Was versteht man unter
dem Begriff „Lernzirkel“?
Beim Lernzirkel oder
beim Stationenlernen werden bestimmte Einzelaufgaben oder Teilgebiete in
einer bestimmten Auswahl oder Reihenfolge bearbeitet. Die Materialien sind
so aufbereitet, dass die Schülerinnen und Schüler möglichst
selbständig damit arbeiten können.
Der Schrank
Die einzelnen Stationen
befinden sich nummerisch geordnet in einem Schrank, der sich im Idealfall
im Fachraum selbst befindet. Aber auch ein fahrbarer Wagen mit Fachböden,
bestückt mit den einzelnen Lernstationen wäre denkbar. Bei Klassengrößen
mit 30 Schülerinnen und Schüler ist es von großem Vorteil
jede Station dreimal bereitzustellen. Dies verhindert Staus und lange Wartezeiten.
Bei kleineren Klassenstärken bis 20 Teilnehmer reicht es aus, die
Stationen zweimal anzubieten.
Die Ankündigung zur
Beendigung der Lernzirkelarbeit sollte etwa 5-10 Minuten vor dem tatsächlichen
Ende erfolgen, damit die Gruppen noch genügend Zeit haben, um eine
begonnene Arbeit abzuschließen, aufzuräumen und das Material
ordentlich in den Stationskisten zu verstauen.
Selbstkontrolle
Das Prinzip der Selbstkontrolle
spielt bei offen angelegten Unterrichtsformen wie der Lernzirkelarbeit
eine große Rolle. Ich habe meinen Schülern „Musterlösungen“
zu allen Stationen an zwei Computerarbeitsplätzen angeboten. Die Schülerinnen
und Schüler hatten somit die Möglichkeit während und nach
der Bearbeitung einer Lernstation, ihre Ergebnisse und Lösungen mit
den Musterlösungen zu vergleichen und gegebenenfalls zu verbessern
oder zu ergänzen. Da nicht in allen Chemieräumen Computerarbeitsplätze
bereitstehen, ist es alternativ auch möglich, Musterlösungen
auszudrucken und auszulegen.
Bei offen angelegten
Unterrichtsformen differiert die Arbeitsgeschwindigkeit der Lernenden oft
stark. Die Lehrkraft sollte sich während der Lernzirkelarbeit nicht
zurücklehnen und untätig sein. Es ist wichtig, dass sie den Lernenden
das Gefühl gibt, für sie da zu sein und ihnen bei Bedarf als
Hilfe und Ansprechpartnerin dient. Sie sollte sich ein Bild über die
Arbeitsgeschwindigkeit der einzelnen Gruppen machen. So kann sie auf besonders
schnelle Arbeitsgruppen angemessen reagieren, in dem sie diesen nach Bearbeitung
aller Stationen eventuell eine weitere Station zukommen lässt. Sie
sollte für solche Gruppen aber auf jeden Fall weitere Aufgaben parat
haben. Langsame Arbeitsgruppen, die aber stetig arbeiten, sollten meiner
Meinung nach nicht ständig auf ihre Arbeitsgeschwindigkeit angesprochen
werden, es sei denn die Unterschiede zu anderen Arbeitsgruppen sind zu
gravierend. Die Lehrkraft sollte zurückhaltend agieren, den Schülern
viele Freiräume eingestehen und dennoch konsequent im Äußern
von Erwartungen sein.
Eine Möglichkeit schnelle Arbeitsgruppen weiterzubeschäftigen sind Lernspiele. Sie orientieren sich in der Regel an bekannten Brett- oder Kartenspielen und fassen die Unterrichtsinhalte nochmals spielerisch zusammen. Ich habe mit dem Einsatz solcher Spiele gute Erfahrungen gemacht.
Bei der Durchführung
offen angelegter Arbeitsformen ist es meiner Meinung nach von großem
Vorteil, wenn dem Lehrenden eine Doppelstunde zur Verfügung steht.
Versuche, die sich über eine Unterrichtsstunde erstrecken, können
dann auch mit in die Vorplanung einbezogen werden. Außerdem sollte
man den Schülern nicht ständig das Gefühl geben unter Zeitdruck
zu arbeiten, denn dies widerspricht dem Prinzip offener Arbeitsformen.
Eine Lehrkraft, die gelegentlich offene Arbeitsformen im Unterricht einsetzt,
sollte sich deshalb bereits vor Schuljahresbeginn für eine Doppelstunde
im Stundenplan einsetzen.
| 1. Stunde | Einführung |
| 2. + 3. Stunde | Arbeiten an den Lernstationen |
| 4. + 5. Stunde | Arbeiten an den Lernstationen |
| 6. + 7. Stunde | Arbeiten an den Lernstationen |
| 8. + 9. Stunde | Arbeiten an den Lernstationen |
| 10. + 11. Stunde | Arbeiten an den Lernstationen + Lernspiel |
| 12. Stunde | Zusammenfassung: Stoffe erkennen / trennen (Arbeitsblatt auf CD) |
| 13. Stunde | Abgabe Berichtshefte oder Klassenarbeit |
Pädagogisch didaktische Intentionen
Ein Ziel meines Unterrichts
ist es, die Schüler in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu fördern.
Außerdem kommt es darauf an, den Lernenden, chemische Denk- und Arbeitsweisen
nahe zubringen und dabei auch die kulturelle Bedeutung der Chemie und des
chemischen Wissens bewusst zu machen. Ich setze bereits im Anfangsunterricht
eine Arbeits- und Lernform ein, die das Interesse möglichst vieler
Schüler trifft und sie durch Selbsttätigkeit in den Unterricht
einbindet.
Nach der Arbeit an den
einzelnen Stationen habe ich 85 Schülerinnen und Schüler der
8. Klassen einen Fragebogen zum Ankreuzen über die Lernzirkelarbeit
ausgeteilt und anschließend ausgewertet. Es wird empfohlen, eine
solche Rückmeldung generell bei offenen Unterrichtsformen einzuholen.
Bestimmt spielt auch die Lehrerpersönlichkeit eine Rolle, mit welchem
Erfolg unterrichtet wird.
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| Wie hat dir die Arbeit an den Stationen rückblickend insgesamt gefallen? |
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| Hast du dich auf die Unterrichtsstunden mit dem Lernzirkel eher gefreut oder warst du froh, als die Unterrichtsstunden vorbei waren? |
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| Warst du während der Lernzirkelarbeit mehr motiviert zu arbeiten, als sonst im gewöhnlichen Chemieunterricht? |
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| Hast du durch die Arbeit an den Stationen etwas gelernt oder bist du der Meinung, dass sich dein Wissen nicht großartig erweitert hat? |
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| Verstehst du dich mit deinem Gruppenpartner nach der Lernzirkelarbeit eher besser oder schlechter? |
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| Wie fandest du die Gestaltung der einzelnen Stationen? |
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| Fandest du die Aufgabenstellungen auf den Arbeitskarten verständlich? |
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| Waren die einzelnen Versuche interessant? |
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| Würdest du so etwas gerne wieder einmal machen? |
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| Kannst du die Lernzirkelarbeit zur Nachahmung für andere Schüler empfehlen? |
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| Wenn du den Unterricht mitgestalten könntest, würdest du als Lehrer dann mehr Arbeitsformen anbieten, in denen sich die Schüler selbständig, ohne den ständigen Einfluss des Lehrers mit einer Sache beschäftigen könnten? |
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| Macht dir der Chemieunterricht eigentlich Spaß? |
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Nach Abschluss einer durchgeführten
Lernzirkelarbeit ist es im Hinblick auf einen nachhaltigen Lernerfolg sehr
wichtig, die Arbeit an den Stationen nicht als solche stehen zu lassen.
Es ist nun vielmehr Aufgabe der Lehrkraft die zu erarbeitenden Problemstellungen
der einzelnen Stationen noch einmal gemeinsam mit den Schülern durchzugehen,
um Missverständnisse durch Rückfragen auszuräumen, vorhandenes
Wissen zu festigen und durch neue Anwendungsbeispiele zu vertiefen. Dabei
sollte die Lehrperson darauf achten, die Bedeutung der Problemstellungen
aus den Stationen für das Leben der Schüler herauszustellen und
ihnen weitere Einsatzmöglichkeiten der einzelnen Verfahren aufzeigen.
Ferner möchte ich
allen, die diese Arbeit lesen und sich entschließen, die Lernzirkelarbeit
im Unterricht auszuprobieren bitten, zunächst ihre eigene Position
als Lehrperson zu überdenken. Für ein Gelingen einer offen angelegten
Unterrichtsform ist es unbedingt erforderlich, dass die Lehrperson auch
hinter der Methode steht und diese mit ihrer Auffassung von Unterricht
vereinbaren kann. Die Schülerinnen und Schüler werden sonst sehr
schnell merken, dass dem Lehrenden diese Methode eigentlich gar nicht am
Herzen liegt. Letztendlich liegt es an der Persönlichkeit jedes einzelnen,
eine für sich ansprechende Art des Unterrichtens für sich und
seine Schüler zu finden.
Alle für die Durchführung der Lernzirkel im Unterricht benötigten Materialien sind auf einer CD-ROM gegen eine geringe Gebühr plus Porto und Versandkosten erhältlich. Es handelt sich dabei um Word-Dokumente, die sich bequem verändern und an die Rahmenbedingungen an jeder Schule anpassen lassen, beispielsweise:
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