfolgs.
2. Das Lernen ist nicht an Konkurrenz,
sondern an der Kooperation zwischen allen Beteiligten orientiert. Soziales
Lernen erfolgt durch das Erfahren von sozialen Rollen innerhalb der Gruppe.
3. Die Lehrerperson fördert den "freien
Ausdruck" des Lernenden: Nach Freinet ist es wichtig, dass die Schüler
zuerst einmal in ihrer eigenen Sprache Phänomene oder Dinge beschreiben.
Hier sind Parallelen zu Martin Wagenschein erkennbar: Gelingt es dem Lernenden,
mit Hilfe seiner eigenen Sprache eine Sache zu beschreiben, ist er ganz
nah bei der Sache und bei den Dingen. Dies ist die Voraussetzung dafür,
dass der Lernende sich weiter in die Dinge vertieft, sie hinterfragt und
letztendlich vielleicht auch versteht und begreift.
Das Dokumentieren von Experimenten, das Beschreiben der Versuchsergebnisse und das Reflektieren darüber in der Gruppe, das Schreiben von freien Texten, das Zeichnen von Bildern oder Plakaten oder das Spielen von Rollenspielen sind Arbeitsformen, welche den freien Ausdruck ermöglichen. Im naturwissenschaftlichen Unterricht ist es besonders wichtig, dass die Schülersprache ausgiebig vor Verwendung und Einführung der Fachsprache zur Geltung kommt. Wagenschein hat darauf wiederholt hingewiesen.
Freinet wird mit seinen Arbeitsformen folgenden drei Forderungen der Reformpädagogik gerecht:
1. Individualisierung des Lernprozesses
2. Gemeinschaftsbildung durch Gruppenerfahrung
3. Einwurzelung durch freien Ausdruck
Peter Petersen
Petersen ersetzte den Stundenplan durch einen Wochenarbeitsplan. Ein Wochenarbeitsplan an einer Schule mit der Sekundarstufe I könnte folgendermaßen aussehen: Neben festgelegten Kursen von Fachunterricht sind im Wochenplan Doppelstunden für Freiarbeit, Gruppenarbeit, etc. verfügbar. Für diese Stunden erstellen die Schüler einen Arbeitsplan. Sie teilen sich die Zeit für jede Woche selbst ein und legen fest, was sie tun möchten. Sie dokumentieren ihre Planung und ihre Arbeit in einem Arbeitsheft.
Diese Organisationsmethode kann im Projektunterricht
angewandt werden, wenn die Schüler und Schülerinnen beispielsweise
eine naturwissenschaftliche Dokumentation in freier Eigenarbeit erstellen
sollen.
2. Die
Freiarbeit im bildungs- und lerntheoretischen
Zusammenhang
2.1 Schüler und Lehrkräfte als Lernende
Maria Montessori
Ein Leitmotiv bei Maria Montessori hieß: "Hilf mir, es selbst zu tun!". Montessori ging davon aus, dass jedes Kind einen Bauplan in sich habe. Freiheit für den Menschen bedeutete für sie, dass das Kind bzw. der Mensch auf seinem eigenen Weg, seinem eigenen Bauplan, vorwärts schreitet. Das Kind kann nur auf diesem Weg schreiten, wenn es unabhängig wird. Damit lehnte sich Montessori an die Vorstellung Rousseaus an, der Erziehung als Wachsenlassen und nicht als ein Instrument der Anpassung an die Gesellschaft sah. Während Rousseau Anpassung ablehnte, nahm Montessori eine Differenzierung vor: Jedes Lernen erfolgt immer in Beziehung zu anderen Personen, in der Schule vor allem im Umgang mit anderen Kindern. Sie stellte Umgangsregeln zur gegenseitigen Hilfe und Unterstützung auf. Sie versuchte auch, Behinderte in die Schule zu integrieren.
Montessori verstand unter Bildung die Entfaltung jedes individuellen Menschen, welcher sich gegenüber seinen Mitmenschen sozial und loyal verhält. Gemeinschaftsbildung war für sie soziales Lernen mit verpflichtendem Charakter.
Die Freiarbeit ist eine Arbeitsform, welche
Individualisierung und Gemeinschaftsbildung ermöglicht, da sie dem
Schüler ein differenziertes Lernangebot macht, ihm Verantwortung für
seinen eigenen Lernprozess überträgt und ihn soziale Rollen vor
allem mit den Gleichaltrigen erfahren lässt.
Martin Wagenschein
In der Wagenscheindidaktik steht am Anfang des Unterrichts eine die Spontaneität des Lernenden herausfordernde Staunensfrage. Im Staunen ist der Staunende ganz bei den Dingen. Er ist emotional so stark angesprochen, dass er vielleicht beginnt, die Dinge zu hinterfragen und daraus Erkenntnisse zu ziehen. Was hat das mit Freiarbeit zu tun?
Der Staunende bei Martin Wagenschein ist ähnlich wie das Kind im Kinderheim S. Lorenzo mit den Holzzylindern ganz bei sich selbst und gleichzeitig ganz bei den Dingen. Das Ergriffensein des Staunenden über die Schönheit der Natur und ihrer Phänomene ist eine Polarisation der Aufmerksamkeit auf die Dinge, wie sie real und unmittelbar existieren. Der Begriff "Enracinement", oder "Einwurzelung", ist in diesem Zusammenhang bei Wagenschein, in Anlehnung an Simone Weil, von zentraler Bedeutung (Lit.: Weil, Wagenschein, Buck). Das Freiarbeitsmaterial kann zwar die unmittelbare Begegnung mit der Natur und seinen Phänomen nicht leisten, doch es besitzt als Medium einen starken Aufforderungscharakter, sich mit den Dingen zu beschäftigen. Außerdem ermöglicht das Schreiben der Berichte in der Freiarbeit (vgl. mit Kapitel 5.2.4) einen "freien Ausdruck". Die Schüler reflektieren mit freien Texten und Bildern (z. B. fotografische oder zeichnerische Dokumentation) über ihre Arbeit und den Unterricht, sie gestalten ihre Lernumgebung aktiv mit und schaffen sich eine eigene Wirklichkeit.
Jeder Freiarbeitsposten sollte exemplarisch ein Problem oder einen Sachverhalt darstellen, ganz im Sinne von Wagenschein.
"Das exemplarische Betrachten ist das Gegenteil des Spezialistentums. Es will nicht vereinzeln; es sucht im Einzelnen das Ganze." (Wagenschein 1968, S. 32 f.)
Aus diesem Grunde ist die Konzentration auf wesentliche Themeninhalte von zentraler Bedeutung. Das Wort Vollständigkeit bedeutet in diesem Sinne nicht die Erfüllung aller Themeninhalte eines Bildungsplanes, sondern die ganzheitliche Durchdringung eines Unterrichtsinhaltes durch vertiefendes Lernen (siehe Bildungsplan des Landes Baden-Württemberg, S. 11). Dazu gehört auch der fächerverbindende Unterricht, der ein vernetztes Lernen ermöglicht. Eine Freiarbeitseinheit sollte in diesem Sinne immer mit einen offenen Blick auf andere Fächer geplant werden. Beim Thema "Wasser" könnten zum Beispiel folgende fächerverbindende Themeninhalte ins Auge gefasst werden (vgl. auch: Buck, Kranich, Weinheim/Basel 1995).
„Mut zur Lücke sagten wir anfangs, leicht missverständlich, wir meinten: Mut zur Gründlichkeit, Mut zum Ursprünglichen. An die Stelle des Idols der breiten und statischen Vollständigkeit, die uns ängstlich Vorratskammern füllen lässt, suchen wir offenbar etwas Neues, einen entschlossenen Durchbruch zu den Quellen. Nicht Vollständigkeit der letzten Ergebnisse, sondern die Unerschöpflichkeit des Ursprünglichen." (Wagenschein 1968, S. 52 f.)
Dadurch, dass der Schüler mit dem Freiarbeitsmaterial unmittelbar arbeitet, wird genetisches Lernen (Wagenschein) ermöglicht. Bei der Freiarbeit ist die Selbststrukturierung des Lernprozesses durch den Lernenden genetisch. Er kann eine Sache oder ein Themeninhalt aus der Funktion und Entstehung des eigenen Lernprozesses heraus ergründen.
Es besteht die Gefahr, die Freiarbeit als
eine Arbeitsmethode zu sehen, welche auf eine besonders heimtückische
Weise das aus den Schülern herausholt, was wir Lehrer insgeheim von
ihnen wollen. Erst wenn sich die Lehrperson von der Vorstellung freimacht,
dass sie die alleinige Lehrende ist, wird die Freiarbeit zu einer freien
Arbeitsform.
Die Hermeneutik
Mit Hilfe der Hermeneutik können Erkenntnisse
aus geschichtlich gewachsenen Zusammenhängen gewonnen werden. Nach
dem Hermeneutiker Gadamer bringt jeder Lernende (als einer, der etwas verstehen
will) ein bestimmtes Vorwissen mit. Trifft der Lernende auf eine Lernsituation,
verbindet er sein Vorverständnis mit den neuen Erkenntnissen, die
sich aus der Situation ergeben. Durch das Verstehen ändert sich aber
sein Vorwissen. Es wird erweitert, der Lernende hat vielleicht nach dem
Verstehen eine andere Sichtweise. Dieses neue Verständnis ist sein
neues Vorwissen für die nächste Lernsituation. Man spricht in
diesem Zusammenhang auch von einem hermeneutischen Zirkel:

Die konsequente Anwendung des hermeneutischen Verstehens auf den Unterricht hat große Auswirkungen: Die hermeneutisch verstehende Lehrperson wird zur Lernenden, sie lernt aus Konfliktsituationen, aus Erfahrungen und aus Schülerbeiträgen. Dies bedeutet nicht, dass Lehrer- und Schülerrolle aufgegeben werden, die Lehrperson hat natürlich andere Voraussetzungen als die Schüler, aber es relativiert die einseitige Sichtweise: Lehrkräfte = Lehrende und Schüler = Lernende. Durch die Aufhebung dieser starren Sichtweise werden die Schüler frei von der Lehrkraft, welche Macher und Dompteur ist und bei der sie nur lernen, wenn die Lehrkraft es verlangt.
Aus dem hermeneutischen Zirkel ist zu ersehen,
dass das Lernen ein ständig sich erweiternder Prozess ist, in dem
sich Lehrkräfte und Schüler ständig verändern und voneinander
lernen.
2.2 Die Bedeutung der Freiarbeit in der Gegenwart
Nach Klafki können in einer demokratischen Gesellschaft denkfähige, mitbestimmungsfähige und handlungsfähige Menschen ihre Bedürfnisse und Möglichkeiten nur verwirklichen, wenn sie untereinander kooperieren. Deshalb spielen für Klafki Bildungsfragen eine entscheidende Rolle, wenn das Individuum die Gesellschaft und die Zukunft mit gestaltet. Ein Zitat von Klafki verdeutlicht dies:
„Allgemeinbildung bedeutet, (...) ein geschichtlich vermitteltes Bewusstsein von zentralen Problemen der Gegenwart und - soweit voraussehbar - der Zukunft zu gewinnen, Einsicht in die Mitverantwortlichkeit aller angesichts solcher Probleme und Bereitschaft, an ihrer Bewältigung mitzuwirken.“ (Klafki, Neue Bildungstheorien und Didaktik, S. 56)
Nach Klafki muss die Gesellschaft die Probleme der Gegenwart - er nennt sie epochaltypische Schlüsselprobleme - bewältigen, um eine lebenswerte Zukunft in Aussicht zu haben. Schlüsselprobleme nach Klafki sind:
1. Die Friedensfrage, er fordert für
die Schule deshalb Friedenserziehung;
2. die Umweltfrage, er fordert für
die Schule Umwelterziehung;
3. die gesellschaftlich produzierte Ungleichheit;
4. die Gefahren der Medien;
5. das Problem zwischenmenschlicher Beziehungen.
Eine moderne Gemeinschaftsbildung muss sich meines Erachtens an den Schlüsselproblemen der Gegenwart orientieren. Es reicht nicht aus, die Schüler - wie bei Maria Montessori - nur in sozialen Rollen untereinander in Kontakt zu bringen. Gemeinschaftsbildung heißt auch Teilnahme und Nachdenken über Probleme der Gesellschaft. Die Probleme der Gesellschaft engen den Begriff „frei“ insofern ein, dass die Freiheit jedes einzelnen Individuums dort aufhört, wo ein anderes eingeschränkt oder gar benachteiligt wird. Die Stärkung des Ichs und des Individuums darf nicht dazu führen, dass Probleme der anderen übersehen werden. Eine völlig freie Auswahl der Inhalte durch die Schüler hätte zur Folge, dass die Wahl der Lerninhalte subjektiv gefärbt ist und gesellschaftliche Probleme übersehen werden. Die Wahl der Inhalte sollte so erfolgen, dass die Interessen aller Beteiligten, auch die eines Bildungsplanes, in Einklang gebracht werden.
Die Freiarbeit ist kein Patentrezept gegen
die vielen Probleme der Gegenwart. Sie alleine ist kein Mittel gegen Gewalt,
Rassismus oder gegen das Verschwinden der Wirklichkeit (Hentig) und die
Medienmanipulationen. Sie leistet jedoch einen ganz erheblichen Beitrag:
Sie macht den Schüler mündig und verantwortungsfähig, Lernprozesse
selbst zu steuern. Wer lernfähig ist, wird ein später auf ihn
zukommendes Problem leichter bewältigen.
Es wurde gezeigt, dass der Freiarbeit eine bestimmte Geisteshaltung zugrunde liegt. Die Freiarbeit ist keine beliebige Methode, trotzdem unterliegt sie bestimmten Gesetzen des methodischen Handelns. In dieser Hinsicht kann Freiarbeit folgendermaßen definiert werden. Freiarbeit ist:
| reine Freiarbeit | reduzierte Form | |
| Inhalte | frei wählbar | Auswahl aus vorgegebenen Inhalten |
| Zeit | frei einteilbar | Vorgabe eines Zeitrahmens |
| Methode | frei wählbar | Lernwegempfehlungen liegen vor |
| Niveau | individuelles Lernen | Vorbereitung zur Differenzierung: unterschiedliche Referate, etc. |
| Lehrerperson | zurückhaltend,
Entfaltung zulassend |
beratend, unterstützend |
4. Überlegungen zur Durchführung der Freiarbeit
4.1 Begründung der Freiarbeit für den Chemieunterricht
Die Postulate des klafkischen Bildungsbegriffes gelten für jedes Unterrichtsfach, also auch für den Chemieunterricht. Dieser sollte sich, wie alle Fächer, anderen Unterrichtsfächern öffnen.
Die Freiarbeit bietet auch für den Chemieunterricht eine Vielzahl von Möglichkeiten an. Viele Elemente des Chemieunterrichts wie fachpraktische Fertigkeiten, das Einüben instrumenteller Arbeitsweisen, das freie Experimentieren oder das Untersuchen von Stoffen und ihrer Eigenschaften lassen sich in Freiarbeit verwirklichen. Abstrakte Stoffinhalte wie die Atomtheorie oder die Einführung in naturwissenschaftliches Modelldenken halte ich jedoch für die Freiarbeit weniger geeignet.
Die Aufstellung von Zielekatalogen ist
immer problematisch. Trotzdem soll versucht werden, mögliche Ziele
der Freiarbeit für den Chemieunterricht zu formulieren. Die Auflistung
der Ziele zeigt, dass Freiarbeit sehr vielschichtig sein kann. Die Lernziele
dürfen allerdings nicht missbraucht werden, indem man sie absolutiert.
Sie sollten sich immer am Kinde, dem Jugendlichen und dem Lernenden individuell
orientieren. Der Zugewinn an Bildung für jeden einzelnen ist letztendlich
entscheidend und nicht das möglichst gleichrangige Erreichen eines
gemeinsamen Bildungszieles. Insofern ist eine Notengebung, welche sich
ausschließlich an dem Ziffernsystem orientiert und alle Beteiligten
gleichsetzt, für die Freiarbeit völlig unsinnig. Viel besser
ist die persönliche Rückmeldung in Form eines Gesprächs
oder einer ausführlichen Stellungsnahme.
Mögliche Ziele der Freiarbeit im Chemieunterricht
Bildungsziele:
4.2 Orientierung der am Lernprozess Beteiligten
Das Gelingen der Freiarbeit hängt von speziellen Merkmalen der Lernenden und der Lernumgebung ab. Arbeiten Sie die zehn Fragen des Fragekataloges durch!
Zu meiner Person
1. Was hat mich bewegt, diesen Aufsatz
zu lesen?
2. Wo stehe ich mit meinem Unterricht,
was möchte ich ändern?
3. Welche Bedenken habe ich gegen die
Freiarbeit?
4. Welche Kompetenzen als Lehrer oder
Lehrerin sollte ich vermitteln können?
5. Nennen Sie fünf Leitgedanken Ihres
Unterrichts!
6. Welche Ziele der Freiarbeit sagen mir
beim Lesen des Zielekataloges in besonderem Maße zu?
Zur Ausgangslage der Schüler und der Klasse
7. Wie stehe ich zu meiner Klasse und zu
einzelnen Schülern?
8. Wo sehe ich Probleme in meiner Klasse,
wenn ich Freiarbeit durchführe?
9. Was möchte ich mit der Freiarbeit
in meiner Klasse verändern oder erreichen?
10. Wo sehe ich weitere Probleme im Umfeld
der Klasse (Kollegen, Arbeitsteilung, Eltern, räumliche Gegebenheiten,
etc.)?
5. Die Organisation der Freiarbeit
5.1 Das Umfeld der Klasse
Ideal wäre, wenn die Freiarbeit von ganzen Umfeld der Klasse getragen würde. Zum Umfeld gehören die Arbeitskollegen, der Rektor, der Hausmeister, die Schule und die Eltern. Wenn Sie die Eltern von Ihrer Arbeit überzeugen können, dann erlangen Sie einen Bonus. Viele Eltern sind dann sogar bereit, aktiv an der Erstellung von Freiarbeitsmaterialien mitzuhelfen. Das Überzeugen der Eltern gelingt im Regelfall jedoch nur, wenn die Schüler hinter Ihrer Person und der Methode stehen.
Im Idealfall arbeiten mehrere Kollegen von verschiedenen Fächern zusammen. Dann besteht die Möglichkeit, die Freiarbeit fächerübergreifend anzulegen. Zur Materialerstellung können die Schüler beteiligt werden. Werden Stunden von mehreren Fächer zusammengelegt, besteht die Möglichkeit, eine Unterrichtseinheit im Block zu unterrichten. Außerdem kann es von Vorteil sein, feste und regelmäßige Freiarbeitsstunden innerhalb des wöchentlichen Stundenplanes fest einzuplanen.
Das Gewinnen der Akzeptanz von Kollegen ist oft mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden. Viele sperren sich gegen eine derartige Unterrichtsform, welche traditionelle und vielerorts festgefahrene Meinungen in Frage stellt. Leider sind viele Lehrer und Lehrerinnen nicht bereit, eigene Positionen neu zu überdenken, da sich ihr Unterrichtsprinzip schon längst bewährt hat, auch wenn es auf Ablehnung bei den Schülern stößt. Ich schlage hierfür zwei mögliche Wege vor:
1. Arbeiten Sie mit den Kollegen so offen
und kooperativ wie möglich. Dann fühlt sich niemand übergangen
und ausgegrenzt. Die kooperative Vorgehensweise ist jedoch nur bei einem
halbwegs offenen Kollegium möglich.
2. Versuchen Sie nicht, alteingesessene
und festgefahrene Kollegen zu überzeugen. Wer nicht mehr umdenken
will, wird es auch nicht, wenn Sie es versuchen. Lassen Sie derartige Kollegen
zu Ihrem eigenen Schutz in Ruhe und
arbeiten Sie nur mit Personen, welche Kooperationsfähigkeit und
Offenheit zeigen, zusammen.
5.2 Methodische Überlegungen
5.2.1 Handlungsformen und soziales Lernen
Die Aufstellung eines Planes zu Beginn des Schuljahres, welcher Überlegungen zur zeitlichen und methodischen Organisation für das laufende Schuljahr in einer Klasse beinhaltet, ist sehr sinnvoll. Die Umstellung von herkömmlichem Unterricht auf selbstverantwortende Arbeitsformen ist auch für die Schüler eine erhebliche Umstellung, vor allem dann, wenn sie derartige Arbeitsformen nicht gewohnt sind. Die Öffnung des Unterrichts beginnt nicht mit der Freiarbeit, sondern sie sollte schon vorher stattfinden. Eine wichtige Sozialform ist der Gesprächskreis oder Stuhlkreis. Hier tauschen die Schüler und Schülerinnen ihre Erlebnisse des vergangenen Wochenendes aus, sie kommen miteinander ins Gespräch und berichten sich über aktuelle Interessen und Gefühlsbeziehungen. Die durch den Gesprächskreis zustande kommende Atmosphäre einer gegenseitigen Verbindlichkeit und von Vertrauen wirkt sich sehr positiv auf die Lehrer-Schüler-Beziehung und auf die Schüler-Schüler-Beziehung aus, die beste Grundlage für das Gelingen des nachfolgenden Unterrichts.
Eine weitere Sozialform, welche sich zur Öffnung des Unterrichts eignet, ist die Partner- oder Gruppenarbeit. Die Schüler übernehmen kleinere Aufgaben, welche sie zusammen mit anderen vorbereiten sollten. Aufgabenstellungen mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten führen zu einer Differenzierung, welche ein wichtiger Bestandteil der Freiarbeit ist. Ausgehend von dem Leitgedanken, dass Lernen immer individuell ist - gebunden an Gemeinschaftserfahrung - gestattet eine Differenzierung dem Lernenden,
1. Im „Heft für Unterrichtsmitschriebe“
tragen die Schüler Tafelanschriebe und Unterrichtsinhalte,
welche frontal vermittelt wurden, ein.
2. Im „Heft für Schülerübungen“
notieren sich die Schüler in vorgefertigten Arbeitsblättern
Ergebnisse und Beobachtungen der Schülerübungen.
(Ich unterscheide zwischen „Schülerübung“ und
„Schülerexperiment“, siehe auch in meinem Artikel „Komplementäres
Verstehen und synoptisches Lernen“).
3. Im „Berichtsheft für Schülerexperimente“
dokumentieren die Schüler sämtliche Überlegungen,
Beobachtungen und Auswertungen zu ausgewählten
Experimenten, welche sie selbst geplant und/oder
durchgeführt haben. Ein wichtiges Merkmal dieses Heftes ist, dass
für die Experimente gerade kein
Arbeitsblatt vorliegt. Ausgangspunkt ist immer eine formulierte Problemstellung.
Die Schüler sollen die Experimentierergebnisse
schriftlich und graphisch dokumentieren und reflektieren.
In einer Klasse, welche die Freiarbeit nicht gewohnt ist, empfiehlt es sich auch, mit einem Lernzirkel einzusteigen. Der Lernzirkel ist eine freie Arbeitsform des Lernens in Stationen. Die Aufgaben der Stationen sollten nicht mehr als eine Viertelstunde in Anspruch nehmen. Bei der Freiarbeit können sich Schüler mit einem Posten auch mehrere Stunden beschäftigen, wenn er ansprechend gestaltet ist.
Die Lehrer-Schüler-Beziehung ist die
wichtigste Grundlage für das Gelingen der Freiarbeit (Näheres
siehe im Kapitel „Vorbereitete Umgebung, Lehrerpersönlichkeit“). Wichtig
ist auch die Vernetzung aller unterrichtlichen Aktionsformen. Gelingt das
Gespräch im Frontalunterricht nicht, werden sich voraussichtlich auch
bei der Freiarbeit Schwierigkeiten ergeben. Andererseits kann aber gerade
die Freiarbeit dazu beitragen, den „herkömmlichen“ Unterricht positiv
zu beeinflussen.
5.2.2 Fachliche Vorbereitungen
Der Einsatz der Freiarbeit im fachlichen Zusammenhang zu einer Unterrichtseinheit kann im Chemieunterricht unter verschiedenen Gesichtspunkten erfolgen:
Die Freiarbeit kann:
Bei der Durchführung von Freiarbeit können Umgangsregeln erarbeitet werden. Diese lauten beispielsweise:
5.2.4 Lernkontrolle durch Arbeitsplan und Arbeitsheft
Die Lernkontrolle wird durch einen Arbeitsplan, welcher im Raum aushängt, und durch das Arbeitsheft gesteuert. Am Lehrertisch befindet sich ein Korb, in den fertige Arbeiten gelegt werden können. Im Arbeitsheft sollen die Schüler folgende Einträge verbindlich vornehmen:
1. Titelblatt, Inhaltsverzeichnis
2. Einzelberichte: Tagesprotokoll:
Datum, Name des Postens, Zeitdauer
Kurzer Kommentar zum Posten (Kritik, Anregungen, Inhalte)
Arbeitsaufträge bearbeiten (wenn im Posten angegeben)
3. Abschlussbericht: nach Abschluss der Freiarbeitseinheit
Im Abschlussbericht reflektieren die Schüler über die Unterrichtseinheit:

5.2.5 Metakommunikation
Zur Lernkontrolle gehören auch regelmäßige „Fixpunkte“ in Form eines Gesprächs. In diesen Gesprächen können folgende Inhalte zur Sprache kommen:
5.2.6 Der Einstieg
Sobald die pägagogisch-methodische Vorbereitungsphase abgeschlossen ist, kann die Freiarbeit beginnen. Zur Einführung ist eine Vorbereitungsstunde, die eine Woche vor dem tatsächlichen Beginn liegen sollte, empfehlenswert:
1. Zuerst stelle ich den Schülern
die Materialposten, welche in einem Schrank numerisch geordnet
sind, vor. Die Aufmerksamkeit der Schüler richtet sich dadurch schon
zu Beginn auf das Material.
2. Dann zeige ich ihnen ein Übersichtsplakat
über die Materialposten und führe sie in die Benutzung
des Arbeitsplanes ein.
3. Im Anschluss daran erarbeite ich die
Umgangsregeln. Diese werden auf ein Plakat groß und deutlich
geschrieben.
4. Ich erläutere den Schülern,
was ich mir von der Anfertigung des Arbeitsheftes erwarte. Oft teile ich
auch ein Merkblatt mit den wichtigsten Anforderungen aus (Einzelberichte,
Abschlussbericht).
5. Am Ende fordere ich die Schüler
auf, bis zur nächsten Woche die Gruppen einzuteilen und
ein Arbeitsheft anzulegen.
Durch diese Vorgehensweise wird die Spannung
auf die erst in einer Woche beginnende Freiarbeit erhöht und Zielstrebigkeit
erreicht. Es genügen dann in der Regel nur noch kurze Hinweise, bevor
die Freiarbeit wirklich beginnt und der Schrank aufgeschlossen wird. Die
Gruppeneinteilung sollte dann aber geregelt sein. Die Ankündigung
zum Beenden einer Freiarbeitsstunde erfolgt etwa 5 Minuten vor dem tatsächlichen
Ende, damit die Gruppen genügend Zeit haben, um eine begonnene Arbeit
abzuschließen und aufzuräumen bzw. das Material auf Vollständigkeit
zu überprüfen.
6.1 Die Lehrkraft als Beraterin, Vermittlerin und Entfalterin
Die Lehrkraft ist ganz wesentlich am Geschehen der Freiarbeit beteiligt. Nur wenn sich eine positive Lehrer-Schüler-Beziehung bereits entwickelt hat, ist Freiarbeit überhaupt möglich.
Nach Montessoris Leitsatz „Hilf mir es selbst zu tun!“ ist die Lehrkraft Entfalterin derjenigen Möglichkeiten, welche im Kind verborgen sind. Sie schafft die vorbereitete Lernumgebung zur Entfaltung des Lernenden. Ausgehend von der Vorstellung, dass jeder Mensch bereits einen Bauplan in sich habe, ist das Erwecken der still schlummernden Kräfte im Menschen oberstes Ziel im Unterricht der Freiarbeit.
Die Lehrkraft berät die Schüler auf Wunsch oder nach eigenem Ermessen bei fachlichen und inhaltlichen Fragen, in Konfliktsituationen und bei Problemen der Schüler. Obwohl sie sich bei der Freiarbeit stark zurücknimmt und die Schüler sich vorwiegend direkt mit dem Material und den Inhalten beschäftigen, wird sie nie aus der Rolle der Vermittlerin von fachlichen Inhalten einerseits und kulturellen Normen andererseits aussteigen. Sie sorgt, zusammen mit den Schülern, dafür, dass Umgangsregeln eingehalten werden und dass etwas gearbeitet wird. Sie sucht geeignetes Material für die Freiarbeit aus und stellt es zur Verfügung. Sie bleibt Ansprechpartnerin für fachliche Fragen und Probleme. Bei Freiarbeit gilt natürlich das Gebot: zurückhaltend, viel Freiräume eingestehend, aber dennoch konsequent im Äußern von Erwartungen.
In der Freiarbeit ist die Lehrkraft mit ihrer ganzen Person gefordert. Sich in Schüler hineinversetzen zu können ist eine Grundvoraussetzung. Sie muss merken, wann sie sich zurücknehmen muss und wann welche Probleme auftauchen. Eine Voraussetzung für das Sich-zurücknehmen-Können ist die Fähigkeit, andere Personen unabhängig von seiner eigenen, egozentrischen Sichtweise sehen zu können. Sie braucht eine ganze Portion Selbstkritik- und Selbstreflexionsfähigkeit. Dadurch wird sie lernfähig und kann selbst zur Lernenden werden. Sie wird unabhängig von äußeren Abhängigkeiten, wenn sie ihre persönlichen Schwächen und „Schattenseiten“ kennt.
Trotz allem werden Lehrer und Lehrerinnen
Menschen mit Schwächen bleiben. Aber sie sollten auf jeden Fall Fachmann
und Fachfrau für das Lehren und Lernen sein und kompetent genug, um
Konfliktsituationen zu meistern. Wie man Konflikte analysiert und auf kooperativem
Weg löst, können Sie in meinem Beitrag
zur Konfliktbewältigung nachlesen.
6.2 Der Raum
Die Beziehung der Schüler zu dem sie beim Lernen umgebenden Raum wird oft unterschätzt. Ein Raum, in dem sich Schüler wohl fühlen, wirkt sehr positiv auf die Entwicklung der Schüler. Der Raum ist am Lernklima und am Klassenklima maßgeblich beteiligt. Ein enger, steriler Fachraum mit festgeschraubten Tischen wirkt auf Lernprozesse stark einengend. Die Grundregel für einen „idealen“ Raum bei der Freiarbeit lautet:
Die Schüler sollen sich im Raum frei bewegen und trotzdem einen Platz haben, zu dem sie sich zurückziehen und ungestört arbeiten können.
Ein Raum für die Freiarbeit im Chemieunterricht könnte folgendermaßen aussehen:
6.3 Das Material
An das Material, mit welchem die Schüler arbeiten, sollten bestimmte Ansprüche gestellt werden:
Das Übersichtsplakat, welches neben
dem Arbeitsplan an der Schranktür hängt, informiert kurz über
den Inhalt und den Aufgabenbereich jedes einzelnen Materialpostens. Es
wird von den Schülern vor jeder Materialauswahl gelesen. Die Lehrkraft
sollte sich auch überlegen, ob die Durchführung aller oder einer
Mindestanzahl der Materialposten verpflichtend ist.
7.1 Auswertung der Arbeit
Eine Zwischenbilanz wird von den Schülern in den immer wieder die Freiarbeit unterbrechenden Gesprächen gezogen. Sie berichten kurz über ihre bisherige Arbeit und stellen erste Ergebnisse vor. Die Einführung der Freiarbeit im Chemieunterricht im Gesamtzusammenhang könnte sich folgendermaßen darstellen:
1.-4. Unterrichtswoche:
„herkömmlicher“ Chemieunterricht
mit Fachinformationen und instrumentelle Einführung in chemische Arbeitsmethoden,
Beachtung von Sicherheitsvorkehrungen, Anlegen von Arbeitsheften (vgl.
mit Kapitel 5.2.1)
5. Unterrichtswoche: doppelstündiger Lernzirkel (z. B. „Der Stoffparcours“)
6.-8. Unterrichtswoche: Unterricht wie zu Beginn
ab 9. Unterrichtswoche: Freiarbeitseinheit z.B. Thema „Wasser“ oder „Feuer“
In einer Auswertungsstunde am Ende jeder Freiarbeitseinheit lesen sich die Schüler gegenseitig aus ihren Berichten vor und äußern Anregungen zu den einzelnen Posten. Die Berichte werden eingesammelt und durchgelesen. Sollen sie beurteilt werden, gelten folgende Kriterien:
7.2 Handlungsorientierung
Die Schüler sollten immer wieder ermuntert werden, eigenes Material oder eigene Freiarbeitsposten zu basteln und herzustellen.
Eine wirkliche Handlungsorientierung ist nur erreicht, wenn eine getane Arbeit zu einer längerfristigen Veränderung innerhalb und außerhalb des Unterrichts führt. Unter Veränderung ist jede Form einer neuen Erkenntnis oder eines Lernzuwachses im Sinne des hermeneutischen Zirkels zu verstehen. Nach John Dewey ist ein „Denkakt“, und im übertragenen Sinne ein Lernabschnitt, erst dann abgeschlossen, wenn er in der Wirklichkeit überprüft und praktisch erprobt wurde.
Der in der Freiarbeit stattfindende Lernprozess
sollte innerhalb und außerhalb des Unterrichts zu Veränderungen
führen. Wenn die Schüler beginnen, selbst Material herzustellen
und den Unterricht mit ausgestalten, hat eine Veränderung im Sinne
Deweys stattgefunden.
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